Elke Kruse (* 10. September 1958 in Bünde, Westfalen), die den Namen Käthe Kruse annahm, ist eine deutsche Künstlerin. Im Jugendalter besetzte sie das Pseudonym der Schauspielerin Katharina Simon (1883–1968), die unter dem Künstlernamen Käthe Kruse zu einer der bekanntesten Puppenmacherinnen der Welt wurde.
Im Anschluss an Schulzeit, Ausbildung und verschiedenen Engagements in WG-Projekten in ihrer Heimat Ostwestfalen-Lippe begab sich Kruse mit gefälschtem Führerschein auf eine einjährige Busreise nach Delhi und Katmandu. Nach ihrer Rückkehr im Juni 1981 zog sie nach Berlin, wo sie im Bauhof, dem besetzen Haus in der Manteuffelstraße 40/41, am Görlitzer Bahnhof ein Zuhause fand.
Die Organisation Netzwerk Selbsthilfe gründete im März 1983 den Sanierungsträger Stattbau, der im September 1983 vom Senat Weizsäcker anerkannt wurde und somit die besetzten Häuser in den Blöcken 103 und 104 zusammen mit den Bewohnern sanieren und legalisieren konnte. 1986 gründeten die Bewohner der Blöcke zur gemeinsamen Verwaltung die Genossenschaft, die im Februar 1988 anerkannt und eingetragen wurde.
Im Sommer 1984 beherbergte Käthe Kruse in ihrer Wohnung ihre Freundinnen Kiki Smith und Nan Goldin, die sie wie auch ihre Töchter auf zahlreichen Fotografien abbildete, die sich heute in internationalen Sammlungen und Museen befinden. Eines dieser Fotos löste 2007 in England einen Skandal aus.
Seit 1991 ist Kruse mit dem Schweizer Schriftsteller Yves Rosset verheiratet. Gemeinsam haben sie zwei Töchter, Edda (* 1991) und Klara (* 1995) Kruse Rosset.
Seit April 2014 wohnt und arbeitet Käthe Kruse im Tauthaus am Engelbecken.
Von Januar 1982 bis zur Auflösung 1987 war Käthe Kruse Mitglied und Schlagzeugerin der Gruppe Die Tödliche Doris. Das Kunstprojekt hatten Nikolaus Utermöhlen und Wolfgang Müller, beide Kunststudenten an der Hochschule der Künste, 1980 gegründet.
Als Mitglied der Gruppe, der u. a. neben Chris Dreier, Dagmar Dimitroff, Max Müller auch die Künstlerin und Schauspielerin Tabea Blumenschein angehörte trat Käthe Kruse unter anderem auf:
Im Museum of Modern Art, New York
Im Musée d’art moderne de la Ville de Paris de Paris
Nach der Bandauflösung reiste Käthe Kruse ein letztes Mal mit den Bandgründern auf Einladung des Goethe-Instituts und des Schallplattenlabels Wave nach Tokio, wo das Theaterstück „Das war Die Tödliche Doris“ aufgeführt wurde.
Käthe Kruse studierte von 1990 bis 1996 Visuelle Kommunikation an der Universität der Künste, Berlin (Diplom), und schloss 1997 mit einer Prüfung zur Meisterschülerin bei Heinz Emigholz ab.
1997 und 1998 gewann Käthe Kruse mit ihren großflächigen Streifeninstallationen den Kunst-am-Bau-Wettbewerb in der Bruderhilfe Versicherung in Kassel und malte eine Streifeninstallation, kuratiert von Nan Goldin, 1999 in der Kagan Martos inc in New York. Diese farbigen Installationen zeigte sie u. a. in der Noosa Regional Gallery in Tewantin, Australien 2002 und im Paula Modersohn-Becker Museum in Bremen 2004.
Ihren multimedialen Werkzyklus „Le Sexe Rouge“ stellte Käthe Kruse unter dem Titel „13 Arbeiten“ im Jahr 2000 in der Kunsthalle Bremerhaven und im Jahr 2002 zwei Tage lang in der Reihe Musikwerke Bildender Künstler im Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart aus.
Kruse gewann mit ihrem „Ballkleid“ für die Ausstellung „Elf Künstlerinnen und die WM 2006“ in der Galerie im Körnerpark den Publikumspreis. Ihre Foto-Text-Sound-Installation „Amerika-Deutschland-Bhutan“ zeigte sie u. a. im Rahmen der Ausstellung der Arbeitsstipendiaten 2008 „Selected Artists“ im Jahr 2009 in der Neuen Gesellschaft für Bildende Kunst in Berlin und im Marta Museum in Herford.
Seit 2011 tritt Käthe Kruse mit ihren Töchtern auf. In ihren Performances behandelt sie Themen wie Abtreibung und Krieg und hatte Auftritte u. a. im „General Public“, Berlin, 2011, Kunst-Werke, Institute for Contemporary Art, Berlin, 2014, im Deutschen Werkbund Sachsen-Anhalt in Dessau, 2015, in der Galerie Vincenz Sala, Paris, 2017 und Klangspuren, Festival für Neue Musik, Schwaz, Österreich sowie 2018 auf den Performancedays in der Gallery Nectar in Tiflis, Georgien und der Galerie Nord I Kunstverein Tiergarten, Berlin.
Im Jahr 2013 bezog sich Käthe Kruse auf die objekthaften Produktionen der Tödlichen Doris, indem sie diese aus ihrer ursprünglichen Komplexität befreite. Unter dem Titel „Danke! Die Tödliche Doris“ zeigte sie diese Arbeiten in der Zwinger Galerie in Berlin, in der Galerie der Stadt Schwaz im Palais Enzenberg im Jahr 2017 und 2020 im Circuit, centre d’art contemporain, Lausanne.
Für die beiden Werkkomplexe „Ich sehe“ und „366 Tage“ sammelte Käthe Kruse über zwei Jahre täglich 25 Überschriften aus deutschsprachigen Tageszeitungen. Unterschiedslos bediente sie sich aus den Sparten Gesellschaft, Politik, Wirtschaft, Ökologie und Kultur. Kalendarisch abgespeichert, sammelte sie ein Kontingent aus Sätzen und Substantiven, welches in der künstlerischen Transformation ein beunruhigendes gesellschaftliches Bild entwarf.