An diesem Tag

Erich von Falkenhayn

Preußischer General und Kriegsminister, im Ersten Weltkrieg Chef des Großen Generalstabs

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Erich Georg Sebastian Anton von Falkenhayn (* 11. September 1861 in Burg Belchau; † 8. April 1922 in Schloss Lindstedt bei Potsdam) war ein preußischer General der Infanterie, osmanischer Marschall und im Ersten Weltkrieg preußischer Kriegsminister sowie Chef des Großen Generalstabs. Nach dem Scheitern des Schlieffen-Plans übernahm er die militärische Führung des Kaiserreichs und war von September 1914 bis August 1916 Chef der zweiten Obersten Heeresleitung. Als solcher verantwortete er die erfolgreiche Schlacht von Gorlice-Tarnów und die Schlacht von Verdun, deren Scheitern unter fürchterlichen Opfern zu seinem Rücktritt führte. Falkenhayn hielt den Krieg früh für militärisch nur noch durch einen günstigen Kompromissfrieden zu gewinnen, nicht aber durch vollständige Niederwerfung aller Gegner. Damit stand er strategisch im Gegensatz zu Erich Ludendorff, der ihm mit Paul von Hindenburg in der Führung der Obersten Heeresleitung folgte. Falkenhayn eroberte nach seinem Rücktritt als Generalstabschef im Auftrag seiner Nachfolger das in den Krieg spät eingetretene Rumänien, scheiterte aber als Heerführer im Nahen Osten. Er verhinderte in seinem Verantwortungsbereich eine vom Osmanischen Reich geplante Deportation der Juden aus Palästina.

Er entstammte dem in Schlesien ansässigen Adelsgeschlecht Falkenhayn und war der Sohn von Fedor Tassilo von Falkenhayn (* 6. Februar 1814 in Nakel, Oberschlesien; † 20. Januar 1896 in Tarnowitz) und dessen Ehefrau Franziska, geborene Freiin von Rosenberg (* 26. Juni 1826 in Klötzen; † 14. August 1888 in Graudenz). Sein Vater war Gutsherr auf Belchau und Schwirsen, beide im preußischen Regierungsbezirk Marienwerder.

Erich hatte sechs Geschwister:

Anton Georg (1849–1910), Rittmeister

Olga Franziska Helene (1851–1919) ⚭ 1873 Generalmajor Moritz von Bock (1828–1897), Eltern des späteren Generalfeldmarschall Fedor von Bock (1880–1945).

Georg Ferdinand von Falkenhayn (1852–1887)

Eugen Georg Nikolaus (1853–1934), General der Kavallerie

Arthur Sebastian Georg (1857–1929), Geheimer Oberregierungsrat und Erzieher des Kronprinzen Wilhelm

Kurt Georg Anton (* 15. April 1863)

Mit elf Jahren kam Falkenhayn 1872 in die Kadettenanstalt Culm, anschließend wechselte er für drei Jahre in die Preußische Hauptkadettenanstalt Groß-Lichterfelde, die er in der Selecta-Klasse abschloss. Am 17. April 1880 trat er mit 18 Jahren als Sekondeleutnant dem Oldenburgischen Infanterie-Regiment Nr. 91 der Preußischen Armee bei. Ab 1. Oktober 1887 absolvierte er für drei Jahre die Kriegsakademie in Berlin und wurde zwischenzeitlich zum Premierleutnant befördert. Am 22. März 1891 trat Falkenhayn in den Großen Generalstab in Berlin ein. Zunächst war er in der Topographischen Sektion, dann in der Eisenbahn-Abteilung tätig, am 25. März 1893 wurde er zum Hauptmann befördert. Am 2. Januar 1894 folgte seine Verwendung im Generalstab des IX. Armee-Korps in Altona. Am 9. Dezember 1895 wurde er Kompaniechef im Infanterie-Regiment „von Borcke“ (4. Pommersches) Nr. 21 in Thorn.

Nach neunmonatigem Dienst ließ sich Falkenhayn am 25. Juni 1896 aus „finanziellen und Karrieregründen“ beurlauben und ging als Militärberater nach China. Als Militärinstrukteur baute er in Wuchang eine Militärschule nach preußischem Muster auf, ohne aber die Unterstützung der chinesischen Militärbehörden zu finden. 1898 wechselte er ins deutsche Pachtgebiet nach Kiautschou und war Hauptmann im III. Seebataillon. Ihm wurde die Aufstellung einer Chinesen-Kompanie übertragen, die aber nicht lange bestand. Danach wurde er als Major mit Patent vom 25. März 1899 à la suite als Militärattaché wieder in der Preußischen Armee angestellt. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland wurde er ab 24. Februar 1900 für kurze Zeit erneut im Großen Generalstab in Berlin verwendet und wechselte am 29. März nach Karlsruhe, um für fünf Monate die Position des Chefs des Stabes des dortigen XIV. Armee-Korps zu übernehmen.

Am 7. September wurde er dem Generalstab des Kommandos des Ostasiatischen Expeditionskorps zugeteilt, das an der Niederschlagung des Boxeraufstandes beteiligt war. Nach einem längeren Aufenthalt in der Mandschurei und in Korea kehrte Falkenhayn wieder in die Heimat zurück.

