Der Elbrus (russisch Эльбрус Elbrus [ɪlʲˈbrus], karatschai-balkarisch Минги тау Miñi tau [mɪˈŋːi taw], kabardinisch Ӏуащхьэмахуэ Uaşhəmaxuə [ʔʷaːɕħamaːxʷa]) ist mit 5642 m Höhe der höchste Gipfel des Kaukasus und der höchste Berg Russlands. Ob er oder der Mont Blanc (4807,73 m) als der höchste Berg Europas anzusehen ist, hängt von der Definition der innereurasischen Grenze ab, für die es keine allgemeinverbindliche Festlegung gibt.
Der Berg mit Doppelgipfel (Westgipfel Höhe 5642 m, Ostgipfel Höhe 5621 m) ist ein ruhender, stark vergletscherter Vulkan, dessen letzter Ausbruch vor etwa 2000 Jahren stattfand und der dementsprechend noch nicht als erloschen eingestuft wird. Die Entfernung zwischen West- und Ostgipfel beträgt 1500 m. Der etwas niedrigere Ostgipfel besitzt einen gut erhaltenen Krater von etwa 250 m Durchmesser. 22 Gletscher fließen von den Elbrushängen ins Tal und bedecken 145 km² mit Eis.
Der heutige Name Elbrus leitet sich vermutlich vom georgischen Wort für „kegelförmiger Berg“ ab (georgisch იალბუზი Ialbusi). Auch die Varianten Elboros, Elborus und Elburus wurden bis ins angehende 20. Jahrhundert verwendet. Der Elbrus ist nicht zu verwechseln mit dem Elbursgebirge im nördlichen Iran.
Arrian erwähnte in einem an Kaiser Hadrian adressierten Bericht in griechischer Sprache über seine Rundreise an den Küsten des Schwarzen Meeres (griechisch Períplous toû Euxeínou Póntou), dass er bei der Fahrt nach Dioskurias (heute Sochumi) den Kaukasus sehen konnte. Dabei habe man ihm einen Gipfel namens Strobilos gezeigt, an den der Sage nach Prometheus von Hephaistos angekettet wurde. Obwohl nicht klar ist, welchen Kaukasus-Gipfel Arrian meinte, kamen einige Gelehrte und Forscher zu der Ansicht, Strobilos oder latinisiert Strobilus sei der Name des Elbrus gewesen, so auch der Bergsteiger und Geograf Douglas Freshfield in seinem Werk über den Kaukasus (1896). Die Identität von Strobilus und Elbrus wird auch in jüngerer Zeit gelegentlich behauptet.
Einer Sage zufolge soll die Arche Noah vor ihrer Landung am Ararat hier kurzzeitig gestrandet sein.
Die Divs, persische Dämonen (vgl. Daeva), sollen zur Strafe für ihre Sünden auf den Elbrus verbannt worden sein und seither hier leben. Da er als heiliger Berg gesehen wurde, galt eine Besteigung lange Zeit als tabu.
Das Mineral Elbrusit, ein Vertreter der Granatgruppe, wurde nach dem Berg Elbrus benannt.
Der Elbrus liegt im Süden Russlands, etwa 11 km nördlich der georgischen Grenze, etwa 270 km Luftlinie nordwestlich der georgischen Hauptstadt Tiflis und 100 km westlich der kabardino-balkarischen Hauptstadt Naltschik. Die Grenze zwischen den russischen Kaukasusrepubliken Kabardino-Balkarien und Karatschai-Tscherkessien verläuft über den Westgipfel des Elbrus, wobei der größte Teil des Bergmassivs in Kabardino-Balkarien liegt.
Die Frage seiner Zurechnung zu Asien oder Europa ist umstritten. Es gibt die Ansicht, dass der Hauptkamm des Großen Kaukasus die innereurasische Grenze bildet, womit der etwas nördlich des Kammes liegende Elbrus zu Europa gehören würde. Die andere Ansicht, die vor allem im deutschen Sprachraum verbreitet ist, legt die Grenze zu Asien nach Philip Johan von Strahlenberg (1676–1747) fest. Strahlenberg wurde vom Zarenhaus mit der Landvermessung beauftragt und versetzte die vorher geltende Grenze Europas vom Fluss Don in südöstlicher Richtung zur Manytschniederung nördlich des Kaukasus. Nach dieser Auffassung wäre der Elbrus asiatisch.
