Engelbert Zaschka (* 1. September 1895 in Freiburg im Breisgau; † 26. Juni 1955 ebenda) war ein deutscher Ingenieur, Konstrukteur und Erfinder. Zaschka zählt zu den deutschen Hubschrauberpionieren und war ein Pionier des Fliegens mit Muskelkraft sowie des Faltautos.
Zaschka entwickelte und konstruierte unter anderem mit seinem Rotationsflugzeug eine eigene Klasse der Drehflügelflugzeugsysteme, den ersten zerlegbaren und faltbaren Kleinwagen (Faltauto), ein frühes Muskelkraft-Flugzeug und eigene Motorsysteme. Er meldete zahlreiche Patente an. Von 1921 bis 1925 war er Chefkonstrukteur des Motorrads Orionette der Orionette AG für Motorfahrzeuge. Er veröffentlichte das erste deutschsprachige Werk über Trag- und Hubschrauber und verfasste diverse technische Fachartikel.
Engelbert Zaschka stammte aus einer Musikerfamilie, sein Vater Wenzel lehrte Zither und spielte im Freiburger Stadtorchester, seine Mutter Emilie, geborene Rombach, war Sängerin; er war das zweitälteste von vier Kindern. Er wuchs in der Scheffel- und in der Bürgerwehrstraße auf, wo sein Vater 1910 das im Jugendstil erbaute Mietshaus Nr. 11 errichten ließ. Mit 14 Jahren meldete er sein erstes Patent an, gründete einen „Hobbyfliegerclub“ in Freiburg-Wiehre und machte angeblich erste Flugversuche am Freiburger Schlossberg.
Nach dem Besuch der Höheren Bürgerschule in Freiburg ging er zum Ingenieurstudium nach Altenburg. Danach arbeitete er als Ingenieur bei Rheinmetall in Düsseldorf und ging 1916 nach Berlin. Dort war er als Chefkonstrukteur bei der Orion Aktiengesellschaft für Motorfahrzeuge tätig. In den 1930er und 1940er Jahren war Zaschka bei den Henschel Flugzeug-Werken angestellt. In Berlin war er 1926 im Stadtteil Neukölln in der Lichtenrader Straße 59 gemeldet, 1929 in der Selchower Straße 15/16 nahe dem Tempelhofer Flugfeld, 1934 in der Flughafenstraße 21 und 1943 in der Weserstraße 34a.
Zaschka war Mitglied der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP). Er trat ihr am 1. Juli 1941 bei und hatte die Mitgliedsnummer 8.737.502 (Gau Berlin).
Nach dem Zweiten Weltkrieg ließ er sich wieder in Freiburg im Breisgau nieder, wo er in der Türkenlouisstraße 47 eine Werkstatt (Fahrzeugfabrik. Familienfahrräder bzw. Zaschka-Fahrzeugfabrik) betrieb. Zaschka starb am 26. Juni 1955 im Alter von 59 Jahren in seiner Geburtsstadt Freiburg im Breisgau.
Trag- und Hubschrauber sowie Muskelkraft-Flugzeug
Zaschka-Rotationsflugzeug „Z I“ (1926)
In den Jahren 1926/27 konstruierte und präsentierte Engelbert Zaschka einen der ersten Vorläufer des Trag- und Hubschraubers. Der grundlegende Entwurf der Maschine ist in Zaschkas Patent Nr. 573 961, das am 18./19. Juni 1926 im Deutschen Reich eingereicht wurde, mit „Hubschraubenflugzeug“ betitelt. Seine Erfindung wurde in der Folgezeit auch in den USA, Großbritannien, Frankreich, Schweiz und Dänemark patentiert.
