An diesem Tag

Eduard Stadtler

Deutscher Politiker (DNVP, NSDAP), MdR, Publizist und Gründer einiger antikommunistischer Organisationen

Anúncio

Eduard Stadtler (* 17. Februar 1886 in Hagenau, Reichsland Elsaß-Lothringen; † 5. Oktober 1945 im sowjetischen Speziallager Sachsenhausen) war ein rechtsradikaler deutscher Politiker und Publizist. 1918 gründete er die Antibolschewistische Liga und andere antikommunistische Organisationen, in denen er einen nationalen Sozialismus propagierte. Putschpläne, mit denen er sich 1923 zum Diktator erheben lassen wollte, scheiterten. In der Folgezeit gab er eine jungkonservative Zeitschrift heraus und engagierte sich im Stahlhelm, Bund der Frontsoldaten. Von 1932 bis 1933 war er Mitglied des Reichstages. Er war für die DNVP gewählt worden, trat aber im Mai 1933 der Fraktion der NSDAP bei. 1936 bis 1939 wurde er von der Gestapo überwacht, seine Bücher verboten, sein Verlag aufgelöst.

Kaiserreich und Erster Weltkrieg

Eduard Stadtler wurde in Hagenau im Reichsland Elsaß-Lothringen als Sohn des Joseph Stadtler und dessen Ehefrau Catharina Stadtler geborenen Debua geboren. Er besuchte die katholische Volksschule seines Heimatortes und später eine Schule in Belfort, wo er das französische Baccalauréat bestand. In Hagenau machte er sein deutsches Abitur. Er studierte in Graz und Straßburg und bestand 1910 das Staatsexamen für höheres Lehrfach. In dieser Zeit war er mit dem späteren Reichskanzler Heinrich Brüning befreundet, mit dem er sich aber später zerstritt. Wie dieser engagierte sich Stadtler in der Zentrumspartei. Von 1910 an war er als Lehrer tätig und arbeitete gleichzeitig an seiner Dissertation, mit der er bei Martin Spahn zum Dr. phil. promoviert wurde. Als ihm 1912 seitens der Schulbehörde fehlerhafte Heftkorrekturen vorgeworfen wurden, verließ er den Schuldienst, um eine politische Karriere einzuschlagen, und wurde Herausgeber der Mitgliederzeitschrift der Windthorstbünde, der Jugendorganisation der Zentrumspartei. 1913 sprach er sich in öffentlichen Vorträgen für die Wehrvorlage aus, mit der eine weitere Aufrüstung des Kaiserreichs ermöglicht wurde. Nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges veröffentlichte er eine patriotische Broschüre.

1915 meldete er sich als Kriegsfreiwilliger. Von der Westfront, wo man ihn zunächst eingesetzt hatte, wurde er bald wieder abgezogen, da die Armeeleitung Zweifel an der nationalen Zuverlässigkeit des elsässischen Regiments hatte, in dem er diente. 1916 wurde er an die Ostfront versetzt und geriet nach wenigen Wochen in russische Kriegsgefangenschaft. Hier genoss er erhebliche Freiheiten, lernte Russisch und Türkisch, gab Privatunterricht und beobachtete fasziniert die Ereignisse der Russischen Revolution, die im März 1917 ausbrach. Nach dem Frieden von Brest-Litowsk aus der Kriegsgefangenschaft entlassen, begab er sich im Mai 1918 nach Moskau, wo er eine Anstellung in der deutschen Botschaft erhielt. Im August 1918 kehrte er nach Deutschland zurück.

Im Dezember 1918 gründete er die Antibolschewistische Liga, deren erster Leiter er wurde. Mit großzügigen Spenden deutscher Industrieller versehen, konnte er weitere antikommunistische Organisationen aufbauen, so zum Beispiel das 1919 gegründete Generalsekretariat zum Studium und zur Bekämpfung des Bolschewismus. Stadtler war auch Vorstand der Vereinigung für nationale und soziale Solidarität (Solidarier), die 1918 von Heinrich von Gleichen initiiert worden war und aus der 1924 der Deutsche Herrenklub hervorging. Er war auch Mitglied des jungkonservativen Juniklubs. Zu seinem elitären Kreis aus exponierten nationalen Unternehmern, Politikern und Intellektuellen gehörten u. a. Karl Helfferich, Simon Marx, Adam Stegerwald, Franz Röhr, Heinrich von Gleichen-Rußwurm, Arthur Moeller van den Bruck, Otto Strasser, Franz von Papen und Hugo Stinnes. Stadtler wurde auch Mitglied der ähnlich elitären und einflussreichen Gesellschaft zum Studium des Faschismus.

Von Herbst 1918 bis Frühjahr 1919 entfaltete Stadtler in Deutschland eine rastlose Agitation gegen den Bolschewismus, den er als die größte Gefahr ansah. Als Gegenmittel propagierte er einen „deutschen“, „nationalen“ oder „christlich-nationalen“ Sozialismus, im Gegensatz zum „Klassenkampf-Sozialismus“ der Marxisten. Ziel seines politischen Denkens war eine hierarchisch gegliederte „Volksgemeinschaft“. Stadtler sprach sich für ein Ende des Kapitalismus aus, an dessen Stelle und gleichzeitig als Gegenmodell zum Sowjet-Kommunismus er eine „elitär–egalitäre und militarisierte Sozialformation […] als Basis einer erneuten imperialen Machtentfaltung nach außen“ errichten wollte. Sich selbst sah er als Volkstribun an der Spitze dieses Projekts. Dabei verzichtete er aber auf alle antisemitischen Untertöne.

