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Elias Lönnrot

Finnischer Schriftsteller, Philologe und Arzt (1802-1884)

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Elias Lönnrot [ˈɛlias ˈlœnruːt] , auch Lö(n)nrot(h) (* 9. April 1802 in Sammatti, Schweden; † 19. März 1884 ebenda, Russisches Kaiserreich) war ein finnischer Schriftsteller, Philologe und Arzt. Auf seinen Reisen in Finnland und Ostkarelien zeichnete er die mündlich überlieferte finnische Volksdichtung auf, auf deren Grundlage er das Nationalepos Kalevala (1835; endgültige Fassung 1849) und die Liedersammlung Kanteletar (1840) verfasste. Damit legte er den Grundstein für eine finnischsprachige Literatur und die Entwicklung einer finnischen Identität. Er gilt nach dem Bibelübersetzer Mikael Agricola als „zweiter Vater der finnischen Sprache“. Die Banknote zu 500 Finnische Mark, welche von 1986 bis zur Einführung des Euro Zahlungsmittel war, trägt seine Abbildung.

Elias Lönnrot wurde am 9. April 1802 im südfinnischen Sammatti als viertes von sieben Kindern des Schneiders Frederik Juhana Lönnrot und dessen Frau Ulriika Wahlberg geboren. Seine Kindheit verbrachte er in ärmlichen Verhältnissen. Für den Lebensunterhalt der Familie musste er seinem Vater bei der Arbeit helfen und teils sogar betteln. Weil er als Kind große Begabung zeigte und bereits im Alter von fünf Jahren lesen lernte, ermöglichten ihm seine Eltern trotz ihrer Armut eine Schulbildung. Zwischen 1814 und 1818 besuchte er die Schulen von Ekenäs (Tammisaari) und Turku. Zwischenzeitlich musste er den Schulbesuch aus finanziellen Gründen unterbrechen. Nachdem er unter anderem als fahrender Sänger Geld verdient hatte, konnte er 1820 seinen Bildungsweg in Porvoo fortsetzen, wo er das Abitur bestand.

1822 begann er sein Studium zunächst an der Akademie zu Turku. Zu seinen Kommilitonen gehörten unter anderem Johan Ludvig Runeberg und Johan Vilhelm Snellman, die später zu den einflussreichsten Förderern der finnischen Kultur werden sollten. 1827 erhielt Lönnrot den Doktorgrad der Philosophie. Der Titel seiner Dissertation lautete De Väinämöine, priscorum Fennorum numine („Über Väinämöinen, eine Gottheit der alten Finnen“). Die Anregung für die Wahl des Themas hatte ihm sein Professor Reinhold von Becker gegeben. Zwischenzeitlich arbeitete Lönnrot als Privatlehrer am Hause des Medizinprofessors J. A. Törngren in Vesilahti. Törngren und seine Frau Eva Agatha wurden zu wichtigen Förderern Lönnrots und ermutigten ihn zu seinen philologischen Forschungen.

Wohl auch unter dem Einfluss des Mediziners Törngren setzte Elias Lönnrot sein Studium im Fach Medizin fort. Die Akademie wurde 1828 nach dem Großbrand von Turku nach Helsinki verlegt und in die Universität Helsinki umgewandelt. 1832 erhielt Lönnrot mit der Dissertation Om finnarnes magiska medicin („Über die magische Medizin der Finnen“) die Approbation als Arzt.

Durch seinen Lehrer Reinhold von Becker war Elias Lönnrot schon während seines Studiums mit der finnischen Volksdichtung in Kontakt gekommen. Den Grundstein für deren Erforschung hatten zuvor bereits Henrik Gabriel Porthan und Zacharias Topelius der Ältere gelegt. Zur gleichen Zeit entstand in Finnland durch das erwachende Nationalbewusstsein und Johann Gottfried von Herders „Volksgeist“-Ideen ein verstärktes Interesse, die traditionellen, mündlich übermittelten Lieder (auch als „Runen“ bezeichnet) aufzuzeichnen. Dieser Aufgabe widmete sich Elias Lönnrot. Er unternahm zwischen 1828 und 1844 insgesamt elf Reisen und legte unter teils entbehrungsreichen Bedingungen hauptsächlich zu Fuß, rudernd oder auf Skiern eine Gesamtstrecke von schätzungsweise 20.000 Kilometern zurück. Insgesamt sammelte er auf seinen Reisen 65.000 Verse Volksdichtung.

Seine erste Reise unternahm Lönnrot 1828, als er nach dem Brand von Turku auf die Fortsetzung seiner Studien warten musste. Zwischen April und September bereiste er zu Fuß die Regionen Häme, Savo und Nordkarelien bis hin zur Insel Valamo. Als Ergebnis dieser ersten Reise entstanden das Reisetagebuch Vandraren („Der Wanderer“) und vier Lyrikbände mit dem Titel Kantele.

