An diesem Tag

Ernst Kornemann

Deutscher Althistoriker; Rektor in Breslau

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Ernst Kornemann (* 11. Oktober 1868 in Rosenthal (Hessen); † 4. Dezember 1946 in München) war ein deutscher Althistoriker.

Der Sohn des Gutsbesitzers Karl Friedrich Kornemann aus Rosenthal (Hessen) studierte nach dem Abitur am Großherzoglichen Gymnasium Gießen (heute Landgraf-Ludwigs-Gymnasium) ab dem Wintersemester 1887/1888 an der Ludwigs-Universität Gießen Geschichtswissenschaft, Klassische Philologie und Geographie. Im Dreikaiserjahr wurde er Mitglied des Corps Teutonia Gießen. Als Inaktiver wechselte er 1889 an die Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin, wo unter anderem Theodor Mommsen, Otto Hirschfeld, Hermann Diels und Johannes Vahlen zu seinen Lehrern zählten. Vor allem der bereits emeritierte Mommsen, dessen Privatissimum Kornemann besuchen durfte, beeindruckte ihn tief. 1891 wurde er bei Hirschfeld mit einer Studie über die römischen Bürger in den Provinzen (De civibus Romanis in provinciis imperii consistentibus) zum Dr. phil. promoviert.

Nach Ableistung des einjährigen freiwilligen Militärdienstes legte Kornemann 1892 die Staatsprüfung für das Lehramt an höheren Schulen ab und arbeitete nach dem obligatorischen Probejahr als Hilfslehrer (1893 Lehramtsakzessist, 1895/1896 Lehramtsassessor) am Großherzoglichen Gymnasium Gießen. Neben seiner Lehrtätigkeit am Gießener Gymnasium verfasste er eine quellenkritische Arbeit (Die historische Schriftstellerei des C. Asinius Pollio). Nach einer durch den Direktor des Gießener Gymnasiums Hermann Schiller ermöglichten zweijährigen Beurlaubung zur Fortsetzung seiner Studien durch Forschungsreisen habilitierte sich Kornemann 1898 an der Universität Gießen mit der Abhandlung „Zur Stadtentstehung in den ehemals keltischen und germanischen Gebieten des Römerreiches. Ein Beitrag zum römischen Städtewesen“. Begutachtet wurde die von Otto Hirschfeld angeregte Abhandlung vom Neuzeithistoriker Wilhelm Oncken, da in Gießen erst im Jahr 1904 eine althistorische Professur eingerichtet wurde. In den Folgejahren lehrte er an der Ludwigs-Universität Gießen als Privatdozent und legte den Grundstein für die Gießener Papyrussammlung als Lehr- und Forschungsinstrument; dabei erwarb er wahrscheinlich auch den Papyrus Gissensis 40. Von 1900 bis 1902 zudem als Oberlehrer am Großherzoglichen Gymnasium Gießen tätig, erfolgte am 15. März 1902 seine Ernennung zum nichtbeamteten außerordentlichen Professor.

Am 1. April 1902 wurde Kornemann zum planmäßigen, verbeamteten außerordentlichen Professor für Alte Geschichte an die Eberhard-Karls-Universität Tübingen ernannt, an der er insgesamt sechzehn Jahre forschte und lehrte. Am 1. April 1907 zum ordentlichen Professor ernannt, fungierte er 1910/1911 als Dekan der Philosophischen Fakultät der Universität Tübingen. 1918 folgte Kornemann einem Ruf als Nachfolger Walter Ottos auf den Lehrstuhl für Alte Geschichte an der Schlesischen Friedrich-Wilhelms-Universität Breslau. 1920/21 fungierte er als Dekan der dortigen Philosophischen Fakultät. 1924 trat er aus seinem Corps aus und bekleidete 1926/1927 das Rektorat der Universität Breslau. In Breslau wurde er 1936 emeritiert. Im Ruhestand siedelte er nach München über. Als dort nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges der bisherige Lehrstuhlinhaber Helmut Berve entlassen wurde, übernahm Kornemann die Lehrstuhlvertretung und hielt im Sommersemester 1946 eine Vorlesung, die den Titel „Weltgeschichte des Mittelmeerraumes“ trug. Am 4. Dezember 1946 starb er in München mit 78 Jahren.

Als Herausgeber der Zeitschrift Klio. Beiträge zur Alten Geschichte neben Carl Friedrich Lehmann-Haupt in den Jahren 1903 bis 1927 trug er maßgeblich zum Ruf dieser Zeitschrift als hervorragendes Fachorgan der Altertumswissenschaft bei. Die Teilnahme als Delegierter des Verbandes der Historiker Deutschlands an den Internationalen Historikerkongressen in Oslo 1928 bzw. in Warschau 1932, als auch der Festvortrag im Rahmen der Feierlichkeiten des Istituto di Studi Romani zum 2000. Geburtstag des Augustus weisen Kornemann als exponierten Vertreter der deutschen Altertumswissenschaft aus.

