Das Elfmeterschießen, in der Schweiz Penaltyschiessen, ist eine der im Regelwerk vorgesehenen Vorgehensweisen zur Ermittlung eines Siegers beim Fußball. Es wird seit 1976 weltweit angewendet, wenn ein Fußballspiel zwingend einen Sieger benötigt, ein solcher aber zum Ende der Spielzeit nicht feststeht. Die Bestimmungen des jeweiligen Wettbewerbs regeln, ob zunächst andere Vorgehensweisen zur Ermittlung eines Siegers anzuwenden sind, was häufig durch eine Verlängerung der Fall ist. Sofern das Elfmeterschießen vorgesehen ist, kommt danach keine weitere Möglichkeit zur Ermittlung eines Siegers mehr in Betracht, da das Elfmeterschießen erst beendet ist, wenn ein Sieger feststeht.
Beim Elfmeterschießen führen wechselweise fünf Spieler jeder Mannschaft einen Torschuss von der Strafstoßmarke aus. Die Mannschaft mit den meisten Toren gewinnt. Dieser Vorgang wird allerdings vorzeitig beendet, wenn eine Mannschaft einen nicht mehr einholbaren Vorsprung erzielt hat. Steht es nach dem Vorgang weiter unentschieden, wird dieser jeweils um einen Schützen je Mannschaft verlängert, bis das Spiel entschieden ist.
Das Regelwerk sieht neben der Verlängerung und der unterschiedlichen Wertung auswärts erzielter Tore im Abschnitt „Vorgehensweisen zur Ermittlung eines Siegers“ auch das Elfmeterschießen vor, welches einige Jahre lang offiziell als „Schüsse von der Strafstoßmarke zur Spielentscheidung“ bezeichnet wurde. Im deutschen Regelbuch trifft man dabei auf die Besonderheit, dass im entsprechenden Abschnitt immer vom „Elfmeter“ gesprochen wird, der als solcher aber nicht weiter definiert ist. Es handelt sich dabei zweifelsfrei um Schüsse von der Strafstoßmarke nach den Regularien eines Strafstoßes, wobei ein Nachschuss nicht zugelassen ist und die Abstandsbestimmung durch den Umstand, dass klar definiert ist, wo sich die übrigen Spieler und der momentan unbeteiligte Torwart aufzuhalten haben, gegenstandslos ist. Allerdings ist immer die „Wirkung“ abzuwarten, was bedeutet, dass beispielsweise ein Schuss, der vom Torwart gegen die Latte gelenkt wurde und bei dem der Ball zunächst wieder in das Feld, dann aber dem Torwart in den Rücken springt und anschließend in das Tor geht, sehr wohl als Tor zu zählen ist.
Die meisten Fußballspiele bedürfen keiner derartigen Entscheidung. Freundschaftsspiele bedürfen nie einer Entscheidung, bei Punktspielen erhalten bei einem Unentschieden beide Mannschaften einen Punkt. Spiele, die nach dem K.-o.-System ausgetragen werden, wie beispielsweise Pokalspiele oder Fußballturniere im Anschluss an die Gruppenphase, erfordern aber zwingend einen Sieger, ebenso wie Spielpaare im K.-o.-System, die trotz Hin- und Rückspiels nach dem Reglement am Ende des Rückspiels unentschieden sind, beispielsweise in der Ausscheidungsphase der UEFA Champions League oder in Relegationsspielen. Endet die reguläre Spielzeit unentschieden und erbringt eine in den Wettbewerbsbestimmungen vorgesehene Methode für die Ermittlung eines Siegers (Verlängerung, Auswärtstoreregelung oder eine sonstige Festlegung wie z. B. klassentieferer Verein) keine Entscheidung, so ist nach aktuellem Reglement ein Elfmeterschießen durchzuführen; gleichwohl können die Wettbewerbsbestimmungen auch unmittelbar ein Elfmeterschießen vorsehen, ohne dass es einer Verlängerung und/oder der Anwendung der Auswärtstoreregelung bedarf.
Die Schützen beider Mannschaften schießen auf dasselbe Tor. Dadurch wird ausgeschlossen, dass zum Beispiel durch einen tiefen Stand der Sonne ungleiche Bedingungen herrschen. Auf welches Tor geschossen wird, legt der Schiedsrichter fest, soweit es sachliche Gründe für die Auswahl eines Tors gibt, ansonsten wird per Münzwurf durch den Schiedsrichter ausgelost.
Teilnahmeberechtigt sind alle Spieler, die beim Abpfiff noch am Spiel teilnehmen. Auswechslungen sind nur für den Torwart gestattet, wenn sich dieser verletzt und das Wechselkontingent noch nicht erschöpft ist. Unterscheidet sich vor oder während des Elfmeterschießens die Anzahl der Spieler (wegen Ausschlüssen/Verletzungen), muss die zahlenmäßig stärkere Mannschaft so viele Spieler nach eigener Auswahl entfernen, bis beide Mannschaften über gleich viele potenzielle Schützen verfügen. Der Hintergrund für diese Regelung erschließt sich aus folgendem Beispiel: Tritt eine Mannschaft mit nur noch zehn Spielern gegen einen vollzähligen Gegner an, müsste beim elften Pärchen der vermeintlich schwächste Schütze der kompletten Mannschaft gegen einen frei wählbaren, also wahrscheinlich den besten Schützen der reduzierten Mannschaft antreten. So wäre eine Mannschaft, die einen Feldverweis hinnehmen musste, sogar im Vorteil. Dies widerspräche dem Fairplay-Gedanken.
