Die Endurance-Expedition, offiziell British Imperial Trans-Antarctic Expedition, war eine Antarktisexpedition in den Jahren von 1914 bis 1917. Sie war die vorletzte Expedition, die dem Goldenen Zeitalter der Antarktis-Forschung zugeordnet wird. Gemein hatten diese Expeditionen die Beschränktheit der für sie verfügbaren Ressourcen, bevor der Fortschritt auf den Gebieten von Transport und Kommunikation die Art der Expeditionen grundlegend veränderte. Die von Ernest Shackleton geleitete Unternehmung hatte das Ziel, als erste den antarktischen Kontinent zu durchqueren. Die Expedition scheiterte, bleibt aber besonders bekannt, weil alle Expeditionsmitglieder der Gruppe unter Shackleton unter äußerst widrigen Umständen überlebten.
Die Expedition bestand aus zwei Gruppen, die auf zwei Schiffe verteilt waren. Das Schiff Endurance, das Shackleton mit der Hauptgruppe beförderte, sollte in die Weddell-See segeln, um dort anzulanden. Die Aurora mit der sogenannten Ross Sea Party sollte in der Zwischenzeit zur gegenüberliegenden Seite des Kontinents reisen und vom McMurdo-Sund aus eine Reihe von Depots anlegen. Die Endurance blieb bereits im Packeis der Weddell-See stecken, bevor sie ihr Ziel, die Vahsel-Bucht, erreichte. Nachdem sie im Eis zerdrückt wurde und sank, gelang es der Mannschaft, in Rettungsbooten Elephant Island zu erreichen. Eine kleine Gruppe fuhr weiter nach Südgeorgien, um dort Hilfe zu organisieren. Alle Mitglieder der Hauptgruppe konnten gerettet werden. Die Ross Sea Party legte die geplanten Depots unter großen Schwierigkeiten an; dabei starben drei Männer.
Nach seiner Rückkehr von der Nimrod-Expedition 1909 verbrachte Shackleton eine ruhe- und ziellose Zeit, obwohl seine Leistung eines neuen Südrekords (88° 23′ S) öffentlich anerkannt worden war. Die Art seiner zukünftigen Arbeit in der Antarktis hing jetzt von den Erfolgen von Scotts Terra-Nova-Expedition ab, die Cardiff im Juli 1910 in Richtung Südpol verlassen hatte, da ein Erfolg Scotts einen erneuten Anlauf zum Pol sinnlos machen würde.
Shackletons Zukunft wurde klarer, als ihn am 11. März 1912 die Nachricht über Roald Amundsens unerwarteten Sieg im Rennen um den Südpol erreichte. Der Pol selbst konnte kein Ziel mehr sein, ganz gleich, was Scott erreichte. Shackleton schrieb: „Die Entdeckung des Südpols wird nicht das Ende der Antarktisforschung sein.“ Die neue Aufgabe werde seiner Meinung nach „eine transkontinentale Reise von Meer zu Meer, den Pol berührend“, sein. Er konnte sich nicht sicher sein, dass diese Aufgabe ihm zufallen würde, da auch andere Expeditionen aktiv waren: Am 11. Dezember 1911 war eine deutsche Expedition unter Wilhelm Filchner in Südgeorgien aufgebrochen, deren Ziel es war, tief ins Weddellmeer vorzustoßen, eine südliche Basis einzurichten und von dort aus zu versuchen, den Kontinent bis zum Rossmeer zu überqueren. Ende 1912 zog sich Filchner nach Südgeorgien zurück, nachdem er es nicht geschafft hatte, sein Ausgangslager einzurichten. Seine Entdeckung von möglichen Landungsplätzen in der Vahsel-Bucht wurde von Shackleton jedoch zur Kenntnis genommen und auch in seine Expeditionspläne einbezogen.
Im Laufe des Jahres 1913 begann Shackleton in der Folge der Neuigkeiten über den Tod Scotts und seiner Männer auf der Rückreise vom Südpol mit den Vorbereitungen für seine eigene transkontinentale Expedition. Er erbat finanzielle und praktische Hilfe unter anderem von Tryggve Gran von der Terra-Nova-Expedition und dem ehemaligen Premierminister Lord Rosebery, erhielt jedoch von beiden kaum Unterstützung. Gran war ausweichend, Rosebery offen: „Ich konnte mich nie auch nur für einen Pfennig für die Pole interessieren.“ Mehr Hilfe fand er bei William Speirs Bruce, der bereits in der Antarktis gewesen war und Pläne für eine an Geldmangel gescheiterte Antarktisquerung gehabt hatte. Bruce erlaubte Shackleton freudig, seine Pläne zu übernehmen, allerdings hatte der endgültige Plan kaum noch Übereinstimmungen mit Bruce. Am 29. Dezember 1913 machte er seine Pläne in einem Brief an die Times öffentlich, nachdem ihm eine gewisse finanzielle Rückendeckung zugesichert worden war – von der britischen Regierung hatte er ein Versprechen über £ 10.000 erhalten.
