An diesem Tag

Endstation Sehnsucht

US Theaterstück von Tennessee Williams (1947)

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Endstation Sehnsucht (im engl. Original A Streetcar Named Desire) ist ein Drama von Tennessee Williams.

In diesem von den Lehren Sigmund Freuds beeinflussten Stück geht es um die vielschichtige Auseinandersetzung zwischen dem vulgären und gewaltbereiten Macho Stanley Kowalski mit polnischen Wurzeln und der anscheinend wohlerzogenen, sensibel und fragil wirkenden Selbst-Illusionistin und früheren Southern Belle Blanche DuBois. Den Hintergrund bildet der Untergang der aristokratischen Kultur der alten amerikanischen Südstaaten und die Veränderung der sozialen Verhältnisse im neueren Amerika, das durch Industrialisierung, harte Marktgesetze und ethnische Vielfalt geprägt ist.

Der Kampf der beiden Protagonisten um die Dominanz über Stella, die Schwester von Blanche, thematisiert in dieser Hinsicht neben dem allgemeinen Kampf der Geschlechter insbesondere die Konfrontation zwischen rückwärtsgewandter Nostalgie und progressivem Zukunftsoptimismus einerseits sowie zwischen den konträren sozialen Subkulturen der alten Südstaatenaristokratie und dem neuen osteuropäischen Immigrantentum und den gegensätzlichen Wertsystemen von Kunst und Kultur im Unterschied zum kruden Materialismus andererseits. Zudem stoßen mit den beiden Protagonisten unterschiedliche psychische Profile von neurotischer Hypersensibilität und wenig empfindsamer animalischer Vitalität aufeinander, die sich ebenso in zwei unterschiedlichen körpersprachlichen Verhaltensmustern äußern.

Das Unvermögen von Blanche, zwischen Realität und Fantasie oder Illusion und Wirklichkeit zu trennen, endet in einer dramatischen Katastrophe.

Endstation Sehnsucht wurde am 3. Dezember 1947 am Ethel Barrymore Theater in New York uraufgeführt und bis zum Dezember 1949 anschließend erfolgreich 855 Mal am Broadway auf die Bühne gebracht. Bereits 1947 wurde der Dramentext im New Yorker Verlag New Directions Publishing veröffentlicht; eine Neuauflage mit einer Einführung von Williams erschien 1951 ebenfalls in New York im Verlag New American Library.

1948 erhielt Tennessee Williams den Pulitzer-Preis für das Werk, das im gleichen Jahr ebenso mit dem New York Drama Critics’ Circle Award als „Best Play“ ausgezeichnet wurde. Das Stück wurde mit Marlon Brando in der männlichen Hauptrolle sowohl uraufgeführt als auch später verfilmt. Regie führte Elia Kazan, der bereits die Uraufführung am Broadway inszeniert hatte. Der Spielfilm hatte am 19. September 1951 Premiere.

Die deutschsprachige Erstaufführung (in der Übersetzung von Berthold Viertel) fand am 10. November 1949 am Schauspielhaus Zürich statt, die deutsche Erstaufführung am 17. März 1950 am Stadttheater Pforzheim in der Regie von Hanskarl Zeiser.

Spätestens seit Mitte der 1960er Jahre zählen Kritiker und Interpreten A Streetcar Named Desire einhellig zu den ausgewählten Meisterwerken des amerikanischen Nachkriegsdramas. Zudem wird das Stück aus heutiger Sicht weltweit von Theater- und Literaturexperten unumstritten in den Kanon der klassischen Dramen des 20. Jahrhunderts eingeordnet.

Das Stück erzählt die Geschichte der Blanche DuBois, einer nicht mehr ganz jungen Southern Belle aus den amerikanischen Südstaaten. Blanche hat die Auflösung ihrer Familie erlebt und die Versteigerung des einstmals stolzen Familienbesitzes Belle Reve (in Anlehnung an französisch „Schöner Traum“). Nach dem Scheitern ihrer Ehe und dem Verlust ihrer Stelle als Lehrerin besucht sie verzweifelt ihre Schwester Stella, die in New Orleans lebt. Diese ist ihrem Ehemann, dem Arbeiter Stanley Kowalski, der als Sohn polnischer Einwanderer von Blanche unverhohlen verachtet wird, sexuell verfallen. Blanches kultiviertes, aber leicht affektiertes Verhalten und die Betonung ihrer vornehmen Herkunft wirken auf ihn wie ein rotes Tuch. In den beengten, schäbigen Wohnverhältnissen entstehen schnell Spannungen. Schließlich kommt es vor allem wegen Blanches Unvermögen, zwischen Realität und Illusion zu unterscheiden, zur Katastrophe.

Blanche DuBois ist Stellas ältere Schwester (die vorgaukelt, die jüngere zu sein) und High-School-Lehrerin für Englisch in Laurel, Mississippi. Später stellt sich heraus, dass sie nach einer Affäre mit einem Schüler entlassen wurde. Sie ist eine kultivierte, aber fragile Frau in den Dreißigern. Blanche und Stella sind die letzten Abkömmlinge einer alten Südstaaten-Dynastie. Die Familie musste jedoch immer mehr von der Substanz zehren und verlor zuletzt ihren Besitz. Blanche konnte den Verlust des Stammhauses Belle Reve nicht verhindern. Sie geht nach New Orleans zu ihrer jüngeren Schwester Stella und deren Mann Stanley Kowalski und offenbart ihnen, dass sie finanziell am Ende ist. Auf der Suche nach Freundlichkeit und Schutz, aber auch aufgrund ihres starken sexuellen Drangs ist sie viele Affären eingegangen. Sie geht der Realität aus dem Weg und lebt in einer von ihrer Einbildungskraft geprägten Welt. Ihr finanzieller und gesellschaftlicher Abstieg nagt an ihrer inneren Stabilität.

