An diesem Tag

Ernst Heilmann

Jurist, deutscher Politiker (SPD), MdR

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Ernst Heilmann (* 13. April 1881 in Berlin; † 3. April 1940 im Konzentrationslager Buchenwald) war ein deutscher Jurist und sozialdemokratischer Politiker.

Vor dem Ersten Weltkrieg engagierte sich Heilmann insbesondere als Journalist für die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD). Während des Krieges gehörte er zu den entschiedenen Befürwortern der Burgfriedenspolitik und zählte zum rechten Rand der Partei, der offen für Annexionen eintrat. Nach der Novemberrevolution verlagerte Heilmann seinen Arbeitsschwerpunkt von publizistischen auf parlamentarische Aktivitäten. Er sicherte als Vorsitzender der SPD-Fraktion im Preußischen Landtag die Weimarer Koalition, die mit festem parlamentarischen Rückhalt im Freistaat Preußen über lange Jahre die Regierung stellte. Ab 1928 gehörte Heilmann ferner dem Reichstag an. Wenige Monate nach der „Machtergreifung“ der Nationalsozialisten wurde Heilmann inhaftiert. Die nachfolgenden Jahre verbrachte er in Konzentrationslagern, bis er schließlich in Buchenwald ermordet wurde.

Ernst Heilmann wuchs in einer kleinbürgerlich-jüdischen Familie auf, in der der jüdische Glaube keine besondere Rolle spielte. Sein Vater Max besaß in Berlin ein Papiergeschäft. Seine Mutter Flora war eine geborene Mühsam, der Anarchist und Dichter Erich Mühsam war Vetter von Ernst Heilmann.

Ernst Heilmann besuchte von 1888 bis 1900 das Cöllnische Gymnasium in Berlin, wo er häufig Klassenbester war. Zu den Schülern, die mit ihm das Abitur bestanden, zählte der spätere Schriftsteller Alfred Döblin. Ein weiterer Mitschüler, Moritz Goldstein, beschrieb Ernst als einen Gymnasiasten mit ausgeprägtem Interesse an Politik. Zudem bewies Heilmann Talent im Schachspiel. Er konnte mehrere Partien gleichzeitig und blind spielen. In den 1900er Jahren nahm er an mehreren Turnieren teil, unter anderem 1903/04 am ersten Turnier um die Meisterschaft von Berlin. Im Februar 1907 erreichte er seine höchste historische Elo-Zahl von 2516.

Von 1900 bis 1903 studierte Heilmann an der Friedrich-Wilhelms-Universität in Berlin Rechtswissenschaften und Staatswissenschaften. Er schloss das Studium mit dem Ersten Staatsexamen ab. Der Vorbereitungsdienst wurde ihm aus politischen Gründen verwehrt, weil er bereits als siebzehnjähriger Gymnasiast der SPD beigetreten war. Diese Form des Berufsverbots für Anhänger der Sozialdemokratie war im Kaiserreich durchaus üblich.

Arbeit für die SPD bis zum Ersten Weltkrieg

Rasch nach seinem Eintritt in die SPD wurde Heilmann zum Leiter einer Gruppe sozialistisch gesinnter jugendlicher Arbeiter. Diesem ersten Schritt seiner Parteikarriere folgte nach 1903 die Arbeit als Parlamentsberichterstatter für sozialdemokratische Zeitungen.

1909 trat er als Chefredakteur in die Redaktion der sozialdemokratischen Chemnitzer Volksstimme ein und zog aus der Reichshauptstadt nach Chemnitz. In der Redaktion der Zeitung, die publizistisch zum rechten Parteiflügel gezählt wurde, arbeitete auch Gustav Noske. Heilmann selbst engagierte Erich Kuttner, der später gemeinsam mit ihm im Preußischen Landtag sitzen sollte. Die Zeitung, die sich zuvor in einer wirtschaftlichen Krise befunden hatte, erlebte unter Heilmanns Regie einen Aufschwung. Neben umfangreichen Werbemaßnahmen trug die Aktualität der Artikel dazu bei, für die Heilmann sorgte.

Als leitender Redakteur des Blattes übernahm Heilmann die Verantwortung, wenn die Redaktion aus Sicht der Obrigkeit gegen Recht und Gesetz verstieß. Im Zusammenhang mit der Berichterstattung über einen lokalen Streik erging gegen Heilmann 1911 eine Klage wegen Majestätsbeleidigung. Er verbüßte deshalb im zweiten Halbjahr dieses Jahres eine sechsmonatige Freiheitsstrafe.

Neben seiner journalistischen Arbeit sprach Heilmann häufig in Wahlversammlungen und vor allem in sozialdemokratischen Bildungsveranstaltungen. In den letzten Vorkriegsjahren war er unter den Chemnitzer Parteifunktionären derjenige, der die meisten Vortragsverpflichtungen hatte. Mit seinen Veranstaltungen erreichte er die bildungsinteressierten, sozialistisch gesinnten Chemnitzer Arbeiter und Jugendlichen. Die Themen, über die Heilmann referierte, waren weit gespannt. So analysierte er im Jahr 1912 unter anderem das Ergebnis der Reichstagswahlen, sprach über den Ersten Balkankrieg, über Imperialismus, Frieden und Abrüstung. Auch Justizfragen und das allgemeine Wirtschaftsleben gehörten zu seinen Themen. Historische Gegenstände, die Bezug hatten zur 50-jährigen Geschichte der Sozialdemokratie sowie zu den Befreiungskriegen von 1812, standen 1913 im Vordergrund.

