Elia Kazan, griechisch Ηλίας Καζαντζόγλου Ilias Kazantzoglou, (* 7. September 1909 in Konstantinopel, Osmanisches Reich (heute Istanbul, Türkei); † 28. September 2003 in New York City, New York) war ein griechischstämmiger US-amerikanischer Film- und Theaterregisseur, Schriftsteller und Schauspieler. Er gilt als einer der angesehensten und erfolgreichsten Regisseure seiner Generation. Einige von Kazans Theaterproduktionen galten als bahnbrechend. Seine Filmdramen Endstation Sehnsucht (1951), Die Faust im Nacken (1954) und Jenseits von Eden (1955) erlangten ebenfalls große Popularität. Er wurde jeweils dreimal mit dem Oscar und dem Tony Award ausgezeichnet.
Elia Kazan, im September 1909 unter dem Namen Elias Kazancıoğlu als Sohn griechischer Eltern aus Kayseri in Konstantinopel geboren, galt als einer der herausragenden Regisseure Hollywoods. Seit er vier Jahre alt war (1913), lebte Kazan in New York. 1932 schloss er das Yale College mit dem Wunsch ab, Filmregisseur zu werden. Im selben Jahr heiratete er Molly Day Thatcher († 1963). Das Ehepaar hatte vier Kinder. In den 1930er Jahren gab es noch keine Ausbildungsmöglichkeiten für Filmregisseure und so schloss er sich zunächst als Schauspieler dem Group Theatre an. Die Teilnehmer an der politisch links stehenden unabhängigen Theatergruppe lebten in den Sommermonaten wie in einer Kommune zusammen und erarbeiteten ihre sozialkritischen Inszenierungen. Zwischen 1934 und 1936 führte die Arbeit mit dem Group Theatre zu Kazans Mitgliedschaft in der Kommunistischen Partei. Als er 1936 (nach nur 19-monatiger Mitgliedschaft) mit der Partei brach, weil diese sich zu stark in die Theaterarbeit des Group Theatre einmischte, begann seine Feindschaft gegenüber dem Stalinismus und seinen Methoden. 1936 führte Kazan hier auch erstmals Regie; im selben Jahr spielte er eine Nebenrolle in Kurt Weills erster rein amerikanischer Produktion Johnny Johnson. 1937 ging Kazan mit einigen Schauspielern des Group Theatre zu Probeaufnahmen nach Hollywood. Seine erste Hollywoodrolle spielte er 1940 in Im Taumel der Weltstadt an der Seite von James Cagney unter der Regie von Anatole Litvak. Kazan erhielt daraufhin kleinere Filmrollen. Die Mitglieder der Gruppe, Franchot Tone und John Garfield, entwickelten sich zu Filmstars. Kazan ging jedoch zurück nach New York und hatte ab 1942 erste große Erfolge als Regisseur am Broadway. 1943 ging dann sein lang gehegter Traum in Erfüllung und er drehte mit Ein Baum wächst in Brooklyn seinen ersten Film.
Kazans Film Tabu der Gerechten wurde 1947 von Darryl F. Zanuck produziert. Es war der erste Hollywoodfilm, der sich mit dem Thema Antisemitismus beschäftigte. Kazan mochte den Film nicht sonderlich. Er sei zu höflich und zeige nicht, wie schlimm Antisemitismus sei. Zanuck verlangte, dem Zuschauer das Thema über eine Liebesgeschichte zwischen Dorothy McGuire und Gregory Peck näher zu bringen. Obwohl Kazan der Meinung war, dass dies dem Realismus der Geschichte schade, hatte Zanuck mit dieser Methode Erfolg. Der Film wurde mit dem Oscar für den besten Film des Jahres ausgezeichnet und Kazan erhielt seinen ersten Regie-Oscar.
Zurück am Broadway und weitere Filme
1947 war er neben Cheryl Crawford und Robert Lewis Mitbegründer des Actors Studio, aus dem Schauspieler wie Marlon Brando, James Dean und Julie Harris hervorgingen, die alle auch in Kazans späteren Filmen mitwirkten. Kazan besetzte in seinen Filmen immer wieder Schauspieler aus dieser Schule, die seit 1951 von Lee Strasberg als maßgeblichem Schauspiellehrer geleitet wurde. Kazan zog es wieder ans Theater. Er inszenierte zwischen 1947 und 1949 die Arthur-Miller-Erfolgsstücke Alle meine Söhne und Tod eines Handlungsreisenden. Lee J. Cobb spielte den Willy Loman und die Inszenierung machte Kazan zu einem der wichtigsten Theaterregisseure dieser Zeit. Mit dem Schauspielschüler Marlon Brando inszenierte er am Broadway 1947 Endstation Sehnsucht von Tennessee Williams. Im Zentrum des Stückes stand eigentlich die Geschichte der zwei Schwestern Blanche und Stella, doch Brando veränderte mit seiner fulminanten Darstellung des Stanley Kowalski die Wahrnehmung des Stückes. Am Broadway spielte Jessica Tandy die Blanche. Die Produzenten von Warner Brothers tauschten sie jedoch in der späteren Verfilmung von 1951 gegen die als Star höher eingeschätzte Vivien Leigh. Vivien Leigh erhielt für diese Arbeit ihren zweiten Darstelleroscar. Kim Hunter und Karl Malden gehörten wie Brando bereits zum Ensemble der erfolgreichen Broadwayproduktion.
