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Erika Cremer

Deutsche Physikerin, Professorin der Physikalischen Chemie

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Erika Cremer (* 20. Mai 1900 in München; † 21. September 1996 in Innsbruck) war eine deutsche Physikochemikerin.

Erika Cremer wuchs in einem akademischen Umfeld auf. Ihr Vater Max Cremer war Physiologieprofessor und dessen Frau Elisabeth „Elsbeth“ Therese Johanna Rothmund (1871–1928) ihrerseits Tochter des Chemikers und Universitätsprofessors für physikalische Chemie Viktor Rothmund (1870–1927) sowie und Enkelin von August von Rothmund. Ihre Brüder waren der 1897 geborene Mathematiker Hubert Cremer und der 1905 geborene Elektrotechniker und Akustiker Lothar Cremer (Neffen von ihr waren der 1942 geborene Ingenieur und Professor für Mess- und Regelungstechnik Michael Cremer, der 1944 geborene Physiker Christoph Cremer, der 1945 geborene Medizinprofessor Thomas Cremer und der 1952 geborene Volkswirtschaftler Georg Cremer). Die Familie zog den Berufungen des Vaters folgend 1909 nach Köln und 1911 nach Berlin. Vorerst durfte Erika als Mädchen nur eine Studienanstalt für junge Frauen, die sich auf naturwissenschaftlich-technischem Gebiet weiterbilden, statt des Gymnasiums besuchen. Nach dem Abitur im Jahr 1921 studierte sie an der Berliner Universität Chemie und Physik, unter anderem bei Albert Einstein, Max Laue und Walther Nernst. Sie promovierte 1927 bei Max Bodenstein in Berlin mit einer Dissertation über die Chlorknallgas-Reaktion (Über die Reaktion zwischen Chlor, Wasserstoff und Sauerstoff im Licht).

Im Anschluss an ihre Promotion folgten unbezahlte Tätigkeiten bei Karl Friedrich Bonhoeffer in Berlin, am Institut für Physikalische Chemie der Universität Freiburg, am Kaiser-Wilhelm-Institut für Physikalische Chemie und Elektrochemie in Berlin bei Michael Polanyi sowie an der Universität München unter Kasimir Fajans.

Historisch interessant ist ihre Zeit 1936/1937 in Berlin in der Arbeitsgruppe Otto Hahns während der Entdeckung der Kernspaltung. Ihre Erinnerungen als Zeitzeugin auch während des Krieges hat Erika Cremer in einem Aufsatz Zur Geschichte der Entfesselung der Kernenergie in der Österreichischen Chemiker-Zeitung 1989 zusammengefasst. Mit einem Forschungsstipendium war sie am Physikalisch-Chemischen Institut in Berlin tätig. 1938 wurde sie habilitiert.

Ihre Berufung 1940 als Frau an das Institut für Physikalische Chemie der Universität Innsbruck war für diese Zeit außergewöhnlich. 1944 entwickelte sie die Grundlagen der Adsorptionsgaschromatographie. Die vorgesehene Veröffentlichung ging in den Wirren des Kriegsendes auf dem Weg zum Verlag verloren. Zusammen mit ihrem Dissertanten Fritz Prior entwickelte sie nach dem Krieg die Methode weiter.

Fast ihr ganzes Berufsleben lang hatte sie im Wissenschaftsbetrieb darunter zu leiden, dass sie eine Frau war. Trotz hervorragender Leistungen (über 200 Veröffentlichungen) dauerte es im Vergleich zur Karriere von männlichen Kollegen sehr lange, bis sie von der Universitätsdozentin 1951 zur außerordentlichen Professorin ernannt wurde. Seitdem fungierte sie Vorständin des Instituts für Physikalische Chemie. 1951 erlangte sie auch die österreichische Staatsbürgerschaft. Acht Jahre später 1959 wurde sie schließlich zur ordentlichen Professorin und Lehrstuhlinhaberin für Physikalische Chemie berufen. Damit war sie die erste Frau an der Universität Innsbruck mit einem Ordinariat. Mit Maximilian Pahl veröffentlichte sie 1961 das Buch Kinetik der Gasreaktionen. 1970 erfolgte die Emeritierung.

Ein großes Anliegen war ihr die internationale Vernetzung mit Forscherinnen und Forschern. 1951 nahm sie an einer Fachtagung in New York teil, 1952 folgte ein einjähriger Aufenthalt als Gastwissenschaftlerin am Massachusetts Institute of Technology (MIT).

1958: Wilhelm-Exner-Medaille des Österreichischen Gewerbevereins

1964: korrespondierendes Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften

1965: Ehrendoktorwürde der TU Berlin

1965: Johann Josef Ritter von Prechtl Medaille der TU Wien

1970: Erwin-Schrödinger-Preis der ÖAW

1977: US-amerikanische Tswett-Medaille

1978: Tswett-Medaille der UdSSR

1979: Bunsen-Gedenkmünze der Bunsen-Gesellschaft

1980: Ehrenmitglied der österreichischen Mikrochemischen Gesellschaft

1989: Tiroler Landespreis für Wissenschaft

1999 wurde in der Messestadt Riem in München die Erika-Cremer-Straße nach ihr benannt.

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