Enzo Anselmo Ferrari (* 18. Februar (amtlicher Eintrag in das Geburtsregister: 20. Februar) 1898 in Modena; † 14. August 1988 ebenda) war ein italienischer Automobilrennfahrer, Rennsportmanager und Gründer des Sport- und Rennwagenherstellers Ferrari.
Als Sohn einer oberitalienischen Familie wurde Enzo Anselmo Ferrari am 18. Februar 1898 im Bergland der Region Emilia-Romagna geboren. Seine Mutter war Bäuerin, sein Vater besaß einige Schlossereibetriebe in der Umgebung. In verschiedenen Biografien abweichende Geburtsdaten sind auf die verspätete Anmeldung seiner Geburt wegen der damaligen Witterungsbedingungen zurückzuführen. Ferrari war in erster Ehe mit Laura Garello und in zweiter Ehe mit Lina Lardi degli Adelardi verheiratet und wurde Vater von zwei Söhnen, Alfredo „Dino“ Ferrari (1932–1956) und Piero Ferrari, der heute Vizepräsident von Ferrari ist und einen Anteil von 10 Prozent der Firma besitzt.
Enzo Ferrari verließ nach der dritten Klasse die Hauptschule, anschließend arbeitete er in der Schmiede seines Vaters. Auch wollte Ferrari zwischenzeitlich Journalist oder Opernsänger werden. Schon in seiner Jugend interessierte ihn die neu aufkommende Technik der Verbrennungsmotoren. So nutzte er den väterlichen Betrieb, um sein technisches Wissen zu erweitern, anfangs mit Motorreparaturen und später mit ersten Motoren in Eigenbau. Später ließ sich Ferrari deshalb gerne mit dem Titel „Ingegnere“ anreden, obwohl er dazu nie eine formale Ausbildung erhalten hatte.
Einstieg in den Automobilrennsport
Wegen seiner Tätigkeit als Kraftfahrzeugschlosser zog es ihn zum aufkommenden Automobilrennsport. Eine entsprechende Bewerbung als Werksfahrer bei dem Automobilhersteller Fiat in Turin war aber nicht erfolgreich. Ersparnisse und private Förderer ermöglichten Ferrari im Jahr 1919 den Aufbau eines eigenen Fahrzeugs, mit dem er fortan an Rennen der Region teilnahm und die Öffentlichkeit auf sich aufmerksam machte. Sein ungewöhnlich früh erworbenes Wissen über leistungssteigernde Verbesserungen an Verbrennungsmotoren, gepaart mit seiner Fähigkeit, diese als Fahrer optimal zu nutzen, brachten ihm schon in den ersten Monaten seiner Rennfahrerkarriere mehrere Siege ein. Sein in der Branche erworbenes Ansehen mündete in der Anstellung als Betriebstestfahrer bei der Firma Costruzioni Meccaniche Nazionali (CMN).
Ferraris Erfolge steigerten das Renommee von CMN, sodass er bereits nach kurzer Zeit zum ersten Werksfahrer aufstieg. Seine Popularität konnte er durch vordere Platzierungen in verschiedenen Bergrennen festigen. Ausschlaggebend für seinen Wechsel zum renommierten Rennstall Alfa Romeo war der vierte Platz beim Bergrennen Parma–Poggio di Berceto, das damals überregionale Bedeutung hatte. Im Jahr 1920 wurde Enzo Ferrari Chefwerksfahrer der Alfa-Crew, nachdem er bei der Targa Florio den zweiten Platz gewonnen hatte. In den 47 Rennen, an denen Enzo Ferrari als Fahrer teilnahm, holte er über ein Dutzend Siege für Alfa Romeo und war damit einer von Italiens erfolgreichsten Rennfahrern.
Anlässlich der Geburt seines Sohnes Dino im Jahr 1932 gelobte sich Enzo Ferrari, selbst keine Rennen mehr zu fahren. In seiner Autobiographie aus dem Jahre 1964 gibt er an, wegen der zahlreichen tödlichen Renn-Unfälle und nach dem Tod seines Sohnes Dino überhaupt keinen Rennen mehr beizuwohnen.
Nachdem Ferraris Werkstatt 1943 von alliierten Bombern fast vollständig zerstört worden war, zog der Rennstall von Modena nach Maranello um. Wie alle kriegswichtigen Betriebe wurde das Werk in Maranello unmittelbar nach dem Waffenstillstand zwischen Italien und den Alliierten im September 1943 von der Wehrmacht besetzt. Die Deutschen beschlagnahmten etwa bei Ferrari hergestellte Produkte, die wegen der Aktitiväten des Widerstands vermutlich nie nach Deutschland gelangten. Eine weitere Folge war der „Kampf im eigenen Land“ zwischen Faschisten und etwa den Partisanen, die Jagd machten auf diejenigen, die das Regime von Mussolini unterstützt hatten oder solche, die sich mit der Situation widerstandslos abgefunden hatten. Der Historiker Luca Del Monte: „Ferrari war nie ein Faschist gewesen, sondern immer ein Realist.“ Er sei erst an dem Tag Mitglied der Partito Nazionale Fascista (PNF) geworden, an dem er einen Pass benötigt hätte, um ins Ausland zu reisen.
