An diesem Tag

Ernst Schulze (Dichter)

Deutscher Dichter der Romantik

Anúncio

Ernst Conrad Friedrich Schulze (* 22. März 1789 in Celle; † 29. Juni 1817 ebenda) war ein deutscher Dichter der Romantik.

Ernst Schulze wurde als Sohn des Celler Bürgermeisters Ernst Friedrich Wilhelm Schulze geboren. Als er zwei Jahre alt war, starb seine Mutter. Um seine Erziehung konnten sich seine nachfolgenden Stiefmütter kaum kümmern. Die Schule – er besuchte das Celler Ernestinum – konnte diese Mängel zunächst nicht ausgleichen.

Einerseits fand er Erfolg in der Rolle eines tollkühnen Rädelsführers im Kreis seiner Altersgenossen, andererseits begab er sich in eine neue poetische Welt, indem er sich als Sechzehnjähriger in Rittergeschichten, Feenmärchen und verschiedenste französische Literatur vertiefte sowie auf einsamen Wanderungen Moor- und Heidelandschaften durchstreifte.

Trotz dieser Tendenzen konnte Schulze als einer, „den seine Imagination in Tändeleyen und Träumereien einwigt, und es ihm nicht möglich läßt, für die Vorträge seiner Lehrer aufmerksam zu sein“, mit Hilfe der Schule etwas Ordnung in sein Leben bringen.

Mit 17 Jahren schrieb sich Schulze an der Theologischen und der Philosophischen Fakultät der Georg-August-Universität Göttingen ein. Bereits im ersten Semester widmete er sich hauptsächlich der Philosophie, Philologie, Literaturgeschichte und Ästhetik und gab 1808 das Theologiestudium auf. Hier wurde er Mitglied des Corps Hannovera. In seiner späteren Promotionsschrift listete er wichtige Anregungen während des Studiums auf: das elegante Schreiben in der Muttersprache, das Lesen und Interpretieren des Neuen Testamentes und der Propheten, das Erlernen des Hebräischen, die Beschäftigung mit lateinischen Poeten und Schriftstellern – zumal Horaz, Vergil, Tacitus, Vellejus, Catull und Cicero – und mit der Literatur von Petrarca bis in die Moderne sowie mit der griechischen Poesie. Er studierte weitgehend selbstbestimmt und vernachlässigte die Vorlesungen. Schließlich entschloss er sich zu einem Brotstudium der Altphilologie, wohl wissend, dass es zu einer Selbstentfremdung von seinem Selbstverständnis als Poet kommen konnte. Seine ersten Sonette, Episteln und Elegien legte er Friedrich Bouterwek vor, einem seiner Professoren, dem er vertraute und der nach Schulzes Tod dessen erster Biograph wurde. Bouterwek veröffentlichte Schulzes Psyche, eine Nachdichtung von Apuleius’ Amor und Psyche, 1808 und 1810 in Teilen und 1819 im gesamten. Sein Urteil über Schulzes frühe Dichtungen lautete: „im Ganzen unbezweifelbare Beweise von wahrem Dichtertalent.“

Nach einem fast fünfjährigen Studium beantragte Schulze im Juni 1811 gleichzeitig Promotion und Habilitation bei der Philosophischen Fakultät. Eine voreilig gedruckte, als verworren angesehene Dissertationsschrift wurde nicht berücksichtigt. Stattdessen absolvierte Schulze eine Inauguraldisputation über elf vorgelegte, philosophische Thesen. Noch am Tag der Disputation, am 30. Januar 1811, wurde ihm das Diplom seiner Promotion ausgestellt. Die Erlaubnis zu dozieren erhielt er im März 1812, nachdem er seine dafür eingereichte Venia-Dissertation erfolgreich verteidigt hatte.

