An diesem Tag

Edgar Julius Jung

Deutscher Jurist, Politiker und Publizist (1894-1934)

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Edgar Julius Jung, Pseudonym Tyll, (* 6. März 1894 in Ludwigshafen am Rhein; † 30. Juni oder 1. Juli 1934 in Berlin oder in einem Wald bei Oranienburg) war ein deutscher Jurist, nationalistischer Politiker und antidemokratischer Publizist. Er gilt als Vertreter eines nicht-nationalsozialistischen Rechtsradikalismus in der Weimarer Republik, der später als Konservative Revolution bezeichnet wurde. Jung organisierte 1924 die Ermordung des Präsidenten der Autonomen Pfalz Franz Josef Heinz. 1934 wurde er im Rahmen der Röhm-Affäre von Nationalsozialisten ermordet.

Jugend und Ausbildung (1894 bis 1922)

Jung wuchs in Ludwigshafen in bürgerlichen Verhältnissen auf. Sein Vater Wilhelm Jakob Jung war zunächst Volksschullehrer und danach Studienprofessor am Mädchenlyzeum in Ludwigshafen. Jung besuchte dort erst die Volksschule, dann das humanistische Gymnasium. Zu Ostern 1913 bestand er die Reifeprüfung. Nach zwei Studienreisen durch Süd- und Westeuropa begann er im Wintersemester 1913/1914 das Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Lausanne. Dort besuchte er Vorlesungen des Soziologen Vilfredo Pareto, dessen Elitelehre großen Einfluss auf Jungs spätere Ideen einer rangstufig gegliederten Gesellschaft haben sollte.

Mit Ausbruch des Ersten Weltkrieges 1914 kehrte Jung aus der Schweiz nach Ludwigshafen zurück und meldete sich als Kriegsfreiwilliger bei der Bayerischen Armee. Am 7. August 1914 wurde er dem 3. Chevaulegers-Regiment „Herzog Karl Theodor“ zugeteilt und kam nach der militärischen Grundausbildung am 21. April 1915 an die Westfront. In den zwei Folgejahren wurde Jung als Infanterist und Spähtruppführer sowohl in Frankreich als auch im Stellungskrieg in Flandern verwendet. Am 7. September 1915 erfolgte seine Beförderung zum Unteroffizier und am 21. November 1915 zum Wachtmeister der Reserve. Zum 21. April 1917 wechselte Jung zur Feldartillerie. Am 23. Mai 1917 wurde er zur 38. leichten Munitionskolonne bei der II. Bayerischen Trainabteilung kommandiert. Mit dieser Einheit nahm er an den Kämpfen von Aisne-Champagne, bei Reims, vor Verdun und auf der Vaux-Kreuz-Höhe teil. Hierfür erhielt er am 16. Oktober 1917 das Eiserne Kreuz 2. Klasse und wurde am 24. November 1917 zum Leutnant der Reserve befördert.

Während eines Heimaturlaubs erkrankte Jung schwer und verbrachte von Januar bis Mai 1918 seine Zeit im Vereinslazarett der BASF in Ludwigshafen. Aus dem Lazarett meldete er sich zur Fliegertruppe und wurde am 1. Juni 1918 dorthin zugeteilt. Es folgte eine Ausbildung zum Piloten an der Flieger-Beobachterschule im bayerischen Schleißheim, an der Artilleriefliegerschule Ost I im kurländischen Groß-Auz und an der Flieger-Schieß-Schule im belgischen Asch. Das Kriegsende erlebte Jung am 9. November 1918 im Armeeflugpark C in Kitzingen, ohne als Flieger zum Einsatz gekommen zu sein. Jung wurde am 21. November 1918 aus dem Militärdienst entlassen.

Nach dem Krieg wurde er Mitglied des Freikorps Epp und nahm an der Niederschlagung der Münchner Räterepublik im Frühjahr 1919 teil.

1919 setzte Jung sein Studium der Rechtswissenschaften in Würzburg (Zwischensemester) fort, wechselte das Sommersemester 1919 nach Heidelberg und zum Wintersemester 1919/1920 zurück nach Würzburg, wo er am 28. Januar 1920 seinen Abschluss mit der Ersten Juristischen Staatsprüfung machte. Zur Promotion wurde Jung am 15. Dezember 1919 zugelassen. Seine Dissertation ist bis heute verschollen. Als Dr. jur. et rer. pol. wurde er am 31. März 1921 promoviert. Die Große Juristische Staatsprüfung legte er im Sommer 1922 ab und trat am Ende des Jahres als Rechtsanwalt in Zweibrücken in die Kanzlei Albert Zapfs, damals Abgeordneter der nationalliberalen Deutsche Volkspartei (DVP) im Reichstag, ein. Im Dezember desselben Jahres heiratete er Wilhelmine Küffner, Tochter eines Brauereidirektors. Aus der Ehe gingen zwei Kinder hervor, Joachim Friedrich (* 1923) und Christa (1928–2003).

