Erwin Franz Ludwig Bernhard Ernst, Graf und Herr von Neipperg (* 6. April 1813 in Schwaigern, Württemberg; † 2. März 1897 ebenda) war ein österreichischer General der Kavallerie.
Er war ein Sohn des Generals Adam Albert von Neipperg (1775–1829) aus dessen erster Ehe mit Gräfin Theresia Pola di Treviso (1778–1815). Während dessen Nachkommen aus zweiter Ehe mit Marie-Louise von Österreich den Seitenzweig der Grafen von Montenuovo bildeten, ging die Stammlinie der Grafen von Neipperg an die Kinder aus erster Ehe, und damit vor allem an Erwins älteren Bruder Alfred von Neipperg (1807–1865). Da Alfred kinderlos blieb und erkrankte, außerdem zwei weitere Brüder bis 1850 verstorben waren, übernahm Erwin von Neipperg schon in den 1850er Jahren teilweise den Familienbesitz, der ihm nach dem Tode seines Bruders zufallen würde. 1865 wurde er erblich ernanntes Mitglied der württembergischen Kammer der Standesherren. Dort hatte er bereits seit 1856 seinen Bruder Alfred vertreten.
Er hatte wie seine Brüder und mehrere seiner Vorfahren die österreichische Militärlaufbahn eingeschlagen und die Ingenieurschule in Wien besucht. Er trat dann aber in ein kaiserliches Kavallerie-Regiment ein und war schon vor dem Jahr 1848 Rittmeister und Escadronskommandeur im 2. Chevauxlegers-Regiment. Er wurde dann Major und im Jahr 1849 Oberstleutenant im Regiment, im Jahr 1850 aber Oberst und Kommandeur des 2. Dragoner-Regiments. Er blieb dort vier Jahre, bis er am 27. Juli 1854 zum Generalmajor befördert wurde. Anschließend wurde er Brigadier im 9. Armeecorps und wechselte nun mehrmals, so wurde er im Jahr 1858 Brigadier im 1. Armeekorps, im Jahr 1859 im 3. Armeekorps und im Jahr 1860 im 1. Kavallerie-Armeekorps.
Am 19. März 1863 wurde er Feldmarschalllieutenant und Kommandeur der Kavallerie-Division in Ödenburg. 1865 wurde er dem 6. Armeekorps-Kommando zugeteilt und im Jahre 1866 Festungskommandant der Bundesfestung Mainz.
Während des Deutschen Krieges von 1866 wurde er Kommandant der 4. Division beim VIII. Bundes-Armeekorps. Dieses bestand aus einer österreichischen und einer nassauischen Brigade sowie den beiden kurfürstlich hessischen Husaren-Eskadronen. Mit Ausbruch des Krieges wurde die nassauische Brigade mit dem Kommandeur Generalmajor von Roth nach Nassau zurückbeordert.
Die Division wurde über Darmstadt nach Aschaffenburg kommandiert, wo sie am 14. Juli 1866 das Gefecht bei Aschaffenburg verlor.
Danach war er Kommandant der 14. Division in Preßburg. Dort kam es anlässlich eines Balls des Honvet-Vereins zu einem Eklat. Es war bereits alles für ein Duell zwischen dem Vorsitzenden des Honvéd-Vereins Herrn Udvárnoky und Neipperg vorbereitet. Nur das Eingreifen des späteren ungarischen Ministerpräsidenten Béla Wenckheim im Auftrag des Kaisers konnte eine Beruhigung der Lage erreichen.
Neipperg kam am 27. Februar 1869 dann nach Wien. 1870 erfolgte die Beförderung zum General der Kavallerie. 1873 wurde er Mitglied im Orden vom Goldenen Vlies. 1878 trat er aus dem Militär aus, um sich künftig den Besitztümern am Stammsitz Schwaigern widmen zu können.
Erwin von Neipperg heiratete am 19. April 1845 erstmals Gräfin Henriette von Waldstein-Wartenberg (* 23. Dezember 1823; † 8. Juli 1845 in Fulnek), doch die Braut starb nach drei Monaten an Fieber. Am 25. August 1852 heiratete er erneut Prinzessin Maria Rosa von Lobkowitz (* 13. Juni 1832 in Wien; † 15. Februar 1905 ebenda). Beide Gattinnen entstammten dem Umkreis des Wiener Hofadels. Der zweiten Ehe entsprangen zwei Töchter und ein Sohn:
Reinhard (* 30. Juli 1856 in Horin; † 15. Januar 1919 in Schwaigern) ⚭ Gräfin Gabriela Ida von Waldstein-Wartenberg (* 19. August 1857; † 28. Oktober 1948)
Anna Bertha (* 7. August 1857 in Prag; † 9. April 1932 in Komotau) ⚭ Fürst Ferdinand Zdenko von Lobkowitz (* 23. Januar 1858; † 22. Dezember 1938)
Hedwig (* 22. Juli 1859 in Horin; † 23. Oktober 1916 in Aulendorf) ⚭ Graf Franz-Xaver von Königsegg-Aulendorf (* 29. Dezember 1858; † 26. April 1927)
Reinhard folgte dem Vater in der Stammfolge und in mehreren Ämtern nach.
Durch Großherzog Adolph wurde er am 19. März 1892 in den Nassauischen Hausorden vom Goldenen Löwen aufgenommen.
Ferner war er Inhaber zahlreicher Orden:
Großkreuz des Stephan-Ordens und des Leopolds-Ordens (mit Kriegsdekoration)
Ritter der eisernen Krone 1. Klasse (mit Kriegsdekoration)
Militärverdienstkreuz (mit Kriegsdekoration)