An diesem Tag

Emlyn Hughes

Englischer Fußballspieler

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Emlyn Walter Hughes, OBE (* 28. August 1947 in Barrow-in-Furness; † 9. November 2004 in Sheffield) war ein englischer Fußballspieler und langjähriger Mannschaftskapitän des in den 1970er-Jahren europaweit erfolgreichen FC Liverpool.

Der Sohn des walisischen Rugbyspielers Frederick Hughes begann seine fußballerische Laufbahn als Mittelfeldspieler beim heimischen Verein FC Barrow, bevor er sich dem FC Blackpool anschloss, der zu dieser Zeit in der höchsten englischen Spielklasse agierte. An der Seite der späteren Weltmeister Jimmy Armfield und Alan Ball kam Hughes 1964 zu seinem Einstand, absolvierte aber bis 1967 nur insgesamt 28 Spiele für die „Tangerines“. Im Februar des zuletzt genannten Jahres verpflichtete ihn Bill Shankly für 65.000 Pfund und der Legende nach wurde Shankly während der Fahrt von Blackpool nach Liverpool von der Polizei angehalten, der dann dem Schutzmann schlicht entgegnete: „Weißt du nicht, wer in diesem Auto sitzt? Der angehende Kapitän der englischen Nationalmannschaft!“

Am 4. März 1967 debütierte Hughes bei einem 2:1-Heimsieg gegen Stoke City und ließ beim 6:0-Erfolg gegen Newcastle United am 26. August desselben Jahres in Anfield sein erstes Tor folgen. Er eroberte sich vorübergehend im Mittelfeld einen Stammplatz und erhielt nach einem schweren Tackling gegen den Flügelspieler Albert Bennett von Newcastle United den Spitznamen „Crazy Horse“. Während der ersten vier Spielzeiten beim FC Liverpool gewann Hughes noch keinen Titel, aber die beständig guten Leistungen des jungen Talents ließen das künftige Potential als Führungsspieler aufscheinen, auf das Shankly schon bald zurückgreifen sollte. Hughes zeichnete sich zudem durch vielseitige Einsatzmöglichkeiten aus und neben Partien als Innenverteidiger kam er als linker Außenverteidiger sogar 1969 bis in die von Alf Ramsey trainierte englische Nationalmannschaft. Am 5. November 1969 bestritt Hughes in Amsterdam gegen die Niederlande sein erstes Länderspiel für England und war dort mit 1:0 siegreich. Auch im nächsten Spiel bekleidete Hughes die Linksverteidigerposition und schoss beim 3:0-Sieg im Ninian Park in der British Home Championship gegen Wales sein erstes Tor im Dress der „Three Lions“.

1970: ein richtungsweisendes Jahr

Das Jahr 1970 sollte einen entscheidenden Meilenstein in Karriere von Emlyn Hughes markieren. Nachdem der FC Liverpool eine enttäuschende Niederlage im FA-Cup-Viertelfinale gegen den Außenseiter FC Watford hatte hinnehmen müssen, entschied sich Trainer Shankly dafür, einen Großteil seiner in die Jahre gekommenen Spieler, die zuvor zwei Meisterschaften und einen FA Cup für den Klub gewonnen sowie ein Finale im Europapokal der Pokalsieger erreicht hatten, auszusortieren. Der immer noch keine 23 Jahre alte Hughes war – wie auch Ian Callaghan und Tommy Smith – Profiteur dieser Maßnahme und gemeinsam mit einer Reihe junger Spieler begründete er ein neues Team, das in den 1970er-Jahren noch europaweit für Furore sorgen sollte.

Zwischenzeitlich war das englische Nationalteam als Titelverteidiger in Richtung Mexiko geflogen und Hughes sollte als mittlerweile sechsfacher englischer Auswahlspieler von Ramsey in den provisorischen 27-Mann-Kader berufen werden, der sich in Südamerika zum Zwecke der Akklimatisierung zu Freundschaftsspielen gegen Kolumbien und Ecuador eingefunden hatte. Hughes kam jedoch in beiden Spielen nicht zum Zuge, wurde dann aber dennoch als jüngstes Mitglied – und einziger Liverpool-Spieler – in den endgültigen Kader nominiert. Im Turnier selbst war er aber gemeinsam mit Nobby Stiles der einzige Feldspieler, der in keiner englischen Partie – bis hin zum Viertelfinalaus gegen Deutschland – eingesetzt wurde. Vor allem die Auswechslungen von Bobby Charlton und Martin Peters in der zweiten Spielhälfte des Deutschland-Spiels sorgten für kontroverse Diskussionen in der englischen Öffentlichkeit, zumal auf der linken Verteidigerposition Terry Cooper 120 Minuten absolvierte und durch seine erkennbare Erschöpfung Anlass zu einem Austausch mit Hughes gegeben hatte. Dieser sollte schließlich dann auch in keinem Weltmeisterschaftsendrundenspiel mehr die Gelegenheit zu seinem Einstand bekommen.

