An diesem Tag

Emanuel Friedrich Fischer (Politiker)

Berner Politiker in der alten Eidgenossenschaft

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Emanuel Friedrich Fischer (* 4. oder 13. November 1732 in Bern; † 27. Dezember 1811 ebenda) war ein Berner Politiker.

Emanuel Friedrich Fischer entstammte der Berner Patrizierfamilie Fischer, die 1680 in den Reichsritterstand erhoben worden war und zu Beginn des 18. Jahrhunderts zur dritten Klasse der sogenannten «vesten» Familien gehörte. Die Familie Fischer war durch Unternehmungsgeist und eine geschickte Heiratspolitik zu einem der führenden Geschlechter der Republik aufgestiegen.

Emanuel Friedrich war der älteste Sohn von Rudolf Friedrich Fischer (* 18. August 1704 in Bern; † 3. November 1781 ebenda), der eine Karriere im bernischen Staatsdienst durchlief. Rudolf Friedrich hatte 1739 das Amt des Landvogts zu Aubonne übernommen, war 1760 in den Rat gewählt worden und hatte als Zeugwart und Feldkriegsrat gedient, bevor er starb. Die Mutter Emanuel Friedrichs war Elisabeth (* 1708 in Bern; † 20. April 1795 ebenda), die Tochter von Michael Freudenreich (1675–1741), der als Notar, Deutschseckelschreiber und Deutschseckelmeister tätig gewesen war; Emanuel Friedrich hatte noch zwei Brüder.

Emanuel Friedrich war ein Urenkel von Beat Fischer (1641–1698), der als Deutschseckelmeister sowie Vogt zu Wangen gedient hatte. Dieser wiederum war ein Nachkomme von Beat Fischer (1577–1628), der als Notar, Vogt zu Bonmont und Interlaken, Kirchmeier (kirchlicher Verwalter) und Venner zu Bern gewirkt hatte. Die Stammfamilie Fischer lässt sich auf Niklaus Fischer zurückführen, einen Gerber und Venner in Thun, der spätestens 1582 verstarb. Sein wahrscheinlicher Sohn Burkhard, der von 1538 bis etwa 1591 lebte und als Weissgerber arbeitete, wurde 1562 Burger von Bern und Mitglied der Gesellschaft zu Ober-Gerwern. Er diente als Grossrat und Landvogt. Dessen Sohn Beat gelangte 1621 als erstes Mitglied der Familie in den Kleinen Rat und stieg 1627 zum Venner auf.

Besondere Bedeutung für den Aufstieg der Familie hatte Beat Fischer, der gleichnamige Enkel des Venners, der 1675 als Pächter die bernische Post erwarb. Durch mehrfache Erneuerungen der Pachtverträge blieb diese Post bis zur Errichtung der kantonalen Regiepost im Jahr 1832 im Besitz seiner Nachkommen. Die Familie baute das Postunternehmen durch Verträge mit anderen eidgenössischen Orten und ausländischen Partnern systematisch aus. Ein Meilenstein war die Eröffnung der ersten Postwagenkurslinie der Schweiz zwischen Bern und Zürich im Jahr 1735, die in Zusammenarbeit mit der Zürcher Kaufmannspost realisiert wurde. Der aus der Postpacht gewonnene Reichtum ermöglichte dem Postunternehmer und seinen Nachkommen einen weiteren gesellschaftlichen Aufstieg, der sich unter anderem im Erwerb verschiedener Landsitze manifestierte, die im barocken Stil errichtet oder entsprechend umgebaut wurden. Diese Güter verblieben teilweise bis ins 19. oder 20. Jahrhundert im Besitz der Familie und gaben den verschiedenen Linien der Postpächterfamilie ihre Namen, darunter Reichenbach bei Zollikofen, Oberried bei Belp, Bellerive bei Gwatt, Mur-en-Vully am Murtensee und Eichberg bei Uetendorf.

Emanuel Friedrich Fischer besass unter anderem in der Münstergasse 26 sowie in der Kramgasse 5 in Bern Gebäude und dazu seinen Landsitz Bellerive in Gwatt bei Thun.

Am 2. Mai 1760 heiratete Emanuel Friedrich Fischer in Bümpliz Johanna Katharina (* 28. Mai 1742 in Bern; † 1. März 1808 ebenda). Sie war die Tochter von Alexander von Wattenwyl (1709–1748), Schultheiss des Äusseren Standes zu den höchsten Würdenträgern der Republik gehört hatte. Ihre Mutter war Anna Katharina Esther (1716–1738), die Tochter von Bernhard von Graffenried (1684–1747), Vogt zu Fraubrunnen.

