Emre Can [ˈɛmrɛ ˈdʒɑn] (* 12. Januar 1994 in Frankfurt am Main) ist ein deutscher Fußballspieler. Er steht seit Ende Januar 2020 bei Borussia Dortmund unter Vertrag, wurde mit dem Verein 2021 DFB-Pokalsieger und ist seit Juli 2023 deren Mannschaftskapitän. Can kann sowohl im Mittelfeld wie auch in der Verteidigung eingesetzt werden und ist seit 2015 A-Nationalspieler.
Emre Can wurde als Sohn türkischer Eltern in Frankfurt am Main geboren und wuchs in der Frankfurter Nordweststadt auf. Er hat sowohl die deutsche als auch die türkische Staatsbürgerschaft. Seine Familie stammt aus der türkischen Provinz Afyonkarahisar. Er begann beim SV Blau-Gelb Frankfurt mit dem Fußballspielen und wechselte 2006 in die Jugendabteilung von Eintracht Frankfurt. Im Juli 2009 verpflichtete ihn der FC Bayern München. Dort war er in seiner ersten Saison Stammspieler in der U17, die in der B-Junioren-Bundesliga Süd/Südwest am Saisonende jedoch nur einen Mittelfeldplatz erreichte. In der Folgesaison rückte der Mittelfeldspieler in die A-Jugend auf, bestritt aber auch noch mehrere Einsätze für die B-Jugend. Insgesamt kam er in der A-Junioren-Bundesliga Süd/Südwest 17-mal zum Einsatz und erzielte zwei Tore.
Zur Saison 2011/12 erhielt Can einen Amateurvertrag und gehörte dem Kader der zweiten Mannschaft des FC Bayern München in der Regionalliga Süd an. Er debütierte im Herrenbereich am 27. August 2011 (4. Spieltag) beim 2:1-Sieg im Auswärtsspiel des FC Bayern II gegen den SV Waldhof Mannheim.
Am 22. Februar 2012 stand Can im Champions-League-Spiel beim FC Basel erstmals im Kader für ein Pflichtspiel der ersten Mannschaft. Bei der 0:1-Niederlage im Achtelfinalhinspiel wurde er allerdings nicht eingesetzt. Am 26. Februar 2012 beim 2:0-Sieg im Heimspiel gegen den FC Schalke 04 gehörte er dann erstmals zum Bundesligakader. Auch hier wurde er nicht eingesetzt. Zur Saison 2012/13 unterschrieb Can einen Profivertrag. Seinen ersten Pflichtspieleinsatz für die Profimannschaft des FC Bayern hatte er am 12. August 2012 beim 2:1-Sieg im DFL-Supercup gegen Borussia Dortmund, wobei er in der 70. Minute durch Holger Badstuber ersetzt wurde. Seinen ersten Bundesligaeinsatz bestritt er am 13. April 2013 beim 4:0-Sieg im Heimspiel gegen den 1. FC Nürnberg, sein erstes Bundesligator notierte die DFL am 28. April 2013 beim 1:0-Heimsieg gegen den SC Freiburg. Den von Xherdan Shaqiri an der Strafraumgrenze ausgeführten Freistoß berührte Can noch leicht mit dem Kopf.
Zur Saison 2013/14 wechselte Can zum Ligakonkurrenten Bayer 04 Leverkusen, bei dem er einen Vierjahresvertrag unterzeichnete, der eine Rückkaufoption für den FC Bayern München und eine Ausstiegsklausel enthielt. Sein Debüt für Bayer 04 Leverkusen gab er am 31. August 2013 (4. Spieltag) bei der 0:2-Niederlage im Auswärtsspiel gegen den FC Schalke 04 mit Einwechslung für Stefan Reinartz in der 80. Minute. Als Stammspieler kam Can für Bayer 04 auf 39 Pflichtspiele (vier Tore, fünf Assists), wurde mit der Mannschaft Tabellenvierter und schied mit ihr im Achtelfinale der Champions League aus.
Zur Spielzeit 2014/15 wechselte Can über die Ausstiegsklausel zum englischen Vizemeister FC Liverpool, für den er am 25. August 2014 (2. Spieltag) bei der 1:3-Niederlage im Auswärtsspiel gegen Manchester City mit Einwechslung für Joe Allen in der 75. Minute debütierte. Sein erstes Ligator erzielte er am 8. November 2014 (11. Spieltag) bei der 1:2-Niederlage im Heimspiel gegen den FC Chelsea mit dem Treffer zum 1:0 in der 9. Minute. In seiner Debütsaison bestritt er 40 Pflichtpartien für Liverpool.
Auch in seiner zweiten Saison beim FC Liverpool kam Can regelmäßig zum Einsatz und absolvierte 30 Ligaspiele. Wurde er zunächst noch von Brendan Rodgers als Verteidiger oder Außenverteidiger aufgestellt, ließ ihn Trainer Jürgen Klopp auf seiner bevorzugten Position im defensiven Mittelfeld spielen. Beim 6:0-Sieg gegen den späteren Absteiger Aston Villa am 14. Februar 2016 erzielte er sein einziges Saisontor mit dem Treffer zum 3:0. In der Europa League bestritt Can bis auf das Halbfinalhinspiel alle Partien und war somit auch bei der Finalniederlage gegen den FC Sevilla dabei. Can spielte darüber hinaus ebenso beim Finale um den League Cup gegen Manchester City, das mit 1:3 nach Elfmeterschießen verloren wurde. Bei diesem Elfmeterschießen war er der einzige erfolgreiche Schütze seiner Mannschaft.