Privatdozent und liebender Verehrer Cäcilie Tychsens

Schulzes erste Vorlesungen spiegeln zwar sein persönliches, poetologisches Interesse, langweilten ihn aber letztlich:

„Ueber die Geschichte der lyrischen Poesie bey den Griechen“

„Metrik […] und Prometheus des Aeschylus“

Wichtiger als seine ersten beruflichen Schritte als Privatdozent wurde seine Liebe zu Cäcilie (eigentlich Cecilie) Tychsen, der Tochter des Orientalisten und Theologen Thomas Christian Tychsen, die er kurz nach seiner Promotion als knapp 17-Jährige kennengelernt hatte. Cäcilie und ihre Schwester Adelheid (eigentlich Adelheit) galten als schön, musisch begabt und gebildet und wurden von vielen Männern der Göttinger Gesellschaft verehrt. Schulzes Leben wurde während seiner einjährigen Bekanntschaft mit Cäcilie grundlegend verändert. Auch sein Dichten erlebte eine Wende. Die unheilbar an Lungentuberkulose erkrankte Cäcilie rückte ins Zentrum seiner romantischen Sehnsucht. Aus tändelnden Empfindungen wurde für ihn unerwartet eine ernste Liebe, die er poetisch überhöhte. Cäcilie starb am 3. Dezember 1812. Wenig später schrieb Schulze:

Auch bei ihm hatte sich zwischenzeitlich eine „Schwindsucht“ manifestiert.

Fortan wurden Schulzes Leben und Dichten von seinen Gedanken an die Geliebte bestimmt, selbst als er schließlich Cäcilie in deren Schwester Adelheid wiedergefunden zu haben glaubte und diese mit seiner Liebe bestürmte.

1813 gelang es ihm, die seinem Förderer Bouterwek gewidmeten, frühen, meist vor 1813 entstandenen Gedichte, darunter die zwei Zyklen Elegieen und Episteln, erscheinen zu lassen.

Teilnahme an den Befreiungskriegen

Cäcilie hatte die Franzosen als Besatzer gehasst und Schulzes frankophile und kosmopolitische Ansichten abgelehnt. Daher fühlte er sich im Gedenken an die Tote gedrängt, am Befreiungskampf gegen die Franzosen teilzunehmen. Ab Dezember 1813 leistete er ungefähr ein halbes Jahr lang freiwilligen Kriegsdienst. Wegen seiner fortschreitenden Tuberkulose konnte er sich in dieser Zeit, vor dem eigentlichen militärischen Einsatz, für knapp zwei Monate im Hause seines Mentors Friedrich Bouterwek erholen und arbeitete an dem im Januar 1813 begonnenen, seine verstorbene Geliebte glorifizierenden Epos Cäcilie weiter. Im Grubenhagenschen Jägerbataillon des Oberforstmeisters und Oberstleutnants Carl von Beaulieu-Marconnay nahm er schließlich an einigen Gefechten der Befreiungskriege teil.

Unvereinbarkeit von Beruf und Dichtung

Bereits im ersten Berufsjahr hatte sich Schulzes geringes Engagement als Privatdozent und Wissenschaftler abgezeichnet. Nach der Rückkehr aus dem Kriegsdienst verstärkte sich diese Tendenz. Er stellte die Aufgaben des Gelehrten zurück und vertiefte sich bis zur Besessenheit in seine poetische Produktion. Die Hoffnung, eine Professur zu erhalten, zerschlug sich. Die zuständige Landesregierung war nicht davon zu überzeugen, dass er eine erfolgreiche Laufbahn als forschender und lehrender Altphilologie hätte beschreiten können. Er selbst verfolgte dieses Vorhaben nur halbherzig. Zu sehr stand er im Bann der Arbeit an seinen großen Versepen Cäcilie und Die bezauberte Rose. Daneben verfasste er weitere, kleinere Zyklen und Einzelgedichte, die oft um sein eigenes Befinden und seine Liebe zu Cäcilie bzw. Adelheid und um Liebe, Entsagung und Tod kreisen. Sein Tagebuch und seine Briefe, die bisher allerdings nur auszugsweise veröffentlicht worden sind, ergänzen die Gedichte. Sie zeigen ein hohes Maß an Selbsterkenntnis und Selbstanalyse und bestätigen seine innerlich zerrissene Verfasstheit, die auch im Äußeren zum Ausdruck kam. Auffallend häufig erwähnte er in vertraulichen Äußerungen seine verschiedenartigen Charaktere oder Rollen und jene Probleme, die ihm sein Rollenspiel einbrachte.

Anúncio

Bald in der World in Stories App

Audio, Offline-Download, keine Werbung und mehr.

Premium entdecken
Ernst Schulze (Dichter) | World in Stories