Erich Friedrich Wilhelm Ludendorff (* 9. April 1865 in Kruszewnia bei Schwersenz, Provinz Posen; † 20. Dezember 1937 in München) war ein deutscher General der Infanterie und Politiker. Im Ersten Weltkrieg hatte er als Erster Generalquartiermeister und Stellvertreter Paul von Hindenburgs, des Chefs der dritten Obersten Heeresleitung (OHL), bestimmenden Einfluss auf die deutsche Kriegführung und Politik. Er verantwortete maßgeblich den Sieg in der Tannenbergschlacht sowie die gescheiterte Deutsche Frühjahrsoffensive 1918 und war einer der Väter der Dolchstoßlegende. Zur Zeit der Weimarer Republik betätigte er sich in der völkischen Bewegung, beteiligte sich 1920 am Kapp-Putsch und 1923 am Hitler-Putsch, war kurzzeitig Reichstagsabgeordneter der Deutschvölkischen Freiheitspartei und Mitbegründer des Tannenbergbunds. In einem eigenen Verlag veröffentlichte er gemeinsam mit seiner Frau Mathilde rechtsesoterische Spekulationen und Verschwörungstheorien.
Ludendorff wurde als Sohn des Rittergutsbesitzers und Reserveoffiziers Wilhelm Ludendorff (1833–1905) und dessen Ehefrau Clara (1841–1914) in dem 60-Seelen-Dorf Kruszewnia in der Nähe von Schwersenz in der preußischen Provinz Posen geboren. Sein Vater entstammte einer pommerschen Kaufmannsfamilie, deren Stammbaum bis hin zu Erik XIV. von Schweden zurückverfolgt werden kann, und hatte – zu Wohlstand gekommen – von dem neuen preußischen Recht (Reguliersedikt) Gebrauch gemacht, das auch Nichtadligen den Erwerb von Gütern gestattete. Ludendorffs Vater kämpfte als Kavallerieoffizier in den deutschen Einigungskriegen (1866, 1870/1871) und bestimmte Erich für die Offizierslaufbahn. Später verkaufte der Vater das Rittergut und wurde gutdotierter Angestellter einer Versicherung.
Seine Mutter entstammte der preußischen Adelsfamilie von Tempelhoff, einer ihrer Urgroßväter war der preußische General Georg Friedrich von Tempelhoff. Sein jüngerer Bruder war der Astrophysiker Hans Ludendorff.
Ludendorff war von 1908 bis 1925 in erster Ehe verheiratet mit Margarethe Pernet geb. Schmidt (1875–1936), die vier Kinder mit in die Ehe brachte, darunter Heinz Pernet; nach der Scheidung schrieb sie ihre Memoiren. 1926 heiratete Ludendorff Mathilde von Kemnitz geb. Spieß (1877–1966), eine Ärztin seiner ersten Frau. Ludendorff starb kinderlos.
Ludendorffs Schwester Gertrud (1878–1973) war mit dem Richter Gustav Jahn, dem ersten Präsidenten des Reichsfinanzhofs, verheiratet.
Ludendorff schlug nach seinem Schulabschluss eine Karriere als Berufsoffizier bei der preußischen Armee ein. Nach seiner Ausbildung im Kadettenvorkorps Plön und der Hauptkadettenanstalt in Groß-Lichterfelde in den Jahren 1877 bis 1882 kam Erich Ludendorff 1882 als junger Leutnant zum 8. Westfälischen Infanterie-Regiment Nr. 57 nach Wesel. 1887 wurde er zum Seebataillon der Kaiserlichen Marine versetzt und diente unter anderem auf den Schiffen Niobe, Baden und Kaiser. Während dieser Zeit besuchte er Skandinavien und die Britischen Inseln.
1890 wurde Ludendorff für die dreijährige Generalstabsausbildung zur Kriegsakademie nach Berlin abkommandiert. In dieser Zeit galten seine Interessen Russland und der russischen Sprache. Nachdem er sich umfassende Sprachkenntnisse angeeignet hatte, erhielt er Gelegenheit, diese während eines dreimonatigen Sonderurlaubs in Sankt Petersburg und Moskau zu vertiefen. Nach seiner Rückkehr erfolgte die Ernennung zum Generalstabsoffizier. Innerhalb der 1. (russischen) Abteilung des Großen Generalstabs bearbeitete er als Referent die Staaten Osteuropas und Asiens mit Ausnahme Russlands. Nach Ablauf der einjährigen Probezeit wurde er im März 1895 zum Hauptmann befördert. Im Frühjahr 1896 wurde Ludendorff als Zweiter Generalstabsoffizier (Ib) in den Generalstab des IV. Armee-Korps in Magdeburg versetzt. 1898 wurde er Kompaniechef im Infanterie-Regiment „von der Marwitz“ (8. Pommersches) Nr. 61. 1901 erfolgte die Versetzung als Erster Generalstabsoffizier (Ia) in den Stab der 9. Division nach Glogau. Im selben Jahr wurde er zum Major befördert und 1902 als Ia in den Stab des übergeordneten V. Armee-Korps in Posen versetzt.