Shackleton gab seiner Expedition den großen Titel Imperial Trans-Antarctic Expedition („Imperiale Trans-Antarktische Expedition“); um das Interesse der Öffentlichkeit zu wecken, wurde Anfang 1914 ein detailliertes Programm veröffentlicht. Die Expedition sollte aus zwei Gruppen und zwei Schiffen bestehen. Die Weddellmeer-Gruppe sollte mit der Endurance reisen und ins Gebiet der Vahsel-Bucht vordringen, in der vierzehn Männer landen sollten. Von diesen vierzehn Männern sollten sechs unter Shackletons Kommando die Transkontinentalgruppe bilden, laut Huntford (S. 401) hätten dies Shackleton, Hurley, Macklin, Wild, Marston und Crean sein sollen. Diese Gruppe sollte mit 100 Hunden, zwei Motorschlitten und Ausrüstung, die „alles umfasst, das die Erfahrung der Leiter und seiner Ratgeber vorschlagen kann“ ausgestattet die ungefähr 2900 Kilometer lange Reise zum Rossmeer unternehmen. Die übrigen acht Mitglieder der Küstengruppe würden wissenschaftliche Arbeiten durchführen, wobei je drei nach Grahamland und nach Enderbyland gehen und zwei in der Basis bleiben sollten.
Die Ross Sea Party hatte den Auftrag, mit der Aurora in die Rossmeer-Basis im McMurdo-Sund auf der anderen Seite des Kontinents zu fahren. Nach der dortigen Landung sollten die Männer „Depots auf der Route der Querungsgruppe anlegen, einen Marsch nach Süden machen, um den Männern [der Querungsgruppe] zu helfen und geologische und andere Beobachtungen machen.“ Die Rolle der Ross Sea Party war lebenswichtig; Shackletons Gruppe sollte lediglich Vorräte mitnehmen, die sie bis zum Fuß des Beardmore-Gletschers bringen würden. Ihr Überleben auf den letzten 650 Kilometern zur Basis im Rossmeer würde von den bei zuvor vereinbarten Koordinaten gelegten Depots über das Ross-Schelfeis hinweg abhängen.
In seinem Programm drückt Shackleton deutlich die Absicht aus, dass die Querung in der ersten Saison stattfinden sollte (1914/1915). Später erkannte er die Undurchführbarkeit dieses Plans und sollte Aeneas Mackintosh, den Leiter der Ross Sea Party, von der Planänderung informiert haben. Laut dem Korrespondenten des Daily Chronicle, Ernest Perris, wurde das entsprechende Telegramm allerdings nie gesendet, eine Unterlassung, die die erste Arbeitssaison der Ross Sea Party unnötig erschwerte.
Shackleton nahm an, er würde £ 50.000 (in heutiger Kaufkraft 6,64 Millionen £) benötigen, um die Grundversion seines Plans auszuführen. Er setzte kein Vertrauen in Aufrufe an die Öffentlichkeit: „[sie] verursachen endlose Buchhaltungssorgen“. Seine Methode, an Gelder zu gelangen, bestand darin, von wohlhabenden Gönnern Geld zu erbitten. Mit diesem Prozess hatte er Anfang 1913 zunächst mit wenig Erfolg begonnen. Der erste bedeutende Durchbruch erfolgte im Dezember 1913, als ihm die Regierung £ 10.000 anbot – eine nützliche Summe, die jedoch nur die Hälfte dessen war, was er für die Abbezahlung der Schulden von der Nimrod-Expedition erhalten hatte. Der Großteil des damals in England gesammelten Geldes zur Finanzierung der Nimrod-Expedition hatte aus zurückzahlbaren Anleihen bestanden, die Shackleton ohne das Geld der Regierung nicht hätte zurückzahlen können. Die Royal Geographical Society, von der er nichts erwartet hatte, gab ihm £ 1000 – laut Huntford antwortete Shackleton in einer großzügigen Geste, dass er nur die Hälfte dieser Summe benötigen würde, obwohl er das Geld gut hätte brauchen können. Als die Zeit allmählich knapp wurde, wurden im Frühling und Frühsommer 1914 schließlich die letzten Gelder gesichert. Dudley Docker von der Birmingham Small Arms Company (BSA) gab £ 10.000, die reiche Tabakerbin Janet Stancomb-Wills spendete eine „großzügige“ Summe (deren genauer Umfang niemals veröffentlicht wurde), und im Juni kamen vom schottischen Industriellen Sir James Caird weitere £ 24.000. „Dieses wunderbare Geschenk erleichtert mich von aller Sorge“, informierte Shackleton die Morning Post.