Mit seiner Zuordnung zu Europa oder Asien hängt auch die Frage nach dem höchsten Berg Europas zusammen. In Bergsteigerkreisen gilt der Elbrus als höchster Berg Europas und gehört somit zu den Seven Summits.
Der Elbrus ist ein andesitisch-dazitischer Schichtvulkan, der sich während des Holozäns in einer 14 km × 17 km durchmessenden Caldera gebildet hat. Der letzte Ausbruch fand vor etwa 2000 Jahren statt (50 n. Chr. ± 50 Jahre). Ignimbrite, Ascheablagerungen explosiver Ausbrüche und Lavaströme sind über ein Gebiet von 250 km² verbreitet. Auf dem Ostgipfel ist ein Vulkankrater von 250 Meter Durchmesser erhalten geblieben. Heute zeigt der Elbrus nur sehr schwache Anzeichen vulkanischer Aktivität, was sich in Solfataren in Gipfelnähe und in Thermalquellen äußert. Das Gefahrenpotential des Elbrus für seine Umgebung besteht im raschen Abschmelzen der massiven Eiskappe und der Entstehung von Lahars bei einer erneuten Zunahme der Aktivität.
Die Erstbesteigung des Ostgipfels erfolgte am 22. Juli 1829 durch den kabardinisch–tscherkessischen Hirten und Träger Kilar Chatschirow, der aus dem Lager des russischen Kavallerie-Generals Georgi Emmanuel (Kommandierender der russischen Kaukasustruppen und Leiter der Expedition) auf der Nordseite des Elbrus zum Gipfel aufstieg. Diese Besteigung wurde allerdings verschiedentlich angezweifelt.
Das Expeditionslager befand sich 10 Kilometer nördlich des Elbrus-Gipfels am Ufer des Flusses Malka. Das für heutige Nordbesteigungen genutzte Basislager liegt an der gleichen Stelle, die man die Emmanuel-Wiese nennt. Neben der militärischen Mannschaft (600 Infanteristen, 350 Kosaken, u. a. ausgerüstet mit zwei Kanonen) gehörte eine wissenschaftliche Abteilung zur Erforschung der Elbrus-Umgebung unter der Leitung des deutsch-baltischen Physikers Emil Lenz zu dieser Expedition. Ihn begleiteten der deutsch-baltische Mineraloge Adolph Theodor Kupffer, der russlanddeutsche Botaniker Carl Anton von Meyer und der französische Zoologe Édouard Ménétries. Carl Anton von Meyer lieferte zum ersten Mal Höhenangaben des Elbrus und seiner Umgebung.
Der Leiter der begleitenden Wissenschaftler-Gruppe, Emil Lenz, stieg bis zu einer Felsgruppe in 4800 Meter Höhe auf, die heute nach ihm Lenz-Felsen benannt ist. Kupffer schrieb an François Arago: „Lenz erreichte die letzte Stufe der Felsen, vom Gipfel sah er sich nur noch durch ein Schneefeld getrennt.“ Kupffer bezeichnete den einheimischen Erstbesteiger als „ein Tscherkesse Namens Krillar“, diese Zuordnung war aber in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts nicht immer eine eindeutige ethnische Zuordnung zu den sprachlichen Tscherkessen, sondern wurde oft noch als Sammelbezeichnung für Nordkaukasier verwendet.
Die Erstbesteigung des 5642 m hohen Westgipfels erfolgte am 26. Juli 1874 durch die Engländer Frederick Gardiner, Florence Crauford Grove, Horace Walker und den Schweizer Führer der Expedition, Peter Knubel aus St. Niklaus im Kanton Wallis. Die erste der heute üblichen Ski-Touren-Besteigungen erfolgte im Sommer 1914 am Vorabend des Ausbruchs des Ersten Weltkriegs durch Carl Egger und Guido Mischer (1887–1961).
Weitere erfolgreiche Besteigungen:
1868 Ostgipfel durch Francois Devouassoud mit Douglas W. Freshfield, A. W. Moore und C. C. Tucker
1891 durch Gottfried Merzbacher