Erich Marckhl (* 3. Februar 1902 in Cilli, Untersteiermark; † 8. Juli 1980 in Graz) war ein österreichischer Musikpädagoge, Komponist und Musikfunktionär. Er lehrte von 1940 bis 1945 als Professor für Musikerziehung an der Wiener Reichshochschule für Musik und war von 1952 bis 1971 Landesmusikdirektor der Steiermark. Ab 1957 leitete er das Steiermärkische Landeskonservatorium in Graz und ab 1963 die Akademie bzw. Hochschule für Musik und darstellende Kunst Graz, wo er bis 1972 ordentlicher Professor war.
Erich Marckhl war der Sohn des Richters und Politikers Richard Marckhl (1861–1945). Geboren in Cilli in der Untersteiermark (heute Celje in Slowenien), wuchs Marckhl nach der Versetzung des Vaters erst in Klagenfurt, ab 1907 dann in Wien auf, als Richard Marckhl als deutschnationaler Abgeordneter in den Reichstag gewählt wurde. Richard Marckhl spielte Cello und veranstaltete, den Erinnerungen von Erich Marckhl zufolge, regelmäßig häusliche Kammermusikabende. Politisch war Richard Marckhl konservativ-national eingestellt mit ausgeprägter antisemitischer Haltung: „Er konnte in seinen Urteilen sehr heftig werden. Das galt auch für die Musik. Mahler verachtete er als aufdringlichen Juden und Stümperer voll Großmannsucht, der die Klassiker der Musik durch Übertreibung und aufdringliche, fremdrassisch beeinflußte Sentimentalitäten und Banalität übertreffen wollte.“ An anderer Stelle schreibt Erich Marckhl über die politische Haltung seines Vaters, der 1945 Selbstmord verübte: „So sehr ihm als altem Mann Adolf Hitlers Erfolge imponierten, so aufrichtig er sich über die Befreiung der Untersteiermark, deren Scheinbarkeit in vieler Hinsicht er nicht sehen konnte, freute, hat er sich nie zur NS-Partei bekannt, deren Radikalismus und Sozialismus ihn abstieß. Obgleich Antisemit aus Tradition, hätte er, wenn er davon gewußt hätte, Gewalt, Terror und Verbrechen strikt verurteilt.“
Nach der Reifeprüfung 1920 studierte Erich Marckhl Germanistik, Philosophie und Musikwissenschaft an der Universität Wien (Promotion 1925 zum Dr. phil), und von 1920 bis 1926 Komposition bei Franz Schmidt. Von 1926 bis 1936 arbeitete er als Erzieher an der Bundes-Erziehungsanstalt Wien XIII, ehemals Kadettenschule, wurde aber aus politischen Gründen entlassen (Mitgliedschaft bei der illegalen NSDAP). Er lehrte darauf von 1937 bis 1939 an der Hochschule für Lehrerbildung in Dortmund. 1939 wurde er „Fachinspektor für Musik an Höheren Schulen“ in Wien, 1939 Abteilungsleiter für Musikerziehung an der Wiener Reichshochschule für Musik (heute Universität für Musik und darstellende Kunst Wien). Eine Zeitungsnotiz vom Oktober 1943 berichtet: „Der Führer hat den Abteilungsleiter für Musikerziehung an der Reichshochschule für Musik in Wien, Dr. Erich Marckhl, zum Professor ernannt.“ An den Musiklehranstalten Wien richtete er ein Seminar für Musikerziehung und eine provisorische Lehramtsprüfungskommission ein.
Aufgrund seiner nationalsozialistischen Vergangenheit blieb er 1945 zunächst stellenlos und lebte mit Unterstützung durch die Familie von Gottfried von Einem in Ramsau am Dachstein (1945/46) und in Plomberg am Mondsee (1946–48). In der Folge gelang es ihm jedoch bereits Ende der 1940er, vor allem aber in den 1950er Jahren, einflussreiche und zentrale Posten im steirischen Musikleben zu besetzen. 1948 wurde Marckhl Leiter, 1949–52 Direktor der Städtischen Musikschule in Kapfenberg. Ebenfalls im Jahre 1948 wurde ihm das neu eingerichtete kleine Seminar für Musikerziehung am Landeskonservatorium (heute Johann-Joseph-Fux-Konservatorium) in Graz übertragen. Seit 1952 war Marckhl im Vorstand des Musikvereins für Steiermark. Am 1. Juli 1952 wurde Marckhl zum Landesmusikdirektor für Steiermark berufen, in Personalunion leitete er auch das steirische Volksmusikschulwesen. 1953 gründete Marckhl das Studio für Probleme zeitlich naher Musik in Graz. Im Rahmen dieser Konzertreihe, die bis 1975 Bestand hatte, wurden zahlreiche zeitgenössischen Werke ur- und erstaufgeführt, darunter Luigi Dallapiccola, Mátyás Seiber und Gottfried von Einem. Als einer der prominentesten Vertreter der internationalen Avantgarde war 1957 der damals 32-jährige Pierre Boulez im Rahmen des Studios zu Gast in Graz, hielt einen Vortrag und spielte seine 1. Klaviersonate. 1957 übernahm Marckhl zusätzlich die Leitung des Landeskonservatoriums Graz, das auf seine Initiative hin 1963 zur Akademie für Musik und darstellende Kunst (heute Universität für Musik und darstellende Kunst Graz) aufgewertet wurde, mit Marckhl als ersten Präsidenten (bis 1971). Im Jahre 1965 begründete er die Expositur eines Kultur- und Hochschulzentrums in Oberschützen im Burgenland.
