An diesem Tag

Ehrenfried Günther Freiherr von Hünefeld

Deutscher Flugpionier und Initiator des ersten Ost-West-Fluges über den Nordatlantik im Jahr 1928

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Ehrenfried Günther Freiherr von Hünefeld (* 1. Mai 1892 in Königsberg i. Pr.; † 5. Februar 1929 in Berlin) war ein deutscher Flugpionier und Dichter. Er initiierte den ersten Ost-West-Flug über den Nordatlantik mit der Junkers W 33 „Bremen“ im Jahr 1928.

Hünefeld begeisterte sich bereits als Jugendlicher für die Fliegerei. Im Ersten Weltkrieg, an dem er wegen seiner seit Jugendjahren angeschlagenen Gesundheit nicht als Flieger teilnehmen konnte, wurde er schwer an den Beinen verletzt. Später u. a. im diplomatischen Dienst bzw. Geheimdienst tätig, wurde er ab 1923 Pressereferent beim Norddeutschen Lloyd. Nach dem ersten Ost-West-Atlantikflug unternahm Hünefeld noch 1928 einen Aufsehen erregenden Ostasienflug. Außerdem trat er als Verfasser von Dramen und Gedichten in Erscheinung.

Hünefeld war so der Spross einer ursprünglich in Hünfeld bei Fulda ansässigen jüngeren briefadeligen Familie, die über Thüringen, Sachsen und Schlesien nach Ostpreußen gekommen war. Die Familie betrieb ab 1801 bei Puppen in der Johannisburger Heide die Glashütte Adamsverdruß. Ehrenfried Günthers Vater Julius Freiherr von Hünefeld war Offizier im ostpreußischen Grenadierregiment Kronprinz in Königsberg; zeitweilig besaß er das Gut Gehland bei Sensburg und später Braxeinswalde bei Tharau.

Julius Freiherr von Hünefeld heiratete in Eisenach Elsbeth Lachmann. Ehrenfried Günther war der jüngste von drei Söhnen des Paares. Der älteste Burder, Niklas Ehrenfried Ernst, starb bereits wenige Monate nach der Geburt, der nächstgeborene Sohn Hans wurde Mediziner. Die Familie lebte um 1910 in Berlin-Südende. Der Vater zuletzt Hauptmann a. D. und Ehrenritter des Johanniterordens.

Auf dem linken Auge war Ehrenfried Günther Freiherr von Hünefeld von Geburt an blind, und auf dem rechten Auge konnte er später nur mit Hilfe eines Monokels sehen. Seine frühe Kindheit verbrachte er zusammen mit seinem zwei Jahre älteren Bruder Hans in Eisenach bei Hulda Lachmann (geb. Levinstein), der Großmutter mütterlicherseits, die die Familie in Kontakt mit Künstlern wie dem Schriftsteller Walter Bloem und dem Schauspieler Emanuel Reicher brachte. Der Vater verkaufte das Gut Geland und die Familie siedelte nach Berlin-Südende über, wo sie ein Haus in der Hermannstraße bewohnte. Bereits ab dem 7. Lebensjahr verfasste von Hünefeld eigene Gedichte, die von früher Reife und Frömmigkeit zeugen. Er wurde im Elternhaus durch Hauslehrer Höhne unterrichtet und besuchte dann das Gymnasium in Steglitz, wo er sich sehr der Philosophie zuwandte. Als Kind war er bis auf den Sehfehler noch gesund und sportlich, er erhielt unter anderem auch Fechtunterricht. Er interessierte sich früh für politische Themen wie die russische Revolution, die er 1905 mit dem Gedicht „Die Revolution“ verarbeitete, und den Russisch-Japanischen Krieg. Zu dieser Zeit entwickelte er ein ausgeprägtes vaterländisches Bewusstsein, auch ausgedrückt durch seine Mitgliedschaft im Deutschen Flottenverein und seine Begeisterung für alles Militärische. Er schrieb später: „Über allem aber stand in vielen von uns, ja, ich kann wohl sagen, in den meisten, der Gedanke der Armee und der Erziehung im Heere; denn die deutsche Jugend von damals liebte nichts so sehr wie die Soldaten und sehnte sich danach, einmal selber den bunten Rock tragen zu können.“

Ab seinem 14. Lebensjahr wurde Hünefeld häufig schwer krank. Wegen einer Nephritis musste er mehrfach den Schulbesuch aussetzen und ging schließlich vorzeitig vom Gymnasium ab. Nach Privatunterricht absolvierte er dann noch die Primareife und hoffte, mit diesem Abschluss später Philosophie studieren oder einen Doktorgrad erlangen zu können.

