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Englische Cricket-Nationalmannschaft

Nationalmannschaft im Cricket, die England und Wales auf internationaler Ebene vertritt

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Die englische Cricket-Nationalmannschaft (englisch England cricket team) vertritt England und Wales auf internationaler Ebene in der Sportart Cricket. Sie ist Vollmitglied im International Cricket Council (ICC) und damit berechtigt, Tests gegen andere Vollmitglieder auszutragen. Das Team wird seit dem Januar 1997 vom Verband England and Wales Cricket Board (ECB) geleitet, der diese Aufgabe vom Test and County Cricket Board (TCCB) übernahm, der seinerseits 1968 die Nachfolge des Marylebone Cricket Clubs (MCC) war. Bis Anfang der 1990er Jahre vertrat sie formal ebenso Irland und Schottland, die seitdem eigenständige Mitglieder des ICC sind.

England bestritt im März 1877 gegen Australien den ersten Test in der Geschichte des internationalen Cricket. Ebenso bestritten beide Länder im Januar 1971 das erste One-Day International (ODI) und im Juni 2005 England sein erstes Twenty20 International (T20I) gegen Australien. Größte Erfolge bei Weltmeisterschaften waren der zweimalige Gewinn des T20 World Cup (2010 und 2022) sowie des Cricket World Cup 2019. Im Test Cricket sind das wichtigste Ereignis die Serien gegen Australien, bei der um die bekannteste Trophäe im internationalen Cricket, The Ashes, gespielt wird. 29 ehemalige englische Spieler wurden in die ICC Cricket Hall of Fame aufgenommen.

In England werden bereits seit Jahrhunderten Sportarten praktiziert, bei denen Teilnehmer einen Ball mit einem Stock schlagen. Vor allem Tip-cat, bei dem ein Spieler einen Ball mit einem Stock schlägt und andere versuchen, den Ball anschließend zu fangen, gilt als ein Vorläufer des Crickets. Tip-cat reicht bis ins 17. Jahrhundert zurück und war vor allem im 19. Jahrhundert im Vereinigten Königreich beliebt.

Die erste heute bekannte Mannschaft, mit dem Anspruch „England“ zu repräsentieren, war ein „All-England“ Team, das am 9. Juli 1739 gegen eine starke Mannschaft aus der „unbesiegbaren Grafschaft“ Kent knapp verlor. In den folgenden Jahrzehnten folgten noch viele Spiele ähnlicher Art, bis 1846 William Clarke eine „All-England Eleven“ ins Leben rief. Gegen die unter anderem von John Wisden im Jahr 1852 gegründete „United All-England Eleven“ fanden zwischen 1857 und 1866 jährliche Spiele statt, die damals der Höhepunkt der englischen Cricket-Saison waren, auch was die Qualität der Spieler betraf.

Die erste englische Mannschaft, die in Übersee antrat, reiste im September 1859 nach Nordamerika, finanziert durch William Pickering, einem nach Kanada emigrierten ehemaligen Spieler der University of Cambridge. Sie bestand aus je sechs Spielern der „All-England Eleven“ und der „United All-England Eleven“, ihr Kapitän war George Parr.

Mit dem Ausbruch des Sezessionskrieges musste man sich anderweitig umsehen, und in der Wintersaison 1861/62 reiste zum ersten Mal eine englische Mannschaft unter der Leitung von H. H. Stephenson nach Australien; die Tour wurde von Messrs Spires und Pond, Gastronomen aus Melbourne, finanziert. Die auf der Tour ausgetragenen Spiele fanden jedoch gegen Mannschaften statt, die meist aus mehr als elf Spielern bestanden, da man sich so den größten finanziellen Ertrag erhoffte und die Spiele so ausgeglichener gestalten wollte. Spiele während der Tour besaßen meist eine Gewinnchance von 18/11. Die Tour galt als Erfolg und so gab es in der Saison 1863/64 eine weitere Tour unter George Parr. Jedoch kam es auf ihr zu Konflikten zwischen Amateuren, die allgemein einer gehobenen Gesellschaftsschicht entstammten, und Profis. Dies führte dazu, dass in den folgenden Jahren nur bedingt gemischte Mannschaften für die Touren zusammengestellt wurden. Der Gegensatz zwischen Amateuren und Profis setzte sich auch in den folgenden Jahren fort.

Die darauf folgende, von James Lillywhite angeführte englische Mannschaft bestand ausschließlich aus Profis und brach am 21. September 1876 mit dem P&O-Dampfschiff Poonah nach Australien auf. Sie traf auf eine australische XI und erstmals bestanden beide Mannschaften aus elf Spielern. Der erste Test, wie er erst nachträglich bezeichnet wurde, fand ab dem 15. März 1877 im Melbourne Cricket Ground statt. Diesen verlor das englische Team mit 45 Runs. Der Australier Charles Bannerman erzielte in diesem Spiel mit seinem einzigen First-Class-Century (100 Runs) überhaupt das erste Century der Test-Cricket-Geschichte, und bis heute den größten Anteil eines Einzelspielers in einem vollen Test-Innings. England konnte sich aber knapp zwei Wochen später an gleicher Stelle mit einem Sieg von vier Wickets revanchieren. Das erste Test-Match in England konnten die Gastgeber 1880 für sich entscheiden. Dies war auch das erste Mal, dass England in voller Stärke, inklusive W. G. Grace, antreten konnte.