Am 18. Oktober 1903 wurde er zum Bataillonskommandeur des Braunschweigischen Infanterie-Regiments Nr. 92 in Braunschweig ernannt, am 15. September 1905 wurde er Oberstleutnant. Am 10. April 1906 wurde er abermals im Großen Generalstab verwendet. Ein Jahr später, am 22. März 1907, wurde er Chef des Generalstabes des XVI. Armee-Korps in der Festung Metz, am 18. Mai 1908 wurde er zum Oberst befördert. Am 27. Januar 1911 zum Kommandeur des 4. Garde-Regiments zu Fuß in Berlin ernannt, wurde er bereits am 20. Februar 1912 auf Grund unvorhergesehener personeller Engpässe Chef des Generalstabs beim IV. Armee-Korps in Magdeburg. In dieser Position erreichte er am 22. April 1912 den Rang eines Generalmajors. Falkenhayn war zugleich maßgeblich an der Organisation der Kaisermanöver beteiligt.

Am 8. Juli 1913 wurde Falkenhayn überraschend und unter Beförderung zum Generalleutnant zum preußischen Kriegsminister ernannt. In dieser Position oblag ihm die Umsetzung der im Frühjahr beschlossenen Heeresvorlage 1913, die eine deutliche Aufrüstung Deutschlands vorsah. Ins stärkere Bewusstsein der Öffentlichkeit gelangte er erstmals durch seine Auftritte vor dem Reichstag im Zusammenhang mit der Zabern-Affäre um den Jahreswechsel 1913/14, wobei er das fragwürdige Verhalten der Militärbehörden in Elsaß-Lothringen vorbehaltlos verteidigte und die Armee gegen Kritik aus der Zivilgesellschaft in Schutz nahm. In der Julikrise des Jahres 1914 gehörte Falkenhayn zu den Schlüsselfiguren um den Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Wie die meisten Militärs rechnete er damals nicht mit einem europäischen Krieg und hielt die Zeit dafür beim Attentat von Sarajevo wohl auch zunächst nicht für günstig. Trotzdem gehörte er dann aber sehr bald zu denjenigen, die Kaiser Wilhelm II. zur Kriegserklärung drängten.

Chef des Generalstabes im Krieg

Pessimistische Lagebeurteilung nach Ypern

Im ersten Kriegsjahr löste Falkenhayn nach der Ersten Marneschlacht am 14. September 1914 Helmuth Johannes Ludwig von Moltke, der psychisch zusammengebrochen war, als Chef des Generalstabs ab. Es gelang ihm, die chaotische Situation zu ordnen und die Führungskrise zu überwinden. Schon am 9. September gab er aufgrund des Scheiterns des Schlieffen-Plans dem Kaiser gegenüber die ernüchternde Einschätzung: „Majestät, wir haben den Krieg verloren.“ ab. Falkenhayn versuchte verzweifelt die französische Armee und das britische Expeditionskorps durch den Wettlauf zum Meer (via Nordfrankreich und Belgien zur Nordsee) auszumanövrieren, um doch noch eine Umfassung des Gegners zu erreichen. Das Vorhaben gelang aber nicht und endete nach der Schlacht um Ypern, in der Falkenhayn – um den Durchbruch zu erreichen – unerfahrene und kurzausgebildete Regimenter eingesetzt und deren hohe Verluste (→ Langemarck-Mythos) sehend in Kauf genommen hatte, im vollständigen Stellungskrieg an der Westfront.

Ypern erschütterte Falkenhayn tief. Er kam zu der Auffassung, dass ein militärischer Totalsieg nicht mehr zu erreichen sei. Er drängte in einem am 18. November 1914 vorgelegten Memorandum die politische Führung um Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg, den Krieg auf dem Verhandlungswege zu beenden, fand aber kein Gehör. Gegenüber Bethmann-Hollweg skizzierte er die angesichts der absehbar wachsenden materiellen und auch personellen Überlegenheit der Alliierten begrenzten deutschen Optionen. Da ein schneller Sieg nach dem Scheitern des Schlieffen-Plans unmöglich geworden sei, drohe eine langsame Erschöpfung Deutschlands. Die einzige Möglichkeit sei ein Aufbrechen der gegnerischen Koalition, also ein Separatfrieden mit einem der Gegner Deutschlands, wobei er das Russische Reich für den entscheidenden Kandidaten hielt, da – wie er annahm – Frankreich ohne das Zarenreich nicht weiterkämpfen werde. Einen Friedensschluss mit dem Vereinigten Königreich strebte Falkenhayn gegenüber dem Reichskanzler nicht an – dessen unverrückbare und im Hintergrund steuernde Feindschaft aus ökonomischen und politischen Neid gegenüber Deutschland hielt er für gesetzt. Er schlug vor, den Krieg gegen Großbritannien nach einem Separatfrieden mit der Flotte allein weiterzuführen. Die Frage größerer Gebietsabtretungen oder gar einer Annexion Belgiens – was in der Öffentlichkeit Deutschlands als das Mindeste angesehen wurde – wollte er erst nach der „Niederwerfung“ Englands behandeln. Diese wiederum wollte er nach einem Teilfrieden auf dem Kontinent mit einer Blockade des Inselreiches erreichen, da so Britannien in vielen Monaten ausgehungert werden könne. Falkenhayns Darlegungen machten Bethmann-Hollweg nachdenklich, führten aber nicht zu politischen Handlungen oder gar Ergebnissen. Das Septemberprogramm Bethmann-Hollwegs spiegelte eine zu dieser Zeit noch optimistischere Einschätzung des Erreichbaren durch das Auswärtige Amt und Regierungskreise wider.

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