Elly Maria Frida Rosemeyer-Beinhorn, geboren und bekannt als Elly Beinhorn, manchmal auch Elli Beinhorn (* 30. Mai 1907 in Hannover; † 28. November 2007 in Ottobrunn), war eine populäre deutsche Fliegerin. Ihre autobiografischen Bücher erreichten ein breites Publikum. Beinhorn wuchs im bürgerlichen Umfeld Hannovers auf. Im Alter von 21 Jahren begann sie mit einer Fliegerausbildung in Berlin und erwarb 1929 einen Pilotenschein. Anschließend war sie als Kunstfliegerin tätig, bis sie 1931 durch einen Alleinflug nach Afrika von sich reden machte. Im Jahr darauf erlangte sie durch eine Weltumrundung deutschlandweite Bekanntheit und wurde mit dem Hindenburg-Pokal ausgezeichnet. Weitere Langstreckenflüge folgten, und Mitte der 1930er Jahre stellte Beinhorn mehrere Rekorde auf, wie das Überfliegen von drei Kontinenten an einem Tag. 1936 heiratete sie den ebenfalls sehr bekannten Rennfahrer Bernd Rosemeyer, der zwei Jahre später bei einem Unfall starb. Nach dem Zweiten Weltkrieg erneuerte sie 1951 ihren Pilotenschein. 1979 beendete Beinhorn ihre Fliegerkarriere. 1991 wurde sie mit dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse ausgezeichnet. Sie starb im Alter von 100 Jahren in einem Seniorenheim bei München.
Elly Beinhorn war das einzige Kind des Kaufmanns Henry Beinhorn, der ein Hutgeschäft in Hannover führte, und seiner Frau Auguste Boit. In ihren Autobiografien beschrieb Beinhorn später den Umstand, ein Einzelkind gewesen zu sein, als Ursprung ihres Wunsches nach einer Fliegerkarriere. Dass sie in der beengten Großstadt Hannover aufwuchs, trug nach ihrer Aussage ebenfalls wesentlich dazu bei. Ihre Kindheit verbrachte Beinhorn in einer behüteten, bürgerlichen Umgebung. Sie besuchte zunächst die Stadttöchterschule, dann das Schillerlyzeum in Hannover. Dort erreichte sie die Primaner-Jahrgangsstufe, ging jedoch vor dem Abitur ab.
Nach dem Ende der Schulzeit blieben Beinhorns Zukunftspläne zunächst vage, jedoch zog es sie bereits in die Ferne. Als Sechzehnjährige bewarb sie sich ohne Erfolg beim Tierpark Hagenbeck und der UFA, um an Tierfang- bzw. Filmexpeditionen teilzunehmen. Im Herbst 1928 besuchte sie einen Vortrag des Fliegers Hermann Köhl, der von seiner Nonstop-Überquerung des Nordatlantiks berichtete. Daraufhin fasste Beinhorn den Entschluss, Fliegerin zu werden. Am nächsten Tag bat sie beim Hannoverschen Aeroclub darum, als Flugschülerin angenommen zu werden. Club-Präsident Homburg lehnte jedoch ab, da er weiblichen Piloten keine beruflichen Erfolgschancen ausrechnete.
Daraufhin bewarb sich Beinhorn bei der Deutschen Luftfahrt GmbH in Berlin und wurde trotz ähnlicher Bedenken schließlich angenommen. Die 2000 Reichsmark Ausbildungsgebühren bezahlte sie von ihren Ersparnissen und trat gegen den Widerstand ihrer Eltern die Ausbildung an. Sie verließ mit 21 Jahren ihr Elternhaus und zog in ein Zimmer in Spandau. Der Flugunterricht fand auf dem Flugplatz Berlin-Staaken statt. Ihr Fluglehrer war Otto Rudolf Thomsen (14. April 1895 bis 14. September 1960), der auch Hanna Reitsch und Wernher von Braun unterrichtete. Am 2. November 1928 saß Beinhorn erstmals am Steuerknüppel eines Flugzeuges, einer Klemm L 20. Diesen ersten Flug beschrieb sie später als nicht sehr beeindruckend, im Gegensatz zu ihrem ersten Alleinflug einige Wochen später, der ihr das Tor zu einer „neu geschenkten Welt“ eröffnet habe.
Am 4. Juni 1929 schloss Beinhorn die Ausbildung mit dem A-Schein ab. Anschließend machte sie in der Fliegerschule Würzburg bei Robert Ritter von Greim den Kunstflugschein II, um ihre Maschinen sicherer zu beherrschen und sich eine neue Einnahmequelle zu erschließen. Mit dem späteren Erwerb des A1-Scheins für Seeflug, des B1-Scheins und einer Blindflugausbildung vervollkommnete sie ihre Flugkenntnisse.
