An diesem Tag

Emanuel Geibel

Deutscher Lyriker

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Franz Emanuel August Geibel (* 17. Oktober 1815 in Lübeck; † 6. April 1884 ebenda) war ein deutscher Lyriker. Ab 1843 war er neben Heinrich Heine und Friedrich Rückert der erfolgreichste deutsche Dichter seiner Zeit, dessen Liederwerk Komponisten wie Robert Schumann, Hugo Wolf, Felix Mendelssohn Bartholdy und Johannes Brahms inspirierte. Seine Wertschätzung als Wortkünstler und als Autorenförderer im 19. Jhd. ließ im 20. Jahrhundert schon vor dem Ersten Weltkrieg nach. Bis heute allgemein bekannt geblieben sind seine Wanderlieder Der Mai ist gekommen und Morgenwanderung (Wer recht in Freuden wandern will, 1839) sowie die Schlussverse des Gedichts Deutschlands Beruf. 1861: „Und es mag am deutschen Wesen / einmal noch die Welt genesen“, die u. a. Kaiser Wilhelm II. zum politischen Schlagwort umformte („Am deutschen Wesen soll dereinst die Welt genesen“). Etliche der mehr als 3500 Kompositionen zu knapp 300 Gedichten Geibels sind nach wie vor im Repertoire von Solisten im Haus- und Kammermusikbereich.

Franz Emanuel Geibel wurde als siebtes von acht Kindern in der Fischstraße 25 in Lübeck geboren. Seine Eltern waren der Erweckungsprediger der reformierten Gemeinde Johannes Geibel und die Kaufmannstochter Elisabeth Louise Ganslandt (1778–1841). Er besuchte das Katharineum zu Lübeck, das er als Klassenbester verließ. Noch als Schüler veröffentlichte er unter dem Pseudonym „L. Horst“ sein erstes Gedicht im Deutschen Musenalmanach für das Jahr 1834, den Adelbert von Chamisso und Gustav Schwab herausgaben.

Ab dem Sommersemester 1835 studierte Geibel an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn auf Wunsch des Vaters Evangelische Theologie bei Friedrich Bleek, Philosophie bei Christian August Brandis und Klassische Philologie bei Rudolf Heinrich Klausen und Friedrich Gottlieb Welcker. In Bonn schloss er sich den Ruländern an. Sie waren nie eine Burschenschaft, sondern eine Tischgesellschaft, die sich in der Zeit der Demagogenverfolgung in der Gaststätte Ruland aus der kurzlebigen Markomannia (I) bildete. Sie paukte mit dem SC zu Bonn und wandelte sich 1836 (kurz nach Geibels Abgang) in das Corps Saxonia Bonn um. Ohne Einfluss auf Geibel blieb seine Begegnung mit Karl Marx und Karl Grün. Mit Moriz Carrière u. a. bildeten sie ein ‚Dichterkränzchen‘.

Im Frühjahr 1836 wechselte er an die Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin, wo er anfangs mit Adelbert von Chamisso, Bettina von Arnim und Franz Kugler in freundschaftliche Verbindung trat und Julius Eduard Hitzig ihn in die Literarische Gesellschaft einführte. Geibels Hochschullehrer waren u. a. August Boeckh, Johann Gustav Droysen, Karl Lachmann, Franz Kugler und Henrik Steffens. Bevor er im April 1838 nach Griechenland abreiste, stellte Geibel in einem lateinisch abgefassten Brief den Antrag, an der Universität Jena zu promovieren. Er wurde dabei von Georg Friedrich Heinrich Rheinwald unterstützt. Geibel bekam den Doktorgrad in absentia, ohne eine Dissertation eingereicht zu haben, die er nachzuliefern versprach. In Griechenland erhielt er eine auf drei Jahre befristete Anstellung als Hauslehrer beim russischen Gesandten in Athen, Gawriil Antonowitsch Katakasi; sein Jugendfreund Ernst Curtius war bereits seit 1837 in Athen bei Christian August Brandis als Hauslehrer tätig. Geibel blieb zwei Jahre in Griechenland. In dieser Zeit reifte sein Entschluss, weder als Gelehrter noch als Journalist, sondern ausschließlich als Dichter seinen Lebensunterhalt bestreiten zu wollen.

