Elizabeth „Eliza“ Lucas Pinckney (* 28. Dezember 1722 auf der Plantage Poorest Antigua; † 26. Mai 1793 in Philadelphia) war eine amerikanische Pflanzerin. Als Sechzehnjährige übernahm sie während der kriegsbedingten Abwesenheit ihres Vaters die Leitung seiner drei Plantagen in South Carolina. Ihr wird gewöhnlich Anbau und Verbreitung der Indigopflanze in den späteren Vereinigten Staaten zugeschrieben. Der blaue Farbstoff war in Europa sehr gefragt und veränderte die Wirtschaft South Carolinas gravierend. Indigo wurde nach Reis zur zweitwichtigsten Exportware der Kolonie und deckte mehr als ein Drittel der Einnahmen durch Exporte ab. Während Eliza selbst ursprünglich Großbritannien loyal war, kämpften ihre Söhne Charles Cotesworth Pinckney und Thomas Pinckney im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg gegen die Briten. Die Abschriften ihrer Briefe in ihrem Notizbuch zählen zu den wenigen persönlichen Zeitdokumenten amerikanischer Frauen des 18. Jahrhunderts.
Elizabeth (Betsey) wurde als eines von vier Kindern von George Lucas im Central Valley nordwestlich von Willoughby Bay auf Antigua geboren. Ihr Vater war Vorsitzender der Assembly von Antigua und betrieb hier eine Zuckerrohrplantage von 155 ha. Sein Vater, John Lucas, hatte sich in den 1660er Jahren auf der Insel niedergelassen und vererbte seinem Sohn über 200 Sklaven. Ann Mildrum war die Mutter ihrer jüngeren Geschwister, im Taufregister von George Lucas Jr. von 1725 wird sie als Lucas’ Geliebte bezeichnet, das Paar scheint aber später geheiratet zu haben. Es ist nicht klar, ob Elizabeth ihre Tochter war oder aus einer früheren Ehe von Georg Lucas stammte. Ihr Vater konnte seinen Besitz auf 200 ha vergrößern und kaufte ein Haus in St. John’s, der Inselhauptstadt.
Sowohl Eliza als auch ihre Brüder Tom und George wurden in London unterrichtet, wo sie ab 1732 sieben Jahre bei Richard und Mary Boddicott, einem Zuckerhändler und Freund der Familie bzw. in dem Internat von Mrs. Pearson in London lebte. Hier lernte sie Französisch, Geschichte, Geographie, Botanik, Nadelarbeiten, Kurzschrift und Tanz sowie die Grundlagen des Rechts. Im Herbst 1737 kehrte sie im Alter von 15 Jahren nach Antigua zurück, während ihre Brüder in England blieben. Kurz nach ihrer Rückkehr siedelte Lucas, der auf Antigua Schulden gemacht hatte, mit seiner Frau, Eliza und seine jüngste Tochter Mary, genannt Polly, im Jahr 1738 nach South Carolina über, in der Hoffnung, dass das dortige Klima der Gesundheit seiner kränklichen Frau zuträglich sein würde. Er ließ sich etwa 10 km von Charles Town am Wappoo Creek in der Nähe des Stono Rivers, mit seiner Familie auf der Plantage seines Vaters John Lucas nieder.
Lucas ermutigte Eliza nicht, sich mit den für Damen der damaligen Zeit üblichen Handarbeiten zu beschäftigen. Tatsächlich hegte er ein gewisses Misstrauen gegen nähende und stickende Frauen und soll gesagt haben, dass er „niemals Damen über ihren Handarbeiten reden sehen konnte, ohne zu argwöhnen, dass sie Schabernack ausheckten“. 1739 brach Krieg zwischen England und Spanien (1739–1748) aus und Lucas kehrte nach Antigua zurück. Um ein Offizierspatent in dem 38th Regiment of Foot, 1st Battalion, South Staffordshire Regiment zu kaufen, nahm er Hypotheken nun auch auf seine Plantagen und Sklaven auf dem Festland auf. Er wurde 1739 Lieutenant Colonel der britischen Armee und 1742 Lieutenant Governor von Antigua. Die Leitung der Plantagen in South Carolina überließ er seiner sechzehnjährigen Tochter Eliza, da die Gesundheit seiner Frau sich nicht verbessert hatte.
Waccamaw: 600 ha am Waccamaw River bei Georgetown. Hier wurden Pech, Teer und gepökeltes Schweinefleisch hergestellt
Garden Hill/Combahee River, 1200 ha Land Combahee River mit über 70 Sklaven, hier wurde Reis angebaut
Wappoo (Bluff Plantation), 240 ha, der Wohnsitz von Lucas. Das Gebiet heißt heute West Ashley, die Gebäude sind nicht erhalten. Hier arbeiteten mindestens 20 Sklaven. James Nicholas Cromwell, der Indigo-Experte, den Lucas angestellt hatte, beschwerte sich in einem Brief an Charles Pickney über den schlechten Gesundheitszustand der Sklaven, die in Wappoo für ihn arbeiteten.
