Ernst Freiherr von Wolzogen (* 23. April 1855 in Breslau; † 30. Juli 1934 in München) war ein Schriftsteller, Verlagslektor und Gründer eines der ersten literarischen Kabarette in Deutschland.
Ernst von Wolzogen stammte aus niederösterreichischem Adel und wurde von einer englischen Gouvernante erzogen. Seine Eltern waren der Theaterintendant Alfred von Wolzogen (1823–1883) und dessen zweite Ehefrau Florenz Harriet Anne Houssemayne Du Boulay (1830–1862).
Er studierte deutsche Literatur, Philosophie und Kunstgeschichte in Straßburg und Leipzig. Danach war er Vorleser des Großherzogs von Sachsen-Weimar-Eisenach. 1882 siedelte er nach Berlin über, wo er zunächst Verlagslektor und dann freier Schriftsteller wurde. 1891/92 war er mit Martin Greif und Hermann Heiberg Mitglied im Vorstand des Vereins für Bücherfreunde.
Von 1892 bis 1899 lebte er in München, wo er die Freie Literarische Gesellschaft gründete und Mitglied der Gesellschaft zur Förderung geistiger Interessen der Frau wurde. Für seinen Roman Das Dritte Geschlecht (1899) dienten ihm die Münchner Bohème und Frauenbewegung als Vorbild, u. a. gelten die mit Wolzogen befreundeten Frauenrechtlerinnen Franziska zu Reventlow und Sophia Goudstikker als Vorbilder der Protagonistinnen. Der satirisch-bissige Schlüsselroman wurde ein Bestseller und popularisierte so die 1898 von Elsa Asenijeff geprägte Bezeichnung Drittes Geschlecht für Personen, die sich traditionellen Geschlechterrollen verweigern.
Nachdem er nach Berlin zurückgekehrt war, rief Wolzogen 1901 mit dem Überbrettl das erste deutsche Kabarett ins Leben. Die Idee dazu entnahm er aus dem Roman Stilpe des mit ihm befreundeten Otto Julius Bierbaum. Der Name des Kabaretts war allerdings eventuell als ironische Anspielung auf Friedrich Nietzsches Begriff des „Übermenschen“ gedacht und brachte Wolzogen den Namen „Brettl-Baron“ ein. Sein Projekt der Kleinkunstbühne musste er nach anfänglichen großen Erfolgen auf Grund wirtschaftlicher Schwierigkeiten 1902 beenden. 1905 zog er nach Darmstadt. Nach einem erneuten Versuch, in Berlin eine Theaterbühne zu gründen, ging er 1918 schließlich nach Bayern und ließ sich in Puppling bei Wolfratshausen nieder.
Bereits im Roman Der Erzketzer (1910) zeichnete sich Wolzogens Hinwendung zu völkischen und antisemitischen Auffassungen ab. Als Gegner der Weimarer Republik schrieb er ab 1921 antidemokratische Kabarettverse. Im November 1932 publizierte er im Völkischen Beobachter einen Wahlaufruf für Hitler, in dem Hitler als „Der Kandidat der deutschen Geisteswelt“ bezeichnet wurde.
Ernst von Wolzogen lebte in Puppling bei Wolfratshausen und starb am 30. Juli 1934 in der Münchner Poliklinik. Sein Grab befindet sich auf dem Friedhof Kalbsrieth.
Ernst von Wolzogen war seit 1902 mit der Sängerin Elsa Laura von Wolzogen geb. Seemann verheiratet. Aus seiner früheren Ehe mit Marie geb. Catel stammen die Tochter Sigrid (1886–1918), Mutter des Filmregisseurs Wolfgang Becker, sowie der Filmproduzent und Regisseur Hans von Wolzogen (1888–1954).
Als Schriftsteller verfasste Wolzogen vor allem sozialkritische Romane; seine Autobiographie Wie ich mich ums Leben brachte ist nicht nur stark konservativ gefärbt, sondern auch deutlich antisemitisch.
In der Sowjetischen Besatzungszone wurden seine Schriften Mein Vortragsbuch (1922) und Wie ich mich ums Leben brachte (1923) sowie in der Deutschen Demokratischen Republik Wenn die alten Türme stürzen (1925) auf die Liste der auszusondernden Literatur gesetzt.
Die Kinder der Excellenz. Roman. Engelhorn, Stuttgart 1888 (Engelhorns Allgemeine Romanbibliothek)
Die tolle Komteß. Roman, 1889.
Die kühle Blonde. Berliner Sittenbild in zwei Bänden. Engelhorn, Stuttgart 1891 (Engelhorns Allgemeine Romanbibliothek)
Erlebtes Erlauschtes Erlogenes. Berlin 1892.
Der Thronfolger. Roman in zwei Bänden. Engelhorn, Stuttgart 1892. 152 S. (Engelhorns Allgem. Romanbibliothek, Salon-Ausgabe Nr. 3)
Das gute Krokodil und andere Geschichten aus Italien. 1893.
Die Entgleisten. Eine Katastrophe in sieben Tagen nebst einem Vorabend. 1894.
Die Erbschleicherinnen. Roman in zwei Bänden. Engelhorn, Stuttgart 1895.