Ernst Constantin Ranke (* 10. September 1814 in Wiehe; † 30. Juli 1888 in Bertrich) war ein deutscher evangelischer Theologe.
Ernst Ranke wurde als jüngster Sohn des Rechtsanwalts Gottlieb Israel Ranke (1762–1836) und seiner Frau Friederike, geb. Lehmicke (1776–1836) geboren. Er war der Bruder des Historikers Leopold von Ranke (1795–1886), des Theologen Friedrich Heinrich Ranke (1798–1876) und des Philologen Karl Ferdinand Ranke (1802–1876). Seine Neffen waren der Physiologe und Anthropologe Johannes Ranke und der 1891 geadelte Mediziner Heinrich von Ranke.
Ranke heiratete 1842 Theoda Nasse (1812–1860), Tochter von Professor Christian Friedrich Nasse (1778–1851). Das Ehepaar Ranke hatte vier Kinder: Henriette (Etta) (1843–1939), die den Mediziner Eduard Hitzig heiratete und die Biografie ihres Vaters herausgab, Selma (1844–1943), die den Chemiker Georg Ludwig Carius heiratete, Linda (1848–1891) und Werner (1852–1852).
Das Grab der Eheleute Ranke befindet sich in Marburg auf dem Friedhof der Sankt-Michaels-Kapelle.
Ernst Ranke erwarb 1834 das Reifezeugnis, war zuletzt Primus Omnium. Dann studierte er in Leipzig, Berlin und Bonn und war zuerst ab 1840 Pfarrer in Buchau bei Thurnau im heutigen Oberfranken. Sein theologischer Standpunkt war der eines milden erwecklichen Luthertums. Seit 1850 wirkte er als Professor für Kirchengeschichte und neutestamentliche Exegese an der Universität Marburg. 1858 wurde er zum kurhessischen Konsistorialrat ernannt. 1865/66 amtierte er als Rektor der Universität. Zu seinen engsten Freunden zählte der konservative Politiker Hans Hugo von Kleist-Retzow.
Ernst Ranke hat sich durch Herausgabe wichtiger Fragmente der Itala (2 Bände, Marburg 1856–58), durch lateinische Gedichte, besonders aber durch seine kritisch-liturgischen Werke bekannt gemacht. Dazu gehören:
Das kirchliche Perikopensystem, Berlin 1847
Kritische Zusammenstellung der innerhalb der evangelischen Kirche Deutschlands eingeführten neuen Perikopenkreise, Berlin 1850
Fragmenta versionis Latinae antehieronymianae prophetarum Hoseae, Amosi, Michae (Aliorum) e codice (Fuldensi) (manuscripto) eruit, adnotationibus criticis / instruxit Ernestus Ranke, Marburg : Kochil Augusti,Typis et sumtibus ioannis, 1858.
Der Fortbestand des herkömmlichen Perikopenkreises, Gotha 1859
Das Marburger Gesangbuch von 1549, Marburg 1862
Weitere veröffentlichte Werke:
Specimen codices Novi Testamenti Fuldensis, Marburg 1860
Zum 600. Jahrestag der Einweihung der Elisabethkirche in Marburg gab Ranke heraus: Chorgesänge zum Preis der heiligen Elisabeth aus mittelalterlichen Antiphonarien (2 Hefte, Leipzig 1883–84). Als Dichter trat er auf mit einer metrischen Übersetzung des Buches Tobias (Bayreuth 1847); daneben schrieb er sowohl deutsch- als auch lateinischsprachige Gelegenheitsdichtung, darunter u. a.:
Gedichte, dem Vaterland gewidmet, Erlangen 1848
An das deutsche Volk. Ein Zuruf, Erlangen 1848
Carmina academica, Marburg 1866
Ad collegas. Carmem feriaticum. Photographis singulorum imaginibus illustratum, Marburg 1871.