1904 erfolgte dann die von Ludendorff favorisierte erneute Kommandierung als Sektionschef in die Aufmarschabteilung (2. Abteilung) des Großen Generalstabs. Hier stand er bis 1906 der 1. (deutschen) Sektion vor, die die Fragen des deutschen Heeres behandelte. In dieser Zeit wurde er mit den Grundzügen des Schlieffen-Plans vertraut gemacht. Dem Laufbahnrecht gemäß unterbrach er 1906 seine Tätigkeit im Großen Generalstab, um Dozent an der Kriegsakademie zu werden, wo er Taktik und Kriegsgeschichte lehrte. Im April 1908 wurde Ludendorff dann Leiter der 2. Abteilung im Großen Generalstab, der größten und wichtigsten. Zu seinen Aufgaben gehörte es, den Aufmarsch der deutschen Armee im Falle eines Krieges vorzubereiten. Als wichtiger Gehilfe des Generalstabschefs Moltke war Ludendorff entscheidend an der Überarbeitung des Schlieffen-Plans beteiligt, vor allem hinsichtlich des sogenannten Handstreichs auf Lüttich. Er wirkte auch entschieden auf die Verabschiedung der Wehrvorlage von 1913 hin, der bis dahin größten Heeresvergrößerung im Kaiserreich. 1908 wurde Ludendorff zum Oberstleutnant und 1911 zum Oberst befördert. Im Jahr 1912 wurde er als Kommandeur des Niederrheinischen Füsilier-Regiments Nr. 39 nach Düsseldorf versetzt. Dies empfand Ludendorff selbst als Maßnahme, mit ihm den unermüdlichen Mahner zu entfernen, der die Vorbereitung des „unvermeidlichen“ Krieges forderte. Tatsächlich war diese Verwendung im Truppendienst aber normaler Bestandteil der Laufbahn eines Generalstabsoffiziers. Am 22. April 1914 wurde Ludendorff zum Generalmajor befördert und zum Kommandeur der 85. Infanterie-Brigade in Straßburg ernannt.
Während des Ersten Weltkriegs machte Ludendorff eine steile Karriere. Zunächst stieg er schnell in höhere Feld- und Stabsverwendungen auf und bildete schon im August 1914 ein erfolgreiches Feldherrnduo mit dem späteren Generalfeldmarschall Paul von Hindenburg. Gemeinsam mit diesem bildete er ab 1916 die Spitze der dritten Obersten Heeresleitung. Mit der Neuorganisierung des Großen Generalstabes verfolgte er das Ziel der Errichtung einer Militärdiktatur. Später wurde er nach der Entmachtung von Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg 1917 tatsächlich zum eigentlichen Machthaber im Reich. Nach dem Fehlschlag der Frühjahrsoffensive 1918, auf der alle Hoffnungen für einen deutschen Sieg ruhten, verlor Ludendorff jedoch schrittweise seinen bis dahin ausgeübten Einfluss auf die deutsche Kriegsführung und wurde infolge der nun deutlichen Niederlage Deutschlands im Oktober 1918 entlassen.
Gleich zu Beginn des Krieges wurde Ludendorff, gemäß seiner Mobilmachungsbestimmungen, zunächst zum Oberquartiermeister der 2. Armee ernannt. Noch in der ersten Woche des Weltkrieges und drei Tage nach dem Überfall der deutschen Truppen auf das neutrale Belgien eroberte die von Ludendorff – nach dem Tod des kommandierenden Offiziers – ad hoc übernommene 14. Infanterie-Brigade am 6. August 1914 die schwer befestigte Zitadelle in der für den Schlieffen-Plan entscheidenden Stadt Lüttich, wofür er als zweiter Soldat des Weltkrieges mit dem höchsten preußischen Orden Pour le Mérite ausgezeichnet wurde. Dieser wichtige Coup begründete den Ruf Ludendorffs als Held von Lüttich.
Am 22. August 1914 wurde Ludendorff überraschend zum Chef des Stabs der 8. Armee nach Ostpreußen berufen. Die Ostfront des Reiches war gegen eine russische Übermacht in eine schwierige Lage geraten: russische Truppen standen bis zu 10 Kilometer auf ostpreußischem Gebiet. Ludendorff schien sowohl aufgrund seiner Vorerfahrungen als Militärbeobachter in Russland als auch aufgrund seiner Erfolge an der Westfront für diese Aufgabe prädestiniert. Als Stabschef des späteren Reichspräsidenten Hindenburg war er als strategischer Kopf an den Siegen in der Tannenbergschlacht und der Masurenschlacht gegen die russischen Truppen maßgeblich beteiligt. Nach der Schlacht um Łódź wurde Ludendorff zum Generalleutnant befördert. Während der folgenden Kriegsjahre war Ludendorff weiterhin als Stabschef beim inzwischen zum Generalfeldmarschall und Oberbefehlshaber Ost (OB Ost) aufgestiegenen Hindenburg eingesetzt. Aufgrund der Ballung von militärischen Kräften an der Westfront (Verdun) war die Ostfront – wo Ludendorff und Hindenburg überdies auch in Konkurrenz zur nominell der k.u.k-Heeresleitung, indirekt damit jedoch der OHL selbst unterstellten, Heeresgruppe Mackensen agieren mussten – jedoch nachrangig. Dadurch galt Ludendorffs Arbeit ab 1915 überwiegend der Etablierung des Militärstaates Ober Ost als ein Musterbeispiels besatzungspolitischer „deutscher Arbeit“ im Osten.