Emil Helfferich (* 17. Januar 1878 in Neustadt an der Weinstraße (damals Neustadt an der Haardt); † 22. Mai 1972 ebenda) war ein deutscher Südostasienkaufmann, der von 1899 bis 1927 in Niederländisch-Indien (heute Indonesien) im Handel tätig war.
Von 1927 bis 1972 war er in Hamburg als Vorsitzender des Aufsichtsrats der HAPAG, als Vorsitzender des Ostasiatischen Vereins (OAV) sowie als Staatsrat tätig. Seine letzten Lebensjahre verbrachte er in Neustadt.
1878 wurde Helfferich in Neustadt an der Weinstraße in eine in der damaligen Rheinpfalz ansässige Kaufmannsfamilie als vierter Sohn von sieben Kindern des Fabrikanten Friedrich Helfferich geboren, der in den so genannten Gründerjahren in Neustadt eine Trikotagenfabrik gegründet und damit Erfolg hatte. Emil Helfferich besuchte die Realschule in Neustadt und absolvierte ein einjähriges Sprachstudium in der Schweiz. Anschließend begann er eine dreijährige kaufmännische Ausbildung in Hamburg, an die sich ein einjähriger Militärdienst anschloss. Im Jahr 1894 war er in Hamburg berufstätig.
Helfferich ging im Jahr 1899 im Alter von 21 Jahren nach Südostasien und Sumatra, anschließend nach Batavia und machte sich selbständig. Zehn Jahre darauf, 1909, wurde er Generaldirektor des von Deutschen Banken und Überseehäusern gegründeten Straits-und-Sunda-Syndikats. 1914 folgte seine Veröffentlichung Die Kulturbanken in Niederländisch Indien, ein Jahr später gründete er die Kolonialzeitschrift Deutsche Wacht. Mit 51 Jahren kehrte Helfferich 1928 nach Hamburg zurück und wurde 1931 Mitglied des Nationalklubs von 1919 in der Ortsgruppe-Naumburg.
Am 19. November 1932 war Emil Helfferich einer der Mitunterzeichner der Eingabe von Industriellen an Paul von Hindenburg mit der Aufforderung, Adolf Hitler zum Reichskanzler zu ernennen. Zudem war er Gründungsmitglied des Keppler-Kreises (später Freundeskreis Heinrich Himmler). Im folgenden Jahr wurde er Vorsitzender des Aufsichtsrats der Hamburg-Amerika-Linie. Er trat zum 1. Mai 1933 in die NSDAP ein (Mitgliedsnummer 2.727.313). In den Jahren 1933 und 1934 war er Staatsrat und Mitglied des Hamburgischen Senats und wurde 1934 zum Leiter der Abteilung Außenhandel innerhalb der Reichsgruppe Handel. 1935 stieg er zum Präsidiumsmitglied des Aufklärungsausschusses Hamburg-Bremen, dem vom Reichspropagandaministerium die Aufgabe der getarnten NS-Pressepropaganda im Ausland übertragen war, auf. Zum Vorstand der Außenhandelsstelle für die Nordmark wurde Helfferich 1936. Im Jahr 1939 war er Aufsichtsratsvorsitzender der Deutsch-Amerikanischen Petroleum-Gesellschaft (ESSO) in Hamburg, die zu 94 % der Standard Oil of New Jersey gehörte. 1940 reiste er als Vorsitzender des Ostasiatischen Vereins auf dem Landweg nach Tokio. Drei Jahre später bekam er den Ehrendoktor für Wirtschaftswissenschaften der Hamburger Universität.
Emil Helfferich war nie verheiratet und hatte auch keine Kinder. Er lebte aber mehr als dreißig Jahre mit der Malerin Dina Uhlenbeck-Ermeling zusammen, die einen niederländischen Vater und eine javanische Mutter hatte. Emil Helfferich traf Dina, die er in seinen Lebenserinnerungen immer als „die Lebensgefährtin“ bezeichnete während der Schiffsreise nach Batavia, dem heutigen Jakarta. Dinas Vater, General a. D., lebte in Buitenzorg, der Sommerfrische Batavias, und gehörte zur Oberschicht der kolonialen Gesellschaft. Obwohl die beiden niemals heirateten – ungewöhnlich für die damalige Zeit, aber akzeptiert –, war ihnen eine lange und glückliche, wenn auch kinderlose, Partnerschaft beschieden, die erst mit dem Tode Dinas im Jahr 1939 endete.