Diese Verbindung zwischen den Familien Fischer und von Wattenwyl war eine typische Heiratsallianz innerhalb der bernischen Aristokratie, die sowohl gesellschaftliche als auch politische und wirtschaftliche Aspekte vereinte. Sie begründeten hier den Familienzweig "Fischer de Bellerive".

Aus dieser Verbindung gingen neun Kinder hervor, sechs Söhne und drei Töchter, wobei eine Tochter bereits im Säuglingsalter verstarb. Die Kinder waren unter anderem:

Emanuel Rudolf Friedrich Fischer (* 7. Dezember 1761 in Bern; † 28. Juli 1827 ebenda), der als Dragonerhauptmann, Oberamtmann zu Nidau, Direktor des Münzwesens, Mitglied der Appellationskammer und des Kleinen Rats in Bern sowie als Leiter des Postwesens in der Helvetischen Republik gedient hatte, und der mit Johanna Henriette verheiratet war, der Tochter von Friedrich Sinner, der als Hauptmann, Vogt zu Interlaken, Deutschseckelmeister und als Schultheiss in Bern gedient hatte; ihr gemeinsamer Sohn war der Politiker Emanuel Friedrich von Fischer;

Abraham Rudolf Fischer von Bellerive (* 14. Juli 1763 in Bern; † 8. Oktober 1824 ebenda); er diente als Leutnant in holländischen Diensten im Regiment May und später als Oberst im Regiment Oberland;

Carl Viktor von Fischer (* 1766 in Bern; † 1821), der Karriere als Offizier in holländischen Diensten und später als Oberst in englischen Diensten machte;

Emanuel Alexander Fischer (* 28. August 1768 in Vechigen; † 19. Mai 1810 in Bern), der als Appellationsrichter und Seckelmeister der Stadt Bern wirkte;

Katharina Johanna Elisabeth Fischer (* 1770 in Bern; † 19. Dezember 1854 ebenda); sie heiratete Johann Rudolf Wurstemberger (* 12. Juni 1770 in Bern; † 12. Februar 1839 ebenda), der als Fähnrich in holländischen Diensten in der Schweizergarde und später als Oberamtsmann zu Delsberg tätig war. Zu ihren Kindern zählte unter anderem Ludwig Friedrich Rudolf Wurstemberger (* 10. März 1800 in Thun; † 3. Dezember 1877 in Paris), der als Eisenbahningenieur wirkte;

Julia Cornelia Fischer (* 1772 in Bern; † 31. März 1845 ebenda); sie heiratete Jakob Rudolf Marcuard (* 29. September 1769 in Bern; † 10. Dezember 1809 ebenda), der als Bankier und Hauptmann zu Moudon sowie als Teilhaber an der Bank Marcuard, Beuther & Cie tätig war. Zu ihren Kindern gehörte Friedrich Adolf Marcuard (* 2. März 1798 in Thun-Gwatt; † 3. April 1868 in Paris), der als Bankier wirkte, Teilhaber an der Bank André et Cottier war und die Bank Adolphe Marcuard in Paris gründete.

Ausbildung und Vorbereitung auf den Staatsdienst

Emanuel Friedrich Fischer erhielt eine standesgemässe Ausbildung, die ihn auf eine Karriere im Staatsdienst vorbereiten sollte. Er studierte an der Akademie zu Lausanne. Nach Abschluss seiner Studien bildete er sich auf ausgedehnten Reisen weiter aus, wie es für junge Patrizier jener Zeit üblich war. Diese Grand Tour ermöglichte es ihm, fremde Länder und Kulturen kennenzulernen, Kontakte zu knüpfen und seinen Horizont zu erweitern.

Fischer widmete sich mit besonderer Vorliebe den kameralistischen Wissenschaften, jenem Zweig der Verwaltungslehre, der sich mit der Führung des Staatshaushalts, der Volkswirtschaft und der praktischen Regierungskunst befasste. Diese Studien sollten sich für seine spätere Laufbahn als äusserst nützlich erweisen, da sie ihm das theoretische Rüstzeug für die Bewältigung der vielfältigen administrativen und wirtschaftlichen Aufgaben vermittelten, die ihn in seinen verschiedenen Ämtern erwarteten.

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