Ein weiteres Ergebnis der sächsischen Zeit Heilmanns war die Publikation der Geschichte der Arbeiterbewegung in Chemnitz und dem Erzgebirge. Die Veröffentlichung erfolgte aus Anlass des in Chemnitz im September 1912 tagenden SPD-Parteitages und wurde von Heilmann in nur knapp drei Monaten bewerkstelligt. Die Schrift war die erste umfassende Darstellung zu diesem Thema und zugleich, nach den Veröffentlichungen von Eduard Bernstein und Heinrich Laufenberg über die Berliner beziehungsweise die Hamburger und Altonaer Arbeiterbewegungsgeschichte, die dritte regionalgeschichtliche Studie über die Arbeiterbewegung überhaupt.

Politik im Zeichen des Burgfriedens

In der Julikrise 1914 organisierte die SPD, wie viele andere sozialistische Parteien Europas, Kundgebungen gegen den drohenden Krieg. Heilmann gehörte am 26. Juli 1914 zu den Rednern einer solchen Veranstaltung in Chemnitz. Hier legte er ein Bekenntnis zu Sozialismus und Frieden ab. Drei Tage später bekannte sich auch die Volksstimme zu diesen Zielen. Am 1. August 1914, nach der russischen Mobilmachung und nach der Ermordung des französischen Sozialistenführers Jean Jaurès, vollzog die Zeitung unter seiner Leitung jedoch einen abrupten Wandel. Sie rief zur Erfüllung der Pflichten gegenüber dem Vaterland auf, jede Kritik an der Politik und den führenden Personen in Deutschland habe nun zu verstummen.

Heilmann gehörte – wie die Mehrheit der sozialdemokratischen Funktionsträger – während des Ersten Weltkriegs zu den Befürwortern der Burgfriedenspolitik. Mehr noch, er exponierte sich als Vertreter einer sozialimperialistischen Politik innerhalb der Partei. Am 30. Juli 1915 schrieb er in der Volksstimme: „So zerschmetternd müssen die Feinde geschlagen werden, daß ihr Ring zerbricht, die Koalition birst […] Dazu hilft uns gegen diese Feinde nur eins: Den Daumen aufs Auge und die Knie auf die Brust.“ Für die radikale Linke stand das Urteil über Heilmann nach solchen Thesen fest, sie lehnte ihn fortan ab und konnte sich dabei auf Lenin berufen, der Heilmann 1917 als „extreme(n) deutsche(n) Chauvinist(en)“ bezeichnet hatte.

Nachdem er in den ersten Kriegsmonaten junge Arbeiter zum Dienst an der Waffe aufgerufen hatte, meldete sich Heilmann 1915 selbst als Freiwilliger zum Militär. Damit endete seine Zeit in Chemnitz. 1916 kehrte er schwer verwundet und auf einem Auge blind von der Front zurück und wählte Charlottenburg zu seinem Wohnort.

Publizistisch engagierte er sich weiterhin im Sinne der Mehrheitssozialdemokratie durch Beiträge in den Sozialistischen Monatsheften. Für die Zeitschrift Die Glocke verfasste Heilmann ebenfalls Beiträge. Diese Zeitschrift war Organ der Lensch-Cunow-Haenisch-Gruppe und galt als „Sprachrohr des ausgeprägt nationalen rechten Flügels der SPD“. Am 12. August 1916 forderte Heilmann in einem Glocke-Artikel offen Annexionen durch das Deutsche Reich. Einfluss nahm er auch durch die Leitung des Pressedienstes Internationale Korrespondenz, später in Sozialistische Korrespondenz umbenannt. Zudem gründete er mit Kuttner den Reichsbund der Kriegsbeschädigten.

In den Wochen der Novemberrevolution versuchte Heilmann, die Geschehnisse durch Flugschriften und Zeitungsartikel im Sinne der Parteirechten zu beeinflussen, die eine Entwicklung nach dem Muster der Oktoberrevolution fürchtete und stattdessen eine parlamentarische Demokratie anstrebte. Nach der Revolution wurde Heilmann 1919 für die SPD Abgeordneter in der Stadtverordnetenversammlung von Charlottenburg, 1919 hatte er zudem einen Sitz in der Preußischen Landesversammlung. Anschließend gehörte er über die gesamten Jahre der Weimarer Republik der SPD-Fraktion im Preußischen Landtag an, seit Herbst 1921, nach dem Kapp-Putsch, war er ihr Vorsitzender. Von 1928 bis 1933 war er zudem Mitglied des Reichstags. 1929 übertrug ihm der SPD-Parteitag die Redaktion der Wochenzeitschrift Das freie Wort, in der er Beiträge unter seinem eigenen Namen und unter dem Pseudonym „Illo“ veröffentlichte.

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