An diesem Tag

Erich Mielke

Deutscher Politiker (SED), MdV, Minister für Staatssicherheit der DDR

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Erich Fritz Emil Mielke (* 28. Dezember 1907 in Berlin; † 21. Mai 2000 ebenda) war ein deutscher kommunistischer Politiker. Er war ab 1946 einer der Hauptverantwortlichen für den Ausbau der Sicherheitsorgane der SBZ/DDR zu einem flächendeckenden Kontroll-, Überwachungs- und Unterdrückungssystem. Von 1957 bis zu seinem Rücktritt 1989 war Mielke Minister für Staatssicherheit, ferner gehörte er dem Politbüro des ZK der SED an. Ab Ende 1989 mehrmals in Untersuchungshaft genommen, verurteilte ihn das Landgericht Berlin 1993 wegen Mordes an zwei Polizeioffizieren im Jahr 1931 zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren.

Erich Mielke wuchs in Berlin-Gesundbrunnen als Sohn eines Stellmachers in einem proletarischen Umfeld auf. Seine Mutter starb nach der Geburt des vierten Kindes 1910 mit 34 Jahren. 1911 heiratete der Vater erneut. Die sechsköpfige Familie bewohnte eine 30-Quadratmeter-Wohnung in einem Hinterhaus in der Stettiner Straße. Bis 1921/22 besuchte Mielke die 43. Gemeindeschule. Bei einer Begabtenauswahl unter 360 Kindern aus mittellosen Arbeiterfamilien erhielt er 1923 einen Freiplatz am Köllnischen Gymnasium. Er verließ die Schule wegen Schwierigkeiten beim Erlernen der klassischen Sprachen bereits nach einem Jahr und absolvierte anschließend bis 1927 eine Lehre als Speditionskaufmann. Nach dem Abschluss seiner Ausbildung arbeitete Mielke als Expeditionsgehilfe bei der Automatischen Fernsprechanlagen-Bau-Gesellschaft (Autofabag), einer Tochterfirma des Siemens-Konzerns, wo er im Januar 1931 entlassen wurde, nachdem er eine Lohnerhöhung gefordert hatte. Im Juli 1931 trat er eine Stelle beim Wohlfahrtsamt in Kreuzberg an.

Aktives KPD-Mitglied und Polizistenmord

Sowohl Mielkes Vater als auch seine Stiefmutter traten früh in die KPD ein. 1921 trat der 14-jährige Mielke dem KJVD bei. Als Zeitpunkt seines Eintritts in die KPD nannte er in einem Fragebogen von 1932 das Jahr 1928. 1945 datierte er seinen Parteieintritt auf 1927, in einem weiteren Fragebogen von 1951 schließlich auf das Jahr 1925, das seit den 1960er Jahren öffentlich als Jahr seines Parteieintritts angegeben wurde. In seinem Wohngebiet war Mielke als Leiter einer Straßenzelle der KPD aktiv, aber auch als Instrukteur der KPD-Betriebszelle in der nahegelegenen Werkzeugmaschinenfabrik Hasse & Wrede tätig. Auch der Roten Hilfe und dem Roten Frontkämpferbund (RFB) gehörte Mielke an. Im RFB hatte er die Funktion eines „Schriftführers und Kulturobmanns“ inne. Wegen der Teilnahme an einer verbotenen KPD-Demonstration in Leipzig verbüßte Mielke 1930 eine mehrtägige Ordnungsstrafe im Polizeigefängnis am Alexanderplatz. Arbeitslos geworden, beschäftigte ihn 1931 die kommunistische Rote Fahne, wobei eine Tätigkeit als „Lokalreporter“ nicht den Tatsachen entspricht.

Als Angehörige des 1931 gegründeten Parteiselbstschutzes, einer paramilitärisch organisierten und bewaffneten Gruppe der Partei, verübten am 9. August 1931 Mielke und Erich Ziemer die Morde an den Polizeioffizieren Paul Anlauf und Franz Lenck auf dem Bülowplatz in Berlin. Die KPD schaffte die beiden daraufhin einige Tage später in die Sowjetunion. Mielke behauptete später, die NS-Justiz hätte ihn 1934 „in Abwesenheit verurteilt zum Tode (Bülowplatz)“. Tatsächlich war das Verfahren gegen ihn durch Beschluss vom 23. April 1934 gemäß § 205 StPO noch vor der Eröffnung des Hauptverfahrens eingestellt worden, da man seiner nicht habhaft werden konnte.

Nach der Flucht in die Sowjetunion und im Spanischen Bürgerkrieg

In Moskau erhielt er von 1932 bis 1936 eine politische und militärische Ausbildung an der Lenin-Schule. Dann setzte ihn die KPD unter dem Decknamen Fritz Leissner von 1936 bis 1939 im Spanischen Bürgerkrieg bei den Internationalen Brigaden ein. Zuletzt im Range eines Hauptmanns, versah Mielke nach eigenen Angaben vor allem Stabsdienst in den Führungen der XI. und XIV. Brigade sowie Aufgaben als „Kaderoffizier“ in der 27. Division. Dass Mielke in Spanien der sowjetischen Geheimpolizei NKWD angehört hatte, oder aber der von ihr aufgebauten und kontrollierten Geheimpolizei Servicio de Investigación Militar (SIM), wie Spanienkämpfer meinen, darunter Walter Janka und Alfred Kantorowicz, ist nicht auszuschließen, aber nicht belegt.