Bei Zaschkas Erfindung handelt es sich um einen Drehflügler, einen kombinierten Trag- und Hubschrauber. Die Besonderheit des Zaschka-Rotationsflugzeugs bestand darin, dass über dem Zweiblattrotor ein Speichenrad als horizontal rotierender Kreisel installiert war, der zur Stabilitätserhöhung im Flug diente und die Absturzgefahr bei Motorausfall mindern sollte. Der darunter eingebaute Motor war mit einer Welle über eine ausrückbare Kupplung mit dem über dem Rotor drehenden Speichenrad verbunden. Das auch als Energiespeicher fungierende Speichenrad trieb über ein Untersetzungsgetriebe den Hauptrotor an. Bei Ausfall des Motors konnte dieser vom Rotor abgekoppelt werden. Der Einstellwinkel der Rotorblätter sollte dann so verändert werden, dass der Rotor durch den entstehenden Fallwind weiter angetrieben werden wird (Autorotation) und die kinetische Energie im Kreisel gespeichert wird. In Bodennähe sollte schließlich der Blattwinkel wieder auf den für den Aufstieg gültigen Wert verändert werden, wodurch mit Hilfe der im Kreisel gespeicherten Energie Rotorschub nach oben erzeugt würde. So sollte auch bei Motorausfall eine gefahrlose Landung ermöglicht werden. In Zaschkas Patentschrift „Hubschraubenflugzeug“ heißt es dazu:
Bei der im Jahr 1927 nach dem oben beschriebenen Konzept konstruierten Versuchsmaschine wurde eine Hubschraube mit 14 Metern Durchmesser auf einem Prüfstand montiert. Zaschka gelang es mit einer Motorleistung von 30 PS, den 360 Kilogramm schweren Apparat vom Erdboden starten zu lassen. Der Rotor drehte dabei mit 100 min−1, während der Kreisel eine Drehzahl von 1450 min−1 hatte. Wegen fehlender finanzieller Mittel konnte die Versuchsreihe nicht fortgesetzt werden.
Zaschka-Rotationsflugzeug „Z II“ (1928)
Am Flughafen Berlin-Tempelhof führte Zaschka 1928 Experimente mit einem weiteren Modell durch, dem Zaschka Helikopter bzw. Rotationsflugzeug, das 7 Meter Spannweite hatte und mit einem 300 cm³ DKW-Motor ausgestattet war. Wenngleich sich diese ersten Versuchsmodelle nur in geringe Höhe erhoben, wurde doch deutlich, dass beim Abbremsen des Motors der Apparat langsam auf den Erdboden heruntersank und unbeschädigt aufsetzte.
Der Rotorantrieb dieses Geräts war bereits mit einem Gyroskop ausgestattet, das die Achse gegen Wind oder gegen Nebeneffekte der Steuerung stabilisierte. Andernfalls wäre das Fluggerät nur sehr schwer steuerbar gewesen. Zur Höhensteuerung konnten die Anstellwinkel der Rotorblätter vom Führersitz aus verstellt werden. Eine am Rumpfende sitzende Luftschraube sollte den horizontalen Vortrieb erzeugen, wurde jedoch nicht mehr praktisch erprobt, da die finanziellen Mittel für weitere Testläufe und Weiterentwicklungen fehlten.
Erst im Jahr 1936 gelang es Henrich Focke und Gerd Achgelis, mit dem Modell Focke-Wulf Fw 61 den ersten voll steuerbaren Hubschrauber zu entwickeln.
Zaschka Muskelkraft-Flugzeug (1933–1934)
Im Jahre 1934 präsentierte Zaschka das Zaschka Muskelkraft-Flugzeug, einen Eindecker mit Stahlrohrrahmen und einem schmalen Flügel von ungefähr 20 Metern Spannweite. Zum Starten wurde das Flugzeug von bis zu vier Männern auf die erforderliche Startgeschwindigkeit beschleunigt.
Bei Flugversuchen am 11. Juli 1934 konnte Engelbert Zaschka in Tempelhof damit ohne fremde Starthilfe Schwebeflüge von 20 Meter Weite erreichen. Somit handelte es sich um einen muskelkraftgetriebenen Flug ohne Startgerät.