Edwin van der Sar (* 29. Oktober 1970 in Voorhout, heute zu Teylingen) ist ein ehemaliger niederländischer Fußballtorhüter. Er begann seine Profikarriere Anfang der 1990er Jahre bei Ajax Amsterdam und gewann dort vier niederländische Meisterschaften (1994, 1995, 1996 und 1998), dreimal den KNVB-Pokal (1993, 1998 und 1999) sowie 1992 den UEFA-Pokal und 1995 die Champions League. Im Jahr 1999 wechselte er ins Ausland und nach einer zweijährigen Zwischenepisode in Italien bei Juventus Turin fand er ab 2001 in der englischen Premier League seine neue sportliche Heimat. Dabei feierte er vor allem ab 2005 bis zu seinem Karriereende 2011 mit Manchester United große Erfolge. Dazu zählten erneut vier nationale Titel (2007, 2008, 2009 und 2011), darüber hinaus zwei Ligapokalausgaben (2006 und 2010) sowie 2008 als größte Errungenschaft erneut die Champions League.
Van der Sar nahm mit der niederländischen Nationalmannschaft an drei Weltmeisterschaften (1994, 1998 und 2006) und vier Europameisterschaften (1996, 2000, 2004 und 2008) teil und war bis zum 9. Juni 2017 mit 130 Einsätzen Rekordnationalspieler von „Oranje“. Er galt als einer der besten Fußballtorhüter seiner Zeit und aufgrund seiner technisch-fußballerischen Fertigkeiten als Prototyp eines modernen und „mitspielenden“ Torhüters.
Seine Karriere begann van der Sar bei Foreholte, einem Verein in Voorhout. Von dort wechselte er zu VV Noordwijk und erst im Alter von 18 Jahren geriet er in den Fokus von Ajax Amsterdam. Van der Sars Onkel Kees Guyt hatte zuvor in Volendam mit Frans Hoek in einer Mannschaft gespielt und da Hoek mittlerweile Torwarttrainer in Amsterdam war, empfahl Guyt seinen Neffen. Hoek überredete den damaligen Jugendkoordinator Louis van Gaal, der gleichzeitig mit van der Sars Trainer befreundet war, zu einer Reise nach Noordwijk. Zu sehen war ein groß gewachsener schmaler Junge, der wenig dem Typus eines kräftigen Torhüters wie Hans van Breukelen ähnelte, der zu diesem Zeitpunkt hoch im Kurs stand. Sein originäres Torwartspiel war unscheinbar, aber ihn zeichnete die Besonderheit aus, dass er über außergewöhnliche fußballerische Qualitäten verfügte.
In seinem ersten Jahr kam van der Sar unter dem damaligen Cheftrainer Leo Beenhakker auf neun Ligaeinsätze in der Saison 1990/91, wobei er seinen ersten Einsatz am 23. April 1991 gegen Sparta Rotterdam absolvierte. Im Jahr darauf saß er auf der Ersatzbank, während sein Team im Finale mit Stanley Menzo zwischen den Pfosten gegen Torino Calcio den UEFA-Pokal gewann. Als sich Menzo zu Beginn der Spielzeit 1992/93 einige Fehler erlaubte, beförderte van Gaal van der Sar zum neuen Stammtorhüter. Ein großer Vorteil war für ihn dabei die Einführung der Rückpassregel, bei der der Weltfußballverband FIFA ab 1992 vorschrieb, dass Torhüter den Ball bei einem kontrollierten Rückspiel mit dem Fuß nicht mehr in die Hand nehmen durften. Dadurch änderte sich schlagartig das Anforderungsprofil eines Torwarts, da er nun häufiger Konfliktsituationen mit fußballerischer Technik zu lösen gezwungen war. Van der Sars Fähigkeit als „mitspielender Torwart“ nutzte er auch so, dass er sich häufig weit aus seinem Gehäuse herauszuwagen begann, um die eigene Hälfte mitzuverteidigen und vor allem gegnerische Steilpässe abzufangen bzw. sie derart zu verhindern, dass der Gegner auf die Außenpositionen gezwungen wurde.
Van der Sars Torwartspiel war innovativ und mitentscheidend für eine außergewöhnliche Erfolgsserie von Ajax Amsterdam in den 1990er-Jahren. Er gewann mit dem Klub die niederländische Meisterschaft in den Jahren 1994, 1995, 1996 und 1998, den KNVB-Pokal in den Jahren 1993, 1998 und 1999, sowie 1995 die Champions League, den Weltpokal und den Europäischen Supercup. 1996 erreichte er mit seinem Team wieder das Finale der Champions League, das man im Elfmeterschießen mit 2:4 gegen Juventus Turin verlor. Während der Spielzeit 1997/98 erzielte van der Sar seinen einzigen Treffer im Profifußball: Im Spiel in Doetinchem bei De Graafschap steuerte er per Elfmeter ein Tor zum 8:1-Sieg bei. Es war das dritte Elfmetertor von Ajax zum 8:0-Zwischenstand; zuvor hatten bereits Jari Litmanen und Ronald de Boer ihre Strafstöße verwandelt.
