Elisabeth Alexejewna (russisch: Jelisawjeta Alexejewna; * 24. Januar 1779 als Luise Marie Auguste Prinzessin von Baden in Karlsruhe; † 4. Maijul. / 16. Mai 1826greg. in Beljow) war seit 1793 Großfürstin von Russland und an der Seite des Kaisers Alexander I. von 1801 bis 1825 Kaiserin von Russland.
Luise war das dritte von acht Kindern des Erbprinzen Karl Ludwig von Baden und seiner Frau Amalie von Hessen-Darmstadt. Zu ihren Geschwistern zählte Friederike Dorothea von Baden, die Gemahlin von König Gustav IV. Adolf von Schweden. Bei ihrer Geburt war Luise klein und schwächlich und die Ärzte fürchteten, dass sie nicht überleben werde.
Luise wuchs in einem warmen und familiären Umfeld auf und war besonders ihrer Mutter zugetan, mit der sie bis an ihr Lebensende einen vertraulichen Briefwechsel pflegen sollte. Sie wurde am badischen Hof sorgfältig erzogen. Sie beherrschte Deutsch und Französisch und erhielt Unterricht in Geschichte, Geographie, Philosophie, sowie französischer und deutscher Literatur. Wegen der großen Nähe Badens zu Frankreich war sie mit der französischen Kultur vertraut. Weil ihr Großvater Karl Friedrich, der regierende Markgraf von Baden, nicht sonderlich reich war, lebte die Familie in – gemessen an fürstlichen Standards – eher bescheidenen Verhältnissen.
Als Luise erst 13 Jahre alt war, wurde bereits über ihre Zukunft entschieden. Kaiserin Katharina die Große suchte eine Frau für ihren ältesten Enkel, den zukünftigen Kaiser Alexander I. und richtete dabei ihr Augenmerk auf die Prinzessinnen von Baden, die Nichten der verstorbenen Großherzogin Natalia Alexejewna (Wilhelmine von Hessen-Darmstadt), der ersten Gattin von Katharinas Sohn und späterem Kaiser Paul, waren. Auf Katharinas Einladung hin reiste Luise mit ihrer jüngeren Schwester Friederike Dorothea im Herbst 1792 nach Sankt Petersburg, wo sie Alexander vorgestellt wurde. Die Kaiserin war von Luises Schönheit, Anmut und Charme beeindruckt und nahm sie in den Katharinenorden auf. Luise wiederum fand Gefallen an Alexander, der groß und gutaussehend war. Der unerfahrene und schüchterne Alexander, der erst 15 Jahre alt war, wusste jedoch nicht, wie er sich Luise gegenüber richtig verhalten sollte, was diese als Ablehnung interpretierte. Bald jedoch kam sich das junge Paar näher, und im Mai 1793 wurden sie verlobt.
Vor der Hochzeit lernte Luise Russisch, konvertierte zum russisch-orthodoxen Glauben und trug fortan den Titel und Namen Großfürstin Elisabeth Alexejewna. Die Hochzeit fand schließlich am 28. Septemberjul. / 9. Oktober 1793greg. in Sankt Petersburg statt. Katharina schrieb darüber in einem Brief an Charles Joseph de Ligne, es sei wie „eine Heirat zwischen Amor und Psyche“. Elisabeth und Alexander waren erst 14 bzw. 15 Jahre alt. Sie zogen sich nach der Eheschließung zu Alexanders Eltern in das Schloss Gattschina zurück.
Elisabeth Alexejewna war bei ihrer Eheschließung noch sehr jung, scheu und naiv, insgesamt auf ihre neue Rolle schlecht vorbereitet. Sie war überwältigt von der Pracht des russischen Hofs, aber entsetzt über die dortigen mit kalter Berechnung durchgeführten Intrigen. Besonders schockierte sie das ausschweifende Liebesleben der Zarin Katharina. Einer von deren Liebhabern, Platon Alexandrowitsch Subow, versuchte Elisabeth zu verführen.
Elisabeth fühlte sich einsam und hatte Heimweh, besonders nachdem ihre Schwester Friederike nach Baden zurückgekehrt war. Sie fühlte sich verlassen in einer fremden Umgebung, in der sie nie sie selbst sein konnte, nicht einmal unter ihren Dienern und Hofdamen. Allein die Nähe zu Alexander gab ihr Halt. Nur sechs Monate nach der Hochzeit schrieb sie an ihre Mutter: „Ohne meinen Mann, der mich als einziger glücklich macht, wär ich bereits tausend Tode gestorben.“
Die ersten Ehejahre waren relativ glücklich. Die Kaiserin Katharina war aber enttäuscht darüber, dass bis zu ihrem Tod am 17. Novemberjul. / 28. November 1796greg. – nach drei Jahren Ehe – dem jungen Paar noch kein männlicher Thronfolger geboren war. Mit Katharinas Tod bestieg ihr Sohn als Kaiser Paul I. den Thron. Während seiner Herrschaft versuchte Elisabeth, so wenig Zeit wie möglich an Pauls Hof zu verbringen. Sie empfand eine große Abneigung gegen ihren Schwiegervater, seine ungerechte Politik und seinen stumpfsinnigen Charakter.
Bald kam es zu ersten Krisen in der Ehe. Elisabeth fühlte sich von ihrem Mann vernachlässigt. Sie fand zunächst Trost in der Freundschaft zur Gräfin Warwara Golowina (1766–1819). Später wurde ihr ein Verhältnis mit dem polnischen Fürsten Adam Czartoryski nachgesagt, der russischer Außenminister und ein Freund ihres Mannes war. Das Verhältnis dauerte angeblich drei Jahre.