Nach dem Ende seiner Schulzeit begann ein rastloses Leben. In den Morgenstunden begeisterte er sich für die Fliegerei auf dem Flugplatz Johannisthal bei Berlin, auf dem viele der Flugpioniere der ersten Stunde ihre Werkstätten hatten und wo er auch eine erste fliegerische Ausbildung erhielt. Das Fliegen mit kleinen Motorflugzeugen wie denen von Farman oder der Rumpler Taube war in Johannisthal nur in den frühen Morgenstunden möglich, da der Platz ab 8 oder 9 Uhr den ungleich größeren Zeppelinen vorbehalten war. Tagsüber besuchte er dann an der Berliner Universität Vorlesungen in Philosophie und Literaturgeschichte oder arbeitete als Dramaturg bei einem Bühnenverlag. Die Abendstunden und Nächte verbrachte er mit Flieger- und Literatenfreunden zumeist im Café Größenwahn am Kurfürstendamm, damals der zentrale literarische Treffpunkt der Stadt. Dort machte er unter anderem Bekanntschaft mit Maximilian Bern, in dessen Zeitschrift Zehnte Muse er erstmals veröffentlichte. Hünefeld sah sich zu dieser Zeit als Teil der Bohème und führte trotz seiner angeschlagenen Gesundheit ein exzessives Leben, das ihm den Beinamen „Der tolle Baron“ einbrachte. Über seinen damaligen Lebenswandel schrieb er: „Wir fliegen! Morgen für Morgen in Johannisthal. Der Schlaf der Nächte? Wer jung ist, braucht keinen Schlaf. Und die Arbeit des Tages – wozu gibt es Zigaretten?; sie halten wach.“

Bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges am 1. August 1914 meldete sich Hünefeld sofort als Kriegsfreiwilliger, wurde aber zunächst zu einer ärztlichen Untersuchung am 5. August gedrängt, bei der er wegen seiner schlechten Gesundheit aufgrund einer gerade überstandenen Rippenfellentzündung ausgemustert wurde. Der Vater brachte ihn dann beim Roten Kreuz unter, wo es Hünefeld aber nur zwei Tage hielt. Da es in Lankwitz ein Freiwilligen-Kraftfahrerkorps gab, das jeden Nicht-Militärpflichtigen mit eigenem Kraftrad nahm, lieh er sich kurzentschlossen ein Motorrad, absolvierte binnen fünf Tagen in Eilkursen den Führerschein und zog als Kradmelder Ende August 1914 an die Westfront. Hünefeld zeichnete sich durch einige gewagte Fahrten aus und kam bei der raschen Auflösung des Freiwilligen-Korps in Offiziersstellung ohne bestimmten Rang zum Stab der Marinedivision bei Mechelen. Dort wurde er bei einer Meldefahrt am 30. September 1914 durch Schrapnelle schwer verwundet. Verletzungen an beiden Beinen fesselten den jungen Mann beinahe ein Jahr ans Bett und führten zu einer bleibenden Gehbehinderung, da sein rechtes Bein um vier Zentimeter verkürzt war. Aus tiefer Dankbarkeit, dass er seine Beine überhaupt behalten konnte, widmete er seinen ersten Gedichtband „Kleine Liedlein“ von 1916 dem behandelnden Mediziner, Prof. Lerer. Zehn Jahre später ließ sich Hünefeld aus dem Oberschenkel des längeren Beines einen Teil des Knochens entfernen, um die Gehbehinderung zu mildern. Das entnommene Knochenstück diente ihm daraufhin als Knauf seines Gehstockes.

An eine weitere militärische Laufbahn war angesichts seiner Behinderung nicht mehr zu denken und er verwarf weitere Pläne, als Kraftfahrer an die Front zurückzukehren. Stattdessen leitete er für eine Hilfsorganisation die Aufführung eines Theaterstücks zu Gunsten von türkischen Kriegsblinden. Über diesen Auftrag unter der Schirmherrschaft der Herzogin von Meiningen kam er in Kontakt mit dem Auswärtigen Amt, das ihn zu diplomatischen Missionen während einer Balkan-Konzertreise eines deutschen Opernorchesters mit Prof. Carl Clewing, Kammersängerin Emmi Leisner und Thomaskantor Karl Straube verpflichtete.

Ende 1916 wurde Hünefeld in den diplomatischen Dienst übernommen. Er erhielt eine Einarbeitung in der Berliner Passabteilung und kam dann zum deutschen Konsulat nach Maastricht, wo er Vizekonsul wurde. In dieser Position nahm er geheimdienstliche und propagandistische Aufgaben im Rahmen der Spionageabwehr gegenüber Belgien wahr. Von der englischen Presse wurde er später einer der gefährlichsten Männer des deutschen Geheimdienstes genannt.

Für den kaisertreuen Hünefeld war es jedoch ein herber Schlag, am 10. November 1918 den abgedankten Kaiser Wilhelm II. bei seinem Grenzübertritt in Eysden zu sehen. Als er am 12. November auch den befreundeten Kronprinzen Wilhelm offiziell im niederländischen Exil begrüßen musste, legte Hünefeld sein Amt nieder. Er blieb anderthalb Jahre beim Kronprinzen in Holland im Pfarrhaus von Wieringen auf einer Insel im Wieringermeer. Von dort veröffentlichte er seinen Gedichtband Insel der Verbannung sowie Aufsätze zu politischen Themen in verschiedenen Zeitungen.

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Ehrenfried Günther Freiherr von Hünefeld | World in Stories