Errol Leslie Thomson Flynn (* 20. Juni 1909 in Hobart, Tasmanien, Australien; † 14. Oktober 1959 in Vancouver, Kanada) war ein australisch-US-amerikanischer Filmschauspieler. In den 1930er- und 1940er-Jahren avancierte er als Abenteuerheld in Klassikern wie Unter Piratenflagge, Robin Hood – König der Vagabunden und Der Herr der sieben Meere zu einem der bekanntesten Hollywood-Stars. Seine letzten Lebensjahre waren durch nachlassenden schauspielerischen Erfolg, finanzielle Probleme und seine Alkoholkrankheit geprägt.
Kindheit, Abenteurerleben und erste Kontakte zur Filmindustrie (1909–1934)
Errol Flynn wurde als Sohn des renommierten Meeresbiologen Theodore Thomson Flynn (1883–1968) und dessen Frau Lily Mary Young in einem Vorort der tasmanischen Hauptstadt Hobart geboren; er hatte eine jüngere Schwester, Rosemarie. Die vielbeschäftigten Eltern, die beide in Australien geboren worden waren und englische, irische und schottische Vorfahren hatten, waren für ihren Sohn häufig nicht verfügbar. Während der junge Errol sich in Sportarten wie Tennis, Schwimmen und Boxen hervortat, galt er als eher fauler Schüler und musste die Schule mehrfach wechseln. Zwischen 1923 und 1925 besuchte er die Privatschule South-West London College bei London in England, anschließend kehrte er wieder nach Australien zurück, wo er die Sydney Church of England Grammar School besuchte und Klassenkamerad des späteren Politikers John Gorton war. Im Alter von knapp 17 Jahren musste er wegen eines Diebstahls und einer Affäre mit der Wäscherin der Schule die Schule verlassen und fortan in Australien selbst seinen Lebensunterhalt verdienen. In der Folge handelte er sich in Sydney gar Haftstrafen ein und arbeitete unter anderem als Gigolo, bevor er seine Heimat verließ.
Bis zum Alter von 20 Jahren lebte Errol Flynn in Neuguinea, wo er im Regierungsauftrag die indigene Bevölkerung mit der Kultur der Kolonialherren bekannt machen sollte. Er versuchte sein Glück mit dem Aufbau einer Tabakplantage sowie als Goldsucher, Kupferschürfer und Wilderer. Flynn erzählte in seiner Biografie später, dass er auf einer seiner Expeditionen an der Grenze zu Niederländisch-Neuguinea nach einem Speerangriff durch eine Gruppe von Einheimischen in Notwehr einen Mann erschossen habe und wegen Mordes angeklagt worden sei. Er soll sich selbst verteidigt haben und freigesprochen worden sein, nachdem man den von Speeren durchbohrten Körper seines Begleiters an der bezeichneten Stelle gefunden habe. Allerdings wurde die Geschichte später als zumindest teilweise erfunden dargestellt.
Ersten Kontakt mit der Filmindustrie hatte Flynn, als er mit seinem ersten Boot, The Maski, ein Filmteam, das Hintergrundmaterial für eine Hollywood-Produktion filmen sollte, den gefährlichen und völlig unbekannten Fluss Sepik hinaufschiffte. Ein Mitglied der Filmcrew notierte seinen Namen und bot ihm einige Zeit später seine erste Spielfilmrolle an. Zu diesem Zeitpunkt litt Flynn bereits an Malaria, die später auch bei Dreharbeiten anfallsweise auftrat.
Zurück in Australien lebte er an der Armutsgrenze, unter anderem in einer Unterkunft namens Sailor’s Rest in Woolloomooloo. 1930 verkaufte er seinen Goldclaim in Neuguinea und erstand vom Erlös seine erste Segelyacht, den Zweimaster Scirocco, der im Hafen von Sydney ankerte. Er steuerte die Yacht selbst nach Neuguinea, wo er seine Tabakplantage aufbaute. Dort erreichte ihn 1932 sein erstes Rollenangebot, die Rolle des Fletcher Christian in In the Wake of the Bounty. Weitere frühe Rollen erhielt er, nachdem er an einem Casting von Regisseur Charles Chauvel teilgenommen hatte und mit seinem blendenden Aussehen und seiner smarten Ausstrahlung aufgefallen war.
Durchbruch als Filmstar (1934–1941)
Flynn setzte sein unstetes Leben für kurze Zeit als freier Journalist beim Sydney Bulletin fort. Zunehmend unzufrieden ging er aber noch im selben Jahr nach England und nahm Schauspielunterricht. Er schloss sich der „Northampton Repertory Company“ an, mit der er 1934 beim Malvern Festival, in Glasgow und im Londoner West End auftrat. Durch seinen zweiten Film, die britische Produktion Murder at Monte Carlo (1935), kam er in Kontakt mit Warner Bros., erhielt einen Halbjahresvertrag und eine Fahrkarte nach Hollywood. Auf der Reise in die Vereinigten Staaten lernte er die französische Schauspielerin Lili Damita (1904–1994) kennen, die seine erste Frau wurde. Wegen seiner zahlreichen Affären kam es zu heftigen Auseinandersetzungen, die sich nach der Scheidung 1942 in jahrelangen Prozessen um Unterhaltszahlungen fortsetzten.
