An diesem Tag

Erster Weltkrieg außerhalb Europas

Weltweite Nebenkriegsschauplätze in den Jahren 1911 bis 1923

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Der Erste Weltkrieg außerhalb Europas umfasste zahlreiche Nebenkriegsschauplätze des Ersten Weltkriegs. Es kam unter anderem zu Kampfhandlungen um die deutschen Kolonien in Afrika, Asien und im Pazifik. Die meisten deutschen Überseegebiete wurden nach kurzen Kämpfen von der Entente und ihren Verbündeten eingenommen. Die Kolonialstreitkräfte waren nicht für den Krieg gegen äußere Gegner vorgesehen gewesen und die deutschen Territorien waren sämtlich von Gebieten unter Kontrolle der Entente umgeben, die dazu auch die Kontrolle über die Seewege innehatten. Lediglich in Ostafrika dauerten die Kampfhandlungen über das Jahr 1916 hinaus an. Die letzten Einheiten der dortigen Schutztruppe kapitulierten erst nach dem offiziellen Waffenstillstand in Europa.

Weitere Kriegsschauplätze außerhalb Europas lagen im Kaukasus sowie in den orientalischen Gebieten des Osmanischen Reiches (Hedschas, Levante, Mesopotamien). Außerdem kam es vor allem in Afrika und Asien zu Agententätigkeiten, Nachrichtenmissionen sowie Unterstützungsaktionen zur Anregung von Aufständen.

Kriegsschauplätze in und bei den deutschen Kolonien

Der Erste Weltkrieg an Kolonialschauplätzen spielte für den Kriegsverlauf nur eine untergeordnete Rolle. Das Deutsche Kaiserreich hatte aufgrund der erschwerten Erreichbarkeit und Versorgungslage kaum die Möglichkeit, seine Kolonien dauerhaft zu verteidigen. Die Streitkräfte waren nicht für äußere Konflikte angelegt, sondern dienten der Machterhaltung im Inneren. Das Parlament in Berlin war außerdem der Meinung, dass sich das Schicksal der Kolonien auf den europäischen Schlachtfeldern entscheiden würde. Zudem hoffte man auf die Kongoakte von 1885, in der sich die europäischen Mächte verpflichtet hatten, einen Krieg nicht auf die Kolonien auszuweiten.

Zu den Deutschen Kolonien gehörten: der Marinestützpunkt Kiautschou in Nordchina, die pazifischen Inselgebiete Deutsch-Neuguinea und Deutsch-Samoa sowie die afrikanischen Kolonien Togo, Kamerun, Deutsch-Südwestafrika und Deutsch-Ostafrika. Die Gesamtfläche dieser Gebiete betrug 2.953.000 km² (ca. das Achtfache des heutigen Deutschlands), die Gesamteinwohnerzahl über 12 Millionen.

Die Schutztruppen in den drei großen afrikanischen Kolonien zählten insgesamt etwa 15.000 Mann, die eigentlich nicht für kriegerische Konflikte stationiert waren, sondern die Herrschaft sichern und Aufstände durch Einheimische verhindern sollten. In den kleineren Kolonien gab es lediglich Polizeieinheiten. Die ohnehin schon hohen Verwaltungskosten sollten nicht noch durch eine große Streitmacht ins Unermessliche steigen. Die Kapitulation der deutschen Kolonien war zu Beginn des Ersten Weltkrieges eine Frage der Zeit.

