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Emscher

Rechter Nebenfluss des Niederrheins im Ruhrgebiet, Nordrhein-Westfalen, Deutschland

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Die Emscher (plattdeutsch Iämscher) ist ein etwas über 83 Kilometer langer, östlicher und rechter Nebenfluss des Rheins im Ruhrgebiet in Nordrhein-Westfalen. Vom Ende des neunzehnten bis weit ins zwanzigste Jahrhundert war sie der schmutzigste Fluss Deutschlands, da sie als Cloaca Maxima vorrangig zum Abtransport nicht nur häuslicher, sondern auch industrieller Abwässer in den Rhein missbraucht wurde. Letztere waren aufgrund der zahlreichen Zechen und Kokereien hochgradig toxisch belastet, unter anderem mit zahlreichen krebserzeugenden Stoffen.

Die Emscher und ihr Einzugsgebiet waren 2010 und 2011 Flusslandschaft des Jahres.

Im ältesten erhaltenen Schriftstück wurde die Emscher im 10. Jahrhundert Embisccara genannt. Der Name ist keltischer Herkunft und war vermutlich ursprünglich ein Ethnonym. Der erste Namensbestandteil stammt wohl von der keltischen Wurzel ambi- mit der Bedeutung 'um, herum'. Der zweite Bestandteil war vielleicht der ursprüngliche Flussname, also etwa *Skaria oder *Iskara. Demzufolge wäre der Name mit 'die um die Skaria/Iskara Wohnenden' zu übersetzen.

Die Emscher entspringt südöstlich von Dortmund bei Holzwickede (Kreis Unna) am Haarstrang auf etwa 147 m ü. NN in einem Quellteich, in den zusätzlich mehrere kleine Rinnsale münden.

In ihrem Oberlauf durchfließt die Emscher – nur durch den Höhenzug Haarstrang beziehungsweise das Ardeygebirge vom Ruhrtal getrennt – den Südosten Dortmunds und wendet sich dann nach Nordwesten. Im nördlichen Castrop-Rauxel unterquert sie den Rhein-Herne-Kanal im Emscher-Durchlass mit zwei Durchlässen nebeneinander unter dem Kanalbett. Danach fließt sie bis Oberhausen fast durchgehend parallel zu diesem Kanal in westliche Richtung. In Oberhausen knickt der Fluss nach Nordwesten ab und fließt dann bis zu seiner heutigen Mündung in den Rhein in Voerde bei Dinslaken-Eppinghoven.

Sie hat dort eine durchschnittliche Abflussmenge von 16 m³/s. Beim Bau des Kanals nutzte man die Geografie des Emschertals. Die Emscher fließt durch Gebiete von Dortmund, Castrop-Rauxel, Recklinghausen, Herten, Herne, Gelsenkirchen, Essen, Bottrop, Oberhausen, Duisburg, Dinslaken und Voerde.

Ihr etwa 83,1 km langer Lauf endet circa 129 Höhenmeter unterhalb ihrer Quelle; sie hat ein mittleres Sohlgefälle von 1,6 ‰.

Die Emscher hat ein Einzugsgebiet von 858 km².

Nachfolgend sind alle Nebenflüsse der Emscher ab 8 km² Einzugsgebiet aufgelistet:

(Zur besseren Übersicht bzw. zur Sortierung flussabwärts sind in die DGKZ-Ziffern nach der 2772 – Emscher – Bindestriche eingefügt.)

Die Altarme Kleine Emscher (277134; 10,3 km; 35,0 km²) und Alte Emscher (277132, 7,8 km, 29,2 km²), die durch die Verlegung der Emschermündung nach Norden entstanden sind, fließen direkt in den Rhein und sind damit nicht mehr Teile des Flusssystems der Emscher.

Das kanalisierte Flussbett der Emscher birgt durch seine abgeschrägten, sehr glatten und glitschigen Betonwände ein hohes Gefahrenpotential für Menschen, die ins Flussbett gelangen. Trotz Einzäunung und Ausschilderung hat die kanalisierte Emscher daher schon viele Menschenleben gekostet. So ertrank 1983 der Schriftsteller Michael Holzach in der Emscher, als er seinen Hund retten wollte.

Der Verlauf der Emscher dient als Trasse für einige Energieleitungen. Im Bild sieht man Hochspannungsleitungen, die Steinkohlenkraftwerke (im Hintergrund das Steag-Kraftwerk in Herne) und Verbraucher verbinden. Auf dem linken Ufer verlaufen die olivgrünen Rohre der Fernwärmeschiene Ruhr, in die Kraftwerke 110 bis 180 °C heißes Wasser einspeisen und damit die Übergabepunkte zu den städtischen Fernwärmeversorgern im Ruhrgebiet beliefern.

Im Mittelalter waren große Teile von Oberlauf und Mittellauf der Emscher natürliche Grenze von Territorien. Nördlich des Flusses lag in weiten Bereichen das Gebiet des Vest Recklinghausen, südlich das der Grafschaft Mark und des Stifts Essen. Die Emscher bildete auch die Süd- und Westgrenze der Grafschaft Dortmund. Entlang der Emscher lagen daher zahlreiche Wasserburgen und an den Grenzen der Grafschaft Dortmund Warten. In einer Urkunde des Erzbischofs Pilgrim von Köln von 1027 für das Stift Essen wurde die Emscher Embiscara genannt, bis zu der, nach Angabe der Äbtissin Sophia von Essen, der Tochter Kaiser Ottos II., dem Stift der Zehnt zustünde. Die Emscher als Grenze hatte Bestand, ihr Name wandelte sich bis zum Spätmittelalter zu Emschar.

Ursprünglich war die Emscher ein im Mittellauf stark mäandrierender 109 Kilometer langer Fluss. Während der mittelalterlichen Klimaanomalie wurde an den Hängen des oberen Emschertals bei Hörde Weinbau betrieben. Heute erinnern in Hörde die Straßennamen Winzerweg und Weingartenstraße an diese Nutzung. Im weiten Tal an der mittleren Emscher und an ihrem Unterlauf in der Rheinebene erstreckten sich weite Bruchwälder. Das Bruch wurde extensiv landwirtschaftlich als Wildbahn zur Pferdezucht der Emscherbrücher genutzt. Im Tal existierten, regionaltypisch, dörfliche Streusiedlungen und Einzelhöfe, zumeist in hochwassersicherer Lage. In einigem Abstand zueinander gab es Kirchdörfer, zum Beispiel Herne, Buer, Gelsenkirchen, Katernberg und Borbeck, entstanden auf den hochwasserfreien Terrassenkanten.

Zahlreiche Urkunden belegen, dass die Emscher fischreich war: 1484 teilen die Brüder Walrave, Johan und Hinrick van Ekell die Fischerei in der Emesscher bei Crange, 1563 prozessierte Goddert von Strünkede zu Strünkede gegen Philipp und Arnd von Viermund zu Bladenhorst um die Fischereigerechtsame auf der Emscher vor dem Richter in Castrop. Der Prozess wurde bis vor das Reichskammergericht geführt,

und im April 1599 verpfändeten Bürgermeister und Rat der Stadt Recklinghausen drei Adeligen für ein Darlehen Fischereirechte auf der Emscher.

Den Gewohnheiten der Zeit entsprechend wurde der Fluss in der Frühen Neuzeit in Hexenprozessen eingesetzt. Von 1589 existiert ein Protokoll des Stifts Essen über die auf eigenen Antrag an 18 der Zauberei Verdächtigten an der Emscher vorgenommene Wasserprobe, bevor man zur peinlichen Befragung überging.

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