Emanuel „Mendy“ Weiss (* 11. Juni 1906 in New York City; † 4. März 1944 im Gefängnis Sing Sing, Ossining, New York) war eine Figur aus dem organisierten Verbrechen im New York der 1930er Jahre bis zu seiner Verhaftung 1941 und wird heute der Kosher Nostra zugerechnet.
Nach Ansicht der Kings County Staatsanwaltschaft zählte Weiss, der nach eigenen Angaben stets lediglich ein ehrlicher Hutverkäufer in Brooklyn gewesen ist, zu den Mitgliedern der von Louis Buchalter geführten kriminellen Vereinigung Murder, Inc. Die Aktivitäten dieser Bande hatten sich von Schutzgelderpressungen auf die systematische Unterwanderung örtlicher Gewerkschaften ausgeweitet. Darüber hinaus legten die Ermittlungen des Federal Bureau of Narcotics nahe, dass Weiss wie Buchalter in den internationalen Drogenhandel verwickelt war, jedoch deswegen nicht juristisch verfolgt und verurteilt werden konnte, da er zeitgleich wegen einer Mordanklage, die mit der Verurteilung zum Tode und der Hinrichtung auf dem elektrischen Stuhl enden sollte, untergetaucht war.
Der Sohn jüdischer Einwanderer zählte Mitte der 1920er Jahre zu den Gewerkschaftsschlägern der Buchalter-Shapiro-Bande und soll nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft nicht nur zu Buchalters engsten Vertrauten gehört haben, sondern als Mittelsmann Buchalters Befehle, die Erpressungen und Straftaten bis hin zum Mord beinhalteten, direkt an angeheuerte Kriminelle weitergegeben haben. Weiss war des Weiteren aktiv beteiligt an der gewaltsamen Unterwanderung der New Yorker Textil- und Bekleidungsindustrie. Als 1937 Jacob Shapiro und Louis Buchalter sich ihrer strafrechtlichen Verfolgung entziehen wollten und untergetaucht waren, soll Weiss als Stellvertreter agiert und die Geldgeschäfte übernommen haben. Er stand dabei weiterhin unter dem Befehl von Buchalter, Shapiro und Albert Anastasia.
Dutch Schultz war auch als „Bierbaron der Bronx“ bezeichnet worden. Die Zeiten der Alkoholprohibition waren jedoch vorbei und Gangster wie Schultz gerieten ins Visier der Justiz. Schultz plante deshalb, Thomas E. Dewey – Staatsanwalt von Kings County und später Gouverneur von New York – zu ermorden, der gegen ihn ermittelte. Da das neue National Crime Syndicate – insbesondere Lucky Luciano und Meyer Lansky – aber die Folgen einer solchen Tat fürchteten, wurde stattdessen der Mord an Schultz beschlossen.
Am 23. Oktober 1935 fuhren Charles Workman, Emanuel Weiss und Seymour „Piggy“ Schechter zum Palace Chophouse in Newark (New Jersey). Schechter, der Fluchtwagenfahrer, wartete im Fahrzeug. Während Weiss den Eingangsbereich des Restaurants sicherte und Barkeeper und Kellner aufforderte, sich auf den Boden zu legen, betrat Workman das Lokal und eröffnete unverzüglich das Feuer auf drei Männer im hinteren Teil des Palace Chophouse. Dabei fügte er ihnen schwere Schussverletzungen zu, die keine der verwundeten Personen überleben sollte. Weiss unterstützte den mit zwei Pistolen bewaffneten Workman mit einer abgesägten Schrotflinte und feuerte ein weiteres Mal auf die bereits von Workman angeschossenen Männer. Als Workman und Weiss erkannten, dass sich Schultz nicht unter ihnen befand, durchsuchte Workman die Toiletten des Restaurants und traf dort auf Dutch Schultz. Bei der Konfrontation mit Workman erlitt Schultz einen Bauchschuss und sackte zusammen. Statt auf Workman zu warten, verließen Weiss und Schechter aus Furcht vor den eintreffenden Polizeikräften den Tatort und flohen mit dem Fluchtwagen. Der überraschte Workman musste zu Fuß fliehen und war dementsprechend bei späteren Zusammentreffen verstimmt.
Weiss argumentierte, dass Workman begonnen habe, die Opfer auszurauben, dies aber nicht zum eigentlichen Mordauftrag gehört habe. Wegen des Vorfalls erfolgte schließlich ein weiteres Treffen des National Crime Syndicates, bei welchem es Louis Buchalter jedoch gelang, die Anwesenden davon zu überzeugen, seinen Gefolgsmann Weiss zu verschonen.