Sie ist entsetzt über die bescheidenen Lebensumstände ihrer Schwester und über das animalische Benehmen des Umfelds, allen voran Stanleys. Sie hält Stanley für primitiv und setzt ihn auf eine Stufe mit Tieren. Sie versucht, Stella an ihre Herkunft zu erinnern und sie Stanley zu entfremden, was ihr auch ansatzweise immer wieder gelingt. Das macht ihr Stanley zum Feind. Um Blanche loszuwerden, erkundigt sich Stanley über ihre Vergangenheit und erfährt von ihren Fehltritten. Diese Informationen benutzt er, um Blanche zu vernichten. Erst verdirbt er ihr die Beziehung zu ihrem neuen Freund Mitch, dann vergewaltigt er Blanche, der nach all den Enthüllungen niemand mehr glauben will. Die Erniedrigungen und die Vergewaltigung zerstören sie psychisch vollends. Einige Wochen später wird sie in eine psychiatrische Heilanstalt eingewiesen. Stanley hat sein Ziel erreicht. Weiterhin interessant ist die Charakterisierung von Blanche in den Regieanweisungen. Sie wird gleich bei ihrem ersten Auftreten als Motte beschrieben. Die Absicht des Dramatikers ist es, einen „Eindruck des Zerbrechlichen und Flüchtigen“ zu erzeugen, der mit Hilfe von „Symbolen, Musik, Farben und Lichteffekten“ weiterhin verstärkt wird. Alles, was Blanche sagt oder tut, ist damit, wie Oppel in seiner Interpretation des Dramas ausführt, „Ausdruck eines stets latenten Verlangens nach Bestätigung ihrer äußeren wie inneren Unversehrtheit“. In der fünften Szene beschreibt Blanche sich selbst jedoch in einer enthüllenden Selbsteinschätzung als Schmetterling. Dies bringt ihren Realitätsverlust und den Zwang zum Ausdruck, sich hinter einer Maske zu verbergen.

Stella Kowalski ist Blanches jüngere, etwa 24-jährige Schwester. Ihre sanfte Art grenzt sie von ihrem vulgären Umfeld ab. Sie hat denselben aristokratischen Hintergrund wie Blanche, doch als das Schiff ihrer Herkunft zu sinken begann, tauschte sie Belle Rêve gegen New Orleans ein. Dort heiratete sie Stanley, mit dem sie eine robuste, sexuell geprägte Beziehung führt. Ihre Vereinigung mit Stanley ist einerseits spiritueller Natur, andererseits aber auch animalisch. Stella empfindet dies sowohl als erfrischend wie auch als gewaltsam. Als Blanche bei ihnen ankommt, steht Stella zwischen zwei Fronten, nämlich Blanche und Stanley. Sie kann Blanches Anschuldigung, Stanley könne sie nicht leiden, nicht glauben, und auch gegen Ende schenkt sie Blanche keinen Glauben, als diese ihr berichtet, Stanley habe sie vergewaltigt. Stellas Realitätszweifel gegen Ende des Stückes zeigen, dass sie mehr mit ihrer Schwester gemein hat, als sie denkt. Auch sie bringt nicht die Kraft auf, „die Wirklichkeit als solche einschränkungslos zu akzeptieren und der Wahrheit ins Gesicht zu sehen“.

Stanley Kowalski ist Stellas Ehemann. Er gibt sich seinen Freunden gegenüber loyal, führt eine leidenschaftliche Ehe mit seiner Frau, ist aber herzlos und kalt gegenüber Blanche. Mit seiner polnischen Herkunft repräsentiert Stanley das neue, multikulturelle Amerika. Er sieht sich selbst als einen „Gleichmacher“ aller sozialen Schichten. Stanley ist etwa 30 Jahre alt, hat den Zweiten Weltkrieg erlebt und arbeitet nun als Automechaniker. Seine körperliche Stärke ist für ihn Programm, und er bringt keine Geduld für Blanches Verformungen der Wirklichkeit auf. Wie roh Stanleys Verhalten auf Blanche wirkt, lässt sich daraus ablesen, dass sie ihn als „Überlebenden der Steinzeit“ bezeichnet. Am Ende des Stücks ist Stanley der besser an seine Umwelt Angepasste, da Blanche die finanziellen Mittel für ihren aristokratischen Lebensstil fehlen und sie auch, im Gegensatz zu Stanley, keinerlei Geschäftssinn hat. Obwohl Stanley, wie Blanche richtig erkennt, „eher auf der primitiven Seite anzusiedeln“ ist – er schlägt seine Frau, vergewaltigt Blanche und zeigt keine Reue –, wird Blanche eine gesellschaftliche Außenseiterin und Stanley ein stolzer Familienvater. Mit dieser Figurenkonstellation und Handlungsentwicklung scheint Tennessee Williams Kritik an dem Untergang der zivilisierten Südstaatenkultur zu äußern; so antwortete er auf die Frage nach dem Sinn des Stückes: „Pass lieber auf, sonst übernehmen die Affen das Ruder! (You better watch out or the apes take over!)“

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