Nach seiner Rückkehr veröffentlichte er 1840 einen Band mit dem schlichten Titel Gedichte. Nach schleppendem Beginn wurde es sein großes Erfolgsbuch. Es erreichte, von der zweiten bis zur 5. Auflage überarbeitet und ergänzt, bis 1915 132 Auflagen und trug ihm die lebenslange Freundschaft mit dem germanistischen Grundlagenforscher Karl Goedeke ein. 1841 und 1842 ordnete Geibel auf Schloss Escheberg bei Zierenberg die Bibliothek spanischer Literatur des Künstlermäzens Karl-Otto von der Malsburg. Am 24. Dezember 1842 erhielt er durch die Vermittlung des in Lübeck lebenden Kunsthistorikers Carl Friedrich von Rumohr vom preußischen König Friedrich Wilhelm IV., wie vor ihm schon der Dichter Ferdinand Freiligrath, eine lebenslange Pension. Es folgte ein Jahrzehnt des Reisens. Lübeck blieb sein Rückzugsort. Im Forsthaus Waldhusen im Stadtteil Kücknitz verbrachte Geibel mehrmals seine Sommerfrische und schuf dort 1847 das Gedicht Aus dem Walde. Er war auch aktives Mitglied der politischen Erneuerungsbewegung Jung-Lübeck, die im März 1848 eine Verfassungsreform durchsetzte. Zwischen 1848 und 1849 unterrichtete Geibel am Katharineum anstelle seines väterlichen Freundes Ernst Deecke, der für Lübeck an der Nationalversammlung in Frankfurt teilnahm. 1849 begann die lebenslange enge Verbindung Geibels mit der schlesischen Adelsfamilie Carolath-Beuthen. 1851 verlobte Geibel sich mit der erst 17 Jahre alten Amanda („Ada“) Trummer (* 15. August 1834 in Lübeck), Tochter eines Rechtsanwaltes und einer Schauspielerin. Das Paar heiratete 1852. Die Hochzeit wurde im Lübecker Gartenrestaurant Lachswehr gefeiert, dessen „stillen Garten mit dem schattigen Ulmengang“ Geibel Jahre zuvor in einem Gedicht besungen hatte.

Im Dezember 1851 erhielt Geibel von König Maximilian II. Joseph eine Einladung zur Übersiedelung nach München bei guter Dotierung ohne Verpflichtungen. Geibel erhielt bereits einen dauerhaften Ehrensold vom preußischen König, war aber so gut wie nie in Preußen. Um einen dauerhaften bezahlten Aufenthalt in München begründen zu können, erbat er sich eine formal den Schein wahrende Ehrenprofessur für deutsche Literatur und Poetik an der Universität. Zwischen dem Bürgerkönig und dem Dichter entstand eine starke persönliche Bindung. Geibel saß bei den seit 1854 regelmäßig im Winter in der Grünen Galerie abgehaltenen ‚Abendunterhaltungen‘, ab 1856 Symposien genannt, stets neben dem König. Der Lyriker zog mit seiner Frau nach München und lebte dort bis 1868 in den Wintermonaten. 1853 wurde die Tochter Ada Marie Caroline (1853–1906) geboren, die spätere erste Frau des Lübecker Bürgermeisters Emil Ferdinand Fehling. Zwei Jahre später starb seine Frau Amanda am 21. November 1855. Sie wurde auf dem Alten Südfriedhof beigesetzt. Nach dem plötzlichen Tod Maximilians II. 1864 erfuhr Geibel in München zunehmend wegen seiner preußenfreundlichen Gesinnung Anfeindungen. Als Preußens König Wilhelm I. am 12. September 1868 Lübeck besuchte, begrüßte ihn Geibel mit einem Gedicht, durch das er bei König Ludwig II. in Ungnade fiel. Geibel verlor seine von den Wittelsbachern zugesicherte lebenslange Pension. Er verließ den von Paul Heyse 1856 ins Leben gerufenen und von ihm selbst maßgebend geprägten Münchener Dichterkreis Die Krokodile.

Emanuel Geibel kehrte in seine Geburtsstadt zurück. Paul Heyse verzichtete aus Solidarität auf seinen Ehrensold. Lübeck ernannte Geibel 1869 zum Ehrenbürger und Wilhelm I. ersetzte die bayerische Pension durch einen Ehrensold auf Lebenszeit.

Die Sommer der Jahre 1873–1875 verbrachte Geibel in Schwartau, wo er in der näheren Umgebung wanderte. Er starb nach langer, schwerer Krankheit am 6. April 1884 in Lübeck. Dort hatte er zusammen mit seinem Freund Heinrich Schunck einen belletristischen Lesezirkel geleitet. Trauerfeier und Trauerzug erreichten in der Hansestadt weder vorher noch nachher je wieder vergleichbare Dimensionen. Die Gedächtnisrede hielt sein Schwager Ludwig Trummer, Hauptpastor der Petrikirche, am Sarge in der Marienkirche. Geibels Grabstelle befindet sich auf dem Burgtorfriedhof. Die Beisetzung dort leitete sein Neffe, Pastor Heinrich Lindenberg.

Am 18. Oktober 1889 wurde der heutige Koberg im Stadtzentrum, damals Kaufberg, in Geibelplatz umbenannt und darauf ein Denkmal eingeweiht. Knapp die Hälfte der Kosten von ca. 50.000 Courantmark kamen durch Spenden aus dem gesamten deutschen Sprachraum zusammen: Der Kaiser, Herzöge, Adelige, Bildungsbürger in hohen Funktionen sowie zahlreiche Denkmalkomitees (z. B. in Hamburg, Frankfurt, Zürich, Stuttgart) stifteten stattliche Einzelbeiträge. Den meisten heutigen Lübeckern ist Geibel durch sein scherzhaftes Schülergedicht Zu Lübeck auf der Brücken bekannt. Darin geht es um die Statue des Gottes Merkur auf der Lübecker Puppenbrücke und ihr unbedecktes Hinterteil.

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