Neben der Theatertätigkeit drehte er für Hollywood den Streifen Endlos ist die Prärie mit Spencer Tracy. Seiner eigentlichen Idee vom realistischen Filmemachen ging er mit dem Film Bumerang weiter nach. Für diesen Film ging er mit dem Team in die Kleinstadt Stamford (Connecticut) und drehte ohne große Filmstars in den Straßen und Gebäuden der Stadt. Zeitweise hatte die Produktion Tausende von Zuschauern, da die Menschen Filmproduktionen an realen Orten noch nicht gewohnt waren. Bumerang handelt von einem unter dem Verdacht des Priestermordes stehenden Mann und beruht auf einer wahren Geschichte über den späteren US-Justizminister Homer S. Cummings.
Elia Kazan empfand eine große Nähe zu den Menschen der Südstaaten der Vereinigten Staaten. 1937 hatte er hier bereits erste Erfahrungen gesammelt mit dem kurzen Dokumentarfilm Die Menschen aus Cumberland, der die Armut der Menschen während der Weltwirtschaftskrise in erschreckenden Bildern einfing. 1949 drehte er seinen ersten Spielfilm über den Süden. Pinky mit Jeanne Crain, Ethel Barrymore und Ethel Waters gehört allerdings zu den unbekannteren Werken Kazans.
1950 entwickelte er die Art Filme zu machen, die er mit Bumerang begonnen hatte, weiter und ging nach New Orleans, um den Thriller Unter Geheimbefehl mit Richard Widmark, Barbara Bel Geddes und Jack Palance an Originalschauplätzen zu drehen.
„Hexenjagd“ in den Vereinigten Staaten
Nach dem großen Erfolg von Endstation Sehnsucht – der Film erhielt insgesamt vier Oscarauszeichnungen, davon drei Darstellerpreise für Vivien Leigh, Kim Hunter und Karl Malden – ging Kazan nach Mexiko, um 1952 die Geschichte des Revolutionärs Emiliano Zapata zu erzählen. John Steinbeck hatte das Drehbuch über den Aufstieg eines Bauern, der sich politisch gegen die Zustände in seinem Land auflehnt, zum erfolgreichen Revolutionär verfasst. Historisch betrachtet war Zapata der einzige Revolutionsgeneral, der weitreichende Sozialisierungen des Agrarlandes und der natürlichen Ressourcen des Landes anstrebte. Er wurde im Auftrag des Präsidenten Venustiano Carranza im Jahr 1919 ermordet. Entsprechend dem antikommunistischen Zeitgeist der 1950er Jahre verdrehte Kazan den historischen Hintergrund jedoch zu einer antisowjetischen und antirevolutionären Propagandaparabel, nach der Zapata von „totalitären Linken“ ermordet worden sei und die soziale Revolution sinnlos sei. Er kam auf dem Höhepunkt der „Hexenjagd“ von Senator Joseph McCarthy in die amerikanischen Kinos und spielte dessen antikommunistischer Hetzjagd in die Hände.
Im Gegensatz zu vielen Kollegen, die die Aussage verweigerten, um sich nicht an McCarthys Hetzjagd zu beteiligen, sagte Kazan vor dem sogenannten „Komitee für unamerikanische Umtriebe“ aus. Er berichtete vor dem Ausschuss von seiner Abscheu vor angeblichen „roten Methoden“ und denunzierte bereitwillig Kollegen, die in den 1930er Jahren bis zum Hitler-Stalin-Pakt Parteimitglieder gewesen waren. Kazans ehemalige Kollegen aus dem Group Theatre, etwa John Garfield oder der Regisseur Jules Dassin, wurden nach den Aussagen Kazans auf die Schwarze Liste gesetzt und erhielten Berufsverbot.
Kazan war selbst in den 1930er Jahren, zu Beginn seiner Arbeit mit dem Group Theatre, Mitglied der kommunistischen Partei, schied aber aus, als die Partei sich in die Theaterarbeit der Gruppe einmischte. Kazan wollte unbeeinflusst von ideologischer Bevormundung die künstlerische Ausrichtung bestimmen. Außerdem schien ihm seine frühere kommunistische Weltanschauung bei seiner Karriere hinderlich, weshalb er in dieser Zeit zum überzeugten Anti-Kommunisten wurde. So erklärt sich auch Kazans spätere Unterstützung der reaktionären McCarthy-Politik, die ebenfalls – aber von rechts und mittels staatlicher Repression – Einfluss auf das künstlerische Leben nahm und Hollywood von kritischen, linken Einflüssen „säuberte“. Kazan wurde dafür in New York und in Hollywood von Linken öffentlich scharf kritisiert.