Edward Bruce, 1. Earl of Carrick (mittelirisch Edubard a Briuis; * um 1280; † 14. Oktober 1318 bei Faughart bei Dundalk) war ein schottischer Adliger und Militär. Als fähiger Militär unterstützte er seinen Bruder Robert, als dieser sich während des schottischen Unabhängigkeitskriegs die schottische Krone erkämpfte. Sein späterer Versuch, mit Hilfe seines Bruders Irland zu erobern und sich zum Hochkönig von Irland zu erheben, scheiterte aber völlig.
Edward Bruce entstammte der schottischen Familie Bruce, die in Südschottland und Nordengland umfangreiche Besitzungen besaß. Er war wahrscheinlich der dritt- oder viertälteste Sohn von Robert de Brus, Earl of Carrick und dessen Frau Marjorie, Countess of Carrick. Vermutlich benannte sein Vater ihn nach dem englischen König Eduard I. Über Edwards Kindheit ist fast nichts bekannt, außer dass er zeitweise bei einer befreundeten irischen Familie aufwuchs. Vermutlich verbrachte er wie seine älteren Brüder Robert und Neil einen Teil seiner Kindheit bei befreundeten gälischen Familien in Südwest- und Westschottland. Nachdem der schottische König Alexander III. ohne überlebende Söhne gestorben war, beanspruchte sein Großvater Robert de Brus den schottischen Thron. 1292 wurde jedoch John Balliol bestimmt. Als es 1296 zum Krieg zwischen Schottland und England kam, stand Edwards Vater auf englischer Seite. Der junge Edward gehörte während des Kriegs in Schottland 1304 als Esquire zum Gefolge des Prince of Wales, des englischen Thronfolgers.
Unterstützung der Rebellion seines Bruders Robert
Edwards Bruder Robert ermordete im Februar 1306 John Comyn of Badenoch und erhob sich als Erbe seines Großvaters im März zum König der Schotten. Damit rebellierte er offen gegen die Herrschaft des englischen Königs Eduard I. in Schottland. Edward wurde rasch in diesen Kampf verwickelt und unterstützte wie seine Geschwister den Bruder. Nach dem Dichter John Barbour soll Robert ihn vor dem Mord als Boten zu John Comyn geschickt haben, während nach anderen Angaben dies die Brüder Thomas und Alexander waren. Das Aufgebot von Robert Bruce wurde im Juni 1306 von englischen Truppen in der Schlacht bei Methven geschlagen. Robert flüchtete mit seiner Familie nach Westschottland und vermutlich weiter auf die Hebriden oder nach Irland. Bis Februar 1307 fielen die Brüder Neil, Thomas und Alexander in die Hände der Engländer und wurden hingerichtet, womit Edward der einzige überlebende Bruder von Robert wurde. Vermutlich gehörte Edward zu den engsten Unterstützern von Robert, als dieser im Sommer 1307 in Südschottland einen Kleinkrieg gegen die Engländer führte. Nach dem Tod von Eduard I. im Juli 1307 kehrte dessen Sohn und Nachfolger Eduard II. im September nach England zurück. Damit ließ der Druck auf die schottischen Rebellen nach, worauf Robert Bruce einen erfolgreichen Feldzug gegen seine Gegner in Nordschottland führte. Möglicherweise nahm Edward an dem Feldzug teil und führte das Aufgebot Ende 1307 gegen den Earl of Buchan, als Robert erkrankt war. Vermutlich hatte er ab Herbst 1307 ein Heer unter den Bewohnern der schottischen Westküste aufgestellt. Unterstützt von Donald of Islay, griff Edward mit diesem Heer ab dem 21. Juni 1308 die Gegner von Robert im südwestschottischen Galloway an. In einem kurzen, brillanten und grausamen Feldzug überrannte Edward die Region. Das Gebiet wurde geplündert, wobei viele Bewohner getötet oder in die Flucht getrieben wurden. Angeblich konnte er ein überlegenes Heer der Engländer und ihrer schottischen Verbündeten am Cree oder Dee besiegen. Der Adlige Dungal Macdowell konnte mit seiner Familie flüchten, zahlreiche andere Adlige wurden getötet. Da jedoch eine Reihe von Burgen in Galloway weiter in englischer Hand waren, zog sich Edward nach Norden zurück, dabei eroberte er Rutherglen Castle. Nach Dezember 1308 konnte Edward dazu Bothwell Castle erobern.
