An diesem Tag

Edward Atkinson

Britischer Antarktisforscher und Marinearzt

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Edward Leicester Atkinson (* 23. November 1881 auf St. Vincent; † 20. Februar 1929 im Mittelmeer) war ein britischer Parasitologe, Arzt bei der Royal Navy und Polarforscher. Er gehörte zur wissenschaftlichen Mannschaft der Terra-Nova-Expedition in die Antarktis unter der Leitung von Robert Falcon Scott von 1910 bis 1913. Bei dieser Forschungsreise erhielt er in Scotts Abwesenheit das Kommando über die Expeditionsbasis und führte die Gruppe an, die schließlich das Zelt mit den Leichen Scotts, Henry Bowers’ und Edward Wilsons fand. Atkinson wurde später zur Last gelegt, Scotts Order zum Einsatz der Schlittenhundegespanne zur Rettung der Südpolgruppe missachtet zu haben und für die Skorbuterkrankung einiger Expeditionsteilnehmer verantwortlich zu sein.

Atkinson kam als Sohn eines englischen Finanzbuchhalters und dessen Frau auf der Karibik-Insel St. Vincent zur Welt. Seine Schulzeit verbrachte er von 1895 bis 1900 an der Forest School in Walthamstow und absolvierte bis 1906 ein Medizinstudium am St Thomas’ Hospital in London, wo er zudem als Halbschwergewichtsmeister im Boxen in Erscheinung trat. 1908 trat er als Arzt in die Royal Navy ein, bei der er im Royal Naval Hospital in Gosport stationiert war. Im Rahmen medizinischer Forschungsarbeiten verfasste er eine Abhandlung über gonorrhoischen Rheumatismus.

siehe Hauptartikel: Terra-Nova-Expedition

Nach einem hauptsächlich mit wissenschaftlicher Arbeit verbrachten Winter brach Atkinson am 31. Oktober 1911 mit Scotts Team nach Süden auf und blieb während der Fahrt über die Barriere und der Besteigung des Beardmore-Gletschers bei der Gruppe, zunächst als Ponyführer und später als Schlittenzieher. Am 22. Dezember kehrte er am Gipfel des Gletschers bei 85° 7’ Süd mit der ersten Unterstützungsgruppe zur Basis zurück, wo er nach einer im Wesentlichen problemlosen Reise am 29. Januar 1912 ankam.

Atkinson hatte von Scott mündliche Order über den zukünftigen Gebrauch der Hunde der Expedition erhalten, die vor dem Aufstieg auf dem Beardmore-Gletscher zur Basis zurückgekehrt waren. Mit dieser Order beauftragte er Atkinson, dafür zu sorgen, dass die Hunde im Februar zum One Ton Depot gebracht wurden und „mit dem (Hundefutter-)Depot, das beim One Ton Depot gelegt wurde, so weit wie möglich zu kommen“ – wohl, um die zurückkehrende Polargruppe zu treffen und ihr zu helfen. Dieser Auftrag wich von Scotts früheren Befehlen ab (siehe unten), und der Mangel an ausdrücklicher Intention in der neuen Order sollte später zu Problemen führen.

Nach seiner Rückkehr nach Kap Evans übernahm Atkinson das Kommando. Dort erfuhr er, dass der leitende Hundeführer, Cecil Meares, die Expeditionsarbeit niedergelegt hatte, auf das Schiff wartete, das ihn heimbringen sollte, und für Arbeit auf der Barriere „nicht verfügbar“ war. Atkinson entschloss sich also, Scotts jüngsten Auftrag selbst auszuführen und die Hunde zum Depot zu bringen. Zu diesem Zweck befanden sich er und der Hilfshundeführer Dimitri Gerow am 19. Februar am Hut Point, als Thomas Crean zu Fuß von der Barriere her kam und berichtete, dass Leutnant Edward Evans ernsthaft krank in einem Zelt etwa 55 Kilometer südlich liege und dringend Hilfe brauche. Atkinson entschied schnell, dass diese Mission wichtiger sei, und brach mit den Hunden auf, um Evans nach Hut Point zu holen. Dies gelang, die Gruppe kehrte am 22. Februar zurück.

Evans war fähig, Atkinson weitere Änderungen an den Aufträgen betreffend der Hunde mitzuteilen – Scott wollte, dass sie auf 82 oder 83° Süd gebracht würden, in der Hoffnung, dass sie dort Mitte Februar die Polargruppe treffen könnten. Atikinsons Hauptinteresse war jedoch das Wohlergehen seines Patienten, und er entschied, bei Evans zu bleiben. Die Aufgabe, die Hunde und Vorräte in Übereinstimmung mit Scotts früherem Befehl ins One Ton Depot zu bringen, fiel also Apsley Cherry-Garrard zu, wobei die letzte über Evans empfangene Order entweder vergessen wurde oder als unpraktisch eingeschätzt wurde. Atkinson dachte noch immer nicht an die Möglichkeit, dass Cherry-Garrards Fahrt eine Rettungsmission sein könnte, und wiederholte Scotts Anweisung, dass die Hunde nicht aufs Spiel gesetzt werden dürften. Cherry-Garrard brach am 26. Februar mit Gerow und den Hunden auf. Er führte zusätzliche Rationen mit sich, die für die Polargruppe im Depot eingelagert werden sollten. Sie stießen nicht weiter südlich vor als bis zum One Ton Depot, und nachdem sie dort mehrere Tage lang auf Scott gewartet hatten, kehrten sie am 16. März in schlechtem physischem Zustand und ohne Neuigkeiten von der Polargruppe nach Hut Point zurück.

