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Engelbert Humperdinck

Deutscher Komponist (1854–1921)

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Engelbert Humperdinck (* 1. September 1854 in Siegburg; † 27. September 1921 in Neustrelitz) war ein deutscher Komponist der Spätromantik. Er wurde vor allem durch seine Märchenoper Hänsel und Gretel bekannt.

Humperdinck war der älteste Sohn des Siegburger Altphilologen und Gymnasiallehrers Gustav (Ferdinand) Humperdinck (1823–1902). Die Eltern seiner Mutter Gertrud (Helene Olivia) waren der Paderborner Domkantor Franz Xaver Hartmann und dessen aus dem tschechischen Musikantengeschlecht der Tichys stammende Ehefrau. Seine Mutter übte einen großen Einfluss auf die musikalische Entwicklung des jungen Engelbert aus. Dessen musikalische Begabung zeigte sich früh. Schon als Kind und als Jugendlicher verfasste er Kompositionen, die von der Mutter und den Schwestern aufgeführt wurden. Diese Werke sind später zum Großteil durch einen Dachstuhlbrand am 3. November 1874 verloren gegangen. Nur sehr wenige dieser frühen Arbeiten sind noch im Original überliefert, von manchen liegen spätere Abschriften seiner Schwester Adelheid vor. Als die frühesten erhaltenen Stücke sind hier ein Hochzeitsmarsch (Februar 1871, EHWV 8), den Humperdinck für seinen Onkel Franz Hartmann und dessen Frau komponierte, sowie das Werk Erinnerung (vom 20. September 1871) zu nennen, welches sich im Poesiealbum der Schwester Ernestine (1856–1873) befindet. Nach seinem Abitur 1871 begann er eine Bauzeichnerlehre im Büro des Kreisbaumeisters Court in Siegburg, denn Vater Gustav stand einer Berufsmusikerlaufbahn Engelberts skeptisch gegenüber. Mit Unterstützung der Mutter stellte sich Engelbert dennoch erfolgreich der Aufnahmeprüfung am Kölner Konservatorium. Nachdem er sein Abitur am Paderborner Gymnasium Theodorianum bestanden hatte, willigte schließlich auch der Vater in das Musikstudium des Sohnes ein.

Ab 1872 studierte Humperdinck bei Ferdinand Hiller am Kölner Konservatorium. Seine zarte Konstitution und die Notwendigkeit, neben dem Studium Geld verdienen zu müssen, führten zu teilweise schweren Erkrankungen der Atmungsorgane. Diese suchten ihn auch später zusammen mit rheumatischen Beschwerden immer wieder heim. Seine Erkrankungen zwangen Humperdinck zeitweise, sein Studium zu unterbrechen. 1876 gewann er den Mozart-Preis der Stadt Frankfurt am Main, was ihn seiner finanziellen Sorgen enthob. 1877 ging er nach München und studierte bei Franz Lachner und Josef Rheinberger Kompositionslehre. Seine Lehrer standen der Musik von Richard Wagner kritisch bis ablehnend gegenüber. Auf Humperdinck jedoch machten einige Aufführungen Wagner’scher Opern so großen Eindruck, dass er sich einem Kreis von Wagner-Anhängern anschloss, der sich den Namen „Orden vom Gral“ gegeben hatte. 1879 gewann Humperdinck den Berliner Mendelssohn-Preis und schloss sein Studium in München ab.

Humperdinck und Richard Wagner

Der Mendelssohn-Preis ermöglichte Humperdinck einen Aufenthalt in Italien. 1880 suchte er in Neapel Richard Wagner auf, der dort gerade mit seiner Familie residierte. Humperdinck wurde zunächst durch den Diener abgewiesen. Nach Abgabe seiner Karte, die er mit dem Zusatz „Mitglied des Ordens vom Gral“ versehen hatte, wurde er wieder zurückgerufen. Er genoss nach eigenen Angaben „unter den prüfenden Augen des Meisters“ eine für sein ganzes Leben folgenreiche Unterredung.

Wagner erkannte schnell die Begabung des jungen Mannes und schlug ihm vor, als sein Assistent nach Bayreuth zu kommen. Humperdinck arbeitete dort anderthalb Jahre (Januar 1881 bis Juli 1882) an den Vorarbeiten zur Uraufführung des Parsifal. Der Einfluss Wagners auf ihn war so groß, dass es lange Zeit benötigte, bis er wieder zu einem eigenen Stil fand. Der plötzliche Tod Wagners 1883 traf ihn tief. Den Bayreuther Festspielen blieb er weiterhin treu. Später unterrichtete er Wagners Sohn Siegfried in Kompositionslehre.