Kiautschou, das erst 1897 von China für 99 Jahre gepachtet worden war, stellte einen Ausnahmefall dar, da es nicht wie alle anderen Kolonien dem Reichskolonialamt, sondern als Flottenstützpunkt dem Reichsmarineamt unterstand. 1914 war das III. Seebataillon dort stationiert, dessen 1.500 Mann zu Kriegsbeginn um 3.400 Mann verstärkt wurden (ein chinesisches Angebot der Verstärkung durch mehrere zehntausend Mann wurde ignoriert). Am 15. August 1914 richtete Japan, das in der anglo-japanischen Allianz mit dem Vereinigten Königreich verbündet war, ein Ultimatum an Deutschland und verlangte darin die Abtretung des Pachtgebietes, welches aber vom Gouverneur Alfred Meyer-Waldeck unbeantwortet blieb. Daraufhin kam es am 23. August zur Kriegserklärung Japans an Deutschland. Da Wien sich weigerte, den Kreuzer Kaiserin Elisabeth aus Tsingtau abzuziehen, erklärte Japan auch Österreich-Ungarn den Krieg; der Verbleib des Kreuzers in Tsingtau wurde als ausdrücklicher Wunsch von Kaiser Wilhelm II. angesehen. Die Flugzeuge des japanischen Flugzeugmutterschiffes Wakamiya schrieben Marinegeschichte als erste Flugzeuge, die erfolgreich von einem Schiff aus Land- und Seeziele angriffen. Der österreichisch-ungarische Kreuzer Kaiserin Elisabeth und das deutsche Kanonenboot Jaguar wurden vor Tsingtau am 6. September 1914 Ziel des ersten seegestützten Luftangriffes in der Geschichte, beide Schiffe wurden dabei nicht getroffen. Gemeinsam mit britischen Truppen schlossen die Japaner das gesamte Pachtgebiet von der Land- (über das neutrale China) und Meeresseite ein. Nach tagelangem Artilleriebeschuss und einem vergeblichen Generalangriff der Alliierten am Geburtstag des japanischen Kaisers Yoshihito, ging die Munition der Verteidiger zu Ende, so dass Meyer-Waldeck am 7. November 1914 kapitulierte. Von den 4.900 Verteidigern fielen 224, von 53.000 Angreifern 519 Mann.

Die deutschen Verteidiger wurden nach Japan in Kriegsgefangenschaft verbracht. Sie lebten dort in mehreren Lagern und wurden teilweise erst 1920 entlassen. Die bekanntesten Lager hießen Matsuyama und Bandō.

Deutsch-Neuguinea erreichte erst am 5. August 1914 die Meldung, dass in Europa Krieg ausgebrochen war. Als Vizegouverneur Eduard Haber, der seit Frühjahr 1914 den wegen einer Erkrankung beurlaubten Gouverneur Albert Hahl vertrat, einige Tage später von einer Expedition ins Landesinnere von Kaiser-Wilhelms-Land zurückkehrte, wurden 50 bewaffnete Deutsche, darunter 2 Offiziere, sowie 240 Mann melanesische Polizeikräfte mobilisiert.

Kaiser-Wilhelms-Land und Bismarck-Archipel

Nachdem bereits kleine australische Vorkommandos am 12. August 1914 die Fernsprechvermittlungsstellen in Rabaul und Herbertshöhe zerstört hatten, erreichten Anfang September 1914 australische Streitkräfte das Kaiser-Wilhelms-Land und Bismarck-Archipel. Die Gesamtstärke umfasste etwa 6.000 Soldaten, ein Schlachtkreuzer, zwei Kreuzer, drei Zerstörer und die einzigen beiden australischen U-Boote. Die Funkstation in Bitapaka bei Herbertshöhe sollte als Nachrichtenpunkt für das ostasiatische Kreuzergeschwader des Grafen von Spee dienen. Dazu musste sie möglichst lange gehalten werden. Die Station wurde mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln in den Verteidigungszustand versetzt. Schützengräben wurden angelegt und die Straße zur Küste an einigen Stellen mit selbstgebauten Sprengladungen vermint. Rund 1.500 australische Freiwillige wurden auf die Einnahme der Funkstation angesetzt. Bereits den Spähtrupps gelang es, die deutschen Stellungen zu überraschen. Etwa ein Viertel der melanesischen Polizeitruppe ergab sich oder flüchtete gleich bei Gefechtsbeginn. Nach einem fünfstündigen Kampf ergaben sich die Verteidiger. Bei den Kämpfen starben 30 Einheimische, ein Deutscher und sechs Australier. Bei der Kollision eines der australischen U-Boote mit einem anderen australischen Schiff starben weitere 35 Australier. Ein Teil der kleinen deutsch-melanesischen Truppe zog sich ins Landesinnere zurück, doch am 17. September 1914 entschloss sich Vizegouverneur Haber zur Kapitulation. Die deutschen Regierungsschiffe Nusa und Komet wurden durch das Australische Expeditionskorps am 13. September 1914 beschlagnahmt bzw. am 9. Oktober 1914 aufgebracht.

