An diesem Tag

Eugen Loderer

Deutscher Gewerkschafter (1920–1995)

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Eugen Loderer (* 28. Mai 1920 in Heidenheim an der Brenz; † 9. Februar 1995 in Planegg) war ein deutscher Gewerkschaftsfunktionär. Von 1972 bis 1983 war er Vorsitzender der IG Metall.

Eugen Loderer wurde als zweites gemeinsames Kind des Arbeiters Magnus Loderer (* 1876) und der im Jahr 1882 geborenen Arbeiterin Magdalena Loderer (geb. Walz) 1920 in der schwäbischen Industriestadt Heidenheim an der Brenz geboren. Außer dem acht Jahre älteren Bruder Georg hatte Eugen Loderer mit Albertine noch eine 14 Jahre ältere Halbschwester, die seine Mutter mit in die 1911 geschlossene Ehe gebracht hatte. Nach dem Willen ihrer erwerbstätigen Eltern hatte sich Albertine in den ersten drei Jahren nach der Geburt ihres jüngsten Geschwisterkindes um dessen Erziehung zu kümmern.

Eugen Loderer litt als Kind unter den von Armut und emotionaler Kälte geprägten Verhältnissen seiner Herkunftsfamilie. Bereits als Schüler musste Eugen im eigenen Haushalt mithelfen und darüber hinaus auch beim Chef seiner Mutter „ins Laufhaus gehen“, also Hilfsdienste aller Art erledigen. Des Öfteren kam es vor, dass der Junge von seinen Eltern verprügelt wurde.

Im katholischen Kindergarten und in der ebenfalls katholischen Schule wurde das Arbeiterkind Eugen Loderer autoritär gemaßregelt. Seine ihrerseits autoritätshörig eingestellten Eltern waren zwar politisch nicht aktiv, im Unterschied zu dem seit Ende des 19. Jahrhunderts sozialistisch geprägten Arbeitermilieu der Heidenheimer Oststadt aber praktizierende Katholiken. Eugen Loderer selbst war als Schüler Mitglied bei den katholischen Pfadfindern St. Georg.

Lehre, Lohnarbeit, Kriegsdienst

Nach achtjährigem Volksschulbesuch begann Eugen Loderer im April 1935 eine Lehre als Metallgewebemacher in Heidenheim. Unter Verweis auf seine katholische Sozialisation zögerte Loderer zwar zunächst, sich der Hitlerjugend anzuschließen, war aber später eineinhalb Jahre Mitglied der Marine-HJ, bevor er dieser Organisation 1937 aus „innerer Distanz zum NS-Regime“ den Rücken kehrte.

Nach Beendigung seiner Lehre arbeitete der 17-jährige Eugen Loderer weiter in der Metalltuchfabrik Oberdorfer, bevor er im Frühjahr 1940 zum Kriegsdienst einberufen wurde. Loderer entschied sich, zur Kriegsmarine zu gehen und wurde im Juni 1940 zur Ausbildung erst nach Stralsund und später nach Kiel abkommandiert.

Von September 1940 bis Februar 1942 wurde Loderer in Nieuwpoort stationiert, einem Fischerort im besetzten Belgien. Nach seiner Ausbildung zum Unteroffizier beorderte ihn die Kriegsmarine ins besetzte Frankreich. In der Küstenstadt Lorient und später im Fischerort Bénodet war eine Flottille mit Minensuchbooten stationiert, deren Aufgabe darin bestand, deutschen U-Booten Geleitschutz zu geben. Am 1. Oktober 1942 wurde Loderer bei einem Fliegerangriff am Unterarm leicht verwundet. Er war bis Dezember 1942 dienstunfähig. Durch den Kriegsdienst als Besatzungssoldat der deutschen Wehrmacht hatte sich seine anfängliche Distanz zum NS-Regime deutlich verringert.

Zwischen Mai und Dezember 1944 erwarb Loderer bei einem mehrmonatigen Lehrgang im westpreußischen Gdingen das Obersteuermannspatent. Die letzten Monate seines Kriegsdienstes leistete Loderer im von deutschen Truppen besetzten Kopenhagen ab, wo er am 8. Mai 1945 in britische Kriegsgefangenschaft geriet.

