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Erste Internationale Dada-Messe

Ausstellung vom 30. Juni bis zum 25. August 1920 in Berlin

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Die Erste Internationale Dada-Messe war eine von Dadaisten organisierte Ausstellung. Sie fand vom 30. Juni bis zum 25. August 1920 in Berlin statt und wurde von der Galerie Dr. Otto Burchard veranstaltet. Die Messe war mit ihren Ausstellungsobjekten eine Absage an die bürgerliche Kultur, bildete jedoch eine Dokumentation künstlerischer Kreativität, welche die Dada-Revolte freigesetzt hatte und deren Impulse die weitere Entwicklung der modernen Kunst inspirierten. Als Beispiele sind die Pop Art, die Konzeptkunst und die Objektkunst sowie der sich von Paris aus den Ideen und meist spontanen Arbeitstechniken der Dadaisten entwickelnde Surrealismus zu nennen, indem von den Pariser Dadaisten diese Techniken systematisiert wurden.

Am 5. Februar 1916 gründeten Hugo Ball und Emmy Hennings, die, bedingt durch den Ersten Weltkrieg, in die neutrale Schweiz emigriert waren, in einer Zürcher Bar das Cabaret Voltaire – benannt nach dem Philosophen Voltaire, in dessen Auffassung von Gesellschaft als „ce théâtre et d’orgueil et d’erreur“ (diese Bühne von Hochmut wie von Irrtum) die Dadaisten einen kritischen Ansatz sahen, den sie als antideutschen Effekt nutzten – um über einen Ort für ihre Veranstaltungen und Ausstellungen zu verfügen. Hier trafen erstmals Hans Arp, Sophie Taeuber, Richard Huelsenbeck, Marcel Janco und Tristan Tzara zusammen; diese Begegnungen werden heute als der Beginn von Dada angesehen.

Das Cabaret, das ungefähr sechs Monate bestand, war eine Mischung aus Kunstsalon und literarischem Kabarett; dort trafen sich junge Dichter und Künstler, die ihre Werke vortrugen, ihre Bilder zeigten oder musizierten. Nach dem Ersten Weltkrieg entstanden in Frankreich, Deutschland und in den Vereinigten Staaten erste Dada-Galerien, Dada-Zeitschriften wurden herausgegeben und Dada-Manifeste veröffentlicht. Unabhängig von Zürich folgte in New York eine Freundesgruppe, der Marcel Duchamp, Francis Picabia, Man Ray und andere angehörten, mit ähnlichen Gedanken der Vorstellung, die herkömmliche Malerei von der allzu starken Verherrlichung der persönlichen Handschrift zu befreien, und „stellten ihr eine Ideenkunst entgegen, bei der, wie bei den Ready-mades von Duchamp, die handwerkliche Leistung des Künstlers überhaupt ausbleiben konnte.“ In Köln veranstalteten Hans Arp und Max Ernst erste dadaistische Versammlungen. In Berlin gründeten Richard Huelsenbeck, der 1917 das Wort Dada von Zürich nach Berlin mitgebracht hatte, und Raoul Hausmann im Januar 1918 den Club Dada: eine lose Gruppe ohne Regeln, Satzungen, Statuten oder festes Programm. Mitglieder waren unter anderen die Künstler George Grosz, Hannah Höch und John Heartfield, sowie zeitweilig Franz Jung, Walter Mehring und Erwin Piscator. In diesem Umfeld tat sich der von Wieland Herzfelde begründete Malik-Verlag mit der Veröffentlichung diverser, meist kurzlebiger Dada-Zeitschriften wie Jedermann sein eigner Fussball und Die Pleite hervor. In Die Pleite wurden einige von Grosz’ Karikaturen und Hausmanns Aufsätzen veröffentlicht. Hausmann verfolgte dabei eine politisch-ästhetische Programmatik, die er in Manifesten betonte. Dabei ging er vor allem die Expressionisten an, indem er fragte: „Ist denn auch nur eins ihrer Kunstwerke lebendiger als eine Ankleidepuppe? Was, Herr Nachbar, Sie sagen der Geist im Kunstwerk? Ich pfeife auf diesen blöden Blick! Die Phantasie der Brennschere, des Heißlufthaartrockners und elektrischen Bügeleisens ist notwendiger als die Phantasie des Künstlers.“

Der Berliner Dadaismus bildete keinen Abklatsch der Zürcher Gruppe – die Nachkriegssituation war mit der Schweiz nicht vergleichbar – vielmehr bildeten die Berliner Dadaisten in Literatur und Bildender Kunst in ihrem illusionslosen Kriegsbild einen Gegensatz zur Mehrheit der Expressionisten, die den Weltkrieg als Gottesgericht und Läuterung der Menschheit auf dem Weg zum irdischen Paradies ansahen. Die radikale Verweigerung von „Sinn“ war zudem eine gegen den Expressionismus gerichtete Forderung.