Waccamaw und Garden Hill wurden durch Aufseher verwaltet, Wappoo durch Lucas selber. Lucas musste Geld erwirtschaften, um die Schulden ihres Vaters abzuzahlen. Neben der Leitung der Plantagen unterrichtete Eliza nach einem Brief von 1742 ihre Schwester Polly und zwei Sklavenkinder, die, wenn sie die Erlaubnis ihres Vaters bekam, auch den anderen „Negerkindern“ Lesen und Schreiben beibringen sollten. Sie übte sich ferner in Musik, Kurzschrift und Französisch und las viel.
Außerdem half sie gelegentlich armen Nachbarn bei der Abfassung von Testamenten.
Wie ihr Vater interessierte sich Eliza für botanische Experimente und begann mit Versuchen, diverse Pflanzen von den West Indies in South Carolina anzubauen. Mit 19 Jahren hielt sie fest, dass sie Feigenbäume gepflanzt hatte, um die Früchte zu trocknen und zu verkaufen, wie später Thomas Jefferson. Auch legte sie einen Baumgarten mit Eichen zum Bau von Schiffen an. Ihre anderen Experimente waren die Aussaat von Ingwer, Baumwolle und Luzerne. Obwohl Freunde und Verwandte ihre Projekte amüsiert betrachteten, ließ sich Eliza nicht beirren und schrieb ihrer Freundin Mary Bartlett, der Nichte ihres späteren Ehemannes Charles Pinckney:
Im Juli 1739 schrieb Eliza über ihre ersten Versuche, Indigo anzubauen. Der Farbstoff wurde für englische Uniformen benötigt und Eliza hoffte, auf diese Weise die englischen Kolonien sowie England vom französischen Indigo unabhängig zu machen. Zudem wäre es eine nützliche Einnahmequelle für South Carolina, dessen einzige nennenswerte Exportgüter Reis, Tierhäute und Holz waren. Ihre ersten Versuche schlugen fehl, teils wegen Frost, der ihre Ernte vernichtete, teils aufgrund angeblicher Sabotage durch ihren Farbstoffhersteller Nicholas Cromwell. Dennoch setzte sie ihre Versuche fort und im September 1742 berichtete sie ihrem Vater stolz: „Wir werden genug übrig behalten, um nächstes Jahr eine Ernte zu haben.“
Im Jahr 1744 konnte Eliza schließlich 17 Pfund Indigo ernten und verarbeiten. Sie sandte sechs Pfund davon nach England, wo es als qualitativ gleichwertig mit französischem Indigo eingestuft wurde. Um die Pflanze zu verbreiten, verteilte Eliza die Samen unter anderen Plantagenbesitzern. Indigo konnte gut zusammen mit Reis angebaut werden, da die jeweils arbeitsintensivsten Zeiten in verschiedene Monate fielen. So konnte die Ausbeutung der Sklaven intensiviert werden. Die Ernte erhöhte sich ständig, so dass im Jahr 1747 Indigo erstmals als Exportgut nach England verschifft wurde. England förderte den Anbau in Carolina finanziell, um Frankreich auszustechen, was die Wirtschaft und die Anpflanzungen weiter ankurbelte. Innerhalb der nächsten dreißig Jahre entwickelte sich die Indigopflanze nach Reis zum wichtigsten Exportgut South Carolinas. Kurz vor dem Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg war der jährliche Export von Indigo auf 1.107.660 Pfund (etwa 502 kg) angewachsen, mehr als einem Drittel der Exporte South Carolinas.
Auch als verheiratete Frau setzte Eliza ihre unternehmerischen Experimente fort, inzwischen auf der Plantage ihres Mannes, Belmont am Charleston Neck und am Cooper River. Sie ließ Hanf und Flachs anbauen. Der Krieg mit Spanien beeinträchtigte den Handel mit England und die Kolonien waren gezwungen, ihre Stoffe selber herzustellen. Eliza organisierte Webstühle für ihre Plantagen, auf denen die Sklaven Baumwolle und Wolle zu Stoffen verarbeiten mussten und versuchte sich in der Seidenproduktion. Sie erntete die Seidenfäden persönlich und hatte immerhin so viel Erfolg, dass sie später drei Kleider anfertigen lassen konnte.
Während der Abwesenheit ihres Vaters freundete Eliza sich mit dem benachbarten Rechtsanwalt und Plantagenbesitzer Charles Pinckney und seiner englischen Frau Elizabeth Lamb Pinckney sowie deren Nichte Mary Bartlett, die ungefähr in ihrem Alter war, an. Das Ehepaar lud Eliza oft zu sich nach Charles Town ein und stellte ihr ihre Bibliothek zur Verfügung, Pinckney war außerdem Mitglied der Bibliotheksgesellschaft von Charleston. Elizabeth las bei den Pinckneys sowohl Samuel Richardsons Pamela, aber auch Plutarch und die Werke Vergils und John Lockes, letztere auf Anregung Charles Pinckneys.