Fritz Erich von Lewinski genannt von Manstein (* 24. November 1887 in Berlin; † 10. Juni 1973 in Irschenhausen) war ein deutscher Berufsoffizier, ab 1942 im Rang eines Generalfeldmarschalls.
Während des Zweiten Weltkriegs befehligte von Manstein Korps, Armeen und Heeresgruppen, ehe er 1944 in die Führerreserve versetzt wurde. 1945 geriet er zunächst in Kriegsgefangenschaft. Anschließend wurde er inhaftiert und 1949 als Kriegsverbrecher verurteilt. Nach seiner Haftentlassung 1953 war von Manstein als einziger ehemaliger Generalfeldmarschall bis 1960 inoffizieller Berater der Bundesregierung bei der Aufstellung eines neuen Heeres für die Bundeswehr.
Fritz Erich Georg Eduard von Lewinski wurde am 24. November 1887 in Berlin geboren. Er war das zehnte und jüngste Kind des späteren Generals der Artillerie Eduard von Lewinski mit dessen Ehefrau Helene, geborene von Sperling. Da die Ehe seiner Tante Hedwig, der jüngeren Schwester seiner Mutter, mit dem Major Georg von Manstein kinderlos geblieben war, wurde der Neugeborene nach seiner Taufe vereinbarungsgemäß an diese übergeben. Nach der Adoption führte er den Genanntnamen von Manstein. Eine weitere Tante, Gertrud, war mit dem späteren Generalfeldmarschall und Reichspräsidenten Paul von Hindenburg verheiratet.
Mansteins ehemaliger Ordonnanzoffizier Alexander Stahlberg schreibt in seinen Memoiren, sein Chef habe ihm gegenüber während des Krieges die Abstammung von einem „Ur-Ur-Ahnherrn Lewi“ behauptet, was wiederum der Manstein-Biograph Oliver von Wrochem in seiner Dissertation als Spekulation Stahlbergs über „keine ernstgemeinte Äußerung“ des Generals bezeichnet. Im Übrigen gebe es keine Belege für eine „jüdische Herkunft des Namens“.
Für den Nachkommen einer alten Offiziersfamilie – sechzehn direkte Vorfahren der eigenen von Lewinski-Linie und der von Mansteins hatten als Offiziere in preußisch-deutschen oder zaristisch-russischen Diensten gestanden – war schon früh eine militärische Laufbahn vorgesehen. Während der Stationierung seines Adoptivvaters in Straßburg besuchte Manstein zwischen 1894 und 1899 das dortige Kaiserliche Lyzeum, ein katholisches Gymnasium. 1900 trat er in die Kadettenanstalt Plön ein, am 1. April 1902 wechselte Manstein an die Preußische Hauptkadettenanstalt nach Groß-Lichterfelde. Die Kadetten erhielten eine Ausbildung, die den Traditionen des preußischen Offizierskorps entsprach und sich durch Gehorsam, Disziplin, Pflichterfüllung und Kameradschaft auszeichnete. Im Juni 1905 gehörte Manstein zu den ausgewählten Kadetten, die während der Hochzeitsfeierlichkeiten des Kronprinzen Wilhelm mit Cecilie zu Mecklenburg ihren Dienst im Pagenkorps leisteten.
Nach Bestehen des Abiturs trat Manstein am 6. März 1906 als Fähnrich in das 3. Garde-Regiment zu Fuß der Preußischen Armee ein. Die Ernennung zum Leutnant erfolgte nach bestandener Offiziersausbildung am 27. Januar 1907 und er verbrachte die nächsten Jahre im Truppendienst. Zeitweise diente Manstein in dem Garderegiment an der Seite seines Cousins Oskar von Hindenburg sowie des späteren Reichskanzlers Kurt von Schleicher. Die Ernennung zum Bataillonsadjutanten erfolgte im Juli 1911. Aufgrund besserer Aufstiegschancen bewarb sich Manstein an die Kriegsakademie und wurde nach der Aufnahmeprüfung zum 1. Oktober 1913 an diese abkommandiert.
Die im Vorjahr begonnene Ausbildung zum Generalstabsoffizier musste Manstein nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs abbrechen, da die Studenten der Kriegsakademie zum Frontdienst eingezogen wurden. Manstein kam als Adjutant zum 2. Garde-Reserve-Regiment, das als Teil des Garde-Reserve-Korps in das neutrale Belgien einmarschierte. In der Schlacht bei Namur (21.–23. August 1914) erlebte Manstein seine „Feuertaufe“. Danach wurde das Korps zur Verstärkung der 8. Armee (unter General von Hindenburg) nach Ostpreußen verlegt. An der Ostfront kämpfte er in der Schlacht an den Masurischen Seen, anschließend an der Weichsel und in Russisch-Polen. Am 16. November 1914 erlitt Manstein im Nahkampf durch Schussverletzungen eine schwere Verwundung, weshalb er zur Genesung sechs Monate in den Lazaretten von Beuthen und Wiesbaden verbrachte.