Da es Beinhorn für sicherer hielt, mit einer eigenen Maschine zu fliegen, kaufte sie auf Raten eine Messerschmitt M23b und bestritt ihren ersten Flugtag in Königsberg. Dort lernte sie ihren späteren Freund und Förderer Ernst Udet kennen. Anschließend nahm sie an weiteren Flugtagen teil, vorwiegend auf den Flughäfen deutscher Großstädte. Als besondere Attraktion zeigte sie dabei den Looping nach vorn. Innerhalb eines Jahres machte sie sich einen Namen als Kunstfliegerin, sodass sie von ihren Gagen, zuzüglich Einkommen aus Werbe- und Kurierflügen, ein finanzielles Auskommen hatte. Anfang 1930 unternahm sie auf Vermittlung von Thomsen hin einen ersten Auslandsflug, auf dem sie den Frack eines skandinavischen Großindustriellen von Berlin nach Rom transportierte. Durch diesen ebenso skurrilen wie dramatischen Flug, bei dem sie eine alpine Notlandung absolvieren musste, erschien ihr Name erstmals nachhaltig in der deutschen Presse, was zu ihrer zunehmenden Bekanntheit beitrug.
Am 29. Mai 1930 fand in Bonn-Hangelar die erste deutsche Damenkunstflugmeisterschaft statt. Beinhorn hatte das Reglement nicht richtig gelesen und vollführte die Figuren nicht vorschriftsgemäß. In der Folge musste sie den Titel der Kölnerin Liesel Bach überlassen, die ihn mehrere Jahre lang verteidigen konnte.
Durch die Medienberichte nach ihrem Romflug lernte Beinhorn die Duisburger Fliegerin Katja Heidrich kennen. Diese hatte kein eigenes Flugzeug, dafür jedoch einen Werbevertrag mit der Neufang-Jaenisch Brauerei aus dem Saargebiet, sodass beide eine finanziell lohnende Zusammenarbeit begannen. In Saarbrücken machte Beinhorn, die einen Passagier dabei hatte, durch ein riskantes Landemanöver ihre erste Bruchlandung, bei der das Flugzeug schweren Schaden nahm. Beide Insassen blieben dabei unverletzt, die Erfahrung führte jedoch dazu, dass Beinhorn von da an mehr auf ihre Grenzen achtete und vorsichtiger flog.
Beinhorn konnte Anfang der 1930er Jahre zwar vom Kunstfliegen leben, ihr eigentlicher Wunsch nach Langstreckenflügen blieb jedoch mangels Gelegenheit zunächst unerfüllt. Dann erfuhr sie von einer geplanten Westafrika-Expedition des österreichischen Forschers Hugo Bernatzik und des deutschen Forschers Bernhard Struck des Dresdner Museums für Völkerkunde. Sie suchten für die vorgesehenen Luftaufnahmen noch einen Piloten und Beinhorn bot sich für diese Aufgabe an. Bernatzik hatte nichts gegen eine Frau im Cockpit, beteiligte sich jedoch entgegen ihren Erwartungen nicht an den benötigten finanziellen Mitteln für eine neue Maschine mit Schwimmern. Der Präsident der Luftfahrtindustrie Admiral Lahs stellte ihr schließlich die D-1713 zur Verfügung, eine Klemm Kl 25 la, mit der vorher Theodor Osterkamp erfolgreich am Europarundflug 1930 teilgenommen hatte. Beinhorns Messerschmitt blieb als Pfand zurück, da sie sich die Kaskoversicherung für die Klemm nicht leisten konnte. Die anfallenden Kosten für die Instandsetzung der gebrauchten Maschine, eine Tropenausrüstung sowie Visa- und Einfluggenehmigungen überstiegen Beinhorns Ersparnisse, sodass sie Kredite aufnehmen musste. Anfragen bei der Presse um Vorschüsse blieben weitgehend erfolglos, da ihre Erfolgsaussichten angezweifelt wurden, nur die B.Z. am Mittag investierte in den Flug.
Am 4. Januar 1931 startete sie zu ihrem ersten Afrikaflug – und musste schon bald mit verölten Zündkerzen auf einem Schneefeld im Schwarzwald zwischenlanden. Erst nachdem ein Mechaniker der Klemm-Werke aus Böblingen saubere Kerzen eingebaut hatte, flog sie über Spanien und Gibraltar nach Rabat, Casablanca und Kap Juby. Dort lernte sie den Schweizer Piloten Walter Mittelholzer kennen, der ihr Ratschläge für den weiteren Flug gab. Über 2000 km flog sie an der afrikanischen Küste entlang nach Dakar. Am 1. Februar traf sie in Bissau ein, wo die deutschen Vertreter der örtlichen Woermann-Linie ihr Unterkunft und Verpflegung gaben. Acht Tage später unternahmen Bernatzik und Beinhorn einen ersten Rundflug, wozu ein offizieller Besuch beim Gouverneur von Bolama gehörte. Im Laufe der folgenden Wochen erkundeten sie die umliegende Gegend und machten die geplanten Luftaufnahmen. Unter anderem überflogen sie mehrfach die Bissagos-Inseln, wobei Beinhorn insbesondere die von Deutschen verwaltete Insel Bubaque beeindruckte.