Ende Mai 1999 machte er nach insgesamt 226 Ligaeinsätzen für Ajax Amsterdam das vorzeitige Ende seines eigentlich bis Sommer 2001 laufenden Vertrags bekannt. Ziel war der italienische Spitzenklub Juventus Turin, bei dem er unter anderem seinen alten Mannschaftskameraden Edgar Davids wiedertraf. Bei „Juve“ sollte er die Nachfolge von Angelo Peruzzi antreten, der wie Trainer Marcello Lippi zu Inter Mailand wechseln sollte. Als weitere Interessenten an van der Sar waren zuvor Manchester United (als neuer Nummer 1 nach dem Weggang von Peter Schmeichel) sowie Lazio Rom und der FC Liverpool gehandelt worden.
Als erster ausländischer Stammtorhüter von Juventus Turin verbrachte van der Sar eine gute erste Saison 1999/2000 in der neuen Umgebung. Bereits zu Beginn gewann er mit Juve den UI Cup und auch in der Serie A lief es gut, als beinahe ein Rekord von ungeschlagenen Partien in Serie gebrochen worden wäre. Insgesamt kassierte er am Ende lediglich 19 Gegentore in 32 Ligaspielen, musste aber schließlich miterleben, wie Lazio Rom im Meisterschaftsduell noch vorbeizog.
Das zweite Jahr verlief dann unglücklich. Bereits zu Beginn der Saison 2000/01 unterliefen ihm einige Fehler, wozu besonders ein Gegentreffer nach einem eher harmlosen Weitschuss von Marcelo Salas im erneuten Duell mit Lazio Rom gehörte. Des Weiteren kassierte er in der Champions League einen unglücklichen Treffer gegen Paulo Sousa von Panathinaikos Athen und „Juve“ schied als Tabellenletzter mit zwölf Gegentoren bereits in der Gruppenphase aus. Auch in der Meisterschaft hatte man wieder das Nachsehen gegen einen Verein aus Rom, wobei nun Lazios Stadtrivale AS Rom den Titel gewann. Dabei hatte van der Sar im wichtigen Duell gegen Rom erneut Pech, als ein 2:0-Vorsprung noch mit einem 2:2 endete. Dabei konnte er einen Schuss des eingewechselten Hidetoshi Nakata nur abklatschen und ermöglichte so dem bereitstehenden Vincenzo Montella den „Abstauber“ zum Ausgleich.
Juventus verstärkte sich im Sommer 2001 hochkarätig mit dem italienischen Nationaltorhüter Gianluigi Buffon und so war klar, dass van der Sars Tage in Turin gezählt waren.
Zwei Wochen vor Beginn der Spielzeit 2001/02 wechselte van der Sar für die vereinsinterne Rekordablösesumme von sieben Millionen Pfund zum FC Fulham nach London. Die „Cottagers“, die gerade erst in die Premier League aufgestiegen waren, hatten sich seit dem Einstieg des Mäzens Mohamed Al-Fayed erheblich verstärkt und unter dem französischen Trainer Jean Tigana ging es mit hohen Erwartungen in die neue Saison. Wenig überraschend war van der Sar von Beginn an Stammtorhüter in Fulham und nach anfänglichen Schwierigkeiten bei gegnerischen Eckbällen, als er sich an die teilweise ruppigere Spielweise in England gewöhnen musste, stand er mit Ausnahme des letzten Spieltags und des Ligapokals in allen Partien zwischen den Pfosten. Dabei wurden gleichsam seine präzisen Abschläge geschätzt, mit denen er häufig Gegenangriffe einleitete, als auch seine Stärken im „Eins-gegen-eins“. Dazu hielt er im heimischen Duell mit Newcastle United gegen den ansonsten sicheren Schützen und englischen Nationalstürmer Alan Shearer einen Elfmeter. Im Sommer 2002 gewann er mit Fulham seinen zweiten UI Cup, was dem Verein wiederum die Teilnahme am UEFA-Pokal ermöglichte – dort scheiterte das Team in der dritten Runde an Hertha BSC. Im Dezember 2002 verletzte er sich in Newcastle dann derart schwer am Fuß, dass er vier Monate pausieren musste.
In der Saison 2003/04 war er nach seiner Genesung wieder der gewohnte Rückhalt seiner Mannschaft, verpasste nur ein Premier-League-Spiel und zeigte besonders beim späteren ungeschlagenen Meister FC Arsenal (0:0) Expertenmeinungen zufolge eine Weltklasseleistung. Auf weiter konstant hohem Niveau absolvierte er sein viertes und letztes Jahr in Fulham, hielt gegen West Bromwich Albion und die Blackburn Rovers weitere Strafstöße und musste sich nur gelegentlich von der „Nummer 2“ Mark Crossley vertreten lassen.