Die folgenden Jahre waren eine Zeit der Unruhe. Eine Reise durch Spanien, die ihn bis nach Nordafrika führte, gab ihm die Anregung zu einer Maurischen Rhapsodie, die er aber erst viele Jahre später fertig komponierte. Die Folgezeit verging mit einer meist enttäuschenden Suche nach einer festen Stelle. Da er als „Wagnerianer“, also Anhänger Richard Wagners, galt, blieben ihm viele Türen verschlossen. Eine Tätigkeit als Kapellmeister des Kölner Stadttheaters endete mit seiner Entlassung „wegen allzu großer Gewissenhaftigkeit“. In seiner Not nahm er 1885 eine Stelle als musikalischer Gesellschafter beim betagten Industriellen Alfred Krupp an. Dadurch stand er zwar materiell glänzend da, als Künstler konnte die Tätigkeit ihn jedoch nicht befriedigen. Daher übernahm er noch im Spätherbst des gleichen Jahres eine Professur für Musiktheorie und Komposition am Konservatorium in Barcelona. Mit der dort herrschenden künstlerischen Ausrichtung und dem musikalischen Niveau konnte er sich allerdings nicht anfreunden und kehrte im Sommer 1886 nach Deutschland zurück. Dort erging es ihm mit einer dürftig dotierten Stelle am Kölner Konservatorium ähnlich. Daher gab er im Oktober 1888 diese Stelle auf. Tätigkeiten als Lektor des Musikverlags B. Schott’s Söhne in Mainz und als Musikkritiker bei der Bonner Zeitung gewährten ihm ein etwas sichereres Einkommen. Zwischendurch hielten ihn Auftragsarbeiten über Wasser. Ein Lichtblick waren erfolgreiche Aufführungen der von ihm als Chorwerk vertonten Ballade Heinrich Heines Die Wallfahrt nach Kevlaar.

Am 18. Mai 1892 heiratete Humperdinck Hedwig Taxer, die Tochter des Buchhändlers Robert Taxer. Aus dieser glücklich verlaufenden Ehe gingen ein Sohn und vier Töchter hervor, von denen eine allerdings schon als Säugling starb.

In dieser Zeit kam sein eigenes musikalisches Schaffen fast zum Erliegen. Seine kompositorische Tätigkeit beschränkte sich im Wesentlichen auf die Bearbeitung fremder und eigener früherer Werke. Es dauerte lange Zeit, bis er sich aus dem übermächtigen Einfluss Wagners befreien konnte.

Die Wende trat ein, nachdem er 1890 nach Frankfurt gezogen war, um dort als Dozent am Hoch’schen Konservatorium und als Opernreferent der Frankfurter Zeitung zu wirken. 1890 bat ihn seine Schwester Adelheid, die in Bonn mit dem Arzt Hermann Wette verheiratet war, die Musik zu den Liedern in einem von ihr verfassten Märchenspiel Hänsel und Gretel für Kinder zu schreiben („etwas recht Hübsches, Volkstümliches“). Humperdinck erledigte diesen Auftrag umgehend und zur vollen Zufriedenheit, jedoch ließ ihn der Stoff nicht mehr los. Er gestaltete das kleine Werk nach und nach zu einer Voll-Oper um. Die Uraufführung fand am 23. Dezember 1893 in Weimar unter der musikalischen Leitung von Richard Strauss statt. München, Karlsruhe und andere Theater folgten wenige Tage später. Hatten die Intendanten angesichts des völlig aus dem üblichen Rahmen fallenden Charakters der Oper mit nur wenigen Aufführungen gerechnet, so sahen sie sich bald eines Besseren belehrt. Der enorme Erfolg beim Publikum führte dazu, dass in den folgenden Monaten 50 Bühnen Hänsel und Gretel in ihr Programm aufnahmen. Seither gehört Hänsel und Gretel zu den meistgespielten Opern.

In die 1890er Jahre fällt auch die Begegnung mit Hugo Wolf. Humperdinck hatte die von Wolf vertonten Lieder Eduard Mörikes dem Schott-Verlag empfohlen. Daraus entwickelte sich eine enge Freundschaft, die mit der beginnenden geistigen Erkrankung Wolfs ein jähes Ende fand.

Die Einnahmen aus seiner Erfolgsoper erlaubten es Humperdinck, 1897 seine Stelle in Frankfurt aufzugeben. Er erwarb im Rheinstädtchen Boppard ein großes Landhaus (das „Humperdinck-Schlösschen“) und widmete sich ganz dem Komponieren. Sein schöpferischer Elan war wiedergekehrt. In den folgenden Jahren entstanden zahlreiche Kompositionen der verschiedensten Genres – Lieder, Kammermusik, Orchesterwerke, Schauspielmusik und Opern.

Es war ihm ein Anliegen, einmal eine komische Oper zu schreiben – gewissermaßen als Gegengewicht zur damaligen Vorherrschaft des pathetischen Stils. Diesem Wunsch entsprechend verfasste seine Frau Hedwig in Anlehnung an das Lustspiel Les Demoiselles de Saint-Cyr des älteren Alexandre Dumas ein Libretto, das dann als Oper unter dem Titel Die Heirat wider Willen in Töne gesetzt wurde. Diese wurde 1905 anfangs mit großem Beifall aufgenommen, konnte sich aber nicht auf den Bühnen halten.

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