Emil Adolf Victor Ertl (* 11. März 1860 Wien (Zieglergasse 33); † 8. Mai 1935 Graz) war ein österreichischer Dichter und Schriftsteller.
Emil Ertl entstammte einer Seidenweber-Familie und wuchs am Schottenfeld, im 7. Wiener Gemeindebezirk, auf. Sein Bruder war der spätere Ackerbauminister Moritz Ertl. Bis 1873 besuchte er das Marianische Gymnasium in der Amerlingstraße, danach übersiedelte die Familie nach der Wiederverheiratung der verwitweten Mutter nach Meran. Nach dem frühen Tod des Vaters erhielt er den Architekten und Baurat Friedrich von Stach (1830–1906) zum Stiefvater, der eine wichtige Rolle in seiner Erziehung einnahm. Ertl studierte bis zur ersten Staatsprüfung Rechtswissenschaften an der Wien, wechselte aber, nach kunstgeschichtlichen Bildungsreisen nach Paris, London und Venedig zum Studium der Philosophie in Graz; 1886 wurde er im Wege der Arbeit Utilitarismus und Positivismus – eine Untersuchung im Anschluss an Bentham, Mill, Darwin, Spencer und Comte zum Dr. phil. promoviert. Ab 1889 war Ertl Bibliotheksbeamter, später Bibliotheksdirektor an der Technischen Hochschule Graz (Technische Universität Graz) und zuletzt in dieser Funktion in Wien.
Bekannt wurde Ertl vor allem als Schriftsteller. Zwischen den beiden Weltkriegen war er ein viel gelesener österreichischer Autor. Ertl gilt als einer der führenden Vertreter des österreichischen Heimat- und Geschichtsromans. Mit Peter Rosegger, der für ihn als Dichter ein Vorbild war, war er befreundet. Ertl war Kopf der literarischen Südmarkrunde, der unter anderem Viktor Geramb, Hans Kloepfer, Franz Nabl und Josef Papesch angehörten. Dieser Grazer Literatenkreis gilt als deutschnational gesinnt und als Wegbereiter der NS-Ideologie im steirischen Literaturbetrieb.
Emil Ertl starb am 8. Mai 1935 im Alter von 75 Jahren in Wien und wurde auf dem Evangelischen Friedhof Matzleinsdorf (Gruft 155) beigesetzt.
Sein Nachlass befindet sich im Bezirksmuseum Neubau. Nach dem Dichter sind Gassen und Wege in einigen österreichischen Städten, wie Wien, Wiener Neustadt, Bad Aussee und Graz, benannt.
1930 Bürger der Stadt Wien (14. März 1930)
Gedenktafel an seinem Geburtshaus in der Zieglergasse 33
Die Perlenschnur. Eine Renaissance-Novelle. 1894 online
Opfer der Zeit. Zwei Novellen aus dem Wiener Leben. 1895
Miss Grant und andere Novellen. 1896
Feuertaufe. Neues Novellenbuch. 1905
Opfer der Zeit. 2. verm. Auflage. 1905
Gesprengte Ketten. Novellen. 1909 online
Freiheit, die ich meine. Roman aus dem Sturmjahr. 1909 online. Neuausgabe 2017, ISBN 978-3-7437-0990-4; Neuedition 2026: https://doi.org/10.5281/zenodo.22281596
Der tote Punkt und anderes. Erzählungen. 1910
Auf der Wegwacht. Roman. 1911 online. Neuausgabe 2017, ISBN 978-3-7437-0742-9.
Ausgewählte Novellen. 1911 online
Die Leute vom blauen Guguckshaus. 1911. Neuausgabe 2017, ISBN 978-3-7437-0988-1.