An diesem Tag

Ejnar Mikkelsen

Dänischer Polarforscher und Autor

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Ejnar „Miki“ Mikkelsen (* 23. Dezember 1880 in Vester Brønderslev, Jütland; † 1. Mai 1971 in Kopenhagen) war ein dänischer Polarforscher und Autor. Er nahm an Expeditionen nach Grönland und Franz-Josef-Land teil und leitete weitere nach Alaska und Grönland. 1924 gründete er in Ostgrönland die Siedlung Ittoqqortoormiit (dänisch Scoresbysund).

Ejnar Mikkelsen wurde 1880 in Brønderslev (damals noch unter dem Namen Vester Brønderslev) als Sohn Aksel Mikkelsens, eines Schulreformers, der sich für die Einführung des Werkunterrichts nach schwedischem Vorbild an den dänischen Volksschulen einsetzte, und dessen Ehefrau Maren Nielsen Mikkelsen (1846–1934) geboren. Seine Schwester war die spätere Schriftstellerin und Übersetzerin Aslaug Mikkelsen Møller (1876–1964).

Ejnar war noch ein Kind, als die Familie nach Kopenhagen zog. An der Schule zeigte er mit Ausnahme des Geographieunterrichts wenig Interesse und verließ sie mit 13 Jahren. Nach einem gescheiterten Versuch, seine Ausbildung auf einer Privatschule fortzusetzen, erlaubte ihm sein Vater, die seemännische Laufbahn einzuschlagen, die er auf dem Schulschiff Georg Stage begann. Er wurde Schiffszimmermann und fuhr drei Jahre auf verschiedenen Schiffen nach Fernost. Der abenteuerlustige junge Mann träumte aber von der Teilnahme an einer Entdeckungsreise. 1896 bewarb er sich bei Salomon August Andrée, um an dessen Ballonfahrt zum Nordpol teilzunehmen, und 1898 bei Fridtjof Nansens Kapitän der Fram, Otto Sverdrup, der sich anschickte, eine mehrjährige Fahrt in die kanadische Arktis zu unternehmen. Mikkelsen wurde jeweils mit der Begründung abgewiesen, er sei zu jung. 1899 bestand er an der Seefahrtschule in Kopenhagen die Steuermannsprüfung. Nachdem auch eine Anfrage beim russischen Polarforscher Eduard von Toll abschlägig beschieden worden war, bekam Mikkelsen schließlich die Gelegenheit, an der Expedition des dänischen Marineoffiziers Georg Carl Amdrup nach Ostgrönland teilzunehmen.

Teilnahme an Amdrups Ostgrönlandexpedition 1900

An der Wende zum 20. Jahrhundert war die Küste Ostgrönlands bis zum 77. nördlichen Breitengrad grob vermessen. Zwischen 66 und 70° Nord klaffte aber eine etwa 800 km große Lücke, da die Eisdrift des Ostgrönlandstroms in der Dänemarkstraße beschleunigt und verdichtet wird und die Küste deshalb schwer zu erreichen ist. Mehrere Schiffe waren bereits gescheitert. 1833 war die französische Brigg La Lilloise unter Kapitän Jules de Blosseville (1802–1833) hier mit 80 Mann Besatzung spurlos verschwunden.

Dänemark war daran interessiert, in diesem Gebiet aktiv zu sein, um seine Besitzansprüche begründen zu können. Mit Geldern der Carlsberg-Stiftung wurde eine Expedition unter der Leitung von Leutnant Amdrup ausgerüstet, die den Küstenverlauf zwischen Ammassalik und dem Scoresbysund kartieren sollte. In den ersten zwei Jahren (1898–1899) arbeitete eine fünfköpfige Gruppe zwischen 65 und 67,5° Nord und legte Versorgungsdepots zur Vorbereitung der für den Sommer 1900 geplanten Bootstour entlang der Küste an. Mikkelsen nahm erst ab 1900 an der Expedition teil, die mit der Bark Antarctic versuchte, zum Scoresbysund vorzudringen. Das Schiff traf am 29. Juni auf das Packeis, musste aber weit nach Norden ausweichen, um schließlich bei Lille Pendulum eine Durchfahrt zu finden. Erst am 18. Juli konnten Amdrup, Mikkelsen, der Maat N. A. Jacobsen und der Handwerker Søren Nielsen am Kap Dalton, 110 km südwestlich des Scoresbysunds, ausgebootet werden. Nachdem eine Depothütte errichtet worden war, verließ die Antarctic Kap Dalton am 21. Juli, um unter dem Kommando des stellvertretenden Expeditionsleiters Nikolaj Hartz den Scoresbysund und den Kong Oscar Fjord zu erforschen.

