An diesem Tag

Elard von Oldenburg-Januschau

Deutscher Großagrarier, Lobbyist und Politiker (Deutschkonservative Partei, DNVP), MdR

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Elard Kurt Maria Fürchtegott von Oldenburg-Januschau (* 20. März 1855 in Beisleiden, Kreis Preußisch Eylau; † 16. August 1937 in Marienwerder) war ein deutscher Großagrarier, Lobbyist und Politiker. Sowohl in der Zeit des Kaiserreichs als auch in der Weimarer Republik war er Reichstagsabgeordneter: Von 1902 bis 1912 als Mitglied der Deutschkonservativen Partei und von 1930 bis 1932 für die DNVP.

Er gilt in der historischen Forschung als eines der einflussreichsten Mitglieder der Kamarilla um den Reichspräsidenten Paul von Hindenburg, also jenes Kreises, der die Politik des deutschen Reiches in der Spätphase der Weimarer Republik maßgeblich bestimmte, und als eine Schlüsselfigur bei den Entwicklungen, die schließlich zur Ernennung Hitlers zum Reichskanzler führten.

Elard von Oldenburg, unter Hinzufügung des Besitznamens zunächst Elard von Oldenburg-Beisleiden, dann Elard von Oldenburg-Januschau genannt, wurde als Sohn einer ostelbischen Rittergutsbesitzerfamilie geboren, die seit dem 18. Jahrhundert in Ostpreußen ansässig war. Die Familie von Oldenburg entstammte dem bremischen Uradel und wurde erstmals 1247 urkundlich erwähnt. Der Urgroßvater war als junger Mann in den Dienst Friedrichs des Großen getreten und schließlich zu dessen Flügeladjutanten aufgestiegen. Nach dem Siebenjährigen Krieg nahm er seinen Abschied und heiratete die Adelige Dorothea von der Trenck.

Nach der Eheschließung war der Vorfahr nach Ostpreußen gezogen und hatte dort 1801 das Gut Beisleiden erworben. Oldenburg-Januschaus Vater Botho von Oldenburg (1814–1888) übernahm das Gut 1843 zur Bewirtschaftung. In erster Ehe war der Vater mit der Freiin Brunsig von Brun (1818–1845) verheiratet, mit der er drei Töchter und einen Sohn hatte, der früh starb. Aus seiner zweiten Ehe mit Maria von Arnim (1829–1868) entstammte der Sohn Elard. Er war der vierte Sohn aus dieser Verbindung. Die beiden ältesten Söhne starben schon als Kinder, während Elard und sein älterer Bruder im Elternhaus aufwuchsen. Im Jahre 1862 kaufte Elards Vater das östlich von Rosenberg gelegene heruntergewirtschaftete Gut Januschau im Kreis Rosenberg in Westpreußen (heute Gmina Susz) mitsamt dem spätklassizistischen Gutshaus aus dem 18. Jahrhundert, um seinem jüngsten Sohn einen landwirtschaftlichen Besitz hinterlassen zu können. Das Dorf Januszewo oder Januschau wurde 1312 erstmals erwähnt und erhielt 1362 die Handfeste. Nach dem Tod seiner zweiten Frau heiratete sein Vater 1869 die Gräfin Malwine Klara Marie von Eulenburg (1847–1917).

Der junge Oldenburg-Januschau besuchte die Schule in Königsberg, Halle und das Fürstlich-Stolberg’sche Gymnasium Wernigerode. Auch besuchte er von 1871 bis 1873, ohne Abschluss des Abiturs, die Ritterakademie zu Brandenburg. Dann wurde er Soldat Nach bestandenem Fähnrichsexamen trat er in das traditionsreiche 2. Garde-Ulanen-Regiment in Berlin ein, wo er 1875 zum Leutnant befördert wurde. Während der acht Jahre seines aktiven Militärdienstes lernte Januschau Kaiser Wilhelm I., Otto von Bismarck, Helmuth von Moltke und den Kriegsminister Albrecht von Roon persönlich kennen. Obwohl vom soldatischen Leben sehr angetan, nahm er 1883, zu diesem Zeitpunkt im Rang eines Seconde-Leutnants, nach dem frühen Tod seines älteren Bruders Boto (1852–1882) seinen Abschied, um sich der Verwaltung und Bewirtschaftung des Familienguts widmen zu können. Nach dem Tod des Vaters übernahm er im Jahre 1885 ebenso das Gut Beisleiden. Beisleiden war Fideikommiss und etwa 2044 ha groß. Sein Januschau mit Vorwerk Wilhelmswalde beinhaltete 1200 ha, davon 336 ha Wald. In Berlinnähe erwarb er später noch das Rittergut Lichterfelde, Kreis Ober-Barnim, Umfang 680 ha.