In den Folgejahren folgten weitere Touren, wobei vor allem die australische Englandtour 1882 hervorstach. Australien gelang es, in einem engen Spiel die Engländer mit sieben Runs überraschend zu schlagen, woraus aus einem Zeitungsscherz die Ashes entstanden. Die Niederlage war ein Schock für die Sportöffentlichkeit in England. Als Reaktion darauf druckte The Sporting Times eine ironische „Todesanzeige“ auf das Englische Cricket ab:

Im folgenden Winter führte der englische Kapitän Ivo Bligh das Team nach Australien, „um jene Asche wiederzuerlangen“ (to recover those Ashes). Die sowohl aus Amateur- als auch Profispielern bestehende Mannschaft gewann die Testserie mit 2–1. Daraufhin erhielt Bligh eine Urne überreicht, wobei die Asche nach verschiedenen Berichten entweder von einem Bail, einem Ball oder dem Schleier einer Frau stammte. Seitdem wird die in etwa zwei Mal alle vier Jahre ausgetragene Testserie der beiden Mannschaften als Ashes-Series bezeichnet. Anschließend fand noch ein viertes Spiel statt, das Australien mit vier Wickets gewann. Allerdings wurde dieses Spiel nicht als Teil der Ashes gewertet. Nach dem Sieg des englischen Teams 1882/83 in Australien dominierten die Engländer diese Serie und konnten allein bis zum Ende des 19. Jahrhunderts noch zehn weitere Male die Ashes für sich entscheiden. Auch bestritten sie 1889 ihr erstes Testmatch gegen Südafrika. Die Erfolge der englischen Mannschaft bestätigten den Glauben an die eigene Dominanz und Überlegenheit.

Die Ashes-Serie 1890 gewann England mit 2–0, wobei das dritte Spiel der Serie der erste Test war, der abgesagt werden musste. Bei der Tour 1895/96 in Südafrika gewann England alle Tests der Serie. Für die Heimspiele änderten sich ab der Ashes-Serie 1899 die Nominierungsregeln für die Nationalmannschaft. Erstmals richtete der MCC und die County-Clubs ein selection committee („Auswahlkomitee“) zur Auswahl der Spieler ein. Bis dahin war der Kader durch den jeweiligen Heimclub des Spielortes bestimmt worden. Die damals aktiven Amateurspieler Grace, Lord Hawke und Warwickshires Kapitän Herbert Bainbridge waren Teil des Komitees. Durch die Zusammensetzung des Komitees kam es bei der Auswahl der Spieler ebenfalls zu einer Bevorzugung von Amateuren. Da die aktiven Amateurspieler im Spiel ihren Fokus eher aus das Batting legten, gelangen England im letzten Match zwar 576 Runs, jedoch war es durch mangelndes Bowling zweimal nicht dazu in der Lage, Australien auszubowlen. England verlor die Serie mit 0–1, und Grace bestritt im ersten Spiel der Tour seinen letzten Test.

Der Beginn des neuen Jahrhunderts verlief sehr gemischt. So gewann England vor dem Ersten Weltkrieg nur vier der acht ausgetragenen Ashes-Serien gegen Australien und 1905/06 verlor es sogar erstmals eine Testserie in Südafrika.

Nachdem England die erste Ashes des neuen Jahrhunderts 1901/02 in Australien mit 1–4 verloren hatte, konnte Australien auch in England gewinnen. Letztere Tour war durch ein intensiv gespieltes Cricket geprägt, nachdem unter anderen Gilbert Jessop innerhalb von 75 Minuten ein Century erzielen konnte. Zurück in Australien, feierte England unter Kapitän Pelham Warner bei der Ashes 1903/04 wieder einen Serien-Sieg. Dabei erzielte R. E. Foster bei seinem Debüt ein Double-Century über 287 Runs und Wilfred Rhodes stellte mit 15 Wickets in einem Spiel einen Rekord auf. In Südafrika verlor England in der Saison 1905/06 mit 1–4, revanchierte sich jedoch daheim unter Kapitän Foster in der Saison 1907 mit einem 1–0-Sieg. Allerdings hielt der Erfolg nicht an, da es die Ashes-Serie daheim 1909 verlor, ebenso wie die Serie in Südafrika in der Saison 1909/10. Bei letzterer konnte nur Jack Hobbs als Batter überzeugen, der sein erstes von insgesamt 15 Test-Centuries seiner Karriere erzielte. Am 15. Juni 1909 gründete der englische Verband zusammen mit Australien und Südafrika im Lord’s Cricket Ground die Imperial Cricket Conference (heute International Cricket Council, ICC). Bei der Tour 1911/12 in Australien verlor das Team den ersten Test, drehte dann jedoch dank Jack Hobbs und Sydney Barnes die Tour und entschied die verbliebenen Spiele für sich. Dies war die letzte Ashes-Tour vor dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges.

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