Am 21. September 1914 erfolgte die Übergabe der verbliebenen, sogenannten „gesamten bewaffneten Macht des Schutzgebietes“ – fünf Offiziere, 35 deutsche und 110 melanesische Bewaffnete – an den australischen Oberbefehlshaber. Die übrigen Ortschaften auf Kaiser-Wilhelms-Land und im Bismarck-Archipel wurden nacheinander kampflos von australischen Streitkräften besetzt. Als letzte deutsche Regierungsstation wurde am 11. Januar 1915 Morobe besetzt.

Die Kapitulationsbedingungen waren sehr milde: Die deutschen Beamten wurden mit drei Monatsgehältern ins Deutsche Reich zurückgeschickt, deutsche Gesetze und Währung blieben vorerst bestehen.

In der Provinz Morobe versteckte sich der deutsche Hauptmann Hermann Detzner mit wenigen Mann im Busch und kapitulierte erst im November 1918.

Die deutschen Inseln in Mikronesien wurden unter anderem wegen der Bodenschätze auf Angaur und Nauru besetzt. Außerdem nutzte Japan die Gelegenheit, seinen pazifischen Einflussbereich nach Süden auszudehnen, nachdem Großbritannien zunächst zögerlich agierte.

Auf der Insel Yap zerstörten die Mannschaften der britischen Kreuzer Minotaur und Hampshire am 12. August 1914 das dort einmündende Seekabel und die Funkstation, ohne die Insel zu besetzen. Daraufhin wurde deutscherseits unter Zuhilfenahme der Ausrüstung des Vermessungsschiffs SMS Planet eine Ersatzfunkstation errichtet, die man jedoch beim Erscheinen japanischer Kriegsschiffe im Oktober 1914 selbst zerstörte. Am 9. September erreichte der britische Kreuzer Melbourne die Insel Nauru, wobei nur die Funktechnik unbrauchbar gemacht wurde. Sogar die deutsche Flagge durfte vorerst weiter wehen. Ähnliches ereignete sich auf der Insel Angaur. Dort traf am 26. September der australische Kreuzer Sydney ein. Ein Landungstrupp des Kreuzers beschlagnahmte die Funkausrüstung in so großer Eile, dass sie nach Abzug des Schiffes von den Inselbewohnern leidlich wiederhergestellt werden konnte. Endgültig besetzt wurde Angaur dann am 9. Oktober durch die Japaner. Auch alle anderen deutschen Inseln in Mikronesien, bis auf Nauru, wurden kampflos von japanischen Truppen besetzt, zuletzt die Insel Rota am 21. Oktober 1914. Die Insel Nauru, die wegen ihres Phosphatreichtums begehrt war, wurde am 6. November 1914 von britisch-australischen Kräften aus Rabaul kommend vollständig in Besitz genommen. Am kommenden Tag wurde die britische Fahne gehisst. Meistens erfolgte die Übergabe der jeweiligen Insel an die eintreffenden Besatzer unverzüglich. Lediglich auf Ponape zog sich der Assessor Josef Köhler mit einer Truppe von 50 einheimischen Polizisten in den Busch zurück, bis er die Aussichtslosigkeit seiner Lage einsah. Der deutsche Hilfskreuzer Cormoran operierte mehrere Monate in mikronesischen Gewässern, wurde aber mangels Kohlenachschub und Versenkungserfolge Ende 1914 in Guam interniert.

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