Für Kornemann stand während seiner aktiven Laufbahn als Hochschullehrer stets die Lehre vor der Forschung an erster Stelle. Dennoch verfasste er einige historische Monographien, vor allem über Bereiche der römischen Geschichte. Für Alfred Gerckes und Eduard Nordens Einleitung in die Altertumswissenschaft steuerte er den Teil Die römische Kaiserzeit bei. Eine zentrale Stelle in seinen Forschungen nahmen die eng an Mommsen angelehnten Arbeiten zum römischen Munizipalwesen ein. So verfasste er unter anderem die umfangreichen Artikel zu den Lemmata colonia und municipium sowie Mutterrecht in Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft. Daneben beschäftigte sich Kornemann mit der altitalischen Verfassungsgeschichte sowie der Spätantike und betrieb Forschungen zum antiken Herrscherkult. Seine Untersuchungen zum Monumentum Ancyranum hingegen, die eine Schichtung des Textes postulieren, finden bis heute wenig Unterstützer.

Einem breiten Publikum wurde Kornemann jedoch vor allem durch seine zweibändige Römische Geschichte bekannt, die zwischen 1938 und 1977 beim Stuttgarter Kröner-Verlag in sieben Auflagen erschien und vor allem bei Studierenden lange beliebt war. Dem Vorbild Theodor Mommsens folgend, enthält die Darstellung plastische, aktualisierende Werturteile über die handelnden Personen. Bewundernd stand Kornemann, wie Mommsen, dabei insbesondere der Figur Gaius Iulius Caesars gegenüber; aber auch Augustus pries er als genialen Staatsmann. Kornemanns Darstellung war lange Zeit die wohl populärste deutschsprachige Darstellung der römischen Geschichte; in ihrer Beurteilung der Vergangenheit ist sie aber dem damaligen Zeitgeist eng verbunden und daher von völkisch-nationalistischem Gedankengut nicht frei. So waren für Kornemann die antiken Germanen die direkten Vorfahren der Deutschen; entsprechend positiv wurden sie gezeichnet. In anderer Hinsicht allerdings war Kornemann seiner Zeit voraus, etwa indem er dem Jahr 476 (ebenso wie die heutige Forschung) nur geringe Bedeutung beimaß und das Ende der Antike vielmehr im 7. Jahrhundert ansetzte.

Daneben widmete er den Großen Frauen des Altertums eine monographische Betrachtung, die aber aufgrund ihrer Neigung zu Plattitüden und der oft unkritischen Übernahme antiker Quellenaussagen von geringem wissenschaftlichen Wert ist. Viele seiner quellenhistorischen Untersuchungen veröffentlichte er auch in der von ihm selbst mitbegründeten Zeitschrift Klio, die bis heute zu den bedeutendsten althistorischen Fachorganen zählt.

Kornemann wurden zahlreiche Ehrungen im In- und Ausland zuteil: Mitglied des Oberhessischen Geschichtsvereins (bis 1902 Schriftführer); 1917 Mitglied der Württembergischen Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften in Tübingen; 1918 Geheimer Regierungsrat; 1918 Mitglied der Schlesischen Gesellschaft für vaterländische Kultur; 1922 Mitglied der Schlesischen Gesellschaft für Volkskunde; 1926 Dr. h. c. der Juristischen Fakultät der Universität Breslau; 1930 Ehrenmitglied der Ungarischen Akademie der Wissenschaften (Magyar Tudományos Akadémia); 1933 auswärtiges Mitglied des Istituto Nazionale di Studi Etruschi ed Italici in Florenz; 1933 ordentliches Mitglied des Deutschen Archäologischen Instituts; 1934 Dr. phil. h.c. Universität Budapest; 1942 ordentliches Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften.

De civibus Romanis in provinciis imperii consistentibus (= Berliner Studien für classische Philologie und Archäologie, Bd. 14, Heft 1). Berlin 1892 (Dissertation), Internet Archive (Neudruck Nendeln 1975).

Die historische Schriftstellerei des C. Asinius Pollio. Zugleich ein Beitrag zur Quellenforschung über Appian und Plutarch, in: Jahrbücher für classische Philologie, Suppl.-Bd. 22, Teubner, Leipzig 1896, S. 555–691.

Zur Stadtentstehung in den ehemals keltischen und germanischen Gebieten des Römerreichs. Ein Beitrag zum römischen Städtewesen. Münchow’sche Hof- und Universitätsdruckerei, Gießen 1898 (Habilitationsschrift), Internet Archive.

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