Während die Nationalmannschaftskarriere von Emlyn Hughes künftig stagnierte, setzte die Vereinskarriere nach der Jahrzehntenwende zu einem Höhenflug an, der mit dem FA-Cup-Finaleinzug gegen den FC Arsenal den ersten Teilerfolg fand. Dort unterlag der FC Liverpool mit 1:2 nach Verlängerung und konnte damit das Double des Gegners nicht verhindern. Hughes entwickelte sich auf der defensiven Mittelfeldposition immer mehr zu einem zentralen Spieler innerhalb der Mannschaft, der sich sowohl mit einem hohen Laufpensum als auch durch häufige Diskussionen mit dem Schiedsrichter für sein Team einbrachte. Die fußballerischen Fähigkeiten blieben bei Anhängern und Kritikern umstritten; während einige Experten Hughes als einen hervorragenden Spieler bezeichneten, nannten andere ihn einen „guten Spieler in einem großartigen Team“. Für England kam Hughes regelmäßig in der Ramsey-Elf als Außenverteidiger zum Einsatz. Er agierte dabei auch in den Spielen zur Fußball-Europameisterschaft im Jahre 1972 und stand bei der Viertelfinalniederlage gegen Deutschland sowohl im Hin- als auch im Rückspiel auf dem Platz.

Im Jahre 1973 gewann Hughes mit dem FC Liverpool seine erste englische Meisterschaft und kam auch im UEFA-Pokal zu seinem ersten europäischen Erfolg. In der internen Rangordnung stieg Hughes in der Folgezeit weiter auf, vor allem nachdem er bei einem Derbysieg gegen den FC Everton im Goodison Park beide Treffer erzielt und Tommy Smith als Mannschaftskapitän abgelöst hatte. Tommy Smith hatte sich zuvor öffentlich mit Shankly überworfen und wurde von seinem Trainer mit dem Entzug der Kapitänsbinde abgestraft. Dennoch blieb Smith weiter Bestandteil der Mannschaft und obwohl sich auch die Stimmung zwischen Smith und Hughes deutlich verschlechterte, wirkte sich dies nicht nachhaltig auf die fußballerische Leistung aus.

In umgekehrtem Maße, wie sich die Vereinskarriere von Hughes auf einer Höchstmarke befand, fand die Nationalmannschaftslaufbahn einen neuen Tiefpunkt, als Ramsey im Oktober 1973 als linker Verteidiger zu einem wichtigen WM-Qualifikationsspiel gegen Polen im Wembley-Stadion antrat. In einer Partie, die England unbedingt gewinnen musste, um nicht seine Teilnahme an der Endrunde in Deutschland zu verspielen, dominierte das englische Team zwar, scheiterte in seinen Angriffsbemühungen jedoch stets an dem gegnerischen Torhüter Jan Tomaszewski. In der zweiten Spielhälfte konnte auch ein Abwehrversuch von Hughes per Grätsche den Treffer von Jan Domarski von der Strafraumgrenze nicht verhindern. England gelang zwar noch über Allan Clarke per Elfmeter der Ausgleich zum 1:1, aber das entscheidende Siegtor sollte ausbleiben. In der Öffentlichkeit war die Abwehraktion von Hughes anschließend Gegenstand kritischer Betrachtungen, die aber angesichts des vorherigen Ballverlusts von Norman Hunter und des für Peter Shilton nicht unhaltbar erscheinenden Torschusses in den Hintergrund traten. Sechs Monate später sollte Ramsey von seinem Amt des englischen Nationaltrainers enthoben werden.

Zum Ende der Saison 1973/74 erweiterte Hughes seine Trophäenkollektion im Vereinsfußball und nahm nach dem 3:0-Finalsieg gegen Newcastle United aus den Händen von Prinzessin Anne den FA Cup entgegen. In der englischen Nationalmannschaft stieg Hughes unter Interimstrainer Joe Mercer zum neuen Kapitän – und damit Nachfolger von Bobby Moore - auf und führte sein Team am 11. Mai 1974 in Cardiff gegen Wales zu einem 2:0-Sieg. Bevor schließlich Don Revie zum neuen Nationaltrainer ernannt wurde, hatte Hughes in allen sieben Übergangspartien die Mannschaftsführerbinde getragen. Dennoch entschied sich Revie schließlich nach den ersten beiden EM-Qualifikationsspielen dazu, Hughes aus dem Team zu nehmen und das Kapitänsamt an Alan Ball weiterzugeben. Im Jahre 1975 sollte er somit nur zu zwei Länderspielen für England kommen. Im Gegensatz zu seinen schwindenden Chancen in der englischen Elf war Hughes in Liverpool eine beständige und erfolgreiche Führungsfigur bei den nun von Bob Paisley trainierten „Reds“. Einem titellosen Jahr 1975 folgte schließlich ein Jahr später ein weiteres Double aus englischer Meisterschaft und UEFA-Pokal. Dennoch sollte sich erst die anschließende Saison 1976/77 zum Höhepunkt in der Laufbahn von Emlyn Hughes entwickeln.

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