Alle Spieler, mit Ausnahme des jeweiligen Schützen und beider Torwarte, müssen sich während des Elfmeterschießens im Mittelkreis aufhalten. Der Torwart der Mannschaft des Schützen muss sich außerhalb des Strafraums aufhalten und soll dabei einen der Eckpunkte des Strafraums mit der Torlinie aufsuchen.
Der Schiedsrichter lost mit beiden Spielführern durch Münzwurf aus, wer den ersten Schuss ausführt. Der Gewinner der Auslosung darf festlegen, ob seine Mannschaft zuerst schießen wird. Abwechselnd schießt je ein Spieler beider Mannschaften einen Elfmeter (siehe oben).
Es gewinnt diejenige Mannschaft, die von ihren fünf Elfmetern mehr verwandelt als die andere Mannschaft. Vergibt ein Spieler seinen Elfmeter (wird vom Torwart abgewehrt, neben bzw. über das Tor geschossen oder alleiniger Verstoß des Schützen gegen die Regeln, wenn der Ball nicht in das Tor geht) und gerät seine Mannschaft dadurch in Rückstand, so hat sie noch nicht verloren, sofern genügend auszuführende Elfmeter verbleiben, um den Rückstand wieder aufholen zu können (beispielsweise bei einem Stand von 2:3 nach je drei Elfmetern). Das Elfmeterschießen wird vorzeitig beendet, wenn eine Mannschaft bereits als Sieger feststeht, weil ihr Vorsprung nicht mehr einholbar ist. Das ist beispielsweise der Fall beim Stand von 4:2 nach jeweils vier Elfmetern.
Besteht nach jeweils fünf geschossenen Elfmetern Gleichstand, wird die Prozedur so lange um jeweils einen Elfmeter für jede Mannschaft fortgesetzt, bis ein Sieger ermittelt ist. Dabei müssen zunächst alle Spieler einschließlich der Torhüter einer Mannschaft einen Elfmeter schießen.
Kamen alle Spieler an die Reihe und besteht noch immer Gleichstand, so schießt wieder abwechselnd erneut jeweils ein Spieler beider Mannschaften. Die Reihenfolge der Schützen innerhalb der Mannschaft ist jedoch vom ersten Durchgang unabhängig, das heißt, der ursprünglich siebte Schütze darf beispielsweise den ersten Strafstoß des zweiten Durchgangs schießen. Kein Spieler darf jedoch ein drittes Mal schießen, solange nicht alle Mannschaftskameraden auch mindestens zweimal angetreten sind. Dies gilt entsprechend für alle weiteren eventuell erforderlichen Durchgänge.
Bei den U-17-Europameisterschaften der Frauen und Männer 2017 wurde ein neues, meist als „ABBA-System“ bezeichnetes Verfahren getestet: Dabei traten die Schützen der Mannschaften A und B in der Reihenfolge ABBAABBA etc. an – ähnlich dem Verfahren beim Tie-Break im Tennis. Mit diesem Experiment sollte gemäß der Fair-play-Initiative des International Football Association Board (IFAB) überprüft werden, ob der Startvorteil der Mannschaft A damit reduziert werden konnte. Das neue Verfahren kam bei beiden Turnieren jeweils im Halbfinale und Finale zur Anwendung, wobei bei den Juniorinnen Deutschland zweimal als Mannschaft A gewann – gegen Norwegen und Spanien. Bei den Junioren gewann Spanien im Halbfinale gegen Deutschland als Mannschaft A sowie im Finale gegen England als Mannschaft B. Das neue Verfahren sollte ferner beim Blue Stars/FIFA Youth Cup 2017 am 24. und 25. Mai 2017 in Zürich getestet werden. Es kam auch bei der U-20-Weltmeisterschaft 2017 zur Anwendung, z. B. im Spiel um Platz 3 zwischen Italien und Uruguay.
Im Gegensatz zum „normalen“ Strafstoß, bei dem auch die übrigen Spieler in den Strafraum eindringen dürfen, sobald der Ball im Spiel ist, und bei dem – mit Ausnahme des Strafstoßes, der nach Ablauf der Spielzeit noch ausgeführt werden muss – ein Nachschuss möglich ist, ist dies beim Elfmeterschießen nicht erlaubt. Dafür gilt der Elfmeter aber erst als abgeschlossen, wenn die Wirkung eingetreten ist, also der Ball im Tor ist, das Spielfeld oder den Strafraum verlassen hat oder sich nicht mehr bewegt.