Aus dem smarten, sportlich durchtrainierten Flynn wurde schließlich der Prototyp des verwegenen Draufgängers in Hollywood. Er spielte vornehmlich in Abenteuer- und Piratenfilmen, und zu einem guten Teil konnte er dabei auf eigene Erfahrungen zurückgreifen. Nach kleinen Nebenrollen in zwei unbedeutenden Filmen erhielt er 1935 die Hauptrolle in Unter Piratenflagge, mit der ebenfalls noch weitgehend unbekannten Olivia de Havilland an seiner Seite. Der Film wurde ein großer Erfolg, ein Traumpaar war geboren. Errol Flynn und Olivia de Havilland drehten bis 1941 zusammen acht Filme und wurden beide zu Stars. Er drehte reihenweise Kassenerfolge, darunter das Kriegsdrama Der Verrat des Surat Khan (1936), der Abenteuerfilm Robin Hood – König der Vagabunden (1938), der Western Herr des wilden Westens (1939), das Historiendrama Günstling einer Königin (1939) mit Bette Davis sowie der Piratenfilm Der Herr der sieben Meere (1940). Bei den meisten seiner Filme stand er unter der Regie von Michael Curtiz. Es kam jedoch zu immer stärkeren Spannungen zwischen dem undisziplinierten Flynn und dem autoritären Curtiz.
Große Erfolge und erste Probleme (1941–1949)
Ab 1941 arbeitete Flynn daher mit anderen Regisseuren zusammen, am häufigsten mit Raoul Walsh. Walsh und Flynn drehten bis 1948 mehrere erfolgreiche Filme, darunter Sein letztes Kommando, Der freche Kavalier, Der Held von Burma und Der Herr der Silberminen.
Im Zweiten Weltkrieg fand er trotz Bemühungen keine Aufnahme in die US-Streitkräfte, da er an Tuberkulose und Malaria litt und bereits einen Herzinfarkt erlitten hatte, was aber von seiner Filmfirma Warner Brothers der Öffentlichkeit nicht preisgegeben wurde, weil man Flynn weiterhin als athletischen Draufgänger besetzen wollte. Die Nichtteilnahme am Krieg legte in der allgemeinen patriotischen Begeisterung einen Schatten auf sein Image, von dem es sich nie mehr ganz erholte. Dennoch leistete er als Darsteller in Filmen mit klarem patriotischem Duktus seinen Beitrag zum Sieg der Alliierten an der „Heimatfront“, so in Sabotageauftrag Berlin, Aufstand in Trollness, Blutiger Schnee, Auf Ehrenwort und Der Held von Burma.
Bereits Anfang des Jahres 1942 wurde Flynn angeklagt wegen angeblicher Unzucht mit zwei Minderjährigen während einer Party auf seinem Schiff Scirocco, wurde aber in allen Anklagepunkten freigesprochen. Der Prozess markierte den Beginn einer lebenslang anhaltenden persönlichen Krise, die zunehmend von heftigem Wodkakonsum gekennzeichnet war. Sein Freund David Niven berichtet in seinen autobiografischen Erinnerungen, dass Flynn bereits um sieben Uhr morgens am Beginn eines Drehtages ein erstes Glas Wodka, gemischt mit Zitronenlimonade, trank.
Seiner Beliebtheit als Hollywood-Actionheld schadete der Prozess in den freizügigen Kriegsjahren jedoch wenig („in like Flynn“ wurde danach in den USA sprichwörtlich). Während dieser Zeit lernte er seine zweite Frau, Nora Eddington, kennen, mit der er zwei Töchter hatte, Deirdre und Rory. Gleichzeitig legte er sich in den Hügeln von Hollywood das Anwesen Mulholland House zu (7740 Mulholland Drive, 1988 abgerissen), auf dem er strikt von seinen Ehefrauen getrennt das Leben eines Junggesellen führte und das der Schauplatz legendärer Männerpartys mit vielen jungen Frauen war. Wie sein Freund David Niven war er Mitglied im Hollywood Cricket Club.
Nach Ende des Krieges änderte sich der Publikumsgeschmack; statt Abenteuer- und Historienfilmen wünschte man nun düstere Kriminalfilme und Musicals. Es gelang Flynn jedoch nicht, in diesen Genres zu überzeugen. Sein Alkohol- und Drogenkonsum verstärkte sich im Laufe der Jahre und begann unübersehbare Spuren zu hinterlassen. Sein letzter künstlerischer Erfolg in den USA war 1948 der Film Die Liebesabenteuer des Don Juan unter der Regie von Vincent Sherman, der aber trotz guter Kritiken kommerziell scheiterte. Seine Ehe mit Nora Eddington wurde 1949 geschieden.