An diesem Tag

Edward Snowden

US-amerikanisch-russischer Whistleblower und ehemaliger Geheimdienstmitarbeiter

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Edward Joseph „Ed“ Snowden (* 21. Juni 1983 in Elizabeth City, North Carolina) ist ein US-amerikanisch-russischer Whistleblower. Seine Enthüllungen im Sommer 2013 gaben Einblicke in das Ausmaß der weltweiten Überwachungs- und Spionagepraktiken von Geheimdiensten – überwiegend jenen der Vereinigten Staaten und des Vereinigten Königreichs, aber auch derer vieler weiterer Staaten, darunter Deutschland. Die Enthüllungen lösten die Globale Überwachungs- und Spionageaffäre (auch „NSA-Affäre“) aus.

Für seine Enthüllungen wurde er mehrfach von nichtstaatlichen Organisationen ausgezeichnet. Im Jahr 2014 erhielt er den Ehrenpreis des Right Livelihood Award. Um sich der strafrechtlichen Verfolgung in den USA zu entziehen, lebt Snowden seit 2013 im Exil in Moskau, weil er kein Asyl in westlichen Staaten bekam. Im September 2022 erhielt er die russische Staatsbürgerschaft.

Edward Snowden ist ein ehemaliger Agent, der als technische Fachkraft für die US-amerikanischen Geheimdienste CIA, NSA und DIA gearbeitet hat. Bis Mai 2013 arbeitete er im Auftrag der NSA als Systemadministrator für das Beratungsunternehmen Booz Allen Hamilton im Kunia Regional SIGINT Operations Center. Im Rahmen seiner Tätigkeit hatte er Zugang zu Informationen, die als streng geheim eingestuft waren, u. a. über US-amerikanische Programme zur Überwachung der weltweiten Internetkommunikation (XKeyscore, PRISM, Stellarwind (als Teil des PSP und Boundless Informant)) sowie das noch umfassendere britische Überwachungsprogramm Tempora. Snowden übermittelte diese Informationen an die Filmemacherin Laura Poitras und an den Guardian-Journalisten Glenn Greenwald, der sie im Juni 2013 ohne Angabe einer Quelle in Teilen veröffentlichte.

Im Juni 2013 gab Snowden in Hongkong seine Identität gegenüber der Öffentlichkeit preis; das FBI erwirkte mit einer Strafanzeige u. a. wegen Spionage einen Haftbefehl gegen ihn. Snowden konnte Hongkong verlassen, saß dann aber für längere Zeit im Transitbereich eines internationalen Flughafens in Moskau fest. Während seines dortigen Aufenthalts wurde auf diplomatischer Ebene über den Umgang mit ihm gestritten. Anfang August 2013 erhielt Snowden von Russland Asyl. In Deutschland wird Snowden von dem Menschenrechtsanwalt Wolfgang Kaleck vertreten. Im Oktober 2015 empfahl das Europäische Parlament den Mitgliedstaaten, alle Vorwürfe gegen Snowden fallen zu lassen und ihm als Menschenrechtler Schutz zu gewähren.

Edward Snowden wuchs zunächst in Wilmington, North Carolina, auf. 1992 zog er mit seiner Familie nach Ellicott City, Maryland. Snowden, der noch eine ältere Schwester hat, ist der Sohn eines ehemaligen Beamten der US-Küstenwache und einer leitenden Angestellten des United States District Court des Bundesstaates Maryland.

Snowden besuchte die Arundel High School, erkrankte an Pfeiffer-Drüsenfieber und verpasste fast neun Monate Unterricht. Statt das 10. Schuljahr zu wiederholen und so einen Schulabschluss zu erlangen, belegte er von 1999 bis 2001 und von 2004 bis 2005 Informatik-Kurse am Anne Arundel Community College in Maryland. Zwischen den beiden Kursen meldete er sich 2003 zur U.S. Army, um im Irak-Krieg zu dienen. Snowden verbrachte vier Monate in der United States Army Reserve, wo er als Rekrut der US-amerikanischen Special Forces einen 14-wöchigen Trainingskurs absolvierte. Diesen konnte er nicht beenden, da er ausgemustert wurde, nachdem er sich bei einem Trainingsunfall beide Beine gebrochen hatte. Während der zweiten Phase seines Studiums arbeitete er ab 2004 als Wachmann für eine NSA-Einrichtung an der University of Maryland. 2005 brach er sein Informatikstudium ab.

Noch im Jahr 2005 wechselte Snowden zum Geheimdienst CIA, bei dem er als Techniker im Bereich der IT-Sicherheit aufgrund seines Talents relativ schnell aufsteigen konnte. 2007 entsandte ihn die CIA im Rahmen dieser Tätigkeit an die diplomatische Vertretung der USA in Genf. Wegen seiner Sicherheitseinstufung habe er, so Snowden, bereits zu dieser Zeit in großem Umfang Zugriff auf geheime Dokumente und Informationen gehabt. Da diese aber vor allem Menschen und nicht Systeme betrafen und er keine Menschenleben habe gefährden wollen, habe er von einer Veröffentlichung abgesehen. Nach Angaben von US-Regierungsvertretern vom Oktober 2013 fiel Snowdens Verhalten seinem Vorgesetzten bereits 2009 auf, als er im Rahmen seiner Arbeit für die CIA in Genf versuchte, Zugriff auf geheime Dateien zu erlangen. Demnach entschloss sich die CIA daraufhin, Snowden in die USA zurückzuschicken, was jedoch ansonsten keine weiteren Konsequenzen hatte. Anschließend arbeitete er zunächst als freier technischer Mitarbeiter bei Dell in einer NSA-Einrichtung auf einer Basis der U.S. Army in Japan.