Dienst als Militär im Krieg gegen England
Im März 1309 nahm Edward am Parlament seines Bruders in St Andrews teil, das diesen als König bestätigte. Dabei wurde Edward als Lord of Galloway bezeichnet, obwohl die Region weiterhin umkämpft war. Dort kämpfte Edward in den nächsten Jahren weiter gegen die Engländer, doch nicht er, sondern Thomas Randolph wurde zum führenden Militär und Berater von Robert I. Randolph wurde zum Stellvertreter des Königs ernannt und 1312 zum Earl of Moray erhoben. Edward Bruce wurde zwar vor Oktober 1313 zum Earl of Carrick erhoben, doch sein Besitz war wesentlich bescheidener und mit weniger Privilegien bedacht als der von Moray. Nach Barbour soll Edward Bruce Anfang April 1312 Dundee erobert haben, doch wahrscheinlich spielte er dabei nur eine kleinere Rolle, denn die Stadt ergab sich zu Bedingungen, die die Einwohner nach einer Belagerung mit Robert I. vereinbart hatten. Mit der Eroberung von Dumfries Castle konnte Edward Bruce im Februar 1313 die Eroberung von Galloway abschließen. Nachdem James Douglas Ende Februar 1314 in einem Überraschungsangriff Roxburgh Castle erobert hatte, beauftragte Robert I. seinen Bruder Carrick, die Befestigungen zu schleifen, damit die Burg den Engländern nicht mehr als Stützpunkt dienen konnte. Ab dem 16. April 1314 überfiel Carrick mit einer Streitmacht das nordenglische Cumberland, nachdem diese Region mit den vereinbarten Lösegeldzahlungen in Verzug geraten war. Die Schotten brannten Städte und Dörfer nieder, ermordeten die Bewohner und raubten das Vieh. Nach Barbour soll Carrick im Frühjahr 1313 erfolglos Stirling Castle belagert haben. Dabei soll er die Belagerung aufgegeben haben, nachdem die Besatzung zugesagt hätte, sich bis zum 24. Juni 1314 zu ergeben, falls die Burg nicht von einem englischen Heer entsetzt würde. Diese Frist soll zum englischen Feldzug im Frühsommer 1314 und zur Schlacht von Bannockburn geführt haben, doch diese Darstellung gilt als überholt. Tatsächlich belagerte ein schottisches Heer erst ab März oder April 1314 die Burg, und Carrick übernahm nach seinem Raubzug nach Cumberland die Leitung der Belagerung. Dann schloss er vermutlich im Mai 1314 einen Waffenstillstand mit der Besatzung unter der Bedingung, dass sie sich bis zum 24. Juni ergeben würde, falls sie keinen Entsatz erhalten würde. Zu dieser Zeit liefen aber bereits längst die Vorbereitungen für den englischen Feldzug. Gegen den englischen Angriff stellte Robert I. ein schottisches Heer auf, das in drei Bataillone gegliedert war. Carrick war der Kommandant des Bataillons, gegen das sich am 23. Juni in der Schlacht von Bannockburn der Hauptangriff der Engländer richtete. Die als Schiltron aufgestellte schottische Streitmacht hielt dem Ansturm der englischen Ritter aber erfolgreich stand, doch über die Rolle von Carrick in der Schlacht ist außer seinem Kommando nichts bekannt. Erst um den 1. August 1314 war er zusammen mit Douglas Führer einer großen schottischen Streitmacht, die Northumberland plünderte, Lösegeld vom County Durham erpresste und dann weiter plündernd oder Lösegeld erpressend über Nordwestengland nach Schottland zurückkehrte.
Potentieller Nachfolge seines Bruders
Nach der Schlacht von Bannockburn wurde der gefangen genommene englische Earl of Hereford gegen die seit 1306 in englischer Gefangenschaft befindliche Elizabeth de Burgh, die Frau von Robert I., und seine Tochter Marjorie aus seiner ersten Ehe ausgetauscht. Da Robert I. bislang keinen ehelichen Sohn hatte, regelte er nun auf einer Ratsversammlung am 27. April 1315 in Ayr seine Nachfolge im Falle seines Todes. Danach sollte, falls er ohne überlebenden Sohn starb, Carrick sein Nachfolger werden. Sollte er einen minderjährigen Sohn hinterlassen, so sollte für diesen aber nicht Carrick, sondern Moray die Regentschaft übernehmen. Zu dieser Zeit verhandelte Edward bereits mit den Häuptlingen und Kleinkönigen von Ulster, die traditionell Beziehungen nach Westschottland besaßen und sich im Kampf gegen die englische Herrschaft in Irland befanden. Die Versammlung von Ayr billigte vermutlich die Entscheidung von Carrick, mit einer schottischen Armee nach Irland zu ziehen, wo er sich zum Hochkönig erheben und die Engländer aus dem Land treiben wollte.