Emmy Eisenberg (verheiratete Hartwich-Brioschi; geboren am 3. Februar 1888 in Wien; gestorben am 13. September 1980 ebenda) war eine österreichische Bergsteigerin, Kletterin und Essayistin. Eisenberg galt als eine der besten Kletterinnen ihrer Zeit, der mehrere Erstbegehungen und Erstbesteigungen gelangen. Einige der besten Kletterer gehörten zu ihrem Freundeskreis. Bekannt wurde sie über ihre Schriften, in denen sie über ihre Klettertouren schrieb, aber auch in einem Artikel Vorurteile gegenüber Frauen im Bergsteigen und den allgegenwärtigen Sexismus aufgriff. Eisenberg galt als moderne Frau, war weltoffen, gebildet, sprachgewandt und hielt sich wenig an Konventionen.
Emmy Eisenberg wurde 1888 in Wien geboren, ihre Familie gehörte dem aufgeklärten Judentum an. Ihr Vater James Eisenberg (1861–1910) stammte aus Prag und war Gynäkologe, ihr Onkel Ludwig ein Schriftsteller und Lexikograf; ihre Mutter Karoline „Lili“ Mauthner war die Tochter des Hof-Advokaten Philipp von Mauthner. Beide Elternteile werden im Tagebuch von Arthur Schnitzler erwähnt. Eisenberg besuchte vermutlich das Mädchen-Lyzeum am Kohlmarkt in Wien. Sie besuchte 1905 und 1906 einige Fortbildungskurse des Lyzeums, die sich an Absolventinnen des Instituts richteten. 1905 hielt sie selbst einen Vortrag im Bereich Deutsche Literatur. Eisenberg war geprüfte Sprachlehrerin und beherrschte fünf Sprachen. Sie veröffentlichte mehrere Schriften, am bekanntesten sind jene in Bergsteigerzeitungen und den Nachrichten von Alpenvereinen. Gelegentlich übersetzte sie auch Berichte aus dem Italienischen, wie den Bericht des Bergsteigers Giuseppe Dimai über die Durchsteigung der Nordwand der Großen Zinne. Sie betrieb viele Sportarten, darunter das Eislaufen, Reiten, Tennis spielen und Skifahren; die liebste Sportart war ihr das Klettern.
Am 17. Dezember 1914 heiratete sie den Arzt und Kletterer Alexander Hartwich (1888–1979); um ihn heiraten zu können, ließ sich Emmy am 20. November 1914 evangelisch (A.B.) taufen. Eine jüdisch-christliche Mischehe konnte in Österreich-Ungarn nicht gültig geschlossen werden. Nach der Hochzeit unterzeichnete sie ihre Veröffentlichungen mit Emmy Hartwich. Im Juni 1921 ließ sie sich von Hartwich scheiden. Später (laut Smart in den 1920er Jahren) heiratete sie Otto Brioschi (1901–1966), der aus einer wohlhabenden Wiener Familie stammte. Daher nannte sie sich später Emmy Hartwich-Brioschi. Ab Ende der 1920er-Jahre kletterte Eisenberg viel in den Dolomiten. Ihr letzter Besuch galt der Trauerfeier für ihren verunglückten Freund und Kletterpartner Emilio Comici im Oktober 1940. Im selben Jahr übersiedelte sie in die Provence, wo sie unter dem Vichy-Regime und dann unter italienischer Besatzung den Zweiten Weltkrieg und die nationalsozialistische Judenverfolgung überlebte. Am Ende des Zweiten Weltkriegs lebte sie in Nizza. Über das weitere Leben von Eisenberg ist wenig bekannt, überliefert ist ihre Teilnahme am 1. Juni 1969 an einer vom CAI ausgerichteten Gedenkveranstaltung am Grab von dem 1913 im Alter von 27 Jahren tödlich abgestürzten Paul Preuß.
Paul Preuß, den sie „Pauli“ nannte, war ihre große Jugendliebe. Sie sollte sich ein Leben lang an ihn erinnern; er hatte für sie eine große Bedeutung. 1928 lernte sie den Bergsteiger und Schriftsteller Severino Casara kennen, der am Leben von Preuß interessiert war. Gemeinsam reisten sie nach Altaussee und besuchten Preuß’ Familie und sein Grab. Eisenberg stellte Casara persönliche Unterlagen von Preuß zur Verfügung, die sie von Sophie Schaar, Preuß’ älterer Schwester, erhalten hatte. Hierzu gehörten Briefe und sein Tourenbuch. Casara und Eisenberg arbeiteten zusammen für ein Buch über Preuß, das 1970 unter dem Titel Preuss, l’alpinista leggendario (deutsch: „Preuß, der legendäre Alpinist“) veröffentlicht wurde. Ende der 1970er-Jahre teilte die über 90-Jährige ihre Erinnerungen mit Reinhold Messner, der diese in sein Buch „Der Philosoph des Freikletterns: Die Geschichte von Paul Preuß“ einfließen ließ.