1884 heiratete Elard von Oldenburg-Januschau Agnes Gräfin von Kanitz. Aus der Ehe, die bis zu seinem Tod Bestand hatte, gingen drei Töchter hervor, die Elard ihrerseits achtzehn Enkel gebaren. Durch seine Heirat knüpfte er familiäre Bande zu einer der politisch einflussreichsten Familien des Kaiserreiches. Sein Schwager, der Landrat Hans von Kanitz – einer der bedeutendsten Parlamentarier seiner Zeit –, führte Januschau in die Politik ein und betrieb seine Aufnahme in den Kreis der konservativen Reichstagsabgeordneten. Elards Schwippschwager war der General Heinrich Graf von Lehndorff-Steinort, der Generaladjutant Wilhelms des I.

Im Jahre 1888 wurde er Ehrenritter des Johanniterordens, 1894 Rechtsritter und später Konventsmitglied der Preußischen Genossenschaft der Kongregation und deren stellvertretender Kommendator.

Politisches Wirken im Kaiserreich

Oldenburg-Januschau war einer der Führer der Deutschkonservativen. Der (von seinen Standesgenossen „Januschauer“ genannte) Politiker galt sowohl im Kaiserreich als auch in der Weimarer Republik als der Prototyp des urkonservativen, militaristischen, antidemokratischen und antiparlamentarischen ostelbischen Junkers.

Als einer der führenden Landwirte Westpreußens leitete v. Oldenburg-Januschau über zwei Jahrzehnte sowohl den Provinzialverband des „Bundes der Landwirte“ als auch die Westpreußische Landwirtschaftskammer. Seine Karriere führte ihn über den Kreistag, den Provinziallandtag und den Provinzialausschuss ins Preußische Abgeordnetenhaus (1901 bis 1910) sowie schließlich in den Reichstag, dem er von 1902 bis 1912 (für die Konservative Partei und den Reichstagswahlkreis Regierungsbezirk Danzig 1) und 1930 bis 1932 (für die DNVP gewählt im nunmehrigen Wahlkreis 1 Ostpreußen) als Mitglied angehörte. Er war wegen seiner radikal antiparlamentarischen und antidemokratischen Auffassungen bei seinen Mitparlamentariern und in der Öffentlichkeit berüchtigt. In den Gremien trat er mit seiner unkonventionellen, derben und humorvollen Art insbesondere für die Interessen der Landwirtschaft, des Militärs und des Hauses Hohenzollern ein. Insbesondere fiel er wegen der markigen Wortwahl, mit der er diese Ansichten kundtat, auf. Sein Lieblingsfeind im Parlament war August Bebel, der Parteivorsitzende der Sozialdemokraten. Mit Bebel lieferte er sich u. a. eine heftige verbale Auseinandersetzung über Sinn bzw. Unsinn des Stechschrittes der preußischen Soldaten, den Bebel als entmenschlicht kritisiert hatte. Während der Daily-Telegraph-Affäre stellte er sich als einziger Abgeordneter schützend vor den Kaiser und titulierte die Sozialdemokraten, die seine Rede störten, als „Schweinebande“. In weiteren aufsehenerregenden Ansprachen inner- und außerhalb des Parlaments äußerte Oldenburg-Januschau unter anderem, dass er den Deutschen gern „eine Verfassung einbrennen“ wolle, dass ihnen „Hören und Sehen vergehen“ würden.

Am 29. Januar 1910 sorgte er während der Reichstagsdebatte über den Militäretat reichsweit für großes Aufsehen, als er im Plenum des Reichstages in seiner Rede erklärte: „Der König von Preußen und der Deutsche Kaiser muß jeden Moment imstande sein, zu einem Leutnant zu sagen: Nehmen Sie zehn Mann und schließen Sie den Reichstag!“ Bei seinen konservativen Fraktionskollegen erregte er mit dieser provokativen Aufforderung zum direkten Verfassungsbruch lebhaften Zuspruch, bei den übrigen Parlamentariern hingegen – insbesondere bei den Sozialdemokraten – rief er energischen Protest hervor. Die Rede zog tumultartige Szenen im Parlament nach sich, sodass Oldenburg-Januschau sich genötigt sah, tagelang nicht im Reichstag zu erscheinen und sich vor der empörten Öffentlichkeit eine Zeitlang im Offizierskasino einer Kaserne zu verbergen (der „Volkszorn“ gegen Oldenburg-Januschau ging so weit, dass ein Mann, der fälschlicherweise für ihn gehalten wurde, vor dem Portal des Reichstages von einer aufgebrachten Menschenmenge attackiert wurde). In einigen Städten kam es sogar zu öffentlichen Protestversammlungen gegen Oldenburg-Januschau. Am 27. November 1910 legte er in diesem Zusammenhang sein Mandat in der preußischen Abgeordnetenkammer in Berlin nieder.

Neben seiner Tätigkeit als Reichstagsabgeordneter war Oldenburg-Januschau auch als Präsident der Westpreußischen Landwirtschaftskammer tätig. Die Bekanntschaft mit dem damals pensionierten General von Hindenburg ergab sich aufgrund der beiderseitigen Zugehörigkeit zum „Herrenklub“ der ostelbischen Gutsbesitzer. Die beiden pflegten bereits vor dem Ersten Weltkrieg freundschaftlichen Umgang miteinander.

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