In der Endphase des Spanischen Bürgerkrieges begab sich Mielke im Februar 1939 über die Pyrenäen nach Frankreich, wo er zusammen mit anderen Interbrigadisten zunächst interniert wurde, dann aber nach Kontaktaufnahme mit der KPD-Leitung im Mai 1939 auftragsgemäß nach Belgien ging. Entgegen einer später von ihm verbreiteten Legende hielt sich Mielke unter seinem Klarnamen in Belgien auf und wurde nicht aus Deutschland ausgebürgert (siehe Gesetz über den Widerruf von Einbürgerungen und die Aberkennung der deutschen Staatsangehörigkeit). Die Staatsanwaltschaft Berlin verzichtete auf ein Auslieferungsersuchen für Mielke. Sie sah die Polizistenmorde als ein „politisches Verbrechen“ an, wofür der Auslieferungsvertrag mit Belgien keine Auslieferung erlaubte.

Unter dem Decknamen „Gaston“ war Mielke bis in die Monate nach Beginn des Zweiten Weltkrieges Mitherausgeber der für Deutschland bestimmten und bis Februar 1940 illegal von der KPD im Grenzgebiet zu Belgien verbreiteten Neuen Rheinischen Zeitung. Die deutsche Invasion veranlasste die Regierung Belgiens im Mai 1940 zum Abtransport aller deutschen Staatsangehörigen in französische Internierungslager.

Mielke kam Ende Mai 1940 in das Lager Cyprien, aus dem er im August 1940 nach Toulouse flüchtete. Vermutlich fand er im September 1940 Unterschlupf in einem französischen Arbeitskommando für Ausländer. Im Sommer 1941 nahm Mielke eine weitere Identität als „Richard Hebel“ an und erbat bei dem KPD-Funktionär Willi Kreikemeyer in Marseille Hilfe bei der Ausreise nach Mexiko und materielle Unterstützung, die er erhielt. Nachdem deutsche Truppen infolge der Landung der Amerikaner in Nordafrika im November 1942 Südfrankreich besetzt hatten, löste sich die Marseiller Emigrantenszene auf. Verbürgt sind jedoch spätere Kontakte der KPD-Gruppe in Toulouse, wo Mielke sich Leisner nannte, zur Parteiführung in Moskau. Im März 1943 telegrafierte von dort der KPD-Vorsitzende Wilhelm Pieck, der das Pseudonym entschlüsselt hatte: „Sicherung Leisner wegen Bülowplatzsache“.

Nach einer Verhaftung 1944, bei der man ihn jedoch nicht als den noch immer gesuchten Bülowplatz-Mörder identifizierte, wurde er in die Organisation Todt eingegliedert, die in den besetzten Staatsgebieten Kriegsgefangene und KZ-Häftlinge zur Errichtung militärischer Anlagen einsetzte. Mit dieser kam er im Dezember des Jahres zurück nach Deutschland. In seiner stark gefälschten und geschönten Biografie von 1951 kaschierte er seine Aktivitäten für die Organisation Todt als Tätigkeit in einer „Arbeiterkompanie“.

Politische Karriere in der SBZ/DDR

Mielke kehrte am 14. Juni 1945 nach 14 Jahren wieder in die elterliche Wohnung in Berlin zurück. Als ehemaliger Kader der Exil-KPD suchte und fand er binnen weniger Tage den direkten Kontakt zur Parteiführung. Ende Juni sollte Mielke als Leiter der Polizeiinspektion im Bezirk Wedding eingesetzt werden, wozu es aber wegen der unmittelbar bevorstehenden Übergabe des Bezirks an die französische Besatzungsmacht nicht mehr kam. Stattdessen übernahm er am 15. Juli die Leitung der Polizeiinspektion im Bezirk Lichtenberg im sowjetischen Sektor. Aus dieser Funktion schied er zum 30. November 1945 wieder aus, als ihm im Zentralkomitee (ZK) der KPD die Funktion des Abteilungsleiters für Polizei und Justiz übertragen wurde. Seit April 1946 Mitglied der SED war er von Juli 1946 an Vizepräsident der Deutschen Verwaltung des Innern (DVdI), die mit Gründung der DDR in Ministerium für Inneres umbenannt wurde, und innerhalb derer er ab Mai 1949 die Hauptverwaltung zum Schutze der Volkswirtschaft aufbaute.

Bei der Gründung des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) im Februar 1950 wurde Wilhelm Zaisser als Minister eingesetzt und Erich Mielke neben anderen einer seiner Stellvertreter im Range eines Staatssekretärs. Im gleichen Jahr wurde er auch Mitglied des ZK der SED. Der Prozess gegen den westdeutschen KPD-Bundestagsabgeordneten Kurt Müller wurde maßgeblich von Mielke vorbereitet. Nach dem Aufstand vom 17. Juni 1953 sorgte Walter Ulbricht für die Absetzung Zaissers. Auf einen „Wink“ des Hohen Kommissars der Sowjetunion in Deutschland Wladimir Semjonow übernahm Ernst Wollweber die Leitung des MfS. Am 1. November 1957 belohnte Ulbricht Mielke für seine Unterstützung beim Sturz von Wollweber mit der Nachfolge im Amt des Ministers für Staatssicherheit. Die Position bekleidete Mielke 32 Jahre lang bis zum 7. November 1989. Zur Zeit seines Amtsantritts zählte die Behörde rund 14.000 hauptamtliche Mitarbeiter, Ende 1989 91.000. In einem von Mielkes Stahlschränken befand sich ein kleiner roter Koffer mit Dokumenten, die den langjährigen DDR-Staatschef Erich Honecker hätten kompromittieren können.

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