Eine 1831 angetretene Sammelreise nach Ostkarelien endete bereits in Kuusamo, als er von der Gesundheitsbehörde nach Südfinnland zurückbeordert wurde, um bei der Bekämpfung einer Choleraepidemie mitzuhelfen. Nach Abschluss seines Medizinstudiums reiste Lönnrot von Juli bis September 1832 mit zwei Kommilitonen nach Karelien. Von Nurmes aus überquerte er die Grenze zu Russland und besuchte die Dörfer Repola und Akonlahti (am Kamennoje), wo ihm der Runensänger Trohkimaińi Soava wertvolle Aufzeichnungen lieferte.

1833 erhielt Lönnrot eine Stelle als Bezirksarzt im nordfinnischen Kajaani, wo er bis 1854 praktizieren sollte. Von dort aus trat er noch im selben Jahr seine vierte und wichtigste Sammelreise nach Ostkarelien an. Im Dorf Vuonninen traf er die Sänger Ontrei Malinen und Vaassila Kieleväinen; letzterer inspirierte Lönnrot dazu, die gesammelten Runen zu einem einheitlichen Werk zusammenzustellen. 1834 veröffentlichte Lönnrot anhand des gesammelten Materials das aus 5052 Versen bestehende Runokokous Väinämöisestä („Runensammlung über Väinämöinen“), eine Art „Proto-Kalevala“, bei dem erstmals die künstlerische Intention statt einer wissenschaftlich-textkritischen Auseinandersetzung im Vordergrund stand.

Im selben Jahr unternahm Lönnrot von Kajaani aus eine weitere Reise und sammelte Lieder von Arhippa Perttunen aus Latvajärvi, der später zur wichtigsten Quelle für das Kalevala wurde. Nachdem er das Manuskript für das Kalevala abgegeben hatte, folgte im April 1835 die sechste Reise, während deren er in fünf Wochen 800 Kilometer zurücklegte. Die erste Ausgabe des Kalevala erschien 1835 bis 1836 in zwei Bänden unter dem Titel Kalewala, taikka Wanhoja Karjalan Runoja Suomen kansan muinoisista ajoista („Kalevala, oder alte Runen Kareliens über altertümliche Zeiten des finnischen Volkes“).

Auch nach Veröffentlichung des Epos setzte Lönnrot seine Reisen fort. Zwischen September 1836 und Mai 1837 unternahm er eine längere Reise, die viele Strapazen, aber kaum Ergebnisse mit sich brachte. Nach zwei weiteren Reisen in den Folgejahren erschien 1840 bis 1841 die Lyriksammlung Kanteletar in drei Bänden.

Bei den späteren Reisen Lönnrots standen sprachwissenschaftliche Interessen im Vordergrund. Von Anfang 1841 bis Ende 1842 reiste er zusammen mit dem Linguisten M. A. Castrén nach Lappland, der Halbinsel Kola und Archangelsk sowie zu den Wepsen in Ostkarelien. Seine elfte und letzte Reise führte Elias Lönnrot 1844 nach Estland, wo er zum Ehrenmitglied der Gelehrten Estnischen Gesellschaft gewählt wurde, und ins Ingermanland.

Nach seinen Reisen kehrte Lönnrot an seine Stelle als Amtsarzt in Kajaani zurück. 1849 heiratete er die zwanzig Jahre jüngere Maria Piponius, eine Cousine Johan Vilhelm Snellmans.

Zwischen 1850 und 1860 wurden fünf Kinder geboren, von denen vier in jungen Jahren starben. 1854 berief die Universität Helsinki Lönnrot nach dem Tod des bisherigen Amtsinhabers M. A. Castrén zum Professor für finnische Sprache und Literatur. Seine Habilitationsschrift Om det Nord-Tschudiska språket behandelte die wepsische Sprache, die er während seiner zehnten Reise erforscht hatte. Lönnrot wirkte neun Jahre bis zu seiner Pensionierung 1862 an der Universität und hielt Vorlesungen über das Kalevala und die finnische Sprache.

Nach seiner Pensionierung kehrte Elias Lönnrot an seinen Geburtsort Sammatti zurück, wo er an der Erstellung eines liturgischen Gesangbuches und eines finnisch-schwedischen Wörterbuches arbeitete. Zusammen mit seinen Mitarbeitern stellte er das Wörterbuch in jahrelanger Arbeit bis 1880 fertig. Elias Lönnrot verstarb am 19. März 1884 in Sammatti.

Das Nationalepos Kalevala und ihr weniger bekanntes lyrisches Schwesterwerk Kanteletar gehören bis heute zu den wichtigsten literarischen Werken Finnlands. Vor allem das Kalevala hat einen immensen Einfluss auf das finnische Nationalbewusstsein und die finnische Kultur gehabt. Lönnrot legte damit den Grundstein für eine finnischsprachige Literatur.

Die Frage der Urheberschaft Lönnrots ist verschieden interpretiert worden. Lönnrot selbst sah sich nicht als Autor der Werke an. Ausgehend von Friedrich August Wolfs Theorie zur Homerischen Frage nahm er an, dass es einst ein zusammenhängendes Epos gegeben habe, das im Laufe der Jahrhunderte in die Einzellieder zerfallen sei. Für seine Aufgabe hielt es Lönnrot, dieses Epos zu rekonstruieren.

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