Nach einigen Dada-Tourneen durch Dresden, Leipzig, Prag, Karlsbad, Hamburg und Teplitz-Schönau im Frühjahr 1920 begann die Organisation der Dada-Messe, die zugleich die letzte öffentliche Formwerdung von Berlin-Dada werden sollte. Die Hauptveranstalter der Ausstellung waren „Marshall“ George Grosz, „Dadasoph“ Raoul Hausmann und „Monteurdada“ John Heartfield. Die Dadaisten hatten kein formuliertes Programm, waren sich jedoch weitgehend in dem Punkt einig, dass eine aktionistische Anti-Kunst geschaffen werden sollte, in deren Folge die bürgerliche Kultur zerschlagen würde. Die Dada-Messe sollte zum Brennspiegel von Dada Berlin werden, der die aktionistischen Impulse in einem gesamtkünstlerischen Raum bündelte.

Ebenso sagten die Dadaisten den etablierten Kunstformen den Kampf an. Durch eine ironische Synthese von Primitivem, Banalem und moderner Technik versuchten sie die Sinnlosigkeit von Logik, Intellekt und bürgerlicher Kultur zu verdeutlichen. Lärmmusik, Simultanvorträge, Zufallsgedichte, Fotomontagen und Collagen aus Zeitungsausschnitten, Fotos und Alltagsgegenständen gehörten zu ihren Ausdrucksmitteln.

Die Veranstalter gewannen Otto Burchard, Galerist und Leiter einer Filiale des Kunsthandels van Diemen, zur Mitarbeit; er wurde zum „Finanzdada“ ernannt.

Burchard stellte die Räume seiner Galerie im Hinterhof des Hauses am Lützow-Ufer 13 zur Verfügung. Eigens für die Presse wurde ein Fotograf bestellt, der die Eröffnung der Messe mit Aufnahmen nachinszenierte, die die Aussteller vor ihren Werken zeigten.

Der großformatige, in seiner Erscheinung an eine Zeitung erinnernde vierseitige Katalog erschien vierzehn Tage nach Eröffnung der Ausstellung. Verzeichnet wurden 174 dadaistische „Erzeugnisse“ von insgesamt 27 Ausstellern. Die Titelseite zeigte John Heartfields Leben und Treiben in Universal-City, 12 Uhr 5 mittags. Die Innenseiten enthielten eine von Raoul Hausmann verfasste Kritik, in der die Ausstellung im Vorfeld zerrissen wurde, „sowie zwei Abbildungen von korrigierten Meisterwerken nach Picasso und Rousseau, signiert mit ‚Grosz-Heartfield mont.‘“ Das „mont.“ steht für „pinx.“ (lateinisch pinxit = gezeichnet) und bedeutet nicht nur in einer Collagetechnik montiert, sondern nimmt auch Bezug auf die Kleidung des „Monteurdada“, der immer in einem blauen Monteuranzug herumlief, denn er betrachtete sich nicht als Künstler, sondern als Techniker. Wenig später sah Bertolt Brecht sich als „Ingenieur“ und zog den Vergleich vom Aufbau eines Dramas zum Konstruktionsplan eines Autos.

Die Gleichsetzung von Kunst und Technik war eine Absage an die Vorstellung, Kunst sei eine geniehafte Schöpfung. Maschinen statt Seelen, objektive Materialien an Stelle individueller Pinselführung – so lautete das von den Dadaisten vertretene Programm. Mit einem großen Pappschild, auf dem Die Kunst ist tot. Es lebe die neue Maschinenkunst Tatlins stand, ließen sich Grosz und Heartfield auf der Messe vor dem wildgewordenen Spießer Heartfield, einer gemeinsam umgestalteten Schneiderpuppe, fotografieren. Als Kopf diente der Puppe eine Glühbirne, zwischen den Beinen war ein Gebiss eingeklemmt, und auf der Brust prunkte neben rostigem Essbesteck der Schwarze Adlerorden, auf dem Bauch die Nummer „27“. Der Spießer Heartfield, so die Aussage, ist „kein Mensch mit Verstand, sondern manipulierbar. Sein Gehirn kann nach Belieben an- und ausgeknipst werden.“ Eine Klingel ersetzte den linken Arm, den rechten ein Revolver.

Nicht nur die Urdadaisten, wie die Veranstalter sowie Johannes Baader und Hannah Höch, waren auf der Ausstellung vertreten, zudem zeigten Hans Arp, „Dadamax“ Max Ernst, der „Zentrodada“ Johannes Theodor Baargeld, Alois Erbach, Rudolf Schlichter, Georg Scholz, Fritz Stuckenberg, Hans Heinz Stuckenschmidt und Otto Dix ihre Werke. Ebenso wie Francis Picabia, der Gemälde und seine 1917 erschienene Zeitschrift 391, die in Titel und Aufmachung bewusst auf die hauseigene Zeitschrift der Galerie 291 anspielte, präsentierte, beteiligte sich Richard Huelsenbeck als Autor mit seinem dadaistischen Roman Deutschland muß untergehen. Walter Serner stellte ein Fotoporträt aus, und Hugo Balls Gedicht Karawane war auf einem Blatt des Dadaco, ein geplanter, aber niemals realisierter Dadaistischer Handatlas, abgedruckt; lediglich Kurt Schwitters, der Huelsenbeck als „bürgerlich-romantischer Spinner“ galt, wurde die Beteiligung an der Messe untersagt. Man Ray, Marcel Duchamp und Tristan Tzara waren ebenfalls nicht vertreten.

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