Nach der Besetzung durch die Deutschen erlaubte Ferrari Arbeitern, die dem Widerstand angehörten, in den Lagerhallen seines Unternehmens Krähenfüße herzustellen und Gewehre zu reparieren. Nach den Recherchen von Del Monte versteckte und versorgte er eine polnische Frau und ihre drei Kinder in einer Scheune. Er vergrub eine Kiste mit Geld der Partito Comunista Italiano (PCI) in seinem Garten und spendete der Resistenza Geld. Dennoch landete er auf einer „Geächtetenliste“ des Widerstands. Als er vom Tod seines Freundes Edoardo Weber erfuhr, sei Ferrari „am Boden zerstört“ gewesen und habe sich in einem „Schockzustand“ befunden, überzeugt, er sei der Nächste auf der Todesliste. Dass Ferrari letztlich nicht getötet wurde, wird unter anderem auf die Uneinigkeit der Widerstandsgruppen zurückgeführt.
Tatsächlich erklärten Mitglieder der PCI später, dass Ferrari als „Antifaschist und Demokrat seine Rolle gespielt“ habe. 1979, anlässlich seines 81. Geburtstags, wurde ihm von der Associazione Nazionale Partigiani d’Italia die Goldmedaille des Widerstands verliehen. Bei Kriegsende am 2. Mai 1945 feierte Ferrari den Frieden mit einer Prämie von 1500 Lire für jeden seiner Mitarbeiter.
Gründung des Rennstalls Ferrari und Formel 1
1929 gründete Ferrari seinen eigenen Rennstall, die Scuderia Ferrari mit Sitz in Modena; gefahren wurde weiterhin mit Fahrzeugen von Alfa Romeo. Nachdem Ferrari seine aktive Laufbahn beendet hatte, wurde er stellvertretender Leiter des Alfa-Romeo-Teams. Diese Zusammenarbeit endete 1939 mit der Auflage, dass Enzo Ferrari vier Jahre lang keinen Rennsport betreiben dürfe. 1946 konstruierte die nunmehr unabhängige Scuderia Ferrari erstmals einen eigenen Rennwagen, mit dem im folgenden Jahr der erste Sieg gelang.
Die heutige Formel-1-Weltmeisterschaft startete am 13. Mai 1950 mit dem Großen Preis von Großbritannien in Silverstone. Seit dem zweiten Rennen, am 21. Mai 1950 in Monaco, nahm Ferrari als einziger Wagen- und Motorenhersteller ununterbrochen in jeder Saison mit einem eigenen Rennteam teil – jedoch nicht an jedem einzelnen Rennen, wie oft fälschlich zu lesen ist. So verhinderte ein Pilotenstreik die Teilnahme am Großen Preis von Großbritannien am 18. Juli 1959. In den 1960er Jahren wurden aus Kostengründen einige Überseerennen ausgelassen und schließlich stellte Ferrari zur Mitte der Saison 1973 die Teilnahme an den Grand-Prix-Rennen wegen andauernder Erfolglosigkeit vorübergehend ein. Wegen der kurz zuvor erfolgten Rücknahme der Disqualifikation von James Hunt auf McLaren beim Großen Preis von Spanien sagte die Scuderia Ferrari zudem auch die Teilnahme am Großen Preis von Österreich 1976 ab. Die Scuderia Ferrari ist mit 15 Fahrer- und 16 Konstrukteursweltmeisterschaften das erfolgreichste Formel-1-Team der Geschichte. Der Brite Nigel Mansell gilt als der letzte Formel-1-Pilot, den Enzo Ferrari persönlich verpflichtete. Als Service-Fahrzeuge der Rennfahrzeuge in den 60er Jahren wählte Enzo Ferrari, der selbst bis in die 70er Jahre auch Peugeot (404, 504/504 Coupé) fuhr, Kombis von Peugeot.
1956 starb Dino Ferrari, der sich lange gegen seine tödliche Krankheit Muskeldystrophie gewehrt hatte. Verzweifelt hatte sein Vater „in aller Welt“ medizinische Hilfe für den Sohn gesucht und täglich dessen Gesundheitszustand notiert. Erst im Winter 1954/1955 begriff er, dass Dino, der trotz seiner Krankheit bis zuletzt technische Vorschläge machte, nicht genesen würde. Im Juni 1956 erlitt Dino Ferrari eine Hirnblutung, fiel ins Koma und starb am 30. Juni 1956. Enzo Ferrari notierte in seinem Tagebuch: „Ich habe meinen Sohn verloren und ich habe nichts als Tränen verloren.“ Jahrelang trug er zum Zeichen seiner Trauer nur schwarze Krawatten.
Seit 1946/47 stellt sein Unternehmen auch hochleistungsfähige Straßenwagen her.