Sein Treffer zum 1:0 gegen den FC Watford am 35. Spieltag der Saison 2016/17 wurde in England von der BBC-Sendung Match of the Day zum Tor des Monats Mai und zum Tor des Jahres gewählt. Insgesamt kam der Mittelfeldspieler für die Reds auf 167 Einsätze, in denen er 14-mal vor dem Tor erfolgreich war und zwölf Treffer seiner Mannschaftskollegen auflegte.
Zur Saison 2018/19 wechselte Can ablösefrei in die italienische Serie A zu Juventus Turin. Er unterschrieb einen Vertrag mit einer Laufzeit bis zum 30. Juni 2022. In seiner ersten Spielzeit kam er unter Cheftrainer Massimiliano Allegri zu 29 Ligaeinsätzen (zwanzigmal von Beginn), in denen er vier Tore erzielte. Zudem spielte er sechsmal in der Champions League (zweimal von Beginn), in der Juventus im Viertelfinale gegen Ajax Amsterdam ausschied. Am Saisonende gewann Can mit Juventus die Meisterschaft, nachdem man zuvor schon den Supercup geholt hatte.
Anfang September 2019 wurde Can – einen Tag nach Schließung des Transferfensters – vom neuen Cheftrainer Maurizio Sarri nicht in den Kader für die Champions-League-Gruppenphase berufen. Er kritisierte daraufhin öffentlich den Verein und äußerte, dass er nicht bei Juventus Turin geblieben wäre, wenn er von der Nichtnominierung eher erfahren hätte und dass die ihm gegenüber getätigten gegenteiligen Versprechungen maßgeblich für einen Verbleib bei Juventus gewesen seien.
In der Folge stand der Mittelfeldspieler in allen nationalen Pflichtspielen im Kader, kam aber nur auf acht Einsätze, von denen keiner über die volle Spielzeit ging.
Ende Januar 2020 wechselte Can zu Borussia Dortmund, nachdem dessen zentraler Mittelfeldspieler Thomas Delaney bereits seit November 2019 verletzungsbedingt ausfiel. Dortmunds Sportdirektor Michael Zorc sagte hierzu: „In Emre Can bekommen wir einen Spieler, der neben seiner Technik auch seine Physis einbringt und über einen ausgeprägten Siegeswillen verfügt.“ Zunächst wurde er für eine Gebühr in Höhe von einer Million Euro bis zum Ende der Saison 2019/20 ausgeliehen. Nach Erfüllung „vereinbarter Parameter“ wäre der BVB anschließend verpflichtet gewesen, für 25 Millionen die Transferrechte an Can zu erwerben. Bereits zweieinhalb Wochen später, in denen er in zwei Liga- und einem Pokalspiel eingesetzt worden war, vermeldete die Borussia aber die feste Verpflichtung Cans, der einen Vertrag mit einer Laufzeit bis zum 30. Juni 2024 unterschrieb, welcher zur neuen Saison in Kraft trat. Im Rückrundenverlauf schied Can mit dem BVB sowohl in der Champions League wie auch im Pokal im Achtelfinale aus, in der Bundesliga wurde man Zweiter hinter dem FC Bayern München. Can steuerte einen Treffer (den 1:0-Endstand gegen Hertha BSC) sowie eine Torvorlage bei und fehlte am finalen Spieltag aufgrund einer Gelbsperre. Sieben der Partien, in denen er mitwirkte, endeten ohne ein Tor für den jeweiligen Gegner, in dreien davon spielte er in der Dreierkette als Innenverteidiger. In der Kategorie „defensives Mittelfeld“ bescheinigte der kicker dem Defensivspieler im Sommer 2020 gemeinsam mit dem Leipziger Marcel Sabitzer die „internationale Klasse“. Das Fachmagazin resümierte: „Der 26-Jährige erwies sich in der Halbserie insbesondere mit seiner Robustheit und Zweikampfstärke als verlässliche Größe im Zentrum. Und wenn es sein musste, half er als Stabilisator in der Dreierkette aus.“
Die Hinrunde von Cans erster kompletter Spielzeit in Dortmund verlief für Mannschaft und Spieler durchwachsen. Bereits am 2. Spieltag spielte man 0:2 gegen den FC Augsburg, später wurden bis einschließlich des 17. Spieltags noch weitere fünf Spiele verloren. Der Deutschtürke wurde zunächst anstelle von Łukasz Piszczek, der in seine letzte Saison als Profi ging, in der Dreierkette eingesetzt, rückte zum Ende der Hinserie aber eine Position nach vorn ins Mittelfeld neben Axel Witsel oder dem Neuzugang Jude Bellingham. Unter dem bereits vor dem Jahreswechsel für Lucien Favre eingesetzten Trainer Edin Terzić, der zuvor dessen Assistent gewesen war, stabilisierte sich die Mannschaftsleistung zusehends. Die letzten sieben Bundesligaspiele konnten alle gewonnen werden, weshalb der BVB mit vier Punkten Vorsprung auf den Fünftplatzierten Eintracht Frankfurt, der sich für die Europa League qualifizierte, erneut in die Champions League einziehen konnte. Im nationalen Pokal lief es letztendlich besser für Can, der nun wieder häufiger als Verteidiger aktiv war, und den BVB. Im Achtelfinale musste man zwar gegen Paderborn in die Verlängerung, nachdem man in der siebten Minute der Nachspielzeit noch den 2:2-Ausgleich hatte hinnehmen müssen. In der zusätzlichen halben Stunde gelang aber Erling Haaland schließlich der Siegtreffer; zuvor war Can bereits in der 6. Minute der erste Torschütze des Spiels gewesen. Im weiteren Turnierverlauf besiegte man dann noch Borussia Mönchengladbach (1:0) und Holstein Kiel (5:0) sowie im Endspiel RB Leipzig mit 4:1. Can wurde so nach acht Jahren erneut deutscher Pokalsieger.