Nach mehr als fünf kinderlosen Ehejahren kam am 18. Maijul. / 29. Mai 1799greg. endlich die erste Tochter des Paares zur Welt, Großfürstin Maria Alexandrowna. Am Hof kursierten Gerüchte, das Kind sei von Czartoryski. Bei der Taufe konnte auch Kaiser Paul seine Bedenken bezüglich der Vaterschaft nicht verbergen: Elisabeth und Alexander waren blond und blauäugig, Haare und Augen des Kindes hingegen dunkel. Kurz darauf wurde Czartoryski ins Ausland versetzt. Das Kind starb bereits im Juli 1800 kurz nach seinem ersten Geburtstag. Aus Briefen an ihre Mutter kann man entnehmen, dass Elisabeth vom Tod ihrer Tochter sehr mitgenommen war.
Elisabeth war für ihre Schönheit und ihre melodische Stimme bekannt. Ihr ovales Gesicht, ihre feinen Gesichtszüge und blauen Mandelaugen entsprachen dem Schönheitsideal dieser Zeit. Das gelockte blonde Haar trug sie meist offen. Zudem hatte sie eine graziöse und anmutige Haltung.
Sie galt als schüchtern, freundlich, liebenswert und großzügig, las mit Begeisterung und interessierte sich für Kunst. Musikunterricht nahm sie bei Ludwig-Wilhelm Tepper de Ferguson. Trotz ihres starken Charakters lebte sie eher zurückgezogen, nur umgeben von ihren engsten Freundinnen. Ihr zurückhaltendes und introvertiertes Wesen machte sie am russischen Hof nicht sehr beliebt, und in ihrer späteren Position als Zarin war sie selbst nicht glücklich.
Elisabeth liebte Alexander und unterstützte ihn nach Kräften bei persönlichen sowie politischen Krisen, wurde jedoch von ihm vernachlässigt. Emotional empfand das Paar nicht allzu viel füreinander. Beide hatten mit gegenseitigem Einverständnis außereheliche Beziehungen.
Beziehung während Alexanders erster Regierungsjahre
Kaiser Paul I. war auch gegen seine Schwiegertochter äußerst misstrauisch und drohte sie in ein Kloster zu stecken. Anfang März 1801 war Elisabeth gezwungen, ihrem Gatten hinter die Mauern des Michailow-Palastes in Sankt Petersburg zu folgen und wurde wenigstens indirekt Zeugin des Komplotts, dem der Kaiser wegen seiner exzentrischen Politik zum Opfer fiel. Einige Adlige ermordeten ihn am 12. Märzjul. / 24. März 1801greg.. Thronfolger Alexander war entsetzt und wurde in dieser schwierigen Situation von Elisabeth unterstützt. Sie half ihm, über den Schock hinwegzukommen und sich auf seine neue Rolle als Kaiser Alexander I. und den damit verbundenen Aufgaben und Pflichten zu konzentrieren.
Auch Elisabeth übernahm die repräsentativen Pflichten einer Kaiserin, wobei die erste Frau am Hof immer noch ihre Schwiegermutter Maria Fjodorowna war. Diese schritt neben dem Kaiser, während Elisabeth allein hinter ihnen gehen musste. Bei der im September 1801 in Moskau abgehaltenen Krönungszeremonie beachteten Elisabeth und ihr Gemahl genau das überkommene Ritual; so pilgerten sie an das Grab des heiligen Sergius im Troiza-Kloster. Ende Oktober 1801 kehrte das Kaiserpaar nach Sankt Petersburg zurück und war froh, sich nach den Anstrengungen ausruhen zu können.
Alexander I. begann sich einige Zeit danach sichtbar von seiner Gattin abzuwenden und sie abweisend zu behandeln. Er nahm damals nämlich eine Liebesaffäre mit der polnischen Prinzessin Maria Naryschkina wieder auf, die bereits 1799 angefangen hatte, aber zeitweilig unterbrochen worden war. 1803 erwartete Maria Naryschkina ein Kind vom Kaiser, stellte ihre Schwangerschaft bei Hof offen zur Schau und prahlte mit ihrer Beziehung zu Alexander I. Diese Liaison sollte annähernd 19 Jahre dauern. Elisabeth, die sich am Hof und sogar im Verhältnis zu ihrem Gatten von ihrer Schwiegermutter Maria Fjodorowna in den Hintergrund gedrängt sah, hielt Alexanders Mätresse für eine gemeine Dirne, die ihre Ehe ruinieren wollte. Dennoch suchte sie ein gutes Auskommen mit Maria Naryschkina herzustellen und trauerte mit ihrem Gatten, als seine kleine Tochter, die er mit seiner Mätresse hatte, starb. Als der Kaiser nach der österreichisch-russischen Niederlage in der Schlacht bei Austerlitz gegen Napoleon (2. Dezember 1805) nach Sankt Petersburg zurückkehrte, kam es zu einer Regierungskrise. Alexander war deprimiert und Elisabeth suchte seinen Seelenzustand wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Der russische Monarch wandte sich aber erneut verstärkt seiner Geliebten Naryschkina zu und französische Zeitungen spotteten, die Kaiserin zeige wenig Ehrgeiz, die Liebe ihres Gemahls wiederzuerobern.