Nach Wiederherstellung seiner Gesundheit kehrte Manstein am 17. Juni 1915 in den Dienst zurück. Obwohl er kein ausgebildeter Generalstabsoffizier war, berief man Manstein in den Stab der Armeeabteilung Gallwitz (später 12. Armee) und beförderte ihn mit Wirkung zum 24. Juli 1915 zum Hauptmann. Als Stabsangehöriger war Manstein erstmals an der Vorbereitung und Planung strategischer Operationen beteiligt. Zunächst an der erfolgreichen Narew-Offensive an der Ostfront, ab Oktober 1915 am Serbienfeldzug. Im Juli 1916 verließ Manstein den Kriegsschauplatz auf dem Balkan und kehrte an die Westfront zurück. Dort tobte die Schlacht an der Somme und das deutsche Heer befand sich in der Defensive. Manstein erhielt die Stellung als Ordonnanzoffizier des Chef des Stabes der neu zusammengestellten 1. Armee, Oberst Fritz von Loßberg. In der Wahrnehmung seines Aufgabenbereichs bewies Manstein ein bemerkenswertes taktisches Talent und erlebte den strategischen Rückzug auf die Siegfriedstellung (Unternehmen Alberich). Im Anschluss fand Manstein ab Oktober 1917 Verwendung als Erster Generalstabsoffizier (Ia) der 4. Kavallerie-Division im Baltikum, die vornehmlich mit Besatzungsaufgaben betraut war und erst im Februar 1918 wieder offensiv wurde. Ebenfalls als Ia wurde Manstein im Mai 1918 zur 213. Infanterie-Division an die Westfront versetzt. Die Division war nach der gescheiterten Frühjahrsoffensive bis zum Waffenstillstand von Compiègne am 11. November 1918 in der Champagne in Stellungs- und Abwehrkämpfe verwickelt.
Im Ersten Weltkrieg erhielt Erich von Manstein u. a. beide Klassen des Eisernen Kreuzes sowie das Ritterkreuz des Königlichen Hausordens von Hohenzollern mit Schwertern.
Nach Kriegsende verblieb Hauptmann Manstein in der Armee und diente bis 1919 als Freiwilliger im Stab des AOK Süd des Grenzschutzes Ost in Breslau. Anschließend wurde er dem Gruppenkommando 2 mit Sitz in Kassel zugeteilt. Als Gehilfe des Obersten Fritz von Loßberg wirkte Manstein in der Organisationskommission dieser Stabsbehörde an der Umwandlung des Übergangsheeres zur vorläufigen Reichswehr mit. Diese musste gemäß den Bestimmungen des Versailler Friedensvertrages auf eine Stärke von lediglich 100.000 Soldaten (darunter 4.000 Offiziere) reduziert werden. Wie die Mehrheit des Offizierskorps vertrat er ein konservativ-monarchisches Weltbild und nahm gegenüber der Weimarer Republik eine ablehnende Haltung ein.
Mit Wirkung zum 1. Januar 1921 wurde Manstein in die endgültige Reichswehr übernommen. Nach zweijähriger Verwendung im Truppendienst, als Chef der 6. Kompanie des 5. (Preußisches) Infanterie-Regiments in Angermünde (1. Oktober 1921 bis 1. Oktober 1923), setzte Manstein seine Laufbahn als Stabsoffizier fort. Zunächst beim Wehrkreiskommando II in Stettin (1. Oktober 1923 bis 1. Oktober 1924), dann bis 1. Oktober 1927 im Wehrkreiskommando IV in Dresden. Hier war er u. a. mit der dezentral durchgeführten Führergehilfenausbildung betraut und lehrte Taktik sowie Militärgeschichte. Am 1. Februar 1927 erhielt Manstein die Beförderung zum Major. Vom 1. Oktober 1927 bis zum 1. September 1929 war er als Stabsoffizier beim Infanterieführer IV in Magdeburg eingesetzt, was einem Divisionsstab gleichzusetzen war.
Am 1. September 1929 wurde Manstein in das Truppenamt des Reichswehrministeriums berufen und mit der Leitung der Gruppe I in der Abteilung T1 betraut, die sich mit Aufmarsch- und Operationsplänen befasste. Wohnsitz wurde nunmehr Berlin-Lichterfelde. Damit gehörte Manstein dem nach dem Versailler Vertrag eigentlich untersagten, lediglich aus Tarnungsgründen als „Truppenamt“ bezeichneten Generalstab an. In seiner neuen Aufgabe konnte Manstein sein Talent als operativer Stratege und Heeresplaner entwickeln und sich zunehmend in den Führungskreisen der späteren Wehrmacht etablieren. Er überprüfte die Mobilmachungspläne der Organisationsabteilung und erarbeitete Gegenvorschläge, die angenommen wurden, und organisierte militärische Planspiele zur operativen Schulung. Sein selbstbewusstes Auftreten, das Manstein auch gegenüber Vorgesetzten an den Tag legte und auch die Einmischung in Angelegenheiten anderer Abteilungen des Truppenamtes trübten sein Verhältnis zu anderen Offizieren. Die geheime Rüstungskooperation der Reichswehr mit der Roten Armee führte Manstein, als Begleiter des Leiters des Truppenamtes, Generalmajor Wilhelm Adam, zu zwei Besuchen an die Panzerschule Kama in der Sowjetunion (1931 und 1932). Am 1. April 1931 erfolgte die Beförderung zum Oberstleutnant.