Eisenberg war Mitglied in der Sektion Donauland des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins, die viele wegen Antisemitismus aus anderen Sektionen verstoßene Mitglieder aufgenommen hatte. Eisenberg galt als moderne Frau, die sich wenig an Konventionen hielt. So war sie oft allein mit männlichen Kletterpartnern unterwegs, obwohl das als moralisch verwerflich galt und den Ruf einer Frau ruinieren konnte. Sie brach mit diesen Normen und trug regelmäßig in den Bergen Hosen. Überhaupt erregte Bergsteigen für Frauen Anstoß; Frauen wurde viel weniger zugestanden, ihre Leidenschaften und ihre Abenteuerlust auszuleben, und erst recht, wenn sie sich Gefahr aussetzen. Eisenberg reiste viel, sie schrieb Briefe aus Paris, Venedig, Florenz, Rom sowie in den Pyrenäen, in Schottland, in Palästina, am Bosporus und in Athen. Eisenberg war nicht nur weltoffen und weitgereist; Severino Casara attestierte ihr Intelligenz und Charme.
Eisenberg starb am 13. September 1980 in Wien im Krankenhaus Rudolfinerhaus und wurde am 7. Oktober 1980 am Döblinger Friedhof (Gr. 23, R. 8, Nr. 4) begraben, das Grab ist nicht mehr erhalten.
Eisenberg begann bereits in jungen Jahren mit dem Klettern, zuerst in den Wiener Hausbergen. So hat sie zusammen mit Guido Mayer und Otto Friedmann den „Emmysteig“ auf der Rax erstbegangen. Sie war auch die erste Frau, die durch die Triglav-Nordwand kletterte, die 1000 Meter hohe Wand des höchsten Berges von Slowenien. Zwischen 1908 und 1913 kletterte sie viel mit Paul Preuß im Wilden Kaiser. Dort waren sie auch häufig zu viert: Eisenberg mit Preuß sowie Hans Dülfer mit seiner Freundin Hanne Franz. Eisenberg war nicht nur im heutigen Nordtirol, sondern auch viel in den Dolomiten unterwegs. Nach dem Tod von Preuß kletterte sie viel mit Emilio Comici und Antonio Berti. Obwohl Comici faschistischen Ideen anhing, war er nicht unbedingt ein Antisemit und hatte kein Problem mit Eisenbergs jüdischer Herkunft. Comicis faschistische Ansichten haben Eisenberg wiederum nicht zu denken gegeben, sie sah in Comici den exzellenten Kletterer. Über die Jahre wurden Eisenberg und Comici enge Freunde. Eisenberg kletterte auch viel mit Frauen, so bestieg sie mit Mary Varale die Guglia de Amicis im Cadore.
Die „Punta Emmy“, eine Bergspitze im Sorapiss, ist nach Eisenberg benannt. 1924 gelang ihr die Begehung der Nordwand des Triglav, einer etwa 1000 m hohen, abweisenden und teilweise überhängenden Wand. In einem 1927 verfassten Artikel schildert sie ihre Besteigung der Vajolet-Türme in der Rosengartengruppe, auch heute noch eine beliebte Klettertour. 1928 gelang ihr die Erstbegehung des Preußturms (der kleinsten Zinne) von Süden und Osten. Nur ein Jahr später, am 25. August 1929 gelang ihr mit Comici, Casara, Fabian und Salvadori die Erstbegehung der „Croda del Valico“ im Sorapiss und 1930 eine Erstbegehung am Castelleto dei Tocci, eines Vorgipfels des Torre Wundt (Cadini-Gruppe) durch die Nordostwand.
Eisenberg, eine der besten Kletterinnen und Bergsteigerinnen ihrer Zeit, war mit einigen der berühmtesten Bergsteigern ihrer Zeit bekannt und unternahm mit ihnen zahlreiche Klettertouren. Dazu gehörten neben Paul Preuß Kletterer wie Rudolf Redlich, Guido Mayer, Emilio Comici und Mary Varale. Vor allem mit Paul Preuß war sie eng verbunden, Eisenberg war häufig seine Seilpartnerin bei schweren und schwierigen Touren. Ihr Kletterstil wurde als „leicht wie eine Feder“ beschrieben, sie galt als ausdauernd und ehrgeizig. Sie soll sich nie beklagt haben, weder über die Schwere einer Tour noch über Unannehmlichkeiten. Ihre Stärken waren glatte und überhängende Wände, Traversen und Risse. Sie selbst bekannte, dass sie manchmal in Kaminen Schwierigkeiten hatte. Über sich selbst schrieb sie: „Eine wirklich gute Bergsteigerin war ich nie, nur recht geschickt, nie ängstlich, sehr leicht im Gewicht und ungemein begeistert, also tauglich zum Mitgenommen-Werden. Dass es die Besten mehrerer Epochen waren, die mich mitnahmen, bleibt mein Stolz.“ Trotz ihrer bescheidenen Selbsteinschätzung gehörte sie vor dem Ersten Weltkrieg zur österreichischen Kletterelite.