Emergency Room – Die Notaufnahme, kurz ER, ist eine US-amerikanische Fernsehserie, die von 1994 bis 2009 ausgestrahlt wurde. Sie spielt vorwiegend in der Notaufnahme eines fiktiven Chicagoer Lehrkrankenhauses und versucht dabei auf realistische, dramatische und auch humorvolle Weise, den Arbeitsalltag des medizinischen Personals und Patientenschicksale darzustellen. Sie besteht aus 15 Staffeln mit insgesamt 331 Episoden. Die Idee zur Serie basiert auf einem Drehbuch des Bestseller-Autors Michael Crichton, das bereits in den frühen 1970er Jahren entstand.
ER wurde bekannt durch die ungewöhnlich temporeiche Schilderung notfallmedizinischer Prozeduren, verbunden mit innovativer Kameraarbeit und medizinisch-technischer Sprache. Markant sind auch episodenübergreifende Handlungsstränge, politisch-gesellschaftskritische Themen und um Authentizität bemühte Ausstattung. Realer Hintergrund der Serie war die Überlastung der Notaufnahmen in den Vereinigten Staaten, ein Problem des dortigen Gesundheitssystems.
ER gilt als eine der wichtigsten und erfolgreichsten Fernsehserien aller Zeiten, vor allem wegen der für das Genre damals neuartigen, auch als revolutionär bezeichneten Erzählweise, den in den frühen Staffeln höchsten Einschaltquoten des US-Fernsehens sowie den vielen Auszeichnungen, darunter ein Golden Globe und 23 Emmys. Sie zählt außerdem zu den teuersten und längsten Serien der Fernsehgeschichte und erlangte Vorbildfunktion sowohl für andere Fernsehserien als auch für die medizinische Ausbildung.
Das österreichische Fernsehen verwendet als Titel E.R. – Emergency Room; der deutsche Sender ProSieben zeigte die Serie in den 1990er Jahren zunächst unter dem Titel Emergency Room – Helden im O.P.
Hauptschauplatz ist die Notaufnahme in dem fiktiven Bezirkskrankenhaus County General Hospital, das sich im Stadtzentrum von Chicago befindet. Ein wichtiger Nebenschauplatz ist die Chirurgie in einem der oberen Stockwerke. Wie in den Vereinigten Staaten üblich, ist die Notaufnahme interdisziplinär, das heißt, darin sind Mediziner verschiedener Fachrichtungen tätig, darunter neben Notfallmedizinern auch Chirurgen, Pädiater, Radiologen und Psychiater. Weil es sich beim County General um ein Lehrkrankenhaus handelt, beschäftigt es in vielen Abteilungen auch Medizinstudenten.
Jede Staffel spielt in der Regel – ähnlich zur Dauer der US-Erstausstrahlung – im Zeitraum eines Jahres bzw. medizinischen Ausbildungsjahres, das von Juli bis Juni dauert. Die meisten Episoden erzählen die Ereignisse je eines Tages zwischen Morgen und Abend. Entsprechend spielt der überwiegende Teil der Episoden während der Tagesschicht; wenige Episoden erzählen von der Nachtschicht. Die Serie folgt dem Arbeitsalltag sowohl von einem Teil des in der Notaufnahme tätigen medizinischen Personals, hauptsächlich von Ärzten, als auch von Chirurgen, die die zuerst in die Notaufnahme eingelieferten Patienten anschließend operieren.
Behandlungsalltag und Patienten
Die Spannweite der in der Notaufnahme behandelten bzw. der Serie gezeigten Krankheiten und Verletzungen ist breit: Sie reicht von lebensbedrohlichen, dringend zu behandelnden Fällen wie Herzinfarkten, Überdosen und Schusswunden über dringend behandlungsbedürftige, aber nicht lebensbedrohliche Probleme wie Knochenbrüche und Schnitte bis hin zu unkritischen Fällen wie Erkältungen und Lebensmittelvergiftungen. Teils geht es auch um Schwangerschaften, darunter unerkannte und ungewollte, sowie Geburten, darunter Früh-, Fehl- und Totgeburten. Des Weiteren gibt es Patienten, die schizophren, suizidal oder posttraumatisch belastungsgestört sind und daher psychiatrisch behandelt werden müssen.
Bei der Untersuchung und Behandlung der Patienten sind in den entsprechenden Räumen oft auch Angehörige der Patienten anwesend, die mitleiden und -fiebern, selbst bei Wiederbelebungsmaßnahmen. Zuschauer und Behandlungspersonal erfahren dann oft vom Hergang und Zustandekommen der Verletzungen. Dazu gehören Schießereien, Vergewaltigungen, Verkehrs-, Sport- und Industrieunfälle, Bandenkriege, innerfamiliäre und polizeiliche Gewalt. Nur vereinzelt werden solche Ereignisse auch gezeigt. Nicht selten geraten die Angestellten der Notaufnahme in solchen Fällen in die Rolle von Verbrechensaufklärern.