Mitte der 1930er Jahre setzte der Staatsanwalt William O’Dwyer, der es sich zum Ziel gemacht hatte, gegen das organisierte Verbrechen vorzugehen, den Schwerpunkt seiner Ermittlungen auf Louis Buchalter. Dieser reagierte insbesondere damit, dass er potentielle Zeugen aus der Stadt drängte oder ermorden ließ.
So drohte ein früherer Speditionsinhaber namens Joseph Rosen, der wegen eines von Buchalter angeordneten Zuliefererstopps sein Geschäft aufgeben musste, wiederholt damit, die Staatsanwaltschaft über die Machenschaften Buchalters zu informieren, falls dieser nicht die Forderungen von Rosen erfüllen würde. Am 13. September 1936 wurde Rosen auf Befehl Buchalters in seinem Geschäft in Brownsville (New York City) erschossen. Mit der Planung und Ausführung der Tat beauftragte man angeblich Harry Strauss, James Ferraco, Emanuel Weiss, Philip Cohen, Sholem Bernstein und Louis Capone.
1939 soll Weiss auch an der von Albert Anastasia angeordneten Ermordung des Gewerkschaftsaktivisten Peter Panto beteiligt gewesen sein, nachdem dieser damit gedroht hatte, die Namen der an der Unterwanderung der Hafengewerkschaft beteiligt gewesenen Mafiosi zu nennen.
Im selben Jahr verhaftete man ihn auf Anordnung des Staatsanwalts Thomas E. Dewey. Weiss stand unter Verdacht, am 28. Januar 1939 an der Ermordung von Louis Cohen und Isadore Friedman teilgenommen zu haben. Weiss’ Anwalt Joseph A. Solovei erwirkte jedoch die Entlassung seines Mandanten aus der Untersuchungshaft auf Grund des Habeas-Corpus-Grundsatzes, der freiheitsentziehende Maßnahmen ohne richterliche Entscheidung für unzulässig erklärt. Wegen mangelnder Beweise blieb ein Gerichtsverfahren aus.
Weiss und sein Komplize Philip Cohen sollen des Weiteren massiv in die Drogengeschäfte der Murder, Inc. involviert gewesen sein. 1937 glaubte das Federal Bureau of Narcotics, Beweise für eine Verletzung des US-Betäubungsmittelgesetzes durch Cohen und Weiss gesichert zu haben. Man hatte einen gewissen Jacob Gottlieb mit einem Koffer voller Heroin in Rouses Point im Bundesstaat New York verhaftet. Gottlieb teilte zunächst bei seiner Festnahme den Behörden mit, dass er für Cohen und Weiss die Drogen von Frankreich über Kanada in die USA geschmuggelt habe und die beiden seine Auftraggeber seien. Noch in der Untersuchungshaft beging Gottlieb aus Furcht vor einer Vergeltungsmaßnahme der Murder, Inc. gegen ihn oder seine Familie Selbstmord, indem er sich in seiner Zelle erhängte. Auf Grund des Todes des einzigen Belastungszeugen konnte keine Anklage gegen Cohen und Weiss erhoben werden.
1939 gelang es aber schließlich, beide wegen Verletzung des US-Betäubungsmittelgesetzes anzuklagen. Ermittler des Federal Bureau of Narcotics entdeckten bei einer Hausdurchsuchung eine zum Strecken von Morphium betriebene chemische Anlage und hatten Beweise für die Beteiligung von Weiss, Cohen und drei weiteren Personen gesichert. Nachdem es gelungen war, die Flüchtigen 1939 festzunehmen, wurde der Prozess für 1940 angesetzt. Allen Angeklagten wurde vorgeworfen, am Opiumhandel beteiligt zu sein und Morphium gestreckt zu haben, um dessen Erträge zu vervielfachen. Der auf Kaution aus der Haft entlassene Weiss erschien darauf nicht zur Gerichtsverhandlung, um sich der strafrechtlichen Verfolgung zu entziehen, und galt ab diesem Zeitpunkt als Flüchtiger vor der Justiz. Im Februar 1941 verurteilte man Philip Cohen und die drei verbliebenen Angeklagten zu drei- bis zehnjährigen Haftstrafen.
Als es gegen Ende der 1930er Jahre der Staatsanwaltschaft schließlich gelang, die Bande um Louis Buchalter unter Druck zu setzen, zeigte dies Wirkung auf die Murder, Inc. und Auflösungserscheinungen waren zu beobachten. Nachdem Buchalter zwei Jahre untergetaucht war, stellte er sich 1939 den Behörden und wurde wegen Drogenschmuggels zu 14 Jahren Haft verurteilt. Als außerdem der Auftragsmörder Abe Reles wegen Mordes angeklagt werden konnte, belastete dieser Buchalter und andere Angehörige der Murder, Inc. – darunter auch Weiss – so schwer, dass die Staatsanwaltschaft 1940, vier Jahre nach der Ermordung Joseph Rosens, Anklage gegen die Beschuldigten erheben konnte.