Mittlerweile stieg die Besorgnis um das Wohlergehen jener Gruppe, und am 26. März brach Atkinson mit Patrick Keohane und ohne Hunde zu einem weiteren Versuch auf, nach Anzeichen für Scotts Rückkehr Ausschau zu halten. Sie konnten nur bis zum Corner Camp vordringen, bevor das Wetter sie am 30. März zur Umkehr zwang. An diesem Punkt hielt Atkinson fest: „Bei mir war ich sicher, dass die Polargruppe umgekommen war.“

Vor dem vollständigen Einbruch des Winters leitete Atkinson einen Rettungsversuch für die Nordgruppe, von der man seit ihrem Aufbruch mehr als ein Jahr zuvor nichts mehr gehört hatte. Die Rettungsgruppe brach am 17. April in Hut Point auf, konnte allerdings nicht weiter vorstoßen als bis zum Butter Point an der Zunge des Ferrar-Gletschers. Der folgende Winter am Kap Evans war eine schwierige und angespannte Zeit für die dezimierte Expeditionsmannschaft, doch Atikinson hielt ein Programm von wissenschaftlichen und Freizeitaktivitäten aufrecht und konnte so die Moral erhalten. Als der Winter endete, stand man vor einem Dilemma: Sollte man zuerst das Schicksal der Südgruppe aufklären oder einen erneuten Versuch wagen, die Nordgruppe zu retten? Sie wählten die erstere Option.

Am 29. Oktober 1912 führte Atkinson eine Gruppe mit Hunden und Maultieren, um die Suche nach Spuren der Polargruppe aufzunehmen. Am 12. November wurde das Zelt mit den Leichen Scotts, Wilsons und Bowers’ entdeckt, 18 Kilometer südlich des One Ton Depot. Atkinson fand Scotts Tagebuch und erfuhr den Hergang des Todes der Männer; er las dann den versammelten Männern die relevanten Abschnitte vor, darunter auch jene, die den Tod von Bootsmann Evans und Oates zum Thema hatten. Ein weiterer Marsch nach Süden auf der Suche nach der Leiche Oates’ brachte lediglich seinen Schlafsack zu Tage. Bei der Rückkehr nach Hut Point am 25. November erfuhr die Gruppe von der sicheren Heimkehr der Nordgruppe. Hier übernahm Victor Campbell als dienstältester Offizier das Kommando.

Während er in der kritischen Periode von Februar bis März 1912 das Kommando innehatte, musste Atkinson Scotts variierende Instruktionen über den Einsatz der Hunde nach der Überquerung der Barriere interpretieren und ausführen. Scotts ursprüngliche Anweisungen, die „niemals geändert wurden“, besagten, dass die Hunde für wissenschaftliche Fahrten im folgenden Jahr geschont und „nicht riskiert“ werden sollten. In seinen Anweisungen an George Simpson und Cecil Meares direkt vor seiner Abfahrt nach Süden ordnete Scott jedoch an, dass die Hunde nach ihrer Rückkehr von der Polarreise, wo sie die Polargruppe ein Stück weit begleiten sollten, eingesetzt würden, „um zum One Ton Camp 5 “XS„-Rationen zu transportieren oder auf jeden Fall 3, … und so viel Hundefutter, wie sie tragen können“. Diese Arbeit sollte bis zum 12. Januar 1912 erledigt sein. Der einzige offensichtliche Zweck der Bitte um ein Depot mit Hundefutter für den 12. Januar am One Ton Depot ist, den Hunden später eine Weiterfahrt nach Süden zu ermöglichen und den zurückkehrenden Polarreisenden Unterstützung zu gewährleisten. Fatalerweise legte Scott seine Pläne nicht weiter dar (noch wurde er darum gebeten; es war eine Marineexpedition); doch vielleicht sah er bereits in dieser frühen Phase voraus, dass er die Hunde benötigen würde, um sicher nach Hause zu kommen. In der Praxis wurden die XS-Rationen zwar deponiert, das Hundefutter jedoch kam niemals an. Dies könnte auf ein Versehen, ein Missverständnis, Kommunikationsprobleme oder Ungehorsam zurückzuführen sein (siehe unten). Die Bedeutung dieser Unterlassung wurde erst später offensichtlich – sie bedeutete, dass jeglicher zukünftige Einsatz von Hunden südlich des Depots, für Rettungszwecke oder anderes, zumindest problematisch sein würde.

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