Einstieg in Gewerkschafts- und Parteiarbeit

Nach seiner Freilassung aus dreimonatiger Kriegsgefangenschaft arbeitete Eugen Loderer ab dem 1. November 1945 wieder als Metalltuchweber bei seinem alten Arbeitgeber, dem Heidenheimer Metallbetrieb Oberdorfer. Zum gleichen Zeitpunkt trat er dem neu gegründeten Industrie-Verband Eisen und Metall, einer Vorgängerorganisation der IG Metall, bei.

Im Frühjahr 1946 wählte die Oberdorfer Belegschaft Loderer zum Betriebsratsvorsitzenden. Über seinen Betrieb hinaus machte sich Loderer als engagierter Interessenvertreter einen Namen. Dadurch gewann er auch die Aufmerksamkeit von Sigmund Löwi, einem ehemaligen DMV-Funktionär und Exilanten, der als Geschäftsführer der Heidenheimer Metallgewerkschaft zu Loderers „erstem innerverbandlichen Mentor“ wurde.

Auf Löwis Vorschlag hin wurde Eugen Loderer am 1. Juli 1947 Organisationssekretär in der Heidenheimer Verwaltungsstelle. Loderer konzentrierte sich zunächst auf jugendpolitische Gremienarbeit und knüpfte von hier aus auch Kontakte zu anderen hauptamtlichen Gewerkschaftern der Region, beispielsweise zum Kommunisten Willi Bleicher.

Aus einem Richtungsstreit zwischen sozialdemokratischen und kommunistischen Metallgewerkschaftern in Heidenheim ging die sozialdemokratisch orientierte Fraktion, zu der auch Eugen Loderer bereits gezählt werden konnte, Ende der 1940er-Jahre gestärkt hervor.

Nach einjähriger Geschäftsführertätigkeit wurde Eugen Loderer im August 1950 zum Heidenheimer Bevollmächtigten der IG Metall gewählt. Zu Beginn von Loderers Amtszeit wurden auch in der Heidenheimer IG Metall kommunistische Funktionäre im Zeichen des Kalten Krieges aus der Organisation gedrängt oder politisch marginalisiert.

Loderer war seit 1951 Mitglied der SPD, wurde für die Partei Gemeinderatsmitglied und 1955 auch stellvertretender Ortsvereinsvorsitzender in Heidenheim. 1956 kandidierte er erfolglos für den Landtag von Baden-Württemberg. Außerdem war Loderer in den 1950er-Jahren Vorsitzender der örtlichen Naturfreunde, Mitglied des Beirats der IG Metall sowie der Tarifkommission Stuttgart. Darüber hinaus fungierte er in seiner Heidenheimer Zeit als ehrenamtlicher Arbeitsrichter, saß im Verwaltungsausschuss des Aalener Arbeitsamtes, in der Selbstverwaltung der Heidenheimer OK und im Aufsichtsrat der Heidenheimer Konzerthausgesellschaft.

In Übereinstimmung mit dem bundesdeutschen Trend konnte die Heidenheimer IG Metall im Verlauf der Amtszeit Eugen Loderers ihre Mitgliedszahlen von 5500 zu Beginn der 1950er-Jahre auf über 10.000 gegen Ende des Jahrzehnts in etwa verdoppeln. In der örtlichen Metallindustrie lag der Organisationsgrad bei 60 Prozent und unter den Arbeitern sogar bei 75 Prozent.

Nach Einschätzung seines Biografen Klaus Kempter erwarb sich Eugen Loderer in seiner Zeit als 1. Bevollmächtigter der Verwaltungsstelle Heidenheim „den Ruf eines tüchtigen, agilen und pflichtbewussten Gewerkschafters, der aufgrund seines forschen Auftretens und der Tatsache, dass er im Kreis der hauptamtlichen Funktionäre immer noch zu den Jungen gehörte, immer wieder in die Diskussion kam, wenn es um höhere Aufgaben ging.“

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