Noch im Jahr 2009 wechselte Snowden zu der Beratungsfirma Booz Allen Hamilton, über die er als externer Mitarbeiter in einem NSA-Büro auf Hawaii als Systemadministrator tätig war. Sein dortiges Leben vor der Veröffentlichung der PRISM-Dokumente bezeichnet Snowden als „sehr komfortabel“. Er habe einen sicheren Job und ein Haus auf Hawaii gehabt sowie ein Jahresgehalt von etwa 122.000 US-Dollar (ca. 108.000 Euro) erhalten. Sein Spitzenverdienst in der Zeit davor habe bei 200.000 US-Dollar (ca. 177.000 Euro) pro Jahr gelegen.

Die Absicht, die Überwachungsmaßnahmen aufzudecken, sei ausschlaggebend gewesen, als er den Job als IT-Techniker bei der Beratungsfirma Booz Allen Hamilton angenommen habe, die im Auftrag des US-Geheimdienstes NSA an der Internet-Überwachung beteiligt war, zitierte ihn die Hongkonger Zeitung South China Morning Post. Zweifel an der Rechtmäßigkeit seiner Arbeit sind Snowden nach eigenen Angaben bereits im Jahr 2007 gekommen. Im Rahmen dieser Tätigkeit bei Booz Allen Hamilton habe er als Techniker auch Zugriff auf jene geheimen Unterlagen gehabt, die er später kopiert und an die Presse weitergegeben habe. Mit der Begründung „Verstöße gegen die Firmenrichtlinien und ethische Firmenpolitik“ beendete Booz Allen Hamilton nach deren Veröffentlichung das Arbeitsverhältnis mit Snowden und versprach den ermittelnden Behörden, bei der Aufklärung mitzuwirken.

Am 1. August 2013 erhielt Snowden von Russland Asyl. Im August 2014 gab Snowdens Anwalt Anatoli Grigorjewitsch Kutscherena bekannt, dass Snowden eine Aufenthaltserlaubnis für drei Jahre in Russland bekommen werde. Seither lebt er in einer Wohnung in Moskau. 2017 heiratete er seine langjährige Freundin Lindsay Mills, die ein Jahr zuvor ebenfalls nach Moskau gezogen war. Im Oktober 2020 erhielt er eine unbefristete Aufenthaltserlaubnis. Ende Dezember 2020 wurden Snowden und Mills Eltern eines Sohnes.

Edward Snowden ist seit Januar 2014 Mitglied des Board of Directors der Freedom of the Press Foundation. Snowden absolviert zahlreiche Auftritte per Liveübertragung. Am 29. September 2015 ging zudem ein Twitter-Account in seinem Namen öffentlich in Benutzung.

Enthüllung geheimdienstlicher Überwachungsprojekte

Zugriff auf Geheimdokumente und deren Veröffentlichung

Ab 2009 war Snowden bei der dem Geheimdienst NSA nahestehenden Beratungsfirma Booz Allen Hamilton als externer IT-Mitarbeiter in einem NSA-Büro auf Hawaii tätig. Im Rahmen dieser Tätigkeit hatte er Zugang zu umfangreichen, unter top secret eingestuften Daten und Geheimdokumenten der NSA, so auch zu Dokumenten, die sich auf die bis dahin der Öffentlichkeit noch nicht bekannten Programme zur Überwachung der weltweiten Internetkommunikation bezogen. Nachdem Snowden anonym bereits im Januar 2013 die Dokumentarfilmerin Laura Poitras und im Februar 2013 den Journalisten Glenn Greenwald kontaktiert hatte, soll er angeblich 1,7 Mio. Dateien auf SD-Karten kopiert und die Kopien mit zu sich nach Hause genommen haben. Mitte Mai meldete er sich dann unter dem Vorwand, eine Art Epilepsie, von der er kurz zuvor erfahren habe, behandeln zu lassen, „für ein paar Wochen“ bei seinem NSA-Vorgesetzten ab. Am 20. Mai 2013 flog Snowden schließlich nach Hongkong. Von dort aus habe er die geheimen Dokumente zunächst an die Washington Post und an den Guardian verschickt, die die Geschichte am 6. Juni 2013 schließlich öffentlich gemacht und Teile der geheimen Dokumente veröffentlicht haben, zunächst ohne Snowdens Identität preiszugeben. Für seine E-Mails verwendete Snowden den Absender citizenfour – eine Bezeichnung, die der 2014 veröffentlichte Dokumentarfilm von Laura Poitras als Titel übernahm. Da Snowden ahnte, dass die US-amerikanischen Geheimdienste ihn rasch als Quelle identifizieren würden, entschloss er sich, an die Öffentlichkeit zu gehen. Am 9. Juni gab er dem Guardian ein Video-Interview, in dem er sich als Informant zu erkennen gab.

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