Die Gruppe um Amdrup und Mikkelsen begann am 22. Juli ihre Reise zum 730 km entfernten Ammassalik. Im offenen Boot Aggas von 5,60 m Länge und mit einer Beladung von 1,6 Tonnen, bestehend aus Lebensmitteln für zweieinhalb Monate, einem Zelt, Waffen, Munition, Werkzeug, wissenschaftlichen Geräten usw., ruderten sie an der Küste entlang und wurden immer wieder von dichten Feldern aus Eisschollen und eingestreuten Eisbergen aufgehalten. In solchen Fällen bestiegen sie küstennahe Anhöhen und in Einzelfällen auch treibende Eisberge, um sich einen Überblick über die Eisverhältnisse zu verschaffen. Am 2. September erreichte die Gruppe nach einer erfolgreichen Fahrt Ammassalik. Die kartierte Küste von Kong-Christian-IX-Land wurde von Amdrup für die dänische Krone in Besitz genommen. Als Mikkelsen mit dem Rest der Expedition am 4. Oktober wieder Kopenhagen erreichte, hatte er seine erste Bewährungsprobe in der Arktis bestanden. Amdrup hatte ihm zu Ehren einer Bucht den Namen Miki Fjord gegeben.

Teilnahme an der Baldwin-Ziegler-Polarexpedition 1901–1902

1901–1902 nahm Mikkelsen an der Baldwin-Ziegler-Polarexpedition teil, deren Ziel es war, den geographischen Nordpol von Franz-Josef-Land aus zu überqueren und an der Ostküste Grönlands wieder in die Zivilisation zurückzukehren. Der US-Amerikaner Evelyn Baldwin hatte 1893–1894 in Nordwestgrönland als Meteorologe für Robert Peary gearbeitet, sich ebenso wie Mikkelsen um die Teilnahme an Andrées Ballonexpedition beworben und als Stellvertreter Walter Wellmans auf dessen gescheiterter Nordpolexpedition 1899 die Graham-Bell-Insel, die drittgrößte Insel Franz-Josef-Lands, entdeckt. Durch die Großzügigkeit William Zieglers (1843–1905), der mit Backpulver ein Vermögen gemacht hatte, standen Baldwin „unbegrenzte Mittel“ zur Ausführung seines Plans zur Verfügung. Das 42-köpfige Expeditionsteam verließ Norwegen an Bord der America im Sommer 1901 und errichtete ihr Winterlager auf der Alger-Insel. Sie verfügte über Proviant für drei Jahre, mehr als 400 Schlittenhunde und 15 Ponys. Zum geplanten Vorstoß zum Nordpol kam es nicht – Baldwin brach die Expedition im Juli 1902 ab und kehrte mit der America nach Norwegen zurück.

Mikkelsen nahm als Kartograf an der Expedition teil und überwinterte erstmals in der Arktis. Trotz ihres Misserfolgs war die Unternehmung für ihn aus zwei Gründen von Bedeutung: Die Versorgungsdepots, die Baldwin vor der grönländischen Küste auf der Insel Shannon und auf Bass Rock, einer der Pendulum Øer, anlegen ließ, retteten Mikkelsen zehn Jahre später das Leben. Außerdem freundete er sich mit Baldwins Geologen Ernest de Koven Leffingwell (1875–1971) an, mit dem er erste Pläne für eine gemeinsame Arktisexpedition schmiedete.

Leitung der Anglo-Amerikanischen Polarexpedition 1906–1908

Am Anfang des 20. Jahrhunderts war die Frage, ob es zwischen Alaska und Spitzbergen weitere Landmassen gibt, noch unbeantwortet. Anfang der 1870er Jahre hatte der amerikanische Walfang-Kapitän John Keenan (1835–1910) etwa 500 km nördlich von Point Barrow Land gesehen, das daraufhin auf einigen Karten der Arktis als Kennan Land (z. B. in Adolf Stielers Hand-Atlas von 1891) oder Keenan Land eingetragen war. 1904 trat der US-amerikanische Hydrograph Rollin Arthur Harris mit der Theorie von der Existenz eines arktischen Kontinents in der Nähe des Nordpols hervor, die auf Beobachtungen der Gezeiten und Meeresströmungen basierte, sich aber auch auf Keenans Bericht sowie Legenden der Eskimos stützte. Andere Wissenschaftler widersprachen Harris. So ging der angesehene norwegische Polarforscher Fridtjof Nansen von einem tiefen Meeresbecken in der Arktis aus. Mikkelsen hoffte, diese Frage klären und Keenan-Land – wenn es denn existierte – entdecken zu können. Dazu wollte er vom Kap Prinz Alfred der Banks-Insel in Richtung Westnordwest über das Meereis bis 76° Nord 145° West marschieren.

Die Finanzierung der Expedition stellte sich zunächst als schwierig dar, aber 1905 gelang es Mikkelsen, sich die Unterstützung der britischen Royal Geographical Society, des Verlegers William Heinemann (1863–1920) und der Duchess of Bedford zu sichern. Weitere Mittel warb sein Partner Leffingwell in den USA ein, den Mikkelsen am 25. Februar 1906 in Chicago traf. Die beiden verabredeten eine gemeinsame Leitung der Expedition, wobei Leffingwell die wissenschaftlichen Arbeiten verantworten, Mikkelsen die Führung während der Schiffs- und Schlittenreisen innehaben sollte. In Victoria, der Hauptstadt der kanadischen Provinz British Columbia, kauften sie den 1877 in Japan gebauten Schoner Beatrice, den sie in Duchess of Bedford umbenannten.

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