Überaus charakteristisch für Emergency Room ist die medizinische Fachsprache, in der das Personal kommuniziert, ohne dass der Zuschauer die Bedeutung aller Fachbegriffe erfährt. Beispielhaft für solche medizinischen Fachbegriffe sind Succi, Etomidate, Atropin, Supra bzw. Epinephrin, Pneumonie, Splenektomie, Herzbeuteltamponade, Thoraxdrainage und Zentralkatheter. Der folgende Ausschnitt aus einer von hohem Zeitdruck geprägten Behandlung eines Trauma-Patienten ist ebenfalls exemplarisch dafür:
Der Anteil der hochkritischen, d. h. lebensbedrohlich krank oder verletzt eingelieferten Patienten an allen Patienten, deren Behandlung gezeigt wird, ist in den ersten beiden Staffeln höher als in den Folgestaffeln. Vor allem so schwer verletzte bzw. erkrankte Patienten werden vom Rettungspersonal auf einer Trage, ausgehend vom Rettungswagen oder dem Rettungshubschrauber, bis in den Behandlungsraum eingeliefert, wobei die Rettungsfachkräfte dem Notaufnahmepersonal lauthals die Anamnese erklären. Nicht selten kommt es vor allem bei solchen Patienten zu Notoperationen an der offenen Brust, die dazu mit Skalpell, Rippenspreizer und – ab der fünften Staffel – Sternumsäge geöffnet wird. Die meisten anderen Patienten kommen über den Warteraum zur Behandlung, sofern sie vorher nicht wegen zu langer Wartezeit wieder gehen. Manchmal werden auch Krankenhausmitarbeiter selbst zu Patienten. In der Serie werden sowohl Patientengeschichten erzählt, die sich nur über eine Szene oder eine Episode erstrecken, als auch solche, die über mehrere Episoden hinweg dauern.
Konflikte ergeben sich unter den Mitarbeitern sehr oft über die angemessene Behandlungsmethode. Dabei spielen auch finanzielle Faktoren eine Rolle; etwa gibt es Streit darüber, ob sich ein bestimmter Eingriff trotz der hohen Kosten und der geringen, verbleibenden Lebenserwartung wirklich lohnt. Angehörige stehen oft vor Entscheidungen über Leben und Tod von Patienten, vor allem wenn der Patient keine Patientenverfügung hat. Die patientenbezogenen Geschichten sind in manchen Episoden mit privaten Angelegenheiten der Ärzte und Schwestern verknüpft, die sich davon in ihren persönlichen Entscheidungen beeinflussen lassen. Zum Beispiel entschließt sich Dr. Pratt in der zwölften Staffel entgegen seinem zunächst gefassten Entschluss, seinen bislang unbekannten Vater aufzusuchen, erst nachdem er mit der Angehörigen eines Patienten und ihrer mangelnden emotionalen Betroffenheit konfrontiert worden ist.
Zu den wiederkehrenden Handlungsbestandteilen gehören Situationen, in denen vor allem studentische Praktikanten und junge Assistenzärzte in ihrem Selbstvertrauen erschüttert werden, nachdem ihnen bei der Diagnose oder der Behandlung von Patienten Fehler unterlaufen sind. Wiederholt aufgegriffen werden außerdem Situationen, in denen ärztliche Berufsanfänger den Patienten oder deren Angehörigen ein Krankheitsbild oder eine Behandlungsmethode allgemein verständlich genug erklären müssen, es aber mangels Erfahrung anfangs nicht schaffen. Das gilt äquivalent für das Überbringen von Todesnachrichten an Angehörige von Patienten.
In beinahe jeder Staffel gibt es mindestens eine Episode, in der, ausgelöst durch ein schlimmes Unglück, besonders viele oder schwer verletzte Patienten behandelt werden. Zu diesen Ereignissen gehören äußere Katastrophen wie ein Gebäudeeinsturz, ein verheerender Brand, ein Zugunglück und ein Flugzeugabsturz, aber auch Unglücke im Krankenhaus wie eine Benzolkontamination und eine Schießerei. Am Übergang von der achten zur neunten Staffel wird das Krankenhaus wegen des Verdachts auf hochgefährliche Pocken sogar evakuiert, aber nach mehreren Wochen und der Erkenntnis, dass es sich um die weniger gefährlichen Affenpocken handelt, wieder geöffnet.
Charakteristisch für die Serie ist, dass es in manchen Episoden einen schockierenden Moment gibt, bei dem einer Hauptfigur unerwartet äußerst schmerzhafte körperliche Gewalt widerfährt. Zum Beispiel wird Dr. Greene plötzlich verprügelt, Dr. Carter von einem schizophrenen Patienten niedergestochen und Dr. Romano durch den Heckrotor eines Rettungshubschraubers ein Arm abgetrennt. Ähnliches gilt für Patienten, auf die von Angehörigen oder anderen Feinden plötzlich geschossen, eingestochen oder -geschlagen wird.