1951 reiste Helfferich an der Spitze einer Goodwill-Mission im Auftrag des Ostasiatischen Vereins und der Bundesregierung nach Indonesien. 1970 zog er mit 92 Jahren von Hamburg nach Neustadt an der Weinstraße und baute ein Jahr später die Helfferich-Stiftung auf. Er starb 1972 im Alter von 94 Jahren in Neustadt an der Weinstraße.
Der bekannteste seiner fünf Brüder war Karl Helfferich, Vizekanzler des Deutschen Reichs im Ersten Weltkrieg und Finanzfachmann während der Weimarer Republik. Auf ihn geht die 1923 eingeführte Rentenmark zurück.
Als Junge träumte Emil Helfferich von einer Karriere in der Marine des neu erstandenen deutschen Kaiserreichs. Da ihm die Seeoffizierslaufbahn aber wegen einer leichten Sehschwäche verschlossen blieb, wählte er zur Freude seines Vaters den Beruf eines Überseekaufmanns.
In seiner Autobiografie Ein Leben beschreibt Helfferich, wie er zu dem Beruf des Kaufmanns kam. Sein Interesse sei nicht am Kaufmännischen, sondern am Abenteuer und dem Besuchen ferner Länder gelegen.
Nach einem mehrmonatigen Aufenthalt in Montreux in der Schweiz, wo er Englisch, Französisch, Italienisch und Russisch lernte, trat der 17-jährige Helfferich eine Lehrstelle in der Hamburger Firma Jürgen Peters, Import und Export von Spirituosen und Weinen an. Da Jürgen Peters sich lieber „einen richtigen Hamburger Jung“ als Lehrling gewünscht hatte, einigte man sich auf eine vierzehntägige Probezeit.
Nach einjähriger Militärdienstzeit, dem Privileg der gebildeten Stände des damaligen Deutschlands, ging er nach Penang in die damalige britische Kolonie Straits Settlements, wo er bei einem Hamburger Kaufmann, mit dem er sich befreundete, seine Ausbildung fortsetzte.
In Penang lernte Helfferich einen luxuriösen Lebensstil kennen, suchte aber bald das Abenteuer. Nach 16-monatigem Aufenthalt in Penang löste er seinen vierjährigen Kontrakt, um sich selbständig zu machen.
Im Jahr 1901 ging Helfferich nach Telok Betong in Südsumatra, wo er, ganz auf sich gestellt, sich im Import und im Export, dem „Produktengeschäft“, versucht – nach einiger Zeit auch in dem hochspekulativen Geschäft mit Pfeffer.
Im Jahr 1907 stieg Emil Helfferich in das Pfeffergeschäft ein, denn Pfeffer eignete sich von allen Produkten am besten für Spekulationen, und zwar aus folgenden Gründen:
Helfferich beobachtete, dass es Firmen und Privatpersonen gab, „die durch eine glückliche Pfefferspekulation steinreich wurden. Von denen, die umgekehrt bettelarm wurden, spricht man nicht. Der Gewinn ist laut, der Verlust leise.“ Und so scheiterte er auch mit seiner groß angelegten Pfefferspekulation.
Sein Leben verlief jetzt ganz anders als vorher in Batavia:
Schon reich an Erfahrungen, aber noch knapp an Mitteln, benutzte Helfferich einen Heimaturlaub – den ersten seit vier Jahren – dazu, Geldgeber zu suchen, die seinen geschäftlichen Unternehmungen größere Bewegungsfreiheit zu geben vermochten. Mit einem Barkredit von 50.000 Goldmark der Hamburger Privatbank Berenberg, Gossler & Co. ließ er sich nach der Rückkehr in Batavia, der Hauptstadt Niederländisch-Indiens, nieder und gründete zusammen mit seinem Freund Rademacher, den er aus der gemeinsamen Militärdienstzeit kannte, die Firma Helfferich & Rademacher. Hier, in Batavia, sollte Helfferich das nächste Vierteljahrhundert seines Lebens verbringen.