August Emil Julius Berlin-Bieber (* 8. Januar 1878 in Hamburg als August Emil Julius Berlin; † 29. April 1962 in Kapstadt) war ein deutscher Porträtfotograf mit Atelier in Hamburg.
Emil Berlin wurde 1878 als Sohn des Fotografen Leonard Berlin in Hamburg geboren. 1892 übersiedelte er mit seinen Eltern nach Berlin. 1897 begann er eine Ausbildung zum Fotografen. Während seiner Lehre arbeitete er in Budapest und London bei Freunden seines Vaters. Am 1. Juli 1902 trat Emil Berlin als Gesellschafter in das von seiner Großtante Emilie Bieber 1853 gegründete fotografische Ateliers „E. Bieber“ in Berlin und Hamburg ein, das bis zu diesem Tag Leonard Berlin-Bieber als alleiniger Geschäftsführer betrieben hatte. Ab diesem Zeitpunkt wurde das Atelier als Offene Handelsgesellschaft geführt. Nach dem Verkauf des Berliner Ateliers im September 1910 war er zunächst alleiniger Gesellschafter des Ateliers E. Bieber in Hamburg. Zum 1. Mai 1911 wurde sein Vater Leonard Berlin-Bieber wieder Gesellschafter einer offenen Handelsgesellschaft. Im Ersten Weltkrieg diente Berlin-Bieber als Soldat.
Emil Berlin heiratete am 7. August 1912 die zehn Jahre jüngere Agnes Windel, die in den 50er und 60er Jahren des 20. Jahrhunderts unter dem Namen Agnes Windeck als Schauspielerin allgemein bekannt war. Sie besaßen Anfang der 20er Jahre ein Sommerhaus in Großhansdorf. Seit Oktober 1927 war er in zweiter Ehe mit Martha Windel verheiratet. Aus dieser Ehe stammten die Söhne Herbert und Peter.
Emil Berlin-Bieber war als Jude in der Zeit des Nationalsozialismus der Ausgrenzung und Verfolgung mit Verschlechterung der Arbeits- und Lebensbedingungen ausgesetzt. Er verließ im Januar 1938 das Deutsche Reich, seine Frau zwei Monate später. Nach einem kurzen Aufenthalt in England übersiedelte er nach Südafrika. Ein vergleichbarer beruflicher Erfolg wie in Hamburg gelang Berlin-Bieber nicht mehr. Er starb am 29. April 1962 in Kapstadt.
Das fotografische Atelier „E. Bieber“
Unter der Führung von Emil Berlin-Bieber wurde das fotografische Atelier „E. Bieber“ zu einem der bedeutendsten für Porträtaufnahmen in Deutschland. Zahlreiche Aufnahmen von Persönlichkeiten wie Albert Ballin, Carl Hagenbeck und Wilhelm II. und weniger bekannten Personen wie Carl Zarniko, Franziska Ellmenreich und Friedrich Bolte wurden mit einem Blindstempel signiert. Gemeinsam mit Rudolf Dührkoop war er einer der ersten Hamburger Berufs-Fotografen, die Porträtaufnahmen auch außerhalb der Atelierräume machten.
Im Mai 1903 bezog Emil Berlin-Bieber neue Räumlichkeiten im (Alten) Jungfernstieg 8/9. Anfang Januar 1904 zeigte Berlin-Bieber an, dass er das Haus im Neuer Jungfernstieg 20, das Emilie Bieber 1868 erworben hatte, verkauft habe und alle Aktivitäten an den (Alten) Jungfernstieg 8/9 Ecke Neuer Wall verlegt habe. Am 9. November 1911 eröffnete Berlin-Bieber eine neuerbaute obere Etage, die als Atelier für Aufnahmen diente. Ebenso waren neue Räumlichkeiten zur Präsentation von Aufnahmen entstanden. Anlässlich der Eröffnung fand eine Ausstellung der „technisch und künstlerisch besten seiner Arbeiten“ statt. Einige dieser Werke waren die „Verkuppelung zweier Techniken der Photographie und der Graphik“.
Am 16. September 1902 wurde das 50-jährige Jubiläum des Ateliers E. Bieber in Hamburg und Berlin gefeiert. 10 Jahre später wurde das 60-jährige Bestehen in Hamburg gefeiert – nun unter der Leitung von Emil Berlin-Bieber. Eine letzte Jubiläumsfeier aus Anlass der 75. Wiederkehr der Eröffnung fand am 16. September 1927 statt. Am 4. Dezember 1938 wurde vom Amtsgericht veröffentlicht, dass die Firma E. Bieber neben vielen anderen von jüdischen Inhabern geführten Firmen im Handelsregister gelöscht werde. Nur eine Woche später erschien am 10. Dezember 1938 eine Anzeige der Bildniswerkstätte Arthur C. Boos mit dem Hinweis auf das „E. Bieber Platten-Archiv“.
Da Berlin-Bieber am Ersten Weltkrieg als Soldat teilnahm, wurden im August 1914 Vertretungsbefugnisse erteilt. Die Ehefrau Albertine Sophie Agnes Berlin, Carl Christian Anton Maas und Raimund Ferdinand Schmiedt (1874–1943) wurden zu Prokuristen ernannt. Im Juni 1926 wurden sie gelöscht. Weitere Mitarbeiter: Christian Hissenauer. Hans Biedermann
Am 1. Juli 1902 wurde „Emil Berlin, Photograph zu Berlin,“ Gesellschafter des von seinem Vater Leonard Berlin geführten Ateliers „E. Bieber“. Das Berliner Atelier „E. Bieber“ als Niederlassung wurde im September 1910 aufgelöst.
Neuer Eigentümer wurde Julius Rosenberg. Im Juni 1933 wurde die unverehelichte Charlotte Lindeke als Inhaberin ins Berliner Handelsregister eingetragen. Im Dezember 1937 änderte sich der Eintrag in „verehelichte Nather, Kauffrau, Berlin“. Das Fotoatelier „E. Bieber“ (Berlin) bestand in der Leipziger Straße 124 noch bis in die 1940er Jahre und in der Albrechtstraße 2 von 1952 bis 1957. Es gab keine geschäftlichen Verbindungen mit den ehemaligen Inhabern.
Ernennung zum Hofphotraphen von Heinrich Prinz der Niederlande und Herzog zu Mecklenburg-Schwerin, Prinzgemahl der Königin Wilhelmina der Niederlande im Februar 1903.
Ernennung zum „Königlichen Hofphotographen“ des Prinzregenten Luitpold von Bayern im Juni 1903
Anlässlich seiner Verheiratung verlieh Kronprinz Wilhelm ihm 1905 den Titel Hoflieferant.
Ernennung zum Hoffotografen des Großherzogs von Mecklenburg-Strelitz im Januar 1911
Verdienstmedaille in Silber mit Schwertern des Sachsen Ernestinischen Hausordens, verliehen vom Herzogtum Sachsen-Coburg und Gotha am 12. Januar 1906.
Ehrenzeichen für Kunst und Wissenschaft, die Lippische Rose am Ringe, verliehen von Leopold Fürst zu Lippe, (1912)
1926: Silberne Medaille des C.V. (Central-Verband Deutscher Photographen-Vereine und Innungen)