Am 10. Januar 1919 hielt Stadtler in den Räumen des Aero-Klubs von Berlin einen Vortrag über den „Bolschewismus als Weltgefahr“ vor 50 hochrangigen Teilnehmern der deutschen Industrie-, Handels- und Bankenwelt, darunter Hugo Stinnes, Albert Vögler, Siemens, Otto Henrich (Siemens-Schuckert-Konzern), Ernst von Borsig, Felix Deutsch (AEG) und Arthur Salomonsohn (Disconto-Gesellschaft). Organisiert hatte die Veranstaltung der Direktor der Deutschen Bank Paul Mankiewitz. Stadtler berichtete in seinen 1935 erschienenen Memoiren, die Vertreter der deutschen Wirtschaft hätten daraufhin 500 Millionen Reichsmark in einen Antibolschewistenfonds gespendet, aus dem sich in der Folgezeit antikommunistische Aktivitäten von Versammlungen über Publikationen bis zur Aufstellung von Freikorps finanziert worden seien. Diese Angaben werden von dem amerikanischen Sozialhistoriker Gerald D. Feldman bezweifelt, der schätzt, der Fonds habe von jedem anwesenden Wirtschaftsführer fünf Millionen Reichsmark erhalten.

Ebenfalls im Januar 1919 warnte er Reichswehrminister Gustav Noske (SPD) eindringlich vor den Gefahren des Bolschewismus und glaubte später, Noskes hartes Vorgehen bei der Niederschlagung des Spartakusaufstands ginge auf seinen Einfluss zurück. In seinen Memoiren behauptet Stadtler auch, er habe am 12. Januar 1919 Kommandeur Waldemar Pabst von der Garde-Kavallerie-Schützen-Division im Eden-Hotel zur Ermordung von Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg animiert. Diese Angaben haben keinen Eingang in neuere Darstellungen zu den Ereignissen des Januar 1919 gefunden. Gerd Koenen lässt in seiner Darstellung offen, ob Stadtlers Gespräch mit Pabst wirklich stattgefunden hat, laut dem Historiker André Postert ist weder der Anteil der Antibolschewistischen Liga an der Ermordung Liebknechts und Luxemburgs geklärt noch ist künftig eine Klärung zu erwarten.

Um nicht nur negativ zu erscheinen (sein Spitzname war „Dr. Anti“), benannte Stadtler im Februar 1919 seine Liga in Liga zum Schutz der deutschen Kultur um. Mit seinen Vorschlägen, wie man die verhasste Republik beseitigen und wodurch man sie ersetzen sollte, geriet Stadtler jedoch in Konflikt mit seinen Geldgebern. So wollte er den Parlamentarismus mit einem Rätesystem aushebeln und sprach sich für einen „militärischen Sozialismus, Sozialismus der deutschen Zukunft“ aus. Um Deutschland vor den Westmächten und dem Marxismus zu retten, wollte er die politischen Leidenschaften breiter Volksmassen in einer Levée en masse entfesseln. All das weckte bei der Industrie die Besorgnis, ob sie unter diesen Umständen ihr Eigentum würden sichern können. Ende März 1919 wurde Stadtler aus der Führung der Liga zum Schutz der deutschen Kultur gedrängt. 1919 gründete Stadtler zusätzlich eine Vereinigung für parteifreie Politik. Deren Gründungsaufruf mit dem Titel „Die Diktatur der sozialen Revolution“ nennt der Historiker Gerd Koenen ein „Dokument galoppierenden Größenwahns“. Weder mit der Vereinigung noch mit der Liga zum Schutz der deutschen Kultur fand er Unterstützer unter den politisch einflussreichen Persönlichkeiten Deutschlands.

Während der Diskussionen um die Friedensbedingungen des Versailler Vertrags, die Deutschland im Mai 1919 ultimativ zur Unterschrift vorgelegt wurden, nahm Stadtler Kontakt mit Außenminister Ulrich von Brockdorff-Rantzau auf. Gemeinsam entwickelten sie die Überlegung, die Unterschrift zu verweigern, einen Einmarsch der Truppen der Siegermächte hinzunehmen und in den sich daraus entwickelnden Unruhen, nicht zuletzt mit dem Drohbild einer weltweiten Ausbreitung des Bolschewismus, doch noch bessere Friedensbedingungen zu erreichen. Brockdorff-Rantzau wollte Stadtler sogar in die deutsche Delegation in Versailles aufnehmen, drang damit aber nicht durch und trat kurz darauf zurück. Mit einem Putsch wollte er, wie er in seinen Memoiren behauptete, mit Hilfe von Freikorps und Bürgerwehren mit einer „Nein-Welle der Nation […] eine Ja-Regierung einfach wegfegen helfen“. Angeblich waren unter anderem so prominente Personen wie Stinnes, Adam Stegerwald, Walther von Lüttwitz, Arthur Moeller van den Bruck, Martin Spahn und Heinrich v. Gleichen eingeweiht. Es kam aber nichts dabei heraus.

Anúncio

Bald in der World in Stories App

Audio, Offline-Download, keine Werbung und mehr.

Premium entdecken
Eduard Stadtler | World in Stories