Die Betätigung als Jurist sah Jung als „Brotberuf“ an, der ihm in den frühen 1920er Jahren ermöglichte, in einem mit „fanatischem Eifer betriebenen Selbststudium“ sein Wissen auf den Gebieten Philosophie, Geschichte, Literatur und Volkswirtschaft zu vertiefen. Die politisch-sozialen Anschauungen, die Jung in dieser Zeit entwickelte und denen er bis 1933 treu blieb, fasste Rainer Orth wie folgt zusammen: „antidemokratisch, antiparlamentarisch, antiliberal und antikapitalistisch.“

Zusammen mit seinem Vater und seinem Bruder Friedrich trat Jung in der Jahreswende 1919/1920 in die DVP ein. Dort avancierte er, gefördert durch Albert Zapf und aufgrund seiner Eloquenz, zum „Aufkärungsredner“ und wurde 1921 in den Vorstand der DVP aufgenommen. Ab 1922 konzentrierte sich Jung auf den Aufbau der pfälzischen Jugendgruppe der DVP, in der er bald den Rang des geistigen und politischen Führers einnahm.

Aktivitäten in der Pfälzischen Widerstandsbewegung (1923 bis 1924)

Die Pfalz war wie der Großteil des linken Rheinufers im Dezember 1918 als Folge des Ersten Weltkrieges von französischen Truppen besetzt worden. Als Frankreich seine Politik seit 1922 auf die Förderung separatistischer Bestrebungen und Abspaltung der Pfalz als autonomer Staat ausrichtete, radikalisierte sich Jung. Ende 1922 begann er, die DVP-Jugend in Abwehrzirkeln gegen die französischen Besatzungstruppen in der Pfalz zu organisieren. Zusammen mit seinem Bruder Friedrich und seinem gleichaltrigen Schulfreund Otto Graf gründete Jung im März 1923 den geheimen „Rheinisch-Pfälzischen Kampfbund“, auch als „Organisation Jung“ bekannt, der sich die gewaltsame Entfernung der französischen Besatzung zum Ziel gesetzt hatte und ab 1923 gewaltsame Aktionen gegen den von Frankreich unterstützten pfälzischen Separatismus plante und ausführte. Dazu gehörten Anschläge auf Eisenbahnstrecken, die Zerstörung von Telefonleitungen oder die Brandstiftung in Fabriken, in denen für die Franzosen gearbeitet wurde. Einer der wichtigsten Gruppen innerhalb der „Organisation Jung“ war die Gruppe um den Kaiserslauterer Direktor der Süddeutschen Discontobank, Rudolf Emmerling. Die Gegenbewegung zu den separatistischen Bestrebungen in der Pfalz hatte ihr organisatorisches Zentrum in Bayern. Die Anti-Separatisten wurden von der damaligen bayerischen Regierung finanziell, aber auch praktisch erheblich unterstützt. So wurde die „Organisation Jung“ in einem Bericht der bayerischen Regierung als „das einzige wirksame Mittel“ beschrieben, „Putsche von Separatisten abzuwehren.“ Beim Aufbau eines Netzwerks aus Aktivisten und der Zusammenstellung freiwilliger Kampfverbände für den Fall einer Eskalation war Jung einer der emsigsten Akteure der antiseparatistischen Organisationen.

In dieser Zeit knüpfte Jung wichtige Kontakte. Er lernte Heinrich Brüning und Werner Best kennen und suchte Adolf Hitler im Januar 1923 auf, um ihn zu bewegen, die antiseparatistische Bewegung zu unterstützen. Hitler hatte andere Prioritäten und lehnte die Unterstützung kategorisch ab. Aufgrund dieser Begegnung stand Jung der Person Adolf Hitlers mit bleibender scharfer Ablehnung („ein gesinnungsloser Lump und ein brutaler Egoist“, wie Rainer Orth sein Hitlerbild charakterisiert) und Gegnerschaft gegenüber. Friedrich Graß, ein großer Bewunderer Jungs, erinnerte sich, dass Jung Gesinnungsfreunden, darunter ihm selbst und Otto Leibrecht, die mit dem Gedanken spielten, Hitler zu unterstützen, im September 1923 mit drastischen Worten abriet: Er habe Hitler um Hilfe gebeten, doch dieser habe sich nicht mit den Franzosen anlegen wollen, weil er erst die Juden aus Deutschland hinaustreiben müsse. Hitler sei ein Phantast.

Nachdem die französische Besatzungsverwaltung von Jungs Aktivitäten Kenntnis erhalten hatte, wurde er am 12. April 1923 von den französischen Behörden mit Wirkung bis 1930 aus der Pfalz ausgewiesen. Zuerst zog er mit seiner Familie nach Mannheim und im Sommer 1923 nach Feldafing, wo er sich als Anwalt in München niederließ.

Jungs Kampf gegen den pfälzischen Separatismus erreichte seinen Höhepunkt zum Jahreswechsel 1923/1924, als sich die Ausrufung eines autonomen pfälzischen Staates durch Franz Josef Heinz abzeichnete. In München traf Jung auf den ebenfalls aus der Pfalz ausgewiesenen Walter Antz aus Zweibrücken, der im Bayerischen Staatskommissariat für die Pfalz für die Separatistenabwehr zuständig war. Antz beauftragte Jung mit der Vorbereitung, Organisation und Leitung eines Anschlages auf Franz Josef Heinz. Um die Finanzierung kümmerte sich Antz selbst. Im Zusammenspiel mit dem Bund Oberland und der Organisation Consul organisierte Jung einen zwölfköpfigen Kommandotrupp, der das Attentat auf den als Verräter bezeichneten Heinz durchführen sollte. Einige der Männer für die Aktion wurden von Hermann Ehrhardt zur Verfügung gestellt.

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