Erich Marckhl war ein Anhänger der NS-Ideologie der ersten Stunde. In einem Schreiben vom 18. Januar 1938 (Eingangsstempel) an das Flüchtlingshilfswerk Berlin erklärt Marckhl, er sei der NSDAP am 30. April 1933 beigetreten, zugleich mit seinem Beitritt zum Nationalsozialistischen Lehrerbund (NSLB). Der vorläufige NSDAP-Beitrittsschein sei jedoch verloren gegangen, die NSLB-Mitgliedskarte hingegen sei in seinem Besitz. Marckhl führt dazu einige Zeugen an und ersucht „auf Grund beigegebener eidesstattlicher Erklärungen um Übernahme in die Mitgliedschaft der NSDAP.“ Marckhls Mitgliedschaft in der NSDAP steht auch aufgrund der Aufgebotsliste 512/1943 des Standesamtes 3 Wien-Alsergrund vom 18. August 1943 ohne Zweifel fest. Darin werden Bräutigam wie Braut, die Geigerin Christiane Hauser (1905–1984), unter Punkt 31 („Ehegenehmigung für Parteigenossen, Parteianwärter u. Gliederungsangehörige“) als „Pg“ bzw. „Pgn“, also als Parteigenosse und Parteigenossin ausgewiesen.
Im Frühjahr 1936 wird er in Wien als illegaler Nationalsozialist enttarnt und vom Schuldienst suspendiert. Er entzieht sich weiteren Ermittlungen und einer eventuellen Verantwortung vor Gericht durch Flucht nach Deutschland. „Wie viele andere geflüchtete österreichische Nationalsozialisten wird Marckhl im Dritten Reich gut versorgt und erhält eine akademische Anstellung an der Hochschule für Lehrerbildung in Dortmund.“ Marckhl erwähnt seine frühe Mitgliedschaft in der NSDAP auch in seinen Lebenserinnerungen: „Den Mitgliedern des Lehrerkollegiums in Dortmund galt ich als heimatvertriebener Nationalsozialist. Ich war ja auch Parteimitglied und hatte als solches eine 'schöne Nummer'“.
Unmittelbar nach der Okkupation Österreichs, dem sogenannten Anschluss, kommt Marckhl wieder nach Wien und dort rasch in verschiedene Positionen, unter anderem als Fachinspektor für Musik sowie als Professor an der Reichsmusikhochschule Wien. Am 31. Januar 1943 wird er zum Gebietsreferenten der Hitlerjugend bestellt. Gleichzeitig bekam Marckhl den HJ-Rang eines „Obergefolgschaftsführers“.
Wiederholt äußerte sich Marckhl zur Situation der Musik und Musikerziehung in der sogenannten „Ostmark“ im Sinne der Partei-Ideologie: „Dazu kam, dass die Bestrebungen nach einer Isolierung der ostmärkischen von der gesamtdeutschen Kulturhaltung vor allem auf musikalischem Gebiet eine krasse Orientierung des Niveaus nach unten mit sich brachte. Vor allem das völlig verjudete Gebiet der volkstümlichen, besonders Wiener Musik (die Produktion des sogenannten Wiener Liedes ist eine zu 80% zumindest jüdisch versippte Angelegenheit gewesen) wurde mehr als die Hochleistungen musikalischer Begabung auf ostmärkischem Boden als die spezifisch österreichische Richtung zur Geschmacksnorm breiter Massen gemacht.“
In Sachen Jazz vertrat Marckhl ebenfalls strikt die Parteilinie: „Auch vom Standpunkte der deutschen Musikkultur ist Jazz ist ein Jazzspieler keine irgendwie fördernswerte Erscheinung.“ In mindestens einem Fall ist nachgewiesen, dass Marckhl die Zulassung eines Kandidaten zum Studium verhindert hat, nachdem dieser als gelegentlicher Jazz-Musiker denunziert worden war. Das ist umso pikanter, als dass Marckhl in seiner Funktion als späterer Präsident der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Graz (jetzt Kunstuniversität